VW Polo GTI 2018: Rennstrecke, Fahrbericht & Verbrauch

Nachdem wir bereits alle Details zum Design, dem Innenraum und den Ausstattungen des neuen Polo GTI vorgestelmlt haben, waren wir nun zum ersten Mal mit ihm auf der Rennstrecke und Landstraße unterwegs. Dabei haben wir das Sport Select Fahrwerkausprobiert und haben außerdem über 100 Kilometer getestet, wo der tatsächliche Verbrach des Polo GTI liegt.

Polo GTI in Flash Rot mit 18 Zoll Felgen „Brescia“

Technisch modifizierter 2.0 TSI: Fast wie in Golf GTI und Golf R
Im Polo GTI werkelt der 2.0 TSI der Motorenfamilie EA888. Trotz des gleichen Namens handelt es sich aber durchaus um einen auch hardwareseitig anderen 2.0 TSI: Er ist z.B. kleiner und leichter als der im Golf GTI oder Golf R verwendete EA888. Entsprechend wird er sich per Chiptuning z.B. nicht einfach auf 310 PS pushen lassen. Der 2.0 TSI im Polo GTI kommt serienmäßig mit 6-Gang DSG: Am Mitte 2018 soll eine handgeschaltete Variante folgen, die etwa 1.500 € günstiger sein wird. Bis zum Start des neuen Polo VI GTI wurde der Vorgänger von einem 1.8 TSI mit 192 PS angetrieben.

Im Rennstreckentest: Die elektronische XDS Differenzialsperre
Nur auf der Rennstrecke kann man erfühlen, was wirkdrehlich alles in Motor und Fahrwerk steckt. Wir fahren den Polo GTI auf dem Circuito Mallorca in Llucmajor, einer kleinen Strecke, die fast nur aus Kurven besteht. Ein Golf R mit den Rennfahrern und VW Instruktoren Benni Leuchter und Dennis Retera zeigt uns die Ideallinie. Der 2.0 TSI bietet genug Power für den gerade einmal 1.350 Kg schweren Polo. 320 Nm Drehmoment lassen ihn mit dem DSG in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 sprinten – dabei klingt er auch noch richtig gut und kein bisschen angestrengt. Maximal sind 237 km/h drin. Eines der entscheidensten technischen Features ist aber die die sog. XDS Differenzialsperre, die nicht wirklich eine ist: Diese elektronische Differenzialsperre gibt bei dynamischen Kurvenfahrten maximal 15 Bar ESP-Bremsdruck auf das kurveninnere Rad, um es abzubremsen. Damit soll man besser aus der Kurve kommen und Traktionsverlust vermeiden können. Tatsächlich fühlt sich XDS ein Stück weit wie ein mechanisches Differenzial an, auch wenn es ein solches selbstverständlich nicht ersetzen kann. Besonders gefallen hat uns, dass die Bremseingriffe sehr geschmeidig (aber doch stark genug) stattfinden und nicht „abrupt“ mitten in der Kurve die ganze Fahrdynamik stören.

Auf der kurvenreichen Strecke tut sich der der Polo GTI mit dem Golf R nicht schwer

Sport Select Fahrwerk mit in zwei Stufen schaltbaren Dämpfern
Bei Bodenwellen und co. kommt dem Polo sein im Vergleich zum Vorgänger um fast 10 cm längerer Radstand zugute. Der hat bereits den normalen Polo VI mit Komfortfahrwerk wesentlich erwachsener wirken lassen. Gerade bei langen, schnell gefahrenen Kurven fühlt sich der neue Polo GTI deshalb auch wesentlich stabiler und kontrollierbarer an. Das Sportfahrwerk (das es auch optional im normalen Polo gibt) ist um 15 mm tiefergelegt und spürbar sportlicher abgestimmt. Features wie etwa fester abgestimmte Stabilisatoren sorgen für so gut wie keine Wankbewegungen im Vergleich zum Komfort-Polo. In unserem Test fahren wir zudem mit dem Sport Select Fahrwerk unterwegs: Das ist für wenige hundert Euro Aufpreis erhältlich und erweitert das Sportfahrwerk um sog. schaltbare Dämpfer. Gewählt werden kann dann zwischen Normal und Sport. In den Dämpfern ändert sich in diesen zwei Stufen die Öl-Durchflussmenge. Den Unterschied fanden wir zwischen den beiden Stufen nicht gewaltig – leider konnten wir das reine Sportfahrwerk ohne Sport Select nicht testen. Einziges Manko in Sachen Traktion: Während wir auf trockenem Asphahlt mit Michelin Pilot Sport 3 Reifen (18 Zoll) im D Modus sauber von 0-100 sprinten konnten, verpufft mit der Launch Control doch sehr viel Leistung, wenn man nicht mit viel Gefühl das Gas reguliert.

