Fahrbericht: Ford Mustang EcoBoost oder Mustang GT?

Mustang GT oder Mustang EcoBoost? Immerhin unterscheidet die beiden das Herzstück, das das Muscle Car letztendlich ausmacht. Aber: Auch der EcoBoost ist nicht langweilig. Er spart zwar nicht wirklich viel Sprit, kostet aber in der Anschaffung 6.000 Euro weniger.

Zusammen mit Bosch hat Ford an der Feinjustierung des Vierzylinders geschraubt. Aus 2.3 Litern holt er ganze 317 PS und 432 Nm, die wie beim GT über das Heck auf den Asphalt übertragen werden. Maximal ist man mit dem 1.655 kg schweren EcoBoost 234 km/h schnell. Wir sind den Mustang EcoBoost mit der manuelle 6-Gang Schaltung gefahren. Die Gänge rasten legendär knackig ein. Der Turbo-Vierzylinder überzeugt mit einer gewissen Leichtigkeit im vor Muskeln strotzenden Mustang: Beim Anfahren geht es richtig spritzig los, auch im sechsten Gang jenseits der 180 km/h sorgt er noch für ordentlich Vortrieb. Der V8 ist mit seinen 421 PS immerhin 100 PS stärker, so extrem macht sich der Unterschied aber auch nicht bemerkbar. Der V8 braucht dagegen bei spritzigen Fahrten gefühlt eine Millisekunde länger, um in Gang zu kommen. Der Fünfzylinder wiegt allerdings auch “nur” 80 Kilo mehr. Auf dem Papier ist der GT in 4,8 Sekunden bei Tempo 100 angekommen, der EcoBoost braucht genau eine Sekunde länger.

V8 Sound und Launch Control fehlen
Über Umwege klingt auch der EcoBoost richtig sportlich und nicht einfach wie ein Benziner unter Volllast. Das hat man bei Ford wirklich gut hinbekommen, bzw. das Beste herausgeholt. Leider ist er aber nicht mit dem sonoren V8 Blubbern des Originals zu vergleichen. Auch die schöne Vibration beim Beschleunigen fällt beim EcoBoost quasi ganz weg. Dafür gibts bei offenen Fenster eben das Turbopfeifen, was auch etwas von Kraftentfaltung hat. Auch auf andere Unvernünftigkeiten, die den Mustang ein Stückweit ausmachen, muss man leider verzichten: Es gibt keine Launch Control (sonst serienmäßig beim GT mit manuellem Getriebe) und auch nicht den berüchtigten Burn-Out Modus: Im Line Lock bremst der Mustang GT damit die Vorderräder fest und ermöglicht es dem Fahrer, 15 Sekunden lang die hinteren Reifen in Rauch aufgehen zu lassen.

Die muskulöse Karosserie unterscheidet sich kein bisschen vom V8 Mustang

Der Name EcoBoost passt nicht ganz zum Verbrauch
Die Bezeichnung EcoBoost schreit nahezu nach einem effizienten Verbrauch. Allerdings wird der Turbobenziner seinem Namen aber nicht so ganz gerecht: Im Schnitt haben wir mit ihm um die 10 Liter verbraucht. Letztes Jahr waren es im Mustang GT zwischen 12-13. Der EcoBoost ist also sparsamer, lässt sich aber nur schwer unter 10 Liter drücken, unter 9 haben wir überhaupt nicht hinbekommen. Je nach Situation und genereller Fahrweise kann man mit dem GT sicherlich bei sanften Autobahngeschwindigkeiten auch fast den Verbrauch des EcoBoost erreichen.

Mustang EcoBoost Fastback mit Premium Paket I und 19-Zoll Felgen in Bright-Silber Metallic

Zum Cruisen ein Traum – auch ohne V8
Als Gran Turismo fühlt sich der Mustang EcoBoost auch mit dem Vierzylinder auf Landstraßen bestens an. Auch auf Alpenstraßen vermisst man mit 317 PS wirklich nichts, Fahrwerk und Lenkung machen einfach Spaß. Die Lenkung ist vielleicht nicht die direkteste, sie lässt sich aber in drei Stufen in ihrer Servounterstützung einstellen. Das Fahrwerk ist wesentlich weicher abgestimmt als z.B. andere Sport Fords und wird auch auf der Langstrecke nie unkomfortabel.

Wo beim Achtzylinder die Buchstaben GT prangen, gibts beim EcoBoost das Pony.

