Fahrrad

SKS AirSpy im Test: Live-Reifendruck-Kontrollsystem fürs Fahrrad

Im Auto gehört ein Reifendruck-Kontrollsystem bereits seit vielen Jahren zur Standardausstattung. Aber benötigt man ein derartiges System auch auf dem Fahrrad? Die Firma „SKS-Germany“ hat uns für die Beantwortung dieser Frage das Produkt „AirSpy“ (ca. 80€) zugesendet, welches wir in den vergangenen Wochen intensiv auf dem Gravel-, Renn- und Stadtrad getestet haben. Unsere Erfahrungen und Eindrücke zur Echtzeit-Reindruckanzeige auf dem Fahrrad im folgenden Artikel.


Die Firma „SKS-Germany“ aus dem Sauerland hat mit dem Produkt „AirSpy“ einen kleinen, 18g leichten und intuitiv zu installierenden Sensor entwickelt, welcher in Kombination mit dem Handy oder einer Garmin-Headunit (z.B. Garmin Edge-Serie) die Möglichkeit bietet, immer den aktuellen Luftdruck in den Reifen zu überprüfen. Zudem kann ein Alarm aktiviert werden, sollte ein voreingestellter Mindestluftdruck aufgrund eines Defektes unterschritten werden.

Lieferumfang und Montage

Den SKS „AirSpy“ gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Zum einen das Modell „AirSpy AV“ für Dunlop- und Schraderventile, zum anderen das Modell „AirSpy SV“ für Sclaverandventil (auch französische Ventile genannt). Von der Funktionalität und Montage sind beide Modelle identisch, unterscheiden sich lediglich in der mitgelieferten Ventilverlängerung. Neben dem Sensor befinden sich noch vier Plastikbügel mit im Lieferumfang, welche für die Fixierung des Sensors mit der Speiche vorgesehen sind. Eine CR2032 3V Knopfzelle ist ebenfalls im Paket enthalten und bereits vorinstalliert. Neben den im Lieferumfang enthaltenen Teilen benötigt man zusätzlich noch ein Android- oder iOS-Smartphone mit der entsprechenden SKS „MyBike“-App und/oder eine Garmin Headunit.

Lieferumfang

Die Montage am Rad ist in weniger als zehn Minuten und ohne zusätzliches Werkzeug möglich. Wichtig ist die Sensornummern für Vorder- und Hinterradsensor vor Montage zu notieren, da diese für die Verbindung zur App bzw. Headunit benötigt werden und im montierten Zustand kaum abzulesen sind. Für den eigentlichen Installationsprozess muss die Rändelschraube am Sensor gelöst und die Ventilverlängerung herausgedrückt werden. Im Anschluss wird das Reifenventil aufgedreht und die Ventilverlängerung des SKS-Sensors aufgeschraubt. Der Ventileinsatz im Reifen muss nicht entfernt werden! Im nächsten Schritt wird der Sensor über die aufgeschraubte Ventilverlängerung geschoben, der passende Haltebügel / Verdrehsicherung angebracht und mit Hilfe der Rändelschraube wird alles wieder fixiert. Damit ist die Installation der Hardware abgeschlossen. Sollte man mit der intuitiven Montage dennoch Probleme haben, ist eine gut verständliche und hilfreiche Bedienungs- und Montageanleitung beigelegt und auf dem YouTube Kanals von SKS ist ein Montagevideo zu finden. Der „SKS Airspy“ ist auch für Tubless-Systeme mit Dichtmilch geeignet.

Koppeln mit der „SKS MyBike“-App

Nach der erfolgreichen Installation der Hardware muss im Anschluss noch die Kommunikation mit der „SKS MyBike“-App hergestellt werden. Diese ist kostenlos sowohl bei Android als auch iOS verfügbar und kann in den entsprechenden App Stores heruntergeladen werden.