Das „alte“ 6-Gang DSG steht ihm immer noch gut
Der Polo GTI bringt zahlreiche weitere technische Unterschiede zu seinem braven Pendant mit. So hat er etwa deutlich größere Bremsen (mit serienmäßig rot lackierten Bremssätteln) oder auch einen um 9 Nm kräftigeren Motor für die elektromechanische  Servolenkung: Diese wirkt sowohl auf der Rennstrecke als auch der Landstraße praktisch perfekt abgestimmt. Kaum zu glauben, dass man sich hier noch in der Polo-Klasse befindet. Im Gegensatz zu zahlreichen neuen (optionalen) Assistenz- und Sicherheitssystemen handelt es sich beim DSG allerdings noch um das altbekannte 6-Gang DSG. Das überzeugt jedoch mit praktisch nicht spürbaren Schaltvorgängen und den beliebten Zwischengas-Stößen, die von außen deutlich hörbar sind. Das 7-Gang DSG wie im Golf GTI/GTD wäre einerseits zu teuer und andererseits baulich zu groß für den Polo gewesen. Wir würden uns trotzdem für das 6-Gang DSG statt der manuellen Schaltung entscheiden. Lediglich beim Herausbeschleunigen aus Kurven genehmigt es sich ab und zu eine Bedenksekunde um den richtigen Gang zu wählen. Außerdem beeindruckend: Unserem Vordermann, dem Golf R, kommen wir auf dieser Strecke leicht hinterher: Wir können mit dem um 180 kg leichteren Polo GTI wesentlich später bremsen!

Das Active Info Display II ist ultrascharf, leider aber auch Sonderausstattung

Verbrauch des Polo GTI bei 6,9 Litern auf kurvigen Landstraßen
Obwohl es schwierig war, haben wir versucht, uns nicht vom spritzigen Antrieb verleiten zu lassen und haben den Polo GTI einem Eco-Test unterzogen: Das Ergebnis war ein Verbrauch von 6,9 Liter (angegeben: 5,9), wobei in diesem Test der kurvenreiche Bergpass Coll de Sóller enthalten ist und wir nicht übertrieben sparsam, nur moderat gefahren sind. Die ganzen 100 Kilometer Teststrecke fuhren wir außerdem im Eco-Modus, der in Verbindung mit dem DSG ein Trennen des Motors vom Getriebe in Freilaufphasen erlaubt. Auf der gleichen Strecke haben wir ohne den Pass (den wir beim zweiten Mal mit einem Tunnel umfahren sind) sogar nur 6,6 Liter verbraucht. Tom von 1300ccm.de war auf einem „ebenen“ Rundkurs sogar noch effizienter unterwegs. Mit dem manuellen Getriebe könnte vielleicht noch ein bisschen weniger gehen.

Auf 6,5 -7 Liter bekommt man den Verbrauch locker gedrückt

Unser neulich getesteter Polo Highline 1.0 TSI mit 95 PS lag bei rund 26.000 €. Da könnte es für den ein oder anderen eine Überlegung sein, ob man nicht direkt zum GTI greift: Der startet bei knapp 24.000 €, bringt aber mehr als doppelt so viel Leistung, die schönste Polo-Optik, ein DSG und viele Extras mit. 17-Zöller, Sportsitze und ein Sport-MuFu Lenkrad sind beispielsweise immer Serie. Neben überraschend viel Spaß auf der Rennstrecke bietet der Polo GTI aber auch genug Effizienz und Komfort für den Alltag.

VW Polo GTI (2018) 2.0 TSI DSG

Leistung/Drehmoment 147 kW (200 PS) / 320 Nm
Getriebe:6-Gang DSG
Antrieb:Frontantrieb (el. "XDS" Differenzialsp.)
0-100 km/h:6,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit237 km/h
Leergewicht1.355 kg
Radstand2.549 mm
Verbrauch angegeben5,9 Liter / 100 Km
Verbrauch im Test:6,9 Liter (inkl. Passstraße)
Kofferraumvolumen305 / 1.079 L
Basispreisca. 23.900 €
Unser Testwagen konfiguriert:Datenblatt (PDF)

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