Sitzprobe im Byton Concept: Ab 2020 in Deutschland?

Im Rahmen der Design Week in Mailand haben waren wir zu Gast bei der Europapremiere des Byton Concept Cars: Hierbei handelt es sich nicht um ein Concept wie den kürzlich von uns vorgestellten VW I.D. Vizzion, der noch in weiter Ferne liegt, sondern laut des chinesischen Herstellers Byton um ein durchaus seriennahes, vollelektrisches SUV, das 2019 in China und 2020 in den USA und in Deutschland für rund 43.000 € auf den Markt kommen soll. Dafür hat man aus Nanjing den ehemaligen BMW i8-Chef Carsten Breitfeld, den i8-Designer und noch weitere Größen der dt. Auto-Industrie abgeworben.

Kein Auto, sondern Smart Device: Das SIV
Byton hat einen starken Trend erkannt, den nicht nur wir in letzter Zeit hierzulande immer stärken mitbekommen: Ein Auto verliert bei der jüngeren Zielgruppe heutzutage an Begeisterung fürs Fahren und dient jungen Leuten immer öfter ausschließlich als Mittel um von A nach B zu kommen. Diese Maschine dann noch selbst steuern zu müssen gefällt vielen gar nicht. Laut Bytons Marketing Claim „Time to be“ soll man die Zeit während der Fahrt optimal nutzen können. Nächstes Jahr soll das SUV deshalb mit Level 3 Autonomie starten, via Update soll dann auf Level 4 aktualisiert werden können. Deshalb handelt es sich beim Byton Concept um ein „SIV“: Ein Smart Intiuitve Vehicle statt eines SUV.

(Tatsächlich) seriennahes, fahrbares Concept
Zu den optischen Highlights zählt das Mid-Size SUV (Größe des BMW X5, nur deutlich flacher) als ganzes: Das Design wirkt nicht zu futuristisch und man kann es sich in dieser Form ganz gut auf der Straße vorstellen. Auch die LED-Applikationen an der Front und am Heck sollen nicht nur eine Design-Spielerei sein: Über dieses Smart Surface soll der Byton (der übrigens noch keinen Modellnamen hat) mit anderen Verkehrsteilnehmern bzw. Fußgängern kommunizieren. Die Türen öffnen realitätsnah wie gewohnt seitlich. An der B-Säule scannt eine Stereokamera das Gesicht potenzieller (Mit-)Fahrer und gewährt bei Bedarf Zugang zum Cockpit. Die Außenspiegel kommen (wohl nicht in Deutschland) digital und werden per Kamera umgesetzt.

Lounge Experience statt Cockpit
Das Cockpit, Byton nennt es Shared lounge experience, wirkt einerseits