Fahrbericht: Range Rover Sport SDV6 HSE Dynamic

range rover sport hse dynamic

Unserer Meinung nach ist der Range Rover Sport trotz seiner nicht zu verbergenden Kastenform ein designtechnisches Meisterwerk. Nirgendwo anders wird so viel mit den Taillights gespielt. Also den dünnen LED Streifen, der Beleuchtung, die in den USA bei jedem Fahrzeug Anfang und Ende Markieren müssen. Selten haben sie so viel zur Optik eines Autos beigetragen wie in den Frontscheinwerfern des Range Rover Sport. Selten haben grobe Kraft (die Kastenform) und Sportlichkeit (die nach hinten flacher werdende Fensterfront) so pompös und lässig zugleich gewirkt.

Unser Fotomodell in der Lackierung Aruba und der mehr als potenten Trimline HSE Dynamic trägt mit zahlreichen Zierten und automobilen Ornamenten durchaus etwas dicker auf, deshalb dürfen es natürlich auch die großen 21-Zöller sein, für deren Preis man sich auch einen schönen Corsa kaufen kann. Damit ins Gelände? Es bei den Offroadkünsten, die der Sport drauf hat, nicht zu tun, ist ja schon fast kriminell. 85 Zentimeter Watttiefe sind schließlich eine Ansage. Trotzdem macht das 2.2 Tonnen Lifestyle-Schiff auf dem Asphalt eine gute Figur.

range rover sport

In der Stadt gar nicht so verkehrt
Beim kraftstrotzendem Auftreten des Range Rover Sport möchte man nicht unbedingt meinen, dass er sich doch überaus filigran  im Alltagsverkehr bewegen lässt. Trotz Lkw-Sitzposition und einer Windschutzscheibe, die größer ist als manche Terrassentüren, lässt sich beim täglichen Parken und Rangieren das Gas unheimlich fein dosieren. Überhaupt fährt der Koloss an der Ampel so sanft an (ein sanfter Gasfuß vorausgesetzt), dass auch die wertvollste Fracht auf der maximal 1.760 L großen Ladefläche nur schwer ins Rutschen gerät. Ist alles gut verzurrt, sorgt Vollgas für einen wohlig klingenden V6 Sound. Ganz unaufdringlich, aber richtig potent eben. Trotz seines Übergewichts fährt er beim zweispurigen Ampelstarts den meisten Konkurrenten davon – bei offenem Fenster zusätzlich noch mit dem kräftigen Klang der beiden Turbolader. Bei Tempo 100 kommt er in 7,2 Sekunden an. Das Beschleunigungsvermögen fühlt sich so beeindruckend gleichmäßig an, dass man direkt am Stadtverkehr mit unabgestimmten Ampelphasen Gefallen findet.

range rover sport

Range Rover Sport 3.0 SDV6 HSE Dynamic in Lackierung Aruba

Wunderbare Kombi aus V6 Biturbo und 8-Gang Automatik
Dass so ein Range Rover königlich fährt kommt nun nicht von irgendwo her. Der Antriebsstrang besteht aus einem Biturbo-Sechszylinder Diesel mit 306 PS und kräftig ziehenden 700 Nm. Dem brachialen Drehmoment hält kein geringerer als die 8-Gang Wandlerautomatik von ZF (8HP70) stand. Sie ist auch in Luxus-Größen wie dem 7er BMW oder den stark  motorisierten Jeep Grand Cherokees verbaut. Diese Wandlerautomatik ist ein Getriebe, das besser kaum sein könnte – und im Range Rover Sport sind die Gangwechsel geschwindigkeitsunabhängig wirklich perfekt gelungen – und damit praktisch kaum wahrnehmbar. Wie viele Testrunden dafür gedreht wurden, kann man nur mutmaßen. Schluss mit dem Vortrieb ist serienmäßig bei max. 210 km/h. Der Verbrauch liegt bei zügiger Fahrweise noch unter 10 Litern, auch bei effizientem Gasfuß bekommt man ihn aber nur schwer unter 8-9 Liter gedrückt, was für die Fahrzeugdimension aber wirklich akzeptabel ist.

range rover sport felgen

Trimline HSE Dynamic mit 21-Zoll Felgen in Diamond Turned Finish

Luftfederung & Terrain Response 2
Nun aber raus aus der Stadt in Richtung Landstraße. Kaputte Asphaltdecken bügelt die Luftfederung des Sport wunderbar aus, natürlich macht sie in Verbindung mit seiner Höhe aus dem Range Rover aber keinen Kurvensportler. Ganz wegdenken kann man sich Wankbewegungen bei diesem Fahrzeugausmaßen einfach schlecht. Besonderen Spaß macht überland aber die spritzige Gasannahme und die Lenkung, mit der sich der Range Rover extrem leichtgängig und schön direkt durch alle Kurven navigieren lässt. Der Sport bestimmt die Einstellung der Luftfederung je nach Fahrsituation (oder Geländevorwahl) selbst, maximal sind 26,5 cm Bodenfreiheit möglich. Auch auf Befehl des Fahrers kann die Höhe in mehreren Stufen variiert werden, der überaus schnell vom Luftfahrwerk umgesetzt wird. Die niedrigste Einstiegs-Position kann für den ein oder anderen wegen der enormen Höhe der Karosserie schon mal hilfreich sein.

