Alfa Romeo Fahrberichte

Alfa Romeo Tonale im Test: Elektrifizierung geglückt?

Alfa Romeo, das verbinden Viele mit Motorsport, Fahrdynamik, schnittigem Design und ikonischem Modellen. Trotzdem lief es in letzter Zeit eher schlecht für Alfa auf dem deutschen Markt. Zuletzt wurden nur noch zwei Modelle, Giulia und Stelvio, in Deutschland angeboten. Dazu waren auch die Zulassungszahlen überschaubar, trotz großartiger Modelle wie der Giulia Quadrifoglio. Nun soll es unter dem Dach von Stellantis wieder aufwärts gehen. Damit das klappt rollt Alfa Romeo den Tonale an den Start, ein SUV mit 4,53 Metern Länge. Zudem folgt Alfa Romeo dem Trend zur Elektrifizierung, denn für den Tonale werden, abgesehen von einem Dieselmotor, nur Hybrid- und Plug-In-Hybridantriebe angeboten. Ob das zum dynamischen Anspruch passt?

Alfa Romeo Tonale: Ikonisches Design, neu interpretiert

Zum Start in die neue Hybridära wird Alfa Romeo nicht müde in Sachen Design auf zahlreiche Modelle zu verweisen, die beim Tonale Pate gestanden haben sollen. Natürlich ist der Tonale auf den ersten Blick als Alfa Romeo zu erkennen, woran der ikonische Kühlergrill ‚Scudetto‘ einen großen Anteil hat. Neu ist dagegen das großflächige Tagfahrlicht, das die Leuchten des Alfa Romeo SZ Zagato neu interpretiert. Auch die Heckleuchten orientieren sich an diesem Design mit drei leuchtenden Halbkreisen. Die Felgen erkennt der Alfisti ebenfalls sofort, denn sie sind im typischen Lochdesign ausgeführt, wie man sich auch bei Giulia und Stelvio kennt. Der Tonale fällt so im Stadtverkehr auf jeden Fall auf, auch wenn unser Testwagen nicht in klassischen ‚Rosso Alfa‘ sondern in ‚Blu Milsano‘ (950€) lackiert ist.

Alfa Romeo Tonale Heckansicht

Auch am Heck unseres in ‚Blu Milsano‘ lackierten Tonale findet sich die dreiteilige LED-Signatur, welche den SZ Zagato zitieren soll. Die beim ‚Speciale‘ serienmäßigen 20″-Felgen findet man sonst eher selten in diesem Segment.

Ebenfalls neu im Vergleich zu Giulia und Stelvio hat Alfa Romeo den Innenraum gestaltet. Hier gibt es nun keine echten Rundinstrumente mehr am Tacho, stattdessen setzt Alfa Romeo auf ein 12,3“ großes Display das in klassichen Tuben sitzt. Immerhin lässt sich eine Tachoansicht mit klassischer Skala auswählen. Der Bildschirm (10,25“) zur Bedienung von Fahrzeugeinstellungen und Infotainment steht nun frei auf dem mit Kunstleder bezogenen Armaturenbrett. Altbekannt ist dafür der ‚DNA‘-Regler zur Einstellung des Fahrmodus, genau wie der Startknopf am Lenkrad. Etwas übertrieben wirken aufgrund der 130 PS Basismotorisierung die massiven, feststehenden Schaltwippen aus Aluminium, die scheinbar unverändert aus den QV-Modellen übernommen wurden.

Dank echter Tasten am Lenkrad sowie zur Bedienung der wichtigsten Klimafunktionen geht die Bedienung hier recht leicht von der Hand. Nur die Aktivierung von Sitzheizung bzw. -lüftung oder die Zieleingabe im Navigationssystem erfordern den Griff zum Zentralbildschirm. Allerdings setzt Alfa Romeo auf Alexa als Sprachassistentin, die hier teilweise hilfreich zur Seite steht.

Alfa Romeo Tonale Cockpit

Die Bedienung von Klimaanlage und Assistenzsystemen geht dank physischer Tasten leicht von der Hand. Komplizierter ist die Touch-Bedienung des 10,25″ großen Zentralbildschirm. Bekannt: Der ‚DNA‘-Regler zur Fahrmoduswahl, welcher links vom großen Getriebehebel platziert ist.