Zum Koppeln muss das Laufrad zunächst ein paar Mal gedreht werden, sodass der Sensor aktiviert wird. Bei längerem Stillstand fällt dieser in einen Ruhemodus, um die Batterie zu schonen. Nun die App öffnen und unter dem Menüpunkt „AirSpy“ auf verbinden klicken. Die Sensoren sollten bei aktiviertem Bluetooth automatisch erkannt werden. Im nächsten Schritt nur noch die vorher notierte Sensornummer in der App auswählen, sodass Vorder- und Hinterrad korrekt zugewiesen werden und schon ist der Koppelvorgang abgeschlossen. Auch dieser Prozess ist wie die Hardwareinstallation sehr intuitiv und selbsterklärend.

Nach erfolgreichem Koppeln werden die aktuellen Reifenluftdrücke in der App angezeigt. Im gleichen Menü können nun auch Mindestluftdruckwerte definiert oder die Firmware upgedatet werden. Zudem verfügt die App über einen Reifendruckkalkulator, welcher bei Eingabe diverser Parameter den idealen Luftdruck für die aktuelle Situation ermittelt.

Koppeln mit einer Garmin Headunit

Für sportlich ambitionierte Fahrer ist die Anzeige auf der entsprechenden Headunit deutlich praktikabler, als zunächst das Handy zu zücken und die App zu öffnen. Leider lässt sich der „SKS AirSpy“ nur mit Geräten von Garmin verbinden und aktuell noch nicht mit Konkurrenzprodukten von Wahoo, Sigma, Hammerhead, Polar, etc. Dies liegt daran, dass der „SKS AirSpy“ nicht auf den ANT-Standard setzt.

Um den aktuellen Reifendruck in einem Datenfeld der Garmin Headunit anzeigen zu lassen, muss zunächst die SKS Integration aus dem Connect IQ Store geladen werden. Anders als beim Hinzufügen von Ant+-Sensoren wie Leistungsmesser, Trittfrequenzsensor, Geschwindigkeitsmesser oder Radar, wird der „AirSpy“ nicht im Sensormenü erkannt. Es muss die IQ App geöffnet und die vorher notierten Sensornummern für „Bike 1 Front“ bzw. „Bike 1 Rear“ manuell eingefügt werden.

Während der Fahrt sind der Reifendruck für Vorder- und Hinterrad im entsprechenden Datenfeld verfügbar. Leider werden die Daten nicht im FIT-File der Aktivität gespeichert, sodass diese im Anschluss an die Fahrt nicht zur weiteren Auswertung zur Verfügung stehen. Unseren Informationen nach arbeiten die Entwickler bei SKS aber daran, dies zu integrieren. Ein Anwendungsfall, den wir uns vorstellen können – bei welchen eine spätere Auswertung Sinn machen würde – wären verschiedene Trainingsrunden bei Cyclocrossrennen oder MTB Downhill Rennen, um das Setup entsprechend abzustimmen.

Darstellung der Luftdrücke für Vorder- und Hinterreifen auf einem Garmin Edge 830

Erfahrungen mit dem SKS Airspy

Nach der Montage ging es direkt auf eine kleine Tour mit dem Gravelbike. Nach ein paar Fahrminuten stellten wir fest, dass das Vorderrad etwas an Luft verliert. Der Alptraum eines jeden Radfahrers, ein schleichender Plattfuß. Genau diesen stellten wir fest, da die App uns einen Hinweis gab und wir gewarnt wurden. Mit etwas Restluft im Reifen kamen wir wieder zuhause an und waren froh den „AirSpy“ gehabt zu haben, da Luftverlust vermutlich erst deutlich später realisiert worden wäre. Es stellte sich heraus, dass wir bei der Montage die Dichtung zwischen Ventil und Sensorgehäuse verrutscht war. Nach sauberer Reparatur hatten wir bei den weiteren Gravelfahrten keine Defekte oder Probleme zu verzeichnen.