range rover sport interior

Interieur Farbkonzept Ebony/Tan mit Oxford-Ledersitzen in Tan

Design, Qualität und dickes Material: Das Interieur
Das Interieur ist nur eines der Highlights des schwergewichtigen Briten. Selten gesehene Details wie eine separat in der Höhe Verstellbare Armlehne an beiden Vordersitzen, extra-großzügig elektrisch einstellbare Sitze und einen wahnsinnig hohe Sitzposition machen das Reisen im Range Rover Sport zu etwas besonderem. Dazu kommen feinste Materialien und solides Feedback von allen Knöpfen und Drehern. So wird etwa die Sitzheizung und -Klimatisierung über die gleiche Einheit wie die Wunschtemperatur eingestellt. Praktisch und chic zugleich. Die Tasten am Multifunktionslenkrad wirken zunächst sehr ungewohnt angeordnet, nach ein paar hundert Kilometern findet man sich aber gut zurecht und versteht dann auch die Bedienung des Bordcomputers, der im Verhältnis zum sonst so großartigen Innenraum ruhig etwas größer hätte ausfallen dürfen.

range rover sport TV

InControl Connect mit Dual View Touchscreen und Hybrid TV

Digital TV während der Fahrt dank Splitscreen
Ob ich denn komplett verrückt sei, so wahnsinnig schnell rückwärts einzuparken und dabei auf das TV-Programm zu starren, das im Infotainmentsystem läuft. Rücksichtslos und eigentlich nur noch gefährlich wäre das ja mit diesem 2-Tonner. Nach heftiger Verwirrung verstehen wir erst: Meine Beifahrerin sieht das TV Programm, wir beide hören den Ton, aber nur ich sehe das Bild der Rückfahrkamera. Dass sich das System Dual View nennt, haben wir da noch nicht gewusst. Sprich: Nur im Stand sehen beide Passagiere vorne das Gleiche. Bewegt sich das Fahrzeug, sehe ich aus meinem Blickwinkel die Navikarte, der Beifahrer weiterhin TV.

range rover sport tech

Fahrerassistenz
Auch an Fahrerassistenz mangelt es dem Range Rover Sport nicht: Auch Jaguar / Landrover verbaut seit einiger Zeit eine adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) optional, die mit der Funktion „Queue Assist“ bis zum Stillstand bremsen kann und sich damit auch wunderbar für alle Stau-Szenarien eignet. Außerdem gibt es einen weitestgehend passiven Spurhalteassistenten sowie einen Verkehrszeichen – und Fernlichtassistent. Auf Wunsch manövriert der Range Rover Sport auch halbautomatisch in enge Parklücken. Ein Feature, dessen Anschaffung in diesem Fall wirklich Sinn hat. Aus mehreren Kameras setzt das Infotainmentsystem zudem eine 360 Grad Ansicht zusammen, die sowohl auf dem Supermarktparkplatz als auch im Gelände hilfreich ist: Hier sorgt eine Waschdüse für die Rückfahrkamera für Durchblick auch bei extremen Umgebungsbedingungen.

range rover sportAuch jenseits des extremen Geländes lässt sich der Range Rover Sport bestens bewegen. Die schönste Figur macht er dabei in der Trimline HSE Dynamic, die so dick aufträgt wie selten ein Exterieur Design an einem SUV aber dennoch elegant daherkommt. Die 306 PS des V6-Diesel ziehen nicht nur jeden Pferdeanhänger mit Leichtigkeit, sondern sorgen auch für jede Menge Fahrspaß. Dabei fällt der Verbrauch absolut aktzeptabel aus. Langstrecken kann man kaum bequemer als im legendär luxuriösen Innenraum zurücklegen.

Range Rover Sport 3.0 SDV6 HSE Dynamic
Leistung/Drehmoment: 225 kW (306 PS) / 700 Nm
Getriebe: 8-Gang Automatik tiptronic (ZF)
Antrieb: Allrad permanent
0-100 km/h: 7,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Leergewicht: 2.184 kg
Verbrauch angegeben: 7 Liter / 100 Km (kombiniert)
Verbrauch erfahren: 8-10 Liter / 100 Km (kombiniert)
Kofferraumvolumen: 535 L
Einstiegspreis SDV6 HSE Dynamic: 81.200 EUR
Testwagenpreis: 106.320 EUR

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Am 18. Juli 2016 gefunden … | wABss

  2. Über optische Elemente kann man immer streiten. Meiner Meinung nach ist es gerade die kantige Kastenform, die zu Range Rover gehört und die das Profil dieser Marke ausmacht. Abgesehen davon ist der Range Rover Sport ein SUV für Stadt und Land. Er bietet mehr als genug Ausstattung und auch Platz für die ganze Familie. Was will man mehr!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.