Alpen Testdrive: Seat Leon Cupra 280 DSG

seat leon cupra

Mit der neusten Generation Seat Leon ist der spanischen VW Tochter 2013 wirklich ein grandioses Auto gelungen: Feinste VW Technik vereint mit einem deutlich sportlicheren Design als beim immer langweiligen Golf. Nicht ohne Grund ist der Fahrbericht des Leon FR einer der meistgelesenen Beiträge auf Motoreport. Weil schon der Diesel mit manueller Schaltung absolut überzeugt hat, haben wir die volle Eskalationsstufe, den Leon Cupra 280 mit 6-Gang-DSG über ein paar Alpenpässe gescheucht.

seat leon cupra

Seat Leon Cupra 280 in Nevada Weiß mit serienmäßigen 19 Zoll Felgen und 225/35 Bereifung

Vermutlich erkennt der Seat-Laie keinen wirklichen Unterschied zum normalen Leon. Die optischen Änderungen am Cupra sind unscheinbar, aber doch klar definiert. Ganz dezent weißt etwa der schwarze Einsatz im Stoßfänger, der angeformte Diffusor und die beiden Ovalen Endrohre auf die stolze Leistung des 2-Liter Turbo-Direkteinspritzers hin, der sich übrigens auch im Golf GTI, Audi S3 und Skoda Octavia RS findet. An der Front gibt es größere Lufteinlässe. Dazu rote Bremssättel mit Cupra-Schriftzug, letzterer ersetzt auch die übliche „Leon“ Kennzeichnung am Heck. Ein weiterer Leckerbissen sind die serienmäßigen 19 Zoll Alus (Bei der 265 PS-Version sind es nur 18 Zoll). Innen gibt es dagegen wirklich nur kleinste Änderungen wie ein paar Cupra-Logos und einen Laptimer im Bordcomputer. Die Sitze sehen unscheinbar aus, bieten aber ausreichend Seitenhalt.

seat leon cupraGanz charakteristisch ist die Línea Dinámica, die unterbrochene Linie, die sich von vorne bis hinten über alle aktuellen Leon Modelle zieht. Laut Seat ist das Design des Kompakten der Kaufgrund für die meisten Kunden – auch das ausgewogene Verhältnis Blech zu Glas in der Seitenansicht im Verhältnis 2/3 – 1/3 soll hier eine wichtige Rolle spielen.

Seat Leon Cupra 280

4-Zylinder Turbo-Benzindirekteinspritzer (2.0 TSI) 280 PS / 206 kW, 350 Nm
Vorderradantrieb, Sperrdifferenzial; 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
0-100 km/h: 5,7 Sekunden

Leergewicht: 1.421 kg

Verbrauch angegeben (Kombiniert): 6,6 L / 100 km
Bruttolistenpreis Testwagen: 38.505 EUR

seat leon cupra 280

Wunderbare Testumgebung: Die Ostrampe des Stilfser Jochs

So gelangen die 280 PS auf den Asphalt
Der Cupra bietet zu einem günstigeren Preis 60 PS mehr (aus dem gleichen Motor) als der Golf GTI. Noch so viel Leistung bringt allerdings nichts, wenn sie nicht zum größten Teil auch ordentlich auf den Asphalt übertragen wird. Der Schlüssel zum Fahrspaß mit dem frontgetriebenen Leon Cupra heißt deshalb mechanische Vorderachs-Differentialsperre – bekannt aus dem Golf GTI Performance. Die Konzernverwandten Audi S3 und Golf R bieten einen Allradantrieb, der Spanier versucht aber seine satten 280 PS über die Vorderräder zu abzugeben. Das gelingt ihm weitestgehend gut, Elektronik und Mechanik arbeiten hier für eine saubere Kraftentfaltung wirklich großartig zusammen. Der Sprint von 0 auf 100 dauert 5,7 Sekunden. Es geht also unwahrscheinlich dynamisch voran. Aber spannender sind da Kurven: Kurven, wie sie Alpenpässe bieten.

seat leon cupra stilfser joch

Besonders das Stilfser Joch gilt als fahrerisches Highlight auf unserer Route: In 48 Kehren kann der Antrieb des Cupra ausgiebig getestet werden. Beim schnellen Besteigen des Passes mit so viel Leistung auf der Vorderachse gilt es, möglichst die Traktion zu behalten. Die Tendenz zum Untersteuern bleibt gering, beim Beschleunigen aus engen Kurven sollte man es mit dem Gaspedal nicht übertreiben – sonst wird das ESP gekonnt tätig und man lernt bald die Grenze kennen, die den Leon Cupra von der Allrad-Konkurrenz unterscheidet. Der Fahrspaß ist aber garantiert und insgesamt ist es beeindruckend, mit wie viel Grip man bei stark beanspruchtem Gaspedal die Serpentinen hochkommt. Mitbewerber wie der Opel Astra OPC dürften es hier schwer gegen den Leon Cupra haben.

