Vernünftigerer Ibiza: Test Seat Arona 1.6 TDI (115 PS)

Es gibt Einfacheres, als einen kompakten Crossover zu bauen, der neben aller Alltagstauglichkeit auch noch gut aussieht. Seat zeigt beim neuen Arona, wie es geht: Coolness und eine Bandscheiben-schonende Sitzposition müssen sich nicht ausschließen. Wir sind den neuen Arona 1.6 TDI mit 115 PS rund ums verregnete Barcelona Probe gefahren!

Seat baut noch vor VW-Derivaten auf MQB A0
Seat nennt den Arona den kleinen Bruder des Ateca. Das mag von der Optik und seiner Gattung her stimmen, technisch steht ist er aber der große Burder des Ibiza. Dass sowohl Ibiza als auch Arona vor den entsprechenden Volkswagen Modellen (neuer Polo und zukünftiger T-Cross) kommen, liegt am Seat Stammwerk Martorell: Dort hat man schon vor einigen Jahren finanziell und technisch in die Linie 1 investiert, um hier als erster im Konzern auf dem MQB A0 bauen zu können.

Seat Arona Xcellence in Nevada Weiß & Pirineos Grey mit 18 Zoll Felgen

 

Farbkombis und Styling lassen die Höhe kaum auffallen
Unser Arona trägt die Ausstattungsvariante Xcellence, sozusagen die elegante Entsprechung zur sportlichen und gleich bepreisten FR. 68 Farbkombinationen sind möglich, wir haben uns für Nevada Weiß mit Pirineos Grey entschieden. Das Dach kommt entweder in Wagenfarbe oder in den Kontrastfarben Pirineos Grey, Orange oder Schwarz. Maximal passen 18-Zoll Felgen in die Radkästen (was wir in unserem Fall auch montiert haben) und drei Zahlen unterscheiden den Arona explizit vom Ibiza: Er ist 8 Zentimeter länger, die Sitzposition ist um 5 Zentimeter höher – das Dach ganze 10 Zentimeter höher. Außerdem ist die Bodenfreiheit um 1,5  Zentimeter höher als im Ibiza. Am ein oder anderen Bordstein kann das schon mal hilfreich sein.

Im Fond überraschend viel Bein- und Kopffreiheit
Das Interieur des Arona ist nahezu mit dem Ibiza identisch. Hochwertige Materialien an den richtigen Stellen sowie ein Seat-typisch simples, praktisches und doch emotionales Design machen den Innenraum aus. Entscheidet man sich für das Drive Select Fahrwerk, können die Ambiente LEDs wie  bei den anderen Seat Modellen zwischen Weiß und Rot wechseln. Besonders schön (für uns, aber bestimmt auch im gehobenen Alter) ist die um 5 Zentimeter höhere Sitzposition. Man steigt deutlich leichter ein als im Ibiza und kann sich zudem über noch etwas mehr Überblick übers Verkehrsgeschehen freuen.

Offroadlook-Trick: Seat montiert das Kennzeichen bei den SUVs an der Heckklappe statt am Stoßfänger

Am meisten beeindruckt hat uns im Interieur der Platz im Fond. Hier sitzt man mit 1,80 höchst bequem: Man hat (wenn auch der Fahrersitz auf 1,80 eingestellt ist!) noch sehr viel Beinfreiheit, vor allem die Kopffreiheit im Arona ist auf der Rückbank wirklich großartig. Nach unserem Empfinden ist nach oben hin mindestens genau so viel Platz wie im neuen VW T-Roc. Hier macht sich das um 10 Zentimeter höhere Dach am meisten bezahlt – aber dazu empfehlen wir einen Blick in unser Video zur Sitzprobe. Der Kofferraum schluckt übrigens 400 Liter und ist einfach zu beladen.

Interieur mit matt-weißen Dashpads & 8 Zoll Infotainment

Cockpit: Wenn Alltagstauglichkeit und Emotionalität harmonieren
Zwar haben Ibiza und Arona nicht das neue Cockpit Design des Polo übernehmen dürfen, allerdings finden wir die Anordnung der Lüftungsdüsen oberhalb des Infotainmentsystems ebenfalls passend. Ein kleiner Kritikpunkt ist nämlich, dass sich alle Lüftungsdüsen im Arona nicht per Drehrad im Luftstrom variieren, sondern nur komplett durchs Umklappen der Lamellen verschließen lassen. Lob gibt es für die optionale adaptive Geschwindigkeitsregelung: Bestellt man sie, gibt es den von Audi bekannten separaten Hebel zur Einstellung von Geschwindigkeit und Abstand. Bei Allen VW Modellen muss das etwas komplizierter am Lenkrad eingestellt werden. Zudem gibt es auch im Arona am Multifunktionslenkrad noch Drehregler, die sich bei den Volkswagen Derivaten leider schon lang verabschiedet haben.

