Funktionen und Ausblick: Volkswagen Car-Net

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Gut, Volkswagen hat etwas gebraucht, bis Online-Dienste in die Modelle Einzug gehalten haben. Dafür sind die Services rund um ihr „Car-Net“ ausgesprochen bedienerfreundlich und umfangreich. Vom Starten der Klimaanlage aus der Ferne über Google Street View bis zur DJ-Funktion für alle Passagiere ist jede Menge möglich. Verfügbar sind viele Gimmicks schon im kompakten Infotainmentsystem Composition Media.

Car-Net steckt derzeit schon in einigen VWs – es wird aber noch um Funktionen erweitert. Im Golf GTE mit dem größten Infotainmentsystem namens Discover Pro sind wir zusammen mit Mark Beckmann aus der VW Entwicklung in die Tiefen des Konnektivitätsdienstes Car-Net getaucht. Basis der meisten Onlinefunktionalität ist eine fest integrierte SIM-Karte, bzw. ein Modem im Fahrzeug, durch das der Golf permanent online ist und auf Befehle sowie Ferneingaben reagieren kann.

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Leiste unterhalb des Touchscreens: Typischer Bewegungssensor der VW Infotainment-Familie

Alltagshelfer: Guide & Inform Dienste
Die Kategorie Guide&Inform ist wohl für die meisten Fahrer und im Alltag interessant und umfasst einschlägige Funktionen, die von manch anderem Hersteller schon länger angeboten werden. Dafür gibt es bei VW nun allerdings gleich das volle Programm: Möglich sind sogar Ansichten in Google Street View oder der Online-Zielimport. Hier sucht man sich in aller Ruhe das (Sonder-)Ziel am Notebook heraus und schickt die Adressdaten direkt an seinen Volkswagen. Natürlich kann auch, wie z.B. von Audi bekannt, eine Satellitenansicht aus Google Maps dynamisch geladen werden. Live-Traffic Daten werden auf der Karte farbig angezeigt, TomTom dient hier als Quelle.

Im Gegensatz zu TMC liefert TomTom tatsächliche Echtzeit-Verkehrsinfos

Im Gegensatz zu TMC liefert TomTom deutlich realistischere Echtzeit-Verkehrsinfos

Die wohl praktischste, vielleicht unscheinbare Funktion ist vermutlich die Online-Sonderzielsuche. Etliche Sonderziele oder neu eröffnete Shops finden sich schließlich nur im Web (in Google) und nicht in einer veralteten Offline-Datenbank auf dem Gerät. Bewertungen, z.B. für Restaurants und teilweise Fotos gibts zu den Suchergebnissen auf einen Blick. Als kleinere Helferlein lassen sich bei Guide&Inform natürlich auch Nachrichten lesen oder Wetterdaten (z.B. am Zielort) anzeigen. Über alle Dienste wurde konsequent das bekannte Infotainment-Design durchgezogen, weshalb eine Bedienung quasi ab der ersten Fahrt auch für Anfänger selbsterklärend sein sollte. Die Guide&Inform Dienste setzen im Gegensatz zu den anderen Funktionen eine eigene SIM-Karte bzw. Verbindung über den Handy-WLAN-Hotspot voraus.

VW e-Remote: Steuerung perSmartphone oder Smartwatch

VW e-Remote: Steuerung per Smartphone oder Smartwatch

 e-Remote: Fernsteuerung der e-Modelle
Die Kategorie „e-Remote“ ist elektrisch betriebenen bzw. hybriden VWs vorbehalten. Sie beinhaltet Funktionen wie die Vorprogrammierung der Heizung oder Klimaanlage, sowie das Management Ladezustands von jedem beliebigen Ort aus. Im Sommer kühlt man seinen Golf GTE optimaler Weise bereits an der Stromleitung auf ein angenehmes Innenraumklima und spart sich somit jede Menge Strom aus der Batterie für den Klimakompressor. Bei unserem Besuch in Wolfsburg war es da eine wahre Wohltat, bei Sturm und 2 Grad in einen vorgeheizten Golf GTE einzusteigen. Einen Blick auf die e-Remote Funktionen haben wir bereits im Juli geleakt: Hier hat uns VW die damals noch nicht veröffentliche App kurz am neuen Passat GTE demonstriert. Einige spannende Funktionen, die den Zugriff auf die Bordelektronik voraussetzten, sind nur über diese e-Remote App möglich. So z.B. die Anzeige der letzten Parkposition, der Status von Licht und Türen oder der Kraftstoffreichweite. Noch digitaler wird es, wenn man die e-Remote App auch auf seine Apple Watch lädt. Die wichtigsten Funktionen sind auch von hier aus zugänglich.

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App Connect: Mirror Link, Android Auto und Apple CarPlay
Obwohl man es tunlichst vermeiden sollte, fuchtelt man doch bei jeder längeren Autofahrt irgendwann mit dem Smartphone in der Hand herum. Das ist brandgefährlich. Eine Abhilfe ist es da, den Inhalt des Handybildschirms einfach auf den besser bedienbaren und damit sichereren Navi-Screen zu spiegeln. Dass mit Mirror Link, Android Auto und Apple Car Play gleich drei Übertragungswege unterstützt werden, ist derzeit wirklich eine Seltenheit. Gekoppelt mit dem Smartphone sind es vor allem Apps wie Spotify, die einfach im Straßenverkehr in groß viel mehr Spaß machen: Der Fahrer erhält die Informationen auf dem Bildschirm des Discover Pro gebündelt und extrem übersichtlich. Genauso einfach funktioniert die Steuerung wie etwa die Auswahl eines Songs. Mark Beckmann, der verantwortlich für die App-Entwicklung und -Anpassung ist, ist besonders stolz auf die Integration der Apps verschiedener Plattformen. Alle kommen auf dem Discover Pro absolut flüssig und hübsch herüber, es gibt keine Designfehler, Hänger oder verschachtelte Bedienungskonzepte. Es ist eben die Art, wofür wir das Bedienkonzept des VW-Infotainment schon seit Jahren ein bisschen lieben.

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Apple Car Play auf dem Infotainmentsystem Discover Pro

Roadtrip-Approved: VW Shared Audio
Apps werden teilweise auch von Volkswagen in WOB selbst entwickelt. So z.B. die App namens Shared Audio, die jeden Mitfahrer, der Musik auf seinem Smartphone hat, zum DJ werden lässt. Alle auf den Geräten verfügbaren Titel werden sozusagen untereinander freigegeben und können je nach belieben von den einzelnen Smartphones wiedergegeben werden. Ein brandheißes Gimmick, wenn mal eine Langstreckenfahrt über die Mitfahrzentrale gebucht wurde – oder wenn bei der Urlaubsfahrt einfach jedes Familienmitglied ein Smartphone hat. Aus technischer Sicht verbinden sich dazu einfach alle Smartphones mit dem Infotainmentsystem als Router per WLAN. Eine weitere VW-eigene App ist MyRules, mit der witzige bis nützliche Regeln (wenn ich mich dem Zielort nähere, Rufe X an, und etliche weitere Möglichkeiten) angelegt werden können. Für den besonderen Funk hat sich VW auch was einfallen lassen: Mit der App „Sound Journey“ lässt sich die Fahrt in Echtzeit vertonen. Ein synthetischer Basis-Song wird von Blinker, Lenkung, Gas und Bremse beeinflusst und zaubert Fahrer und Beifahrer schöne oder auch eigenartige Klänge. Wie sinnvoll es ist, den Weg zum nächsten Rewe zu vertonen, bleibt zwar fragwürdig, auf jeden Fall sehen aber so die Auto-Spielereien im Jahr 2016 aus.

vw sound journey car-net golf GTE

Verfügbarkeit: Aktuelle Modelle, drei Infotainmentsysteme
Relativ sozial gibt sich VW bei der Verfügbarkeit der Onlinefunktionen. So sind viele Funktionen nicht nur dem teuersten Navi Discover Pro vorbehalten, sondern können auch eine Stufe darunter im Infotainmentsystem Discover Media oder sogar dem kleinen Composition Media genutzt werden. Wie schon erwähnt ist es unter Umständen nötig, dem Fahrzeug eine Internetverbindung zur Verfügung zu stellen – etwa über das eigenen Smartphone. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist Car-Net in fast allen Volkswagen verfügbar, aber das prüft man am besten direkt in der Modellübersicht.

Discover Pro im aktuellen Passat

Das Discover Pro im aktuellen Passat

Das Schöne an Car-Net? Schon vor Jahren haben wir das große Navi, damals noch RNS 510, wegen seiner nahezu perfekten Benutzerfreundlichkeit gelobt. Mit Car-Net ist VW eine Nerv-freie Onlinekonnektivität gelungen, die sich auch bei hektischem Hacken auf dem Touchscreen nicht aufhängt und für nahezu jedermann leicht bedienbar ist. So manche Mirror-Link Lösungen haben uns ja auch schon zum Verzweifeln bringen können. Auch wenn mit einigen Apps spielerisch an das Thema herangegangen wird, sind es gerade Funktionen wie der Sonderzielimport oder die e-Remote App, die den Alltag in Zukunft ungemein erleichtern werden.

Fotos: Motoreport, Oliver Walther

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