Alltags-Sportler: Kia c’eed GT Track

kia ceed gt 2014

Der Kia c’eed GT ist mit 204 PS das stärkste und sportlichste Modell des koreanischen Herstellers für den deutschen Markt. Bereits im Sommer 2013 konnte ich ein paar erste Runden mit ihm drehen. Nun galt es herauszufinden, wie sich der 5-türer im Alltag schlägt.

Dass koreanische Fahrzeuge alles andere als langweilig aussehen, hat Kia in letzter Zeit bewiesen. Nicht zuletzt wegen des Teams des deutschen Designers Peter Schreyer (ehemals VW) überzeugen Modelle wie der Sportage viele Kunden und sind häufig einfach attraktiver als z.B. ein Tiguan. Auch das Exterieur des c’eed GT leugnet seine Wurzeln nicht, sieht aber trotzdem stimmig und absolut frisch aus.

3-türige Variante: Der pro_cee'd GT.

3-türige Variante: Der pro_cee’d GT. (Ab 22.990 EUR)

Inwiefern sich das Interieur vom normalen c’eed abhebt, liest man am besten im Artikel aus 2013 nach – im Alltagstest zeigte sich recht schnell: Innen fühlt sich alles schon sehr gut und wertig an. Natürlich erreicht die Materialwahl nicht die Stufe dt. „Premiumhersteller“, auch bei weiteren Modellen Kias ist mir aber deutlich aufgefallen, dass hier doch alles ein bisschen fester sitzt als z.B.  bei anderen Asiaten. Wo etwa beim Nissan Juke das Multifunktionslenkrad ein Graus ist, ist das des c’eed GT nahezu perfekt gelungen. Es lässt sich nicht nur gut greifen, vor allem Details wie Regler und Knöpfe wackeln nicht und geben sauberes Feedback. Besonders gut gefallen hat mir der digitale 7-Zoll Tacho. Er kann in 2 Modi, „Bieder“ oder „GT“ betrieben werden, in letzterem zeigen farbige Balken links und rechts Turboaufladung sowie anliegende Newtonmeter Drehmoment an. Die Tachoeinheit ist nicht nur bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar, vor allem die hohe Auflösung ist einfach nur schön anzusehen. Umso ärgerlicher, dass Kleinigkeiten vergessen wurden: Es wird z.B. angezeigt, wenn der Tempomat aktiviert ist, die Set-Geschwindigkeit taucht aber trotz ausreichend Platz nicht auf. Aber halb so schlimm, die 2-Zonen Klimaautomatik, die sogar den Fond separat belüftet und in zwei Automatikstufen betrieben werden kann (Soft/Fast, Serie) und das wunderbar übersichtliche Navigationssystem (1.000 EUR), das ich schon im Sportage gelobt habe, gleichen das locker wieder aus.

kia ceed gt tacho

Der c’eed GT ist für mich ein sportlicher Kompakter mit überdurchschnittlich guter Alltagstauglichkeit. Aus mehreren Gründen würde ich ihn deshalb für meine Ansprüche Konkurrenten wie z.B. dem Ford Focus ST oder Citroën DS3 Racing vorziehen. Es sind die Details, die den c’eed GT im Everyday-Life angenehm machen. Ganz wichtig: Sitz und Sitzposition. Nahezu wie beim Standard-c’eed muss man nicht in die Sportsitze (Recaro) kriechen, sondern steigt angenehm ein. (Von Haus aus hat der c’eed GT auch 5 Türen, der pro_cee’d ist der 3-türer) Die Sitze selbst treffen auch genau meinen Geschmack: Der Seitenhalt ist überraschend gut, vor allem aber taugen sie für die Langstrecke. Während ich auf 200 km Focus ST schon mal Rückenschmerzen bekommen kann, sind die Sitze des c’eed GT einfach deutlich weicher und komfortabler. Auch eine Lordosenstütze (elektrisch) ist an Bord. Großzügig dimensionierte Ablagen bieten jede Menge Platz, so etwa unter der Mittelarmlehne, welche sich nach vorne verschieben lässt. Das Handschuhfach lässt sich sogar kühlen. Serienmäßig verbaut ist auch eine elektrische Handbremse sowie ein Berganfahrassistent. Nett auch: Das immer enthaltene Panoramaglasdach, das sich zu einem großen Teil öffnen lässt. Der Kofferraum ist mit 380 Litern nicht nur ausreichend für große Einkäufe, sondern lässt sich auch noch leicht und ohne Hindernisse beladen.