Fahrwerk komfortabler als beim Ibiza
Wir haben uns für die ersten Testfahrten für den 1.6 TDI mit 115 PS entschieden. Dieser zieht den gerade einmal 1.300 Kilo schweren Arona mehr als gelassen über die Serpentinenstraßen rund um den Montserrat. Bei uns waren die Straßen nach langer Zeit ohne Regen recht glitschig, weshalb es bei dynamischen Kurvenfahrten natürlich ohne 4Drive an der Vorderachse die eine oder andere Sekunde mal an Traktion mangeln kann. Lenkung, Fahrwerk und 6-Gang Schaltung passen ansonsten quasi perfekt zusammen – automatisch geschaltet gibt es jedoch unter den Dieseln nur die 95 PS Version des 1.6 TDIs. Das Fahrwerk fällt im Vergleich zum Ibiza spürbar komfortabler aus. In Kurven wankt der Arona  aufgrund des doch etwas höheren Schwerpunkts auch etwas mehr.

1.6 TDI mit 115 PS für die Langstrecke, 1.0 TSI mit 115 PS für die City
Den 1.6 TDI  mit 115 PS würden wir empfehlen, wenn mit dem Arona auch (oder oft) Langstrecken gefahren werden sollen. Wenn man halbwegs effizient fährt, kann man eigentlich nie über 5 oder max. 6 Liter Verbrauch kommen, was großartig ist. Ansonsten können wir Fahrern, die eher auf der Kurzstrecke unterwegs sind, auch den günstigeren Dreizylinder 1.0 TSI mit 115 PS (und am liebsten 7-Gang DSG)  oder auch 95 PS empfehlen. Er hat mit dem Gewicht des Arona keinerlei Problem und sprintet mit ihm ebenfalls in 10 Sekunden auf Tempo 100. Dazu ist er nochmal knapp 100 Kilogramm leichter als der Diesel.

Fahrerassistenz: ACC optional bis 210 km/h, Rangierbremsfunktion, digitaler Tacho folgt
Für den Stadtverkehr und den Supermarktparkplatz gibt es zwei großartige, optionale Neuerungen: Bestellt man die PDC, kann diese nun selbstständig Bremsen (Rangierbremsfunktion), wenn man einen stehenden Piepston bzw. ihr rotes Signal überfährt. Dellen beim Einparken sind damit extrem unwahrscheinlich. Optional ist auch ein Querverkehrswarner zu haben, den wir in diesem zum Polo Video zeigen. Er warnt und bremst, wenn man rückwärts zwischen parkenden Autos ausparkt und Querverkehr von hinten übersieht. Die Adaptive Cruise Control gibt es optional, dann aber gleich bis 210 km/h. Der Lane Assist ist auf der Plattform MQB A0 leider nach wie vor nicht verfügbar. Mitte 2018 soll es im Arona zudem die Alexa Sprachsteuerung folgen, die wir bereits hier im Video getestet haben. Auch ein digitaler Tacho wird dann nachgereicht: Wir sind gespannt!

Der Arona vereint Platz, ein jugendlich-cooles Design und vor allem: Vernunft. Nie hat ein Seat alles, was momentan (insbesondere hierzulande) so sehr geliebt wird  die Kompaktklasse gebracht: Eine hohe Sitzposition, 400 L Kofferraumvolumen und bodenständige Motoren. Und natürlich: Den Offroad-Look. Wir denken, der Arona könnte der neue Seat Verkaufsschlagen werden.

Seat Arona 1.6 TDI (115 PS) Xcellence

Leistung/Drehmoment 85 kW (115 PS) / 250 Nm
Getriebe:6-Gang
Antrieb:Frontantrieb
0-100 km/h:10,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit185 km/h
Leergewicht1.303 kg
Verbrauch angegeben4.1 Liter / 100 Km
Kofferraumvolumen400 L
Basispreis15.990 €
Xcellence 1.6 TDI (95 PS)23.520 €
Xcellence 1.6 TDI (115 PS)[noch nicht verfügbar]

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