Liebevolle Details, schlechte Rundumsicht

Die Schaltwippen können hier stellvertretend für die gesamten Innenraumqualität genannt werden, denn bis zur Gürtellinie ertasten die Fingerspitzen fast nur (Kunst)leder und unterschäumte Kunststoffe, dazu gesellen sich nette Details wie die italienischen Flaggen an den Außenspiegeln und in der Mittelkonsole oder die toll gestickten Alfa-Logos in den Kopfstützen. Zudem wird die Zierleiste im Armaturenbrett bei Nacht beleuchtet. Der Alfa-Fahrer hat hier die Wahl zwischen fünf Farben.

Weniger gut ist die Rundumsicht, denn die A-Säule ist genau wie die C-Säule sehr breit gestaltet, zudem ragen die Kopfstützen der zweiten Reihe sehr hoch auf, was die Sicht nach hinten zusätzlich beschränkt. Und wenn wir schon beim Kritisieren sind: Da die zweite Sitzreihe recht hoch montiert ist finden aufgrund der reduzierten Kopffreiheit nur Mensch bis etwa 1,70 Meter zufriedenstellend Platz.

Unser Testwagen fährt als ‚Speciale‘ vor, einer Ausstattungslinie die zum Marktstart angeboten wird und bereits viele Extras wie 20“-Felgen (!), Matrix-LED-Scheinwerfer (Nachtfahrt Test folgt auf motoreport.tv), fequenzabhängige Dämpfer und Keyless-Go beinhaltet. Allerdings ist unser Testwagen noch mit dem „Premium-Paket“ ausgestattet und ist deswegen mit (Kunst)leder ausgekleidet und verfügen über eine Sitzlüftung (Sitzheizung Serie).

Wer 2400€ in das ‚Premium Paket‘ investiert erhält fein gesteppte (Kunst)ledersitze mit aktiver Lüftung. Die ziemlich großen Aluminumschaltwippen hinter dem Lenkrad passen dagegen eher zu den QV-Modellen als zu unserem Basisbenziner.

Tonale: Benzinmotoren nur noch elektrifiziert

Die Ausstattung und Verarbeitung erfüllten also den Premiumanspruch. Das können wir leider vom Motor nicht behaupten. Wir fahren die Basismotorisierung, einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-Benzinmotor, der 130 PS und 240 Nm Drehmoment generieren soll. Unterstützt wird der Benziner von einem Elektromotor, der 20 PS und 55 Nm generiert. Der Elektromotor bezieht seinen Strom dabei durch einen Akku der beim Bremsen durch Rekuperation gefüllt wird. Die beiden Motoren werden wiederrum durch ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbunden und treiben die Vorderachse an. So ausgestattet kann der Tonale bis etwa 20 km/h rein elektrisch anfahren und knipst unter 90 km/h beim Rollen den Benziner aus. Zudem unterstützt der Elektromotor beim Beschleunigen.

Müder Motor, tolles Fahrwerk

Leider springt der Emotionsfunke beim Fahren nicht so richtig über. Natürlich erwarten wir bei 130 PS keinen Renwagen, doch der Antriebsstrang spricht durch den langen Gaspedalweg nur schlecht an, der Motor dreht nur widerwillig hoch und wirkt müde, das DKG neigt teilweise zum rucken. Von der von Alfa Romeo beschworenen ‚Sportlichkeit im 21. Jahrhundert‘ (Pressemitteilung) ist hier nicht viel zu spüren. Zwar wird die Gasannahme im Fahrmodus ‚Dynamic‘ besser, dafür dreht das Getriebe dann für den Alltagsbetrieb zu hoch. Hier hilft nur der Griff zu den großen Schaltwippen.