Nachdem wir den „SKS AirSpy“ ca. 200km auf dem Gravelbike gefahren waren, installierten wir diesen anschließend auf unserem Rennrad. Merkte man die zusätzlichen 18g pro Laufrad am Gravelbike kaum bis gar nicht, stellte sich am Rennrad heraus, dass die einseitig angebrachten zusätzlichen 18g die Fahreigenschaften deutlich beeinflussen und verschlechtern. Fährt man mit dem Gravelbike vorwiegend Waldwege und Forstautobahnen bei Geschwindigkeiten um die 25km/h so erreicht man mit dem Rennrad bei Abfahrten nicht selten Geschwindigkeiten von mehr als 60km/h. Bei derartigen Geschwindigkeiten beeinflusst die kleinste Unwucht am Laufrad die Fahreigenschaften am Rennrad negativ. Daher wanderte der „AirSpy“ schnell wieder zurück ans Gravelbike, wo er unserer Meinung nach auch seine Heimat hat und Stärken ausspielen kann. Je nach Untergrund variieren wir am Gravelbike öfter den Luftdruck um optimale Grippverhältnisse zu haben – hier ist der SKS-Sensor ein toller Helfer.

Fazit: Toll am Gravelbike, ungutes Fahrgefühl am Rennrad

Die Frage ob man den „SKS AirSpy“ benötigt, muss jeder für sich selbst beantworten. Der Preis von UVP 99€ stellt im Vergleich zu Konkurrenzprodukten wie z.B etwa dem „TyreWiz“ von QUARQ (UVP 199€) bei gleichem Funktionsumfang ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Für den Alltagsfahrer, welcher seinen täglichen Arbeitsweg mit dem Zweirad zurücklegt, ist es sicherlich nur in begrenztem Maß interessant, mit welchem Luftdruck dieser aktuell unterwegs ist. Einzig die Warnung vor Luftverlust bzw. des unterschreiten eines Mindestluftdruckes ist für den Arbeitswegradler ein möglicher Anwendungsfall. Unsere persönliche Erfahrung mit dem „AirSpy“ am Rennrad hinterlässt leider ein ungutes Fahrgefühl, da die Fahreigenschaften bei hohen Geschwindigkeiten doch merklich negativ beeinflusst werden.

Ein tolles Hilfsmittel ist der SKS-Sensor am Gravelbike. Da man hier öfter mit verschiedenen Luftdrücken bei unterschiedlichen Verhältnissen unterwegs ist und man sich nicht selten an der unteren Grenze des Mindestluftdrucks bewegt, ist der SKS-Sensor ein toller Helfer. Zudem können wir uns vorstellen, dass der Sensor im MTB-Bereich erst sein volles Potential ausspielt. Leider verfügt unser Bikefuhrpark nicht über ein MTB, sodass dieser Test noch aussteht.

Kaufen Ja oder Nein? Unserer Meinung nach ein schönes Gadget und Spielzeug für Techniknerds, aber kein Must-Have-Produkt für jeden Radfahrer. Wer 99€ übrig hat und auch gerne am Setup seines Fahrrades tüftelt, wird mit dem „SKS AirSpy“ (hier bei Amazon) seine Freude haben.

 

Disclaimer: Der SKS AirSpy wurde uns von der Firma „SKS-Germany“ für den Produkttest kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Artikel beruht auf den eigenen Erfahrungen des Autors und wurde von SKS-Germany nicht finanziell unterstützt.

Über den Autor

Christoph Argauer

Autor Christoph Argauer studierte Automotive und Mechatronik an der Universität Bayreuth. Noch lieber als per Auto ist er in seiner Freizeit auf zwei Rädern unterwegs!

