Mazda 6e: Edler Innenraum, nervige Assistenten

Quelle: Mazda

Mit dem Mazda 6e bringt der Hersteller seine Mittelklasse-Limousine ins elektrische Zeitalter. Die technische Basis hierfür liefert der chinesische Autohersteller Changan, was man hier und da auch sieht. Was uns bei über 1000 Kilometern Teststrecke sonst noch aufgefallen ist, gibt es hier im Testbericht zu lesen.


Mazda 6e: Den Assistenten fehlt der Feinschliff

Wir fahren den Mazda 6e mit dem kleineren 68,8 kWh LFP-Akku in der Ausstattungslinie Takumi Plus. Für den Vortrieb sorgt dabei eine Synchronmaschine an der Hinterachse, die bis zu 190kW / 258 PS und 320 Nm liefert. Damit soll die knapp zwei Tonnen schwere Limousine in unter acht Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Tatsächlich startet der Mazda aus dem Stand zügig los, jenseits von Tempo 120 verlässt ihn dann aber Elan. Das ist aber kein Beinbruch, denn mit dem gelungen eher komfortabel abgestimmten Fahrwerk eignet sich die Limousine sowieso eher zum entspannten Kilometer fressen, denn für das zügige Kurven jagen. Auch wenn das ESP im Sportmodus leichte Heckschwenks zulässt.

Passend zum komfortablen Charakter bleibt es im Innenraum auch bei höheren Geschwindigkeiten angenehm ruhig. Zumindest wenn vor Fahrtbeginn verschiedene Fahrerassistenzsysteme deaktiviert wurden. Denn wie zum Beispiel auch Fahrzeuge von Kia nimmt es der Mazda 6e mit der Fahreraufmerksamkeit besonders ernst und warnt übermütig. Zudem empfiehlt es sich den aktiven Spurhalteassistenten abzuschalten. Dieser greift auf der Autobahn ziemlich ruppig ein, bevor er sich bei einem manuellen Lenkeingriff abschaltet. Aber auch der adaptive Tempomat sorgte bei uns im Test teilweise für graue Haare, wenn er vor Autobahnkurven ohne Grund die eingestellte Geschwindigkeit um 10 km/h verringerte. Beim Thema Assistenzsysteme ist also noch Luft nach oben.

Am Heck ist der 6e klar als Mazda zu erkennen – und sieht in der Farbe ‘Melting Copper’ (850€) einfach schick aus. Quelle: Mazda

Innen edel und gemütlich

Umso erfreulicher dagegen der Innenraum. Dank Takumi Plus-Ausstattung trägt unser Testwagen großflächig braunes Nappaleder und Velourledernachbildung. Die Verarbeitung ist tadellos, sodass wir den Eindruck bekommen in einem deutlich teureren Fahrzeug zu sitzen. Der Innenraum wirkt ohne viele physische Knöpfe elegant und aufgeräumt, allerdings sind viele Funktionen (bis hin zur Einstellung des Scheibenwischers) nur über den 14,6“ großen Bildschirm auf der Mittelkonsole zu erreichen. Die Bedienung geht nach kurzem Studium des Systems trotzdem leicht von der Hand, Smartphones lassen sich kabellos via Android Auto oder Apple Carplay verbinden. Probleme bereitet uns dagegen die Klimatisierung, die auf 24°C eingestellt werden will, um warme Luft in den Innenraum zu leiten und im Automatik-Modus öfter kalte Luft zu den Füßen schickt.

Große Gedanken um die Konfiguration müssen wir uns beim Mazda 6e übrigens nicht machen. Die Ausstattungslinien Takumi und die von uns gefahrene Takumi Plus unterscheiden sich vor allem durch das Material der Sitzbezüge. Im Takumi Plus kann das Panoramaglasdach außerdem mit einem elektrischen Rolle verdunkelt werden. Das bedeutet auch, dass die derzeitige Basis ‘Takumi’ schon mit vielen Extras wie Head-up Display, Sitzlüftung, Wärmepumpe und 19″-Felgen ausgestattet ist. Mit einer “Besonderheit” müssen sich aber bislang alle Mazda 6e-Fahrer arrangieren: Die Sprachsteuerung klingt unmotiviert wie in keinem anderen Fahrzeug.

Das braune Interieur bleibt der Ausstattungslinie ‘Takumi Plus’ vorbehalten, die sonstige, umfangreiche Ausstattung erhält aber jeder Mazda 6e. Quelle: Mazda

Der Verbrauch passt

Auf der Autobahn überzeugt uns der Mazda 6e dann wieder – sofern wir die übergriffigen Assistenzsysteme abgeschaltet haben. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt genehmigt sich der Testwagen etwa 23 kWh/100km bei Tempo 130, was eine Reichweite von gut 250 Kilometern zwischen den Ladestopps ergibt. An der Ladesäule tankt der Mazda auf dem Papier mit bis zu 165kW nach, wir haben allerdings bei mehreren Versuchen nie mehr als 158kW erreicht. Die Ladezeit von 10% auf 80% liegt damit bei knapp 30 Minuten. Das ist nicht rekordverdächtig schnell, für den Fahrzeugpreis allerdings noch angemessen. Abseits der Autobahn lag unser Verbraucht stets unter 20kWh/100km, trotz der kühlen Temperaturen im März.

Wem der 68,8 kWh-Akku zu klein ist, kann übrigens theoretisch auch zum größeren 80 kWh-Akku greifen. Wir würden davon jedoch abraten, da die ‘Long Range’-Variante nur mit maximal 90 kW laden kann. Damit steigt die Ladezeit von 10 auf 80% auf 45 Minuten, was diese Variante unserer Meinung auf der Langstrecke unbrauchbar macht. Denn den Zeitverlust bei einem eventuellen zusätzlichen Ladestopp beim kleineren Akku holt man durch die höhere Ladeleistung locker wieder rein.

Mazda 6e: Fazit

Mit dem 6e bietet Mazda ein Fahrzeug, das uns vor allem durch den edlen Innenraum und die hohe Effizienz überzeugt. Verbesserungen wünschen wir uns für die Fahrerassistenzsysteme und Klimasteuerung. Und einige Tasten mehr, z.B. für die Klimasteuerung, den Scheibenwischer und die Lautstärke, vermissen wir auch im Jahr 2026. Besonders interessant wird der 6e auch über den Preis. Unser Testwagen als Takumi Plus mit der Außenfarbe ‘Melting Copper’ (850€) kostet 47.750€. In Sachen Preis-Leistung ist der Mazda also ganz weit vorne.

Wer bei Mazda lieber Verbrenner fahren möchte, interessiert sich vielleicht für den neuen Mazda CX-5, den wir hier im Video vorgestellt haben.

Mazda 6e ‘EV’ – Technische Daten:

Mazda 6e 'EV'
Länge x Breite x Höhe4,92m x 1,89m x 1,49m
Kofferraumvolumen466L + 72L Frunk
Leergewicht (DIN)2037kg
Akkukapazität68,8kWh (brutto)
Spitzenleistung190kW / 258PS
Drehmoment320Nm
Höchstgeschwindigkeit175km/h (elektronisch begrenzt)
Beschleunigung 0-100km/h7,6s
Maximale Ladeleistung (DC)165kW
Maximale Ladeleistung (AC)11kW
Ladezeit (DC, 10%-80%)24min
Verbrauch WLTP / Test16,6kWh/100km / ca. 19kWh/100km
Preis Basis / Testwagen44.900€ / 47.750€
Jonas Braunersreuther: Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.