Unschlagbar viel Leistung und Ausstattung für 38.000 Euro
Selten kommen Sportwagen jenseits der 300 PS mit so viel Serienausstattung. Im Gegensatz zu nahezu allen Konkurrenten gibt es im Mustang jede Menge Luxus und Komfort für unter 40.000 Euro. Da wären etwa die Ledersitze vorne, die auch ohne das Premium-Paket extrem bequem sind und sich serienmäßig elektrisch einstellen lassen. Auch das SYNC 2 Infotainmentsystem ist immer an Bord, auch wenn es in seiner Bedienung vielleicht eher umständlich ist. Auch sonst gewöhnlich aufpreispflichtige Features wie eine Alarmanlage, Rückfahrkamera oder Keyless-Go sind bereits in der Basisversion an Bord, Sensoren für Licht- und Regen sowieso. Je nach Budget und Wunsch-Mustang lohnt sich das Premium Paket für 2.500 Euro: Es bringt etwas mehr Chrom und Ziernähte mit, vor allem lohnt es sich im Sommer wegen der Sitzlüftung. An das Infotainmentsystem (dann mit Navigation) ist im Premium Paket ein Premium Soundsystem gekoppelt, auch die Sitze dürfen sich dann als “Premium” bezeichnen und sind noch etwas feiner ausgeformt. Noch ein Grund für das Premium Paket: Ford montiert dann 19- statt 18-Zoll Felgen. 

Interieur des Mustang EcoBoost mit Premium Paket I

Vom Pony, das bei geöffneter Tür auf den Boden projiziert wird bis zur Betankung ohne zusätzlichen Tankdeckel: Der Mustang ist nicht aufs Wesentliche reduziert, sondern bringt für 38.000 Euro in der EcoBoost-Version jede Menge Ausstattung mit. Nur selten gibt es außerdem so viel Technik und PS unterhalb der 40.000er Grenze. Für den 6.000 Euro günstigeren Anschaffungspreis könnten wir uns richtig gut mit dem Mustang EcoBoost anfreunden. Klar gibts beim Vierzylinder keinen US-Muscle-Car Sound und keine Brembo Bremsen, der 2.3er Turbobenziner bringt aber soviel Power mit, dass Kurvenstraßen oder schnelle Autobahnetappen damit nahezu genauso viel Spaß machen!

Technische Daten Mustang GT und Mustang EcoBoost im Vergleich

5,0 l Ti-VCT-V82,3 l EcoBoost
Hubraum4.951 L2.261 L
Leistung/Drehmoment 310 kW (421 PS) / 530 Nm233 kW (317 PS) / 432 Nm
Getriebe:6-Gang6-Gang
0-100 km/h4,8 s5,8 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h234 km/h
Leergewicht1.722 kg1.655 kg
Verbrauch angegeben13,5 Liter / 100 Km8,0 Liter / 100 Km
Kofferraumvolumen (umgeklappt)408 L408 L
Grundpreis44.000 €38.000 €

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Herr Lufr,

    ein sehr gelungener Beitrag von Ihnen.
    Jedoch werden bei den technischen Daten die beiden Modelle des öfteren miteinander vertauscht. ;-))

  2. Ich gebe Dir Recht: Für den Preis bekommt im Vergleich zu den deutschen Herstellern viel Fahrspaß für das Geld. Für mich gehört jedoch ein V8-Motor in den Mustang. Wenn ich schon mit einem so auffälligen Wagen unterwegs bin, muss auch der Sound dazu passen.

  3. 4 Zylinder oder 8 Zylinder ist einfach Geschmackssache. Wer den Sound braucht, dann eben V8 (aber so überragend ist der auch nicht). Ich für meinen Teil fahre den Mustang täglich und sehr viele Kurzstrecken, deshalb besitze ich den Eco. Wäre er als Zweitwagen im Einsatz, hätte ich wohl den V8 gekauft. Und trotz Eco: Das Auto macht einen Riesenspass und ich habe noch niemanden getroffen, der mit der Nase gerümpft hat wegen des 4 Zylinders. Das scheint es bis jetzt nur im Internet zu geben. Könnte mir Vorstellen, dass, wenn man den Eco-Mustang vor sich hat, die Anzahl der Zylinder und der damit etwas bessere Sound gar nicht mehr so wichtig sind. Es ist und bleibt ein Pony-Car (nicht Muscle-Car).

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