VW Touareg Offroad-Test im Atlasgebirge, Marokko

Der Touareg ist laut unseren YouTube Zuschauern kein echter Offroader. Kein anderes SUV wurde in den Kommentaren zu unserem Video so oft als Nicht-Offroader betitelt. Dabei hat das Volkswagen Marketing das auch nie behauptet. Er soll ein luxuriöses SUV sein, das durchaus Offroad-Qualitäten mitbringt. Wir sind einen Tag lang teils spektakuläre Offroad-Pisten im marokkanischen Atlasgebirge mit dem V6 TDI mit 286 PS und Offroadpaket gefahren. Dabei haben wir insbesondere die Allradlenkung und die Luftfederung bis ans Limit testen können.

Abstieg von 2.700 Höhenmetern aus dem Skigebiet Oukaïmeden nahe Marrakesch

Offroad fahren bedeutet weit mehr als an matschigen Steigungen den Allrad-Antrieb arbeiten zu lassen. Vermutlich hätten wir den Großteil unserer Strecke sogar rein frontgetrieben fahren können. Unser Tagestrip ins Atlasgebirge führt uns von Marrakesch aus auf mehr oder weniger gut ausgebauten, teils asphaltierten Straßen bis hoch in Marokkos höchstes Skigebiet Oukaïmeden auf 2.700 Höhenmetern. Von dort aus steigen wir langsam aber todesmutig an steilen Abgründen auf kaum befestigen Straßen wieder ab ins Tal nach Asni.

Touareg V6 TDI (286 PS) R-Line

Luftfahrwerk im Testwagen ohne Wankstabilisierung
In unserem ersten Fahrbericht sind wir den neuen Touareg mit Wankstabilisierung gefahren. Auf dem ersten, serpentinenreichen Stück bis aufs Hochplateau hatten wir nun den Vergleich zum (Luft-)Fahrwerk ohne Wankstabilisierung: Wir konnten dieses asphaltierte Stück und seine Haarnadelkurven wirklich zügig hochsprinten und waren überrascht, dass man ohne Wankstabilisierung auch nicht so viel mehr wankt. Wir erinnern uns an den Vergleich zum Touareg der vorherigen Generation, der sich durchaus stark in Kurven gelegt hat, beim neuen Touareg könnten wir uns die Wankstabilisierung aber durchaus sparen, zumal sie nicht unbedingt den hohen Aufpreis von 5.900 € rechtfertigt. Nur wer wirklich häufig (und gerne sportlich) Landstraßen-Etappen fährt kann sie auch im wirklich spüren.

Trotz Allradlenkung muss man an der ein oder anderen Kehre zurückstoßen

Allradlenkung macht sich am meisten bezahlt
In unserem Video-Fahrbericht zum Touareg haben wir noch gesagt, dass man sich die Allradlenkung getrost sparen kann. Da haben wir aber noch nicht geahnt, wie brenzlig enge Haarnadelkurven offroad sein können: Fährt man zu weit in die Kurve ein, bzw. schlägt man zu spät ein, kommt man im ungünstigsten Fall entweder von der Fahrbahn ab, oder aber, der ohnehin lose Lehmboden rutscht an so einer kaum befestigten Stellte einfach weg. Von gefühlt 100 Kehren mussten wir an nur wenigen noch einmal zurücksetzen, um die Kurve zu kommen. Mit der Allradlenkung verkleinert sich der Wendekreis des Touareg um einen Meter, fast auf den Wendekreis des Golf. Bei niedrigen Geschwindigkeiten (bis 37 km/h) schlagen die Hinterräder bis fünf Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein, bei hohen Geschwindigkeiten in der selben Richtung.

Fast gefährlicher (für den Lack) als der Abgrund: Scharfe Felskanten an der Bergseite

Fast alles sind wir mit der Luftfederung auf Stufe 1 (+2,5 cm) gefahren
Der Reiz unserer Offroadtour durchs Atlasgebirge lag nicht an extremen Steilfahrten, sondern spitzen Kehren und sehr engen Passstraßen. Größere Steine sind für unsere Offroad-Reifen kein Problem, dem Unterboden werden sie schon auf der ersten von zwei Stufen sowieso fast nie gefährlich. Nur für unsere Wasserdurchfahrten gegen Ende der Tour haben wir das Luftfahrwerk auf das Maximum von +7 Zentimetern zur üblichen Bodenfreiheit nach oben gefahren. Bei besonders schnellen Fahrten senkt sich der Touareg übrigens fast bis aufs niedrigere Beladeniveau automatisch ab, in der Stufe Offroad Plus kann man auch nur in niedrigen Geschwindigkeiten fahren, ehe sich das Fahrwerk von selbst wieder absenkt.

