Test: VW Touareg mit Wankstabilisierung & Allradlenkung

Der VW Touareg bringt in der dritten Generation zum ersten Mal eine Allradlenkung und einen Wankausgleich optional mit. Nachdem wir ihn und sein futuristischen Cockpit bereits im ausführlichen Test statisch vorgestellt haben, testen wir nun das neue Fahrwerk und die optionalen Features auf traumhaften Alpenstraßen. Außerdem ist der Touareg momentan der einzige VW, der einen V6 sein Eigen nennen darf. Wir fahren den Touareg 3.0 V6 TDI 4Motion mit 286 PS und 600 Nm in der Ausstattung „Elegance“.

Shift-by-Wire erstmals bei VW & endlich wieder ein Sechszylinder
Schon beim Einsteigen wird es komfortabler: Der Touareg ist der erste Volkswagen, der (endlich) Shift-by-Wire an Bord hat. Man bewegt den Automatikwahlhebel also nicht mehr mechanisch, sondern ein platzsparender Joystick überträgt den gewünschten Fahrmodus auf die 8-Gang Automatik. Dann geht es mit einem feinen V6 Brummen (das kommt dank Akustikglas nur geringfügig bei den Passagieren an) in Richtung Wilder Kaiser. Die Straßen dorthin sind zwar fahrerisch für uns, jedoch nicht für den V6 spektakulär. Selbst durch steile Serpentinen hetzt man mit geringem Gaspedalweg. Mehr Power bräuchte man hier evtl. nur mit einem Pferdeanhänger: Der Touareg III kann wie sein Vorgänger max. 3,5 Tonnen ziehen. In 6,1 Sekunden sprintet der V6 TDI mit 286 PS auf Tempo 100. Nach wie vor handelt es sich beim 4Motion Allradantrieb nicht um den variablen 4Motion, sondern den permanenten AWD mit Torsen-Differenzial.

Touareg „Elegance“ mit 20 Zoll Felgen „Nevada“ (285/45)

Fast perfekte Kombi aus 8-Gang Automatik und 3.0 TDI
Was sich im Vergleich zum vorherigen Touareg nicht geändert hat: Die 8-Gang Wandlerautomatik von ZF und das kleine Problem, dass sie beim Anfahren manchmal nicht so fix ist, wie man es gerne hätte. Bremst man beim Zufahren auf ein Vorfahrt-Gewähren-Schild fast 10-20 km/h runter und will dann schnell wieder beschleunigen, gibt es die Bedenksekunde. Der Touareg wiegt ziemlich genau zwei Tonnen, mit denen der Motor leicht zurecht kommt. Richtige Sportfahrer sollten aber bis zum Herbst auf den Achtzylinder mit über 400 PS oder den V6 Benziner warten. Den V6 Diesel gibt es bald auch noch in einer kleineren 230 PS Version.

Tagfahrlicht der Matrix LED Scheinwerfer

Aktive Wankstabilisierung wird durchaus spürbar
Wankausgleich ja oder nein? Das galt es auf den Serpentinenstraßen herauszufinden. Bereits 2016 sind wir mit dem „alten“ Touareg mit 260 PS V6 Diesel die Seiser Alm auf und ab gefahren. Das hat jede Menge Spaß gemacht, allerdings ist uns das Wanken des damals noch 200 Kilo schwereren Schiffs gut in Erinnerung geblieben. Der Wankausgleich funktioniert über je einen Stellmotor an der Vorder- und Hinterachse, der die beiden Stabilisatoren (links und rechts) gegeneinander versteift – je nach Fahrsituation und Lenkeinschlag. Das funktioniert tatsächlich überraschend gut und der Touareg fühlt sich ein bisschen mehr wie ein Tiguan statt als luftgefederter Koloss an. Besonders bei sportlichen Serpentinenfahrten kann (sehr empfindlichen) Mitfahrern so deutlich später übel werden. Ein Feature, das wir uns unbedingt leisten würden, auch wenn es den hohen Schwerpunkt natürlich nie ganz ausgleichen kann. In Verbindung mit der Luftfederung kostet es aber wohl nach aktuellem Stand mehrere tausend Euro Aufpreis.

Luftfahrwerk unbedingt, Allradlenkung würden wir uns sparen
Das Luftfahrwerk an sich hätte für uns aber noch vor der Wankstabilisierung Priorität. Es macht den Touareg zum bequemen Cruiser, der auch bei Tempo 220 keine Vibrationen spüren lässt (im Gegensatz zum stahlgefederten Arteon) und der schlechte Straßen extrem weich gefedert aber doch noch mit Feedback wegsteckt. Das Luftfahrwerk kostet (im Verhältnis günstige) 1.950 €, die gut angelegt sind. Zudem verschafft es auf Wunsch sieben Zentimeter mehr Bodenfreiheit. Serienmäßig kommt der Touareg traditionell gefedert und man kann ihn für 420 € mit Sportfahrwerk (ohne Hydraulik) bestellen. Irgendwie müssen wir unseren bisher 105.000 € teuren Testwagen im Preis drücken. Am ehesten würden wir an der Allradlenkung sparen: Sie verkleinert den Wendekreis des Touareg um einen Meter zwar fast auf den Wert des Golf, auf Supermarktparkplätzen ist der Riese aber ohnehin dank Rückfahrkamera und perfekter Servolenkung super manövrierbar. Bei geringen Geschwindigkeiten schlagen die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein, was den Touareg wendiger macht. Bei schnellen Fahrten schlagen alle Räder in die gleiche Richtung ein. Selbst bei dynamischen Bergetappen haben wir aber nicht so viel von der Allradlenkung gespürt, dass sie uns 2.800 € (Paket Luftfahrwerk + Allradlenkung) wert wäre. Letztendlich fährt sich der Touareg auch ohne alle Fahrdynamik-Extras ausgesprochen gut.

