Sportcoupé mit Steer-by-Wire II: Test Infiniti Q60 2.0t

Wer das Design des Q50 in den letzten Jahren so spektakulär wie wir fand, wird sich jetzt genau so über die Formen des neuen Q60 freuen. Er ist das, was der Q-Palette an Sportlichkeit gefehlt hat. Wir sind im Winter bereits den V6 Benziner mit 405 PS gefahren, jetzt ging es mit dem kleinen 2.0t mit 211 PS durch die Alpen.

Sportcoupé mit ansehnlichem Kofferraumvolumen
Mit dem Gepäck für einen Kurztrip hat der Q60 keinerlei Probleme. Der Kofferraum ist für ein Sportcoupé recht groß und schluckt locker zwei Kabinentrolleys, eine große Reisetasche und unsere Drohne in einem weiteren massiven Koffer. Das möchte man von außen nicht unbedingt meinen. Gepäck für vier bekommt man also mit einer geschickten Schlichtung locker unter. Eng wird es aber für die rückwärtigen Passagiere in Sachen Kopffreiheit: Hier ist man mit 1,80 schnell eingeschränkt, die Beinfreiheit auf den beiden hinteren Sitzen (die Mitte ist geblockt) geht dagegen absolut in Ordnung. Für einfachen Ein- und Aussteigen fahren die Vordersitze elektrisch nach vorne und stellen sich wie vorher eingestellt wieder zurück. Überhaupt ist so ein Sportcoupé ja nicht gerade für die Langstrecke zu viert gemacht, es geht mit de Q60 aber überraschend gut.

infiniti q60 interieur

Interieur der nächst höheren Trimline „Sport Tech“ beim 3.0t

Teilautonomes Fahren dank ICC und aktivem Spurhalteassistent
Für unsere Durststrecke bis zum Beginn der Alpen lohnt sich das Lenkkomfortpaket für 1.000 €. Der Q50 und Q60 sind die einzigen Modelle Infinitis, in denen es das Direct Adaptive Steering, also Steer-by-Wire gibt. Das heißt: Alle Lenkimpulse werden nicht mechanisch über eine Lenkstange, sondern rein digital nach vorne auf ein Stellglied übertragen. Zum Lenkkomfortpaket gehört auch ein aktiver Spurhalteassistent, der den Fahrer permanent beim Lenken unterstützt. Diese Unterstützung bietet sich besonders auf Autobahnen an und wird in Verbindung mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung (bei Infiniti ICC) zum teilautonomen Fahren. Eine Kombination aus Frontkamera und Radar erkennt vorausfahrende Fahrzeuge und hält die eingestellte Geschwindigkeit und den Abstand. Das Funktioniert im Q60 sehr zuverlässig. Wenn zum Überholen ausgeschert wird, beschleunigt die ICC allerdings nicht schon beim Setzen des Blinkers, sondern erst dann, wenn man auch komplette auf der linken Spur ist. Bremseingriffe bekommt die ICC aber sehr sanft hin und allzeit zuverlässig hin.

infiniti assistenz

Safety Shield im Infiniti Q50: Aktiver Rundumschutz

Safety Shield: Dem Vordermann auffahren entgültig unmöglich
Kommt es auf der A9 zu einer der zahlreichen Urlauber-Stausituationen, bringt einen die ICC auch entspannt durch zählfließenden Verkehr. Sie kann bis 0 km/h bremsen (Automatik vorausgesetzt, ist beim Q60 aber Serie), nach zwei Sekunden Stillstand muss man allerdings selbst auf die Bremse treten. Eine Besonderheit im Q50 und Q60 ist das sog. Safety Shield. Es wird mit einer Taste am MuFu-Lenkrad aktiviert und hüllt den Q60 sozusagen in Watte: Egal worauf man zufährt, er bremst sanft und automatisch davor ab. Die Funktion des automatischen Bremsens der ACC funktioniert also auch, wenn man keine Geschwindigkeit gesetzt hat. Dazu gehört außerdem ein Spurverlasswarner und Toter-Winkel Warner. Besonders im Stadtverkehr ist die Funktion Gold wert, da es damit praktisch unmöglich ist, jemandem aufzufahren…

