Fahrberichte Mercedes-Benz

V-Klasse oder (e)Vito – welcher Van für wen?

Vor kurzem hatten wir die Mercedes-Benz V-Klasse als V300d zum Test, letzte Woche hatten wir die Möglichkeit den frisch überarbeiteten Mercedes-Benz Vito und eVito zu testen. Bei einem Einstiegspreis von 35.000€ (Vito Tourer) bis 64.000€ (eVito Tourer) stellt sich die Frage: Welches Modell für welchen Kundenkreis? Und wie fährt der neue eVito?


Das sagt Mercedes-Benz

Grundsätzlich sieht Mercedes-Benz folgende Positionierung vor: Die V-Klasse und das elektrisch Pendant EQV (hier unser Bericht zum EQV) richten sich an Privatkunden, der Vito und der vollelektronische eVito sollen dagegen vor allem gewerbliche Kunden ansprechen. Entsprechend bieten V-Klasse und EQV höherwertige Materialen und mehr optionale Ausstattung, während sich die Vito-Familie eher an preissensible Kunden richtet. Die technischen Daten, z.B. Länge und Motorisierungen gleichen sich dagegen sehr. Logisch, schließlich werden alle Modelle auf der selben Produktionslinie montiert. Aber muss es für Privatkunden wirklich immer die teurere V-Klasse sein, oder reicht auch der billigere Vito Tourer?

Schöner Wohnen in der V-Klasse: MBUX mit natürlicher Spracheingabe, farbiges Infodisplay im Cockpit, stylische Dekoreinlagen und auf Wunsch Leder. (Foto: Mercedes-Benz)

Innenraumqualität in V-Klasse und Vito

Beginnen wir mit der V-Klasse, die bei uns als V300d und in der Avantgarde-Line vorstellig wird. Wer hier einsteigt findet das übliche Mercedes Cockpit vor, inklusive MBUX, das mit guter, natürlicher Spracherkennung und großem Infotainment-Display glänzt. Die Qualität des Innenraums kann zwar nicht ganz mit der einer C- oder E-Klasse mithalten, geht aber vollkommen in Ordnung. Das Cockpit des Vito kann dagegen einen gewissen “Bauarbeitercharme” nicht verheimlichen. So dominieren hier harte Kunststoffe, durchbrochen von silbernen Bedienelementen welche aus der V-Klasse übernommen wurden. Auch das schicke MBUX gibt es hier nicht für Geld und gute Worte, gegen Aufpreis aber immerhin ein 7″-Infotainmentsystem mit eingeschränkter Sprachbedienung und Unterstützung von Apple CarPlay und Android Auto. Auch die Instrumenteneinheit im Vito wirkt aufgrund des monochromen Zusatzbildschirms einfacher – die Funktionalität dagegen ist vergleichbar.

Das Cockpit im (e)Vito mit dem optionalen Radio “Audio 40”. Insgesamt dominiert viel Hartplastik, das Cockpit wirkt dafür sehr aufgeräumt.

Fahrverhalten von V-Klasse und Vito

Der 2 Liter große Diesel mit 239 PS in der V-Klasse schiebt erwartungsgemäß gut an, die 9-Gang Automatik schaltet stets passend. Wir würden uns aber auch mit der kleineren Ausbaustufe mit 190 PS und Automatik zufrieden geben, die in unserem Test-Vito verbaut ist (CDI 119 / V250d). In Sachen Fahrverhalten ähneln sich V-Klasse und Vito sehr, die Fahrzeuge sind komfortabel abgestimmt und eignen sich ohne Abstriche für längere Autobahnetappen. Wer aufgrund der ausladenden Dimensionen (Außenlänge 5,14m in der Version “Lang”) vermutet, dass die Vans in der Stadt fehl am Platz sind wird eines besseren belehrt. Dank guter Übersichtlichkeit und relativ kleinem Wendekreis fühlen sich die Fahrzeuge auch hier wohl. Wir empfehlen trotzdem den Kauf der optionalen Rückfahrkamera. In der V-Klasse lässt sich – Stichpunkt Kundenorientierung – auch eine 360°-Kamera bestellen.

