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Opel Corsa D vs. Corsa F: Würde ich wechseln?

Seit gut dreieinhalb Jahren bin ich in Besitz eines Opel Corsa D. Es handelt sich um ein Facelift-Modell, 5-Türer, Erstzulassung 2012 mit 1,6 Liter Benziner und 150 PS. Ziemlich genau 100.000 km Kilometer habe ich in dieser Zeit mit meinem Corsa abgespult, hauptsächlich auf der Langstrecke. Dazu kommen noch einige tausend Kilometer mit dem “Familien-Corsa” (Corsa D FL, 5-Türer, 2012) mit 87 PS Benziner. Auch der Nachfolger, der Corsa E, befindet sich im Besitz der erweiterten Familie (1.4er Benziner, 5-Türer, 100PS).


Corsa D aus 2012 mit 1,6 Liter Benziner und 150 PS

Mit mittlerweile knapp 110.000 km wird es nun Zeit sich Gedanken über ein neues Auto zu machen. Da kommt der Corsa F gerade Recht zum Test. Der Corsa F tritt hier als 130 PS Benziner aus 1,2 Litern Hubraum an. Dieser Motor ist aktuell nur mit 8-Gang-Automatik und in der Ausstattungslinie “GS-Line” zu bekommen (ab 24.525€). So passt der Corsa F ganz gut zu meinem Corsa D (Ausstattungslinie “150 Jahre Opel”) mit OPC-Line 1-Exterieur, der aber nur als 6-Gang-Handschalter zu bekommen war.

Erster Eindruck und Sitzprobe

Die Vorfreude ist groß, als ich den Corsa F zum ersten Mal sehe. Geduckt steht er da, sportlicher und moderner als mein alter Corsa D. Anteil daran haben sicherlich auch die LED-Rückleuchten und das neue LED-Tagfahrlicht (Serie bei GS-Line). Dagegen wirkt der Corsa D trotz 17″ Felgen und OPC-Exterieur aber Halogenbeleuchtung rumherum schon etwas altbacken.

LED Rückleuchten: Serie in der GS-Line

Weiter geht’s mit der Sitzprobe: Ich schätze an meinem Corsa D die schmal geschnittenen Sportsitze mit Stoff-/Kunstlederbezug (Ausstattungslinie “150 Jahre Opel”) und ordentlich Seitenhalt sehr, denn damit lassen sich auch 700 km am Stück abspulen, ohne dass danach Rückenschmerzen drohen. Anders im Corsa F: Die Rückenlehne ist deutlich kürzer als im Corsa D. Zudem sind die Sitze vorne im Schulterbereich stärker ausgeprägt und drücken mir unangenehm in den Rücken. Zugegeben: Mit über zwei Meter Körpergröße sprenge ich den Rahmen durchschnittlicher Körpergröße. Wer 1,80 oder kleiner ist kommt mit den Sitzen vermutlich besser zurecht, muss im Vergleich zum Corsa D aber auch auf ausgeprägten Seitenhalt der Sitze verzichten.

Ansonsten ist der Innenraum zwar moderner aber trotzdem angenehm bekannt und aufgeräumt – am Schalter für’s Licht hat sich zum Beispiel nichts getan. Anstelle von Rundinstrumenten fällt der Blick nun auf ein 7″ großes, digitales Cockpit (Serie bei GS-Line), statt der monochromen Anzeige im Corsa D gibt es ein 10″ Farbdisplay zur Steuerung von Navi und Musik. Angemerkt sei, dass es das 10″-Infotainment für 1000€ allerdings nur in Verbindung mit Sicht-Paket (170€), Klimaautomatik (310€) und Keyless-Open&Start (425€) gibt.

Sehr gefälliges Interieur in der von uns gefahrenen GS-Line

Beim Blick auf den Gangwahlhebel fällt dann aber doch auf, dass hier kein Corsa vom Mutterkonzern GM sondern von PSA steht. Dieser findet sich nämlich zum Beispiel auch in zahlreichen Modellen von Peugeot. Die Verarbeitungsqualität geht insgesamt noch in Ordnung. Es dominiert zwar viel Hartplastik, das kann der der Corsa D aber auch nicht besser – die aktuelle Konkurrenz, z.B. in Form des VW Polo dagegen schon. Etwas schade ist zudem, dass es im Corsa F keinen doppelten Ladeboden mehr im Kofferraum gibt.

Fahreindrücke im Opel Corsa F

Mit Druck auf den Startknopf (Keyless Open&Start, 425€) startet der Dreizylinder. Leider nur ein Dreizylinder, möchte man sagen. Doch tatsächlich macht der Corsa F seinen Job wirklich gut. Der Motor klingt kernig und zieht Dank ordentlich Drehmoment gut durch, die Automatik schaltet passend, ein Griff zu den in der GS-Line serienmäßigen Schaltwippen am Lenkrad ist eigentlich nie notwendig. Das Fahrwerk ist tendenziell sportlich-straff ausgelegt, ohne auf langen Strecken unnötig hart zu sein. Die Lenkung ist dagegen für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig und bietet relativ wenig Rückmeldung. Die Lenkpräzision geht aber in Ordnung. Theoretisch bietet der Corsa drei Fahrmodi: Eco, Normal und Sport. Wechselt man in den Sportmodus so wird die Lenkung straffer, allerdings dreht die Automatik die Gänge dann unnötig lange aus. Eine individuelle Konfiguration der Fahrmodi ist leider nicht möglich.

Beim Blick in den Rückspiegel fällt zudem die schlechte Übersichtlichkeit auf, denn aufgrund der breiten C-Säule und der kleinen Heckscheibe lässt sich der Bereich hinter dem Corsa F nur begrenzt überblicken. Abhilfe (und dringende Kaufempfehlung) schaffen hier die Parksensoren hinten (355€) oder die Rückfahrkamera (490€).

Assistenzsysteme im Corsa F: Licht und Schatten

Dass sich in den letzten acht Jahren im Automobilbereich doch einiges getan hat sieht man am deutlichsten im Bereich der Assistenzsysteme. Während bei meinem Corsa D ein nicht-adaptiver Tempomat das höchste der Gefühle ist, fährt der Corsa F eine ganze Armada an Assistenten auf. Bestellbar sind z.B. eine kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung, ein (aktiver) Spurhalte-Assistent, ein Totwinkelwarner, ein adaptiver Tempomat und – als Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse – Matrix-LED-Licht. Eigentlich eine schöne Sache, wenn diese auch funktionieren. Denn unser Testwagen wurde leider mit defekter Frontkamera geliefert und auch das Abstandsradar machte Zicken. Ich schiebe diese Defekte an dieser Stelle auf den im Fahrzeugschein vermerkten Zustand “Erprobungsfahrzeug”. Ob die Probleme auch im Serienfahrzeug auftreten vermag ich nicht zu beurteilen. Aus Erfahrung mit anderen PSA-Fahrzeugen wie dem Peugeot 508 kann ich aber sagen, dass die Assistenzsysteme dort durchaus zuverlässig arbeiten. Auch der von Opel bereitgestellte Ersatzwagen zeigte sich in Hinsicht auf die Assistenzsysteme zum Großteil unauffällig.

Leider lässt das große Infotainmentsystem oft zwei schwarze Balken ungenutzt…

Das Ausstattungs-Highlight ist hier sicherlich das gut funktionierende und empfehlenswerte Matrix-LED-Licht (600€), das wir auch hier im Video getestet haben und welches Nachtfahrten deutlich angenehmer macht. Beim Umstieg zurück in meinem Corsa D war der Unterschied immens. Auch der adaptive Tempomat macht lange Reisen sehr viel angenehmer, auch wenn das selbständige Beschleunigen gerne etwas flotter ablaufen dürfte. Schatten zeigt sich vor allem bei der Darstellung des 10″-Infotainmentsystems. Hier wird die zur Verfügung stehende Displayfläche nur schlecht genutzt und der Bildschirm zeigt ständig schwarze Balken an den Rändern links und rechts. Vielleicht besser Opel hier via Software-Update nach.

Fazit nach einer Woche: Würde ich auf den Opel Corsa F umsteigen?

Die gute Nachricht zuerst: Der neue Corsa F fährt auch weiterhin wie ein Opel, es handelt sich nicht um einen Peugeot 208 mit Opel Emblem. Außerdem hat er in Sachen Optik und Assistenzsysteme einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die schlechte Nachricht: Der Corsa ist teuer. Unser Testwagen schlägt mit knapp 30000€ zu Buche, theoretisch lässt sich der Preis noch weiter nach oben treiben. Zum Vergleich: Ein ähnlich ausgestatteter Golf 8 kostet nicht allzu viel mehr (hier die Konfiguration in Text und Video)! Dazu die für mich schlechter passenden Sitze und die im Vergleich zu meinem Corsa D geringere Leistung sprechen für mich persönlich gegen den Umstieg vom Corsa D zum Corsa F. Und eine noch sportlichere GSi oder gar OPC-Variante ist aktuell nicht in Sicht. Wer allerdings einen spritzigen Kompaktwagen für die Stadt sucht, kann mit dem Corsa F durchaus glücklich werden.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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