Offroad-Ansicht im Discover Premium bei der Schrägfahrt

Offroad-Gadgets: Bergabfahr-Assistent & Offroad Anzeigen
Um nochmal zum Thema echter Offroader zu kommen: Was auf langen Offroadetappen (und nicht nur einer gestellten, kurzen Steigung im Parcours) wirklich hilft, sind zahlreiche Gadgets des Touareg. Neigen wir uns vertikal mehr als 8%, aktiviert sich im Offroad-Fahrmodus automatisch der Bergabfahrassistent. Man muss ihn nicht mehr, wie früher, separat aktvieren. An starken Steigungen kann man dann ganz entspannt den Fuß von der Pedalerie nehmen und der Touareg fährt selbst sicher mit immer genügend Traktion bergab. Die Geschwindigkeit, die er halten soll, passt man selbst per Gas oder Bremse an. Das entlastet auch auf permanenten Bergab-Stücken, ohne, dass man jedes Mal den Assistenten aktivieren muss. Auch die Offroad Anzeigen können hilfreich sein – z.B. wenn man sich bei einer Schrägfahrt nicht mehr sicher ist, ob man denn gleich wirklich zu kippen droht (maximal 35% Schräglage soll der Touareg wohl mitmachen). Hilfreich ist zudem die präzise, aber auch sehr leichtgängige elektromechanische Servolenkung. Nur die 360 Grad Ansicht hätten wir uns noch gewünscht, um auch an den Seiten sehen zu können, wir nah wir dem Abgrund (oder der scharfen Felswand) schon sind.

Wasserdurchfahrten im Fahrwerksniveau „Offroad Plus“ (+7 cm Bodenfreiheit)

Offroad Paket für 650 € bringt neben Triebwerksschutz auch größeren Tank mit
Das Offroad-Paket sorgt beim Touareg in erster Linie für einen Triebswerksunterschutz. Das klingt nur nach einem Schutz des Motors, tatsächlich bringt das Paket aber neben einem verstärkten Unterboden (vor allem beim Triebwerk) aber auch einen Tankschutz, Kühlerschutz und Batterieschutz mit. Auch zwei Abschleppösen sind dabei. Das Tankvolumen wächst auf 90 Liter, auch der Adblue Tank fasst mit dem Offroad Paket 24 Liter. In der Fahrprofilauswahl finden sich die zwei weiteren Modi „Schotter“ und „Sand“. Von außen ist das Offroad-Paket an unserem Touareg R-Line praktisch gar nicht zu erkennen.

Zurück ins Tal in Richtung Asni

Im marokkanischen Hochgebirge war es auf unserer mehrstündigen Offroad-Tour spannend zu erleben, wie entspannt das Fahren schmaler Pfade und enger Kehren sein kann – auch wenn wir uns nicht an metertiefe Wasserdurchfahrten oder extreme Steigungen gewagt haben. Mit dem Offroadpaket können stundenlange Schotterpisten-Fahrten dem teuren SUV auf Dauer nichts anhaben. Trotzdem bleibt die Frage, ob man seinem Touareg, der in unserem Fall schon wieder fast an der 100.000 € Marke kratzt, überhaupt hartes Terrain zumuten will. Für sämtliche Anwender immer sinnvoll ist jedenfalls der serienmäßige Allradantrieb: Beim Touareg handelt es sich um einen echten, permanenten Allradantrieb mit Torsen-Differenzial. Was das bedeutet, erklären wir an dieser Stelle in unserem Video.

VW Touareg V6 3.0 TDI 4Motion R-Line

Leistung/Drehmoment 210 kW (286 PS) / 600 Nm
Getriebe8-Gang Automatik
AntriebPermanenter Allradantrieb
0-100 km/h6,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit238 km/h
Leergewicht1.995 kg
Kofferraumvolumen810 Liter
Verbrauch angegeben6,9 Liter / 100 Km
Einstiegspreisca. 60.100 €

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