Der größte Unterschied in Sachen Fahrkomfort findet sich bei der Lautstärke im Innenraum. Während die V-Klasse auch beim Beschleunigen und höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn angenehm leise bleibt, ist der Dieselmotor im Vito deutlich präsenter. In Sachen Ausstattung hat der Vito mit dem Facelift fast zur V-Klasse aufgeschlossen. Neu sind nun die ACC ‘DISTRONIC’ sowie ein aktiver Bremseingriff und eine verbesserte Rückfahrkamera. Eine Besonderheit stellt zudem der optionale digitale Innenspiegel dar (hier im Video), der während der Fahrt das rückwärtige Kamerabild in den Innebspiegel einblendet. Abstriche muss man dagegen bei der Materialwahl machen: Leder bleibt der V-Klasse vorbehalten, ebenso wie Einzelsitze, Sitzbelüftung oder Ambientelicht.

Im Fahrgastraum des (e)Vito Tourer dominieren einfache Materialien, der Sitzkomfort ist trotzdem sehr gut. Hightlight: Das große Panoramadach (Option), das viel Licht in den Innenraum lässt.

Neu im Programm: Der Mercedes-Benz eVito Tourer

Letztes Jahr hat Mercedes-Benz bereits den vollelektronischen EQV300 vorgestellt, der mit 204 PS Elektromotor und 90 kWh-Akku ausgestattet ist. Genau mit diesem Antriebsstrang fährt nun auch der eVito Tourer vor, allerdings in der Basis 17.000€ günstiger. Wie auch der der Vito ist der eVito weniger opulent ausgestattet. Das MBUX fehlt hier ebenso, wie eine optionale Lederausstattung oder die Möglichkeit, das Burmester-Soundsystem zu bestellen. Außerdem ist der eVito in Reihe zwei und drei nicht mit Einzelsitzen bestellbar, sondern nur mit 2er bzw. 3er Sitzbänken. Ansonsten erhält man mit dem eVito aber, dank realistischer Reichweite von 350 km, ein absolut alltagstaugliches Auto. Dank optionaler Schnellladefunktion mit 110kW Ladeleistung (Serie: 50 kW) ist der Akku in 45 Minuten wieder zu 80% (ausgehend von 10%) gefüllt.

Im Vergleich zum Vito fällt vor allem der niedrige Schwerpunkt und die damit verbundene satte Straßenlage sowie der niedrige Geräuschpegel auf. Mercedes-Benz liefert beim eVito neben verschiedenen manuellen Rekuperationsmodi (0 – -2 m/s) auch einen Automatikmodus mit, der die Rekuparation mittels Abstandsradar selbstständig anpasst. In Kombination mit der optionalen ACC ‘DISTRONIC’ werden bei vorausschauender Fahrweise die Bremsen so kaum benötigt. Lobenswert ist außerdem, dass der eVito immer mit einem Wartungspaket ausgeliefert wird, das vier Inspektionen nach Serviceheft beinhaltet. Auf den Akku gibt es außerdem eine Garantie bis 160.000km.

Vito oder eVito? Lediglich die Ladeklappe in der Stoßstange und das “E” auf dem Kennzeichen unterscheiden Vito und eVito.

V-Klasse oder Vito?

Wer einen grundsoliden, komfortablen Van mit bis zu neun Sitzplätzen sucht kann also getrost zum Vito greifen, sofern er bereit ist auf MBUX und hochwertigere Materialien sowie bestimmte Sonderausstattung zu verzichten. Denn mit dem Facelift bietet auch der Vito die wichtigsten Ausstattungsoptionen für Privatkunden wie ACC oder adaptives LED-Licht und bleibt dabei deutlich günstiger als die V-Klasse. Ähnlich verhält es sich bei EQV und eVito Tourer. Der Einstiegspreis des eVito Tourer liegt zwar mit 64.000€ bauartbedingt deutlich höher als der des Vito. Allerdings ist der EQV erst ab 69.000€ erhältlich.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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