Das ist insbesondere deswegen schade, da der Tonale bei Fahrwerk und Bremsen sehr gute Grundlagen mitbringt. Die frequenzabhängigen Dämpfer schaffen einen guten Spagat zwischen Komfort und Sport, die Brembo-Bremsanlage lässt sich gut dosieren und verzögert auf Wunsch prächtig. Die Lenkung arbeitet sehr direkt, auch wenn sie wenig Handmoment und Rückmeldung bietet. Doch am Kurvenausgang heult dann beim starken Beschleunigen der Motor kräftig auf und der Motor wirkt ohne E-Unterstützung noch matter, denn der kleine Akku ist bei dynamischer Fahrweise schnell leer.

Auch wenn Alfa Romeo den Motor für den Tonale neu entwickelt haben möchte: Die technischen Daten ähneln verdächtig stark dem Motor im Konzernbruder Fiat 500X, bis hin zu Bohrung, Hub und Verdichtung. Auch die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h packt unser Tonale nicht, mit viel Anlauf ist bei Tacho 195 km/h Schluss. Wobei der Tonale ab 170 km/h nur noch langsam zulegt.

Im volldigitalen Tacho mit klassischer Alfa-Skala lässt sich auch der Energiefluss des Antriebssystems anzeigen. Leider enttäuschte dieser im Testbetrieb.

Standesgemäße Assistenzsysteme im Tonale

Sofern man es auf der Autobahn allerdings langsamer angehen lässt kann der Tonale hier durchaus überzeugen. Denn Dank aktiver Spurhaltefunktion bleibt der Tonale hier stets in der Spur. Selbst Baustellenmarkierungen werden meistens erkannt und eingehalten. Gewöhnungsbedürftig ist dagegen, dass die aktive Spurhaltefunktion auch im ‚Standby‘ die Spurverlassenswarnung mit Lenkeingriff deaktiviert. Darüber hinaus bietet Alfa Romeo gegen Aufpreis einen Totwinkel-Assistenten sowie eine 360°-Kamera an. Der Autobahnverbrauch von sieben bis acht Liter auf 100 Kilometer geht dagegen in Ordnung. Den Highway Assist haben wir bereits hier in Stelvio/Giulia gezeigt:

Elektrifizierung erfolgreich?

Ob der Umbau einer stark emotionalen Marke wie Alfa Romeo zum E-Auto-Bauer gelingt wird letztendlich der Kunde entscheiden. Wichtige Gene wie Innenraumgestaltung, Materialqualität, Fahrwerk und Bremse wurden dem Tonale immerhin in die Wiege gelegt. Zudem steht mit dem 160 PS Benziner auch schon eine etwas stärkere Motorisierung zur Verfügung. Wer noch mehr Leistung wünscht kann zudem ab Herbst einen Plug-In mit 275 PS Systemleistung bestellen. Und vielleicht beglückt uns Alfa Romeo auch noch mit einer echte Quadrifoglio-Version. Einen passenden Vierzylinder könnte Konzernpartner Maserati spendieren, denn im Levante wird ein potenziell passender 330 PS starker Benziner angeboten. Für Fans von Dieselmotoren steht zudem noch ein 130 PS-Diesel ganz ohne E-Unterstützung zur Verfügung.

In Punkto Kosten ist der Tonale im Konkurrenzumfeld von Audi, BMW & Co. fair eingepreist, die Basis ‚Super‘ startet mit dem gefahrenen 130 PS-Benziner bei 35.500€, unser Testwagen mit ‚Speziale‘-Ausstattung kostet 43.300€ (Basis 39.000€).

Die Konfiguration unseres Testwagens als PDF gibt es hier zum Download.

Technische Daten Alfa Romeo Tonale (1.5T, Hybrid, 130PS)

BeschreibungDaten
Hubraum1469ccm
Leistung bei Drehzahl (Benziner) + E-Motor96kW / 130PS bei 5750 1/min + 15kW / 20PS
Drehmoment bei Drehzahl (Benziner) + E-Motor240Nm bei 1500 1/min + 55Nm
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung 0-100km/h9,6s
Höchstgeschwindigkeit200km/h
AntriebsachseVorderachse
Abmessungen (Länge x Breite x Höhe)4,53m x 1,84m x 1,60m
Gewicht leer / inklusive Fahrer1525kg / 1600kg
Erzielter Testverbrauch5,8 - 11,7L/100km
Preis (Basis / Testwagen)35.500€ / 43.300€

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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