2 Kommentare

  • Airspy- problematische Verbindung via BT / Fehlender Alarm und Diebstahlschutz

    Also, ich fahre das Airspy auf dem MTB, und habe nun noch ein 2.Set bestellt. Und ich kenne natürlich die Diskussionen („…für was brauchst den Schmarrn…etc.)
    Gut, für was brauche ich das ? Ich fahre ein EMTB, 2,8“ Reifen – Tubeless. Auch wenn die Eddy Current recht dicht sind, aber der Reifendruck muß regelmäßig kontrolliert werden. Nun werden diese breiten Schlappen mit sehr wenig Druck gefahren, Fürs Altmühltal etwa 0,9Bar, für die Dolomiten etwa 1,0Bar. Bei 1,3 sind sie prügelhart, bei 0,6 bereits gefährlich weich. Will sagen : Der optimale Druckbereich ist recht eng. Diesen mittels Airspy vor der Fahrt kurz zu checken hat sich sehr bewährt. Ich liebe es. Dennoch hat das System noch Schwächen bei BT-Verbindung, Diebstahlschutz und akustischer Warnung.
    Nachfolgenden Text habe ich daher an SKS geschickt, Antwort steht noch aus.
    ****************
    gestern hatte ich telefonisch Kontakt mit einem Ihrer Spezialisten weil ich den Airspy nicht mit einem zweiten Mobiltelefon verbinden konnte. Die überraschende und ernüchternde Antwort war : Es geht nicht.
    Und zwar weil die APP nur BT nutzt, und BT eben nur eine Verbindung zu einem Hdy unterstützt. Es würde daher auch künftig nicht gehen.
    Das ist aber aus meiner Sicht so nur bedingt richtig. Airspy kann ja auch ANT+, und ANT+ kann sich sehr wohl mit verschiedenen Empfangsgeräten verbinden. Meine HR-Sensoren beispielsweise.
    Das Problem ist also nicht daß BT es nicht kann, sondern daß man die App nicht auf ANT+ umstellen kann, diese somit immer eine BT Verbindung aufbauen möchte, was dann nicht mehr funktioniert wenn zu einem anderen Hdy bereits eine Verbindung bestand. ( Auch wenn dieses gar nicht in der Nähe ist)
    Ich möchte daher anregen die App zu überarbeiten und als Einstellung der App vor zu geben ob eine ANT+ oder BT Verbindung aufgebaut werden soll. Damit wäre das Problem erledigt.
    Denn derzeit kann Airspy an einem Bike, das von mehreren Personen genutzt wird, nur von einer Person genutzt werden, und das ist inakzeptabel.
    Außerdem habe ich es bislang nicht geschafft einen lauten Alarm zu bekommen wenn der Druck unter einen Min. Wert fällt. Es kommt nur eine optische Meldung auf dem Display.
    Genau das wäre aber die Hauptaufgabe des Airspy : Mich wahrnehmbar zu warnen bevor mir im Trail der Reifen von der Felge springt. (optische Meldung auf dem Display kommt)
    Eine Weitere, unnötige, Problematik ist daß der Airspy jederzeit gestohlen und verwendet werden kann. Dabei wäre es technisch kein Hexenwerk die Seriennummer mit dem Account zu verknüpfen so daß ein Airspy sensor nur mit dem Account des Besitzers verwendet werden kann.
    Ansonsten ist die App ganz OK. Lästig ist daß bei der Navigation unnötig Weise ein erheblicher Teil der Karte verdeckt wird.
    Alles in Allem : Ein gutes System mit deutlich Potential für Verbesserungen in der Software. Die Hardware, also die Sensoren, machen unauffällig was sie sollen.

    • Hallo Helmut, vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Kommentar. Auch wir standen bereits mit SKS-Germany in Kontakt und haben verschiedenes Feedback zum Airspy weitergegeben. Wie Sie sagen, ein sehr interessantes System/Produkt mit viel Potenzial. Wir sind gespannt, ob hier von SKS-Germany eine Weiterentwicklung/Update kommt und sind jetzt schon interessiert diese dann ggf. zu testen.
      Sportliche Grüße und weiterhin sichere Fahrt.

Kommentieren...

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.