2-Liter Turbobenziner aus dem Hause Daimler, serienmäßig mit 7-Gang Automatik
Der 2.0 Liter Turbobenziner mit 211 PS (155 kW) und stammt aus dem Hause Daimler. Wir haben ihn schon im Q50 im Jahr 2014 gefahren. Auch dem Q60 steht er wunderbar, wenn auch der Unterschied zum 3.0t mit 405 PS ein Deutlicher ist. 211 PS genügen aber nicht nur für den Kampf um die linke Spur auf der Urlauber-überfüllten A9, sondern auch für traumhafte Kurvenstraßen der Dolomiten. Wenn es etwas zu meckern gibt, dann nicht, dass 211 PS zu wenig für den 1.700 kg schweren Q60, sondern, dass es vielleicht einen Moment dauert, bis der Antriebsstrang in Gang kommt. Die 7-Gang Wandlerautomatik ist wirklich gut, genehmigt sich aber ab und zu die ein oder andere Bedenksekunde. Eine Auffälligkeit, die  auch die das Daimler eigene DCT im Q30 und QX30 mitbrachte. Selbst hochgedreht klingt der 2.0t nicht gepeinigt und macht selbst bei enormen Steigungen des Jaufenpass richtig Spaß. Noch mehr Sound aus 6 Zylindern und Beschleunigung gibts natürlich beim großen und komplett neu entwickelten 3.0t: Seine 405 PS bändigt er in 5 Sekunden bis Tempo 100 serienmäßig per Allradantrieb. Unser 2.0t schafft den Sprint hinterradgetrieben bis Tempo 100 aber auch in in 7.2 Sekunden. Wie im Q50 trifft das Fahrwerk die richtige Mischung aus Sport- und Langstreckentauglichkeit.

DAS: Steer-by-Wire in der zweiten Generation noch reaktionsschneller
DAS, das Steer-by-Wire System, gibt es im Q60 mittlerweile in der zweiten Generation. Während unserer Serpentinen-Etappen in den Alpen hatten wir ausreichend Gelegenheit, die überarbeitete, „digitale“ Lenkung ausgiebig zu testen. Unserer Meinung nach ist sie noch etwas präziser geworden, als sie im Q50 ohnehin schon war. Außerdem sorgten minimale Lenkbewegungen in der ersten Generation für Nervosität am Stellglied und eine unruhige Lenkung, was mittelweile auch behoben wurde. Wenn es um Fahrdynamik auf Kurvenstraßen geht, arbeitet die Lenkung zwar top, allerdings geht mit DAS das Feedback vom Untergrund verloren. Man kann einen Gripverlust erahnen, spürt ihn aber nicht am Lenkrad. Für Sportfahrer kann das natürlich ein Problem sein – mit einem rein digitalen System kann man ein mechanisches Feedback aber nunmal nur schlecht nachahmen. Andererseits kommt einem DAS besonders dann zugute, da man nicht bei jeder Unwegsamkeit wie z.B. Schlaglöcher gleich einen Zug am Lenkrad spürt: Das kommt erst gar nicht beim Fahrer an und die DAS hält den Q60 sauber auf Kurs.

Infiniti Q60 Premium Tech in Iridium Blue mit 19-Zoll Alufelgen (255/40)

Steer-by-Wire als Basis fürs teilautonome Fahren
Wir mögen DAS aber besonders wegen der Möglichkeiten, die es dem autonomen Fahren ermöglicht und den zahlreichen Setups, die die Lenkung auf eine Vielzahl von Fahrern anpassen lassen: Über das InTouch System kann sie in etlichen Stufen entweder superleicht oder schön schwergängig gestellt werden. Grund zur Beunruhigung gibt es mangels mechanischer Verbindungen übrigens nicht: DAS überträgt die Lenkbewegungen über drei redundante Steuergeräte auf ein Stellglied. Wenn die Technik doch ausfallen sollte, gibt es immer noch eine mechanische Lenkstange, die im Notfall eingekuppelt wird.

Nachdem die letzten beiden Jahre für Infiniti mit dem Q30 und QX30 im Zeichen der unmittelbaren Kooperation mit Daimler standen, trägt der Q60 wieder den ganz eigenen Stil von Nissans Premiumtochter. Mit viel Ausstattung bereits in Serie, einem spritzigen Turbobenziner und eben seinem unverschämt guten Aussehen ist er für uns definitiv das attraktivste Coupé in diesem Jahr.

Infiniti Q60 Premium Tech 2.0T

Leistung/Drehmoment155 kW (211 PS) / 350 Nm
Getriebe:7-Gang Automatik
Antrieb:Hinterradantrieb
0-100 km/h:7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Leergewicht1.722 kg
Verbrauch angegeben6,8 Liter / 100 Km
Verbrauch erfahren8-9 Liter / 100 Km
Kofferraumvolumen342 L
Basispreis Premium Tech51.000 EUR
Testwagenpreis53.260 EUR

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  1. was für ein auto :)) sieht top aus und ich finde das dieses auto auch nicht zu teuer ist …..

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