Digital Cockpit: Erhältlich mit dem Discover Pro als „Innovision Cockpit“ für 3.500 €

Großes Assistenz-Paket für 2.300 €, Lane Assist serienmäßig
Bei den Fahrerassistenzsystemen hat sich weniger als bei den Fahrwerksoptionen getan. An Bord ist auf Wunsch für den wirklich fairen Preis von 2.300 € das Fahrerassistenzpaket „Plus“, das schon jede Menge Extras umfasst, darunter eine ACC bis 210 km/h (mehr ist generell nicht möglich). Serienmäßig in allen Ausstattungsvarianten ist der Lane Assist, der nun erstmals bei einem VW auch bei jedem Motorstart aktiv ist und auf Wunsch jedes Mal abgeschaltet werden muss (damit erfüllt VW neue Crashtest-Normen). Ein Novum ist der erweiterte Stauassistent bis 60 km/h, der nun auch Baustellen-Spuren erkennen soll und das sichere Überholen von Lkws in engen Baustellen ermöglichen soll. Einen aktiven Spurwechselassistent wie z.B. beim 5er BMW gibt es noch nicht. Dafür gibt es nun auf Wunsch den Kreuzungsassistent, der mit zwei zusätzlichen Radarsensoren auch in der Front bei drohenden Gefahren bei Abbiegemanövern ebenfalls warnt und zur Not bremst.

Neben dem VW-Emblem: Wärmebildkamera für „Nightvision“ mit Reinigungsdüse

Nachtsicht-Kamera und Matrix-LED-Scheinwerfer beeindrucken
Zu den Highlights gehört Nightvision, ein Nachtsichtassistent, den wir bereits hier im Video gezeigt haben (1.800 € Aufpreis). Beeindruckend ist zudem das neue Head-Up Display, das nun erstmals auch komplexe Grafiken in die Scheibe projiziert, allerdings ebenfalls 1.300 € kostet und das dank des Innovision Cockpits für 3.500 € (15 Zoll Navi und digitaler Tacho) schon fast überflüssig ist. Wir würden allerdings jederzeit 1.800 € für das neue IQ.Light ausgeben: Dabei handelt es sich um Matrix-LED Scheinwerfer mit 128 LEDs pro Scheinwerfer. Dieses komplett neue Lichtsystem blendet bei Nachtfahrten Gegenverkehr intelligent aus dem Lichtkegel aus, wobei der Touareg selbst permanent auf Dauerfernlicht fährt. Der Gegenverkehr wird kein bisschen gestört. Das System ist noch weit lichtstärker und funktioniert harmonischer als beim bisherigen Active Lighting System. Einen Teil der Assistenzsysteme zeigen wir in unserem ausführlichen Video zum neuen Touareg.

Der Touareg ist ein würdiger Nachfolger des Phaeton und zurecht das neue Topmodell von Volkswagen: Nie vorher gab es so viele Innovationen bei Cockpit und Fahrwerk. Unser hier gezeigter Touareg kostet allerdings auch 105.000 €. Dass es günstiger geht, zeigen wir in diesem Video: Hier haben wir unseren Wunsch-Touareg mit sehr viel Ausstattung auf rund 84.000 drücken können und haben ebenfalls viel Fahrerassistenz und Fahrwerksoptionen an Bord. Der Einstiegspreis liegt bei 60.100 €. Den Verbrauch gibt Volkswagen mit 6,9 Litern an – realistisch sind eher 8-9 Liter. Der V6 mit 286 PS fällt unter die EU Norm Euro 6d-Temp.

VW Touareg V6 3.0 TDI 4Motion

Leistung/Drehmoment 210 kW (286 PS) / 600 Nm
Getriebe8-Gang Automatik
AntriebPermanenter Allradantrieb
0-100 km/h6,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit238 km/h
Leergewicht1.995 kg
Kofferraumvolumen810 Liter
Verbrauch angegeben6,9 Liter / 100 Km
Einstiegspreisca. 60.100 €
Testwagenpreisca. 105.000 €
Unser Testwagen konfiguriertDatenblatt (PDF)

Fotos: Matthias Luft, Benjamin Brodbeck

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Mehr aus dem Mercedes-Benz Netzwerk
Anzeige

* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH (www.dat.de) unentgeltlich erhältlich ist.