kia pro ceed gt interieur

Zu der satten Serienausstattung und dem auf Sport getrimmten Design sollte so ein c’eed GT aber natürlich Spaß machen. Anfangs ungewohnt ist der Gaspedalweg, man wundert sich zunächst wie viel Gas man geben muss um den Motor im ersten Gang nicht abzuwürgen. (Gewöhnungszeit hält sich aber sehr kurz) Gut 200 PS sind absolut ausreichend um den 1.4 Tonnen schweren c’eed schnell in Bewegung zu bringen (0-100 in 7,7 Sek). Beim 1.6 Liter 4-Zylinder Benziner „T-GDI“ sorgt ein Twin-Scroll Turbolader für den satten Vortrieb, seine Kraft entfaltet sich relativ gleichmäßig, so dass es sozusagen keinen „Turbo Moment“ gibt, der für ein heftiges „in den Sitz pressen“ sorgt, den Fahrspaß mit trübt aber eigentlich nichts: Gerade in schnellen Landstraßen-Kurven macht der c’eed GT richtig Freude. Kein Mangel an Traktion auch bei sehr dynamischer Fahrweise, sicherlich auch dank der 225/40 18-Zoll Michelin Bereifung. Lediglich die 6-Gänge lassen sich leicht hakelig über relativ lange Schaltwege wechseln. Als für meine Bedürfnisse optimales („Sport-„)Fahrwerk gilt immer in etwa des meines Audi A3 Ambition, das des c’eed GT kommt ihm – (auch wieder im Punkt Alltagstauglichkeit) sehr nah. Es gibt Feedback, ist sportlich, aber nicht übertrieben hart, was bedeutet, dass auch mehrere hundert Km Autobahn nicht auf die Nerven gehen. A propos Autobahn: Wenige günstige Sportwagen fühlen sich jenseits der 200 km/h so stabil und sicher an wie der c’eed GT. Die elektromechanische Lenkung ist kein Präzisionswunder aber richtig angenehm abgestimmt, fühlt sich auch deutlich direkter und ausgefeilter an als z.B. die im Kia Sportage mit recht synthetischem Feedback.

kia ceed gt 2014

Käufer, die sich für den koreanischen Sportler entscheiden, sollten tendenziell auch Interesse an möglichst günstigen Betriebskosten haben. Im Test über ca. 1.800 Kilometer hat er im Durchschnitt 10 Liter Super auf 100 Kilometern verbraucht. Passend zum GT war auch die Fahrweise immer eher dynamisch, Autobahngeschwindigkeiten lagen um die 140-150 km/h. Der angegebene, kombinierte Verbrauch liegt bei 7,4 Litern, die wie immer kaum zu erreichen sein dürften, bei sparsamer Fahrweise sind aber um die 9 Litern drin, das ist durchaus akzeptabel.

Nach den ersten Presse-Testfahrten im letzten Jahr gab es von vielen Seiten einen speziellen Kritikpunkt: Der Sound war zu leise. Oder besser: Bei den Insassen kam zu wenig davon an. Aufgrund der guten Dämmung wurden eben nicht nur Fahrgeräusche, sondern der ohnehin recht leiste „Rennsportsound“ geschluckt. (Video: Sound des c’eed GT im Sommer 2013) Kia behilft sich jetzt mit einem optional für 899 EUR bestellbaren Sportauspuff von Bastuck. (Kann auch für ein paar Euro mehr direkt bei Kia nachgerüstet werden.) Tatsächlich klingt der c’eed damit viel besser, nicht nur von außen. Der Sound ist satt und von innen deutlich wahrnehmbar. Nicht aber zu laut oder dröhnend. Moderat eben. (Video: Soundcheck Kia c’eed mit Bastuck Sportauspuff und Video 2)

kia ceed gt weiß

Nicht nur wegen der angenehmen Fülle an Serienausstattung und vielen netten technischen Details wie dem Einschalten des Lichts beim Annähern an das Fahrzeug, dem Spurassistent, der Klimaautomatik oder dem digitalem Tacho sondern natürlich auch dem vom 1.6 T-GDI und dem Fahrwerk gebotenen Fahrspaß steht der Kia c’eed GT in einem top Preis-Leistungsverhältnis. Die Verarbeitung ist auf einem überraschend hohem Niveau. Der Gesamtpreis und Kias lange Garantie dürften den c’eed GT für viele sportliche Fahrer interessanter machen als etwa einen gebrauchten Golf GTI.

Autogefühl.de vergleicht den Kia pro_c’eed GT mit dem Seat Leon SC FR.

Kia cee’d GT 1.6 T-GDI Track

Leistung/Drehmoment: 150 kW (204 PS) / 265 Nm
Getriebe: 6-Stufen Schaltgetriebe
0-100 km/h: 7,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Leergewicht:  ca. 1.400 Kg
Verbrauch angegeben: 7,4 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Verbrauch berechnet: 10.0 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Gefahrene Kilometer: 1.500
Kofferraumvolumen: 380 L, max.: 1.318 L
Testwagenpreis: 29.789 EUR
Sonderausstattung (zzgl. zur Ausstattungsv. „Track“): Navigationssystem (1.000 EUR), Panoramadach (900 EUR), Sportauspuff (899 EUR)

Text & Fotos: Matthias Luft

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