seat leon cupra felgenKaufempfehlung: Das Doppelkupplungsgetriebe
Dann ist da natürlich noch das sog. DSG, Seats Direktschaltgetriebe. Dass die 6-Gang Handschaltung super ist, haben wir schon 2013 in den Alpen erfahren. Aber das DSG ist schon fast ein Muss für den kompakten Spanier. So flotte Gangwechsel in einem Seat hätte man „damals“ nicht unbedingt erwartet. Egal ob es bergauf oder -ab geht – das Automatikgetriebe ist nahezu perfekt, macht keine Fehler und wird nicht hektisch. Die Gangwechsel selbst spürt man ohnehin so gut wie nicht. Für unsere Topversion wie auch für die Dieselaggregate gilt: Das Doppelkupplungsgetriebe kann auch ganz anders – den entsprechenden Fahrmodus gewählt schaltet es auf Wunsch auch extrem früh hoch – so kann es sogar den 2.0 TSI im Cupra mächtig im Verbrauch drücken. Gut 2.000 Euro zahlt man für die blitzschnelle Automatik extra – aber es lohnt sich wirklich.

Cupra-Testroute: Reschenpass, Umbrailpass, Stilfser Joch, Tonalepass und Mendalpass

Cupra-Testroute: Reschenpass, Umbrailpass, Stilfser Joch, Tonalepass und Mendelpass

6 Pässe durch Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz sind wir in 2 Tagen mit dem Cupra gefahren. (Route auf Google Maps) Im Herbst 2014 waren sie größtenteils fast leer – das bedeutet Geschwindigkeit und Kurven ohne Ende. Ein weiteres Gadget sorgt im Leon Cupra für Komfort, Spaß und Präzision: Die Progressivlenkung. Hinter dem Namen steckt das einfach das Prinzip eines durchdachten, je nach Lenkwinkel variablen Lenkgetriebes. Bei Kurven(folgen) spart man sich das Umgreifen und das Lenkgefühl ist überraschend direkt.

seat leon cupra 2015
Alltagstauglichkeit, Verbrauch und Fahrerassistenz
Was Seat beim Leon Cupra gerne kommuniziert und so auch tatsächlich absolut gelingt ist die Alltagstauglichkeit. So lassen sich bei Eco-Fahrweise, wenn man das Gaspedal sehr sanft behandelt und das DSG schön früh schalten lässt, durchaus Verbrauchswerte von knapp 8 Litern (kombiniert) schaffen. Über unsere Vollgas-Tour durch die Berge waren es auch nie mehr als berechnete 9,8 Liter Super Plus. Gerade dem Fahrwerk gelingt auch wunderbar der Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort, wobei hier eher die Grundabstimmung gelungen ist und die Auswirkung der Fahrmodi (Komfort, Sport, Cupra) nicht so deutlich spürbar ist. Ein weiteres, von außen nicht vermutetes Feature ist der Sound, der sich im Cupra Modus – mit Zwischengasstößen beim Runterschalten – absolut hören lassen kann. (Soundcheck mit Video)

leon cupra interieur

Neben den ganzen Sportlerqualitäten sollten auch die Langstreckentauglichkeit stimmen – schließlich geht es nach unserer alpinen Rundfahrt von Bozen aus auf der Autobahn zurück. Das Fahrprofil wird auf Komfort gestellt. Das bedeutet: Kein aufdringlicher Sound und eine durchaus komfortables Dämpfersetup. Komfort wie in der Oberklasse bietet die 2-Zonen Klimaautomatik, die bei großer Hitze sagenhaft zugfrei arbeitet und sich zudem bis ins letzte Detail einstellen lässt. Besonders bezahlt machen sich auf der Reise die Fahrerassistenzpakete. Neu hinzugekommen ist die Funktion der ACC – der adaptiven Geschwindigkeitsregelung. Ein einmal definierter Abstand zum Vordermann wird per Radarsensor und aktiven Bremseingriffen gehalten. Das gelingt dem Cupra sehr sanft – wenn es sportlich zugehen soll fährt er auf Wunsch auch etwas dichter auf. Das System findet sich fast genauso z.B. im Skoda Octavia RS.  Die zweite, fortschrittliche Funktion ist der Spurhalteassistent, eine permanente Lenkunterstützung, die ausführlich im Fahrbericht des Leon FR 2.0 TDI erklärt wird.

 seat leon cupra 19 zoll felgen

Am Seat Leon Cupra gibt es einfach nichts zu meckern. Seine satte Leistung von 280 PS gibt er zwar „nur“ über die Vorderräder ab, dafür geschieht das aber dank des Differenzials auf dem besten Weg. Der Fahrspaß ist garantiert, vom Design her ist er der schärfere Golf. Serienmäßige LED-Scheinwerfer und die Option auf neueste Assistenzsysteme machen aus dem schnellsten Leon aller Zeiten ein großartiges Gesamtpaket.

Leistung/Drehmoment: 206 kW (280 PS) / 350 Nm
Getriebe: 6-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Frontantrieb
0-100 km/h: 5,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Leergewicht: 1.421 kg
Verbrauch angegeben: 6,6 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Verbrauch erfahren: 8-8,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Farbe: Nevada Weiß
Kofferraumvolumen: 380/1210 L
Testwagenpreis: ca. 38.505 EUR
Sonderausstattung (Auszug): Leder-Paket, Seat Sound System, Navigationssystem, Fahrerassistenzpakete I&II

Zum Leon Cupra gibts auch hier mehr Infos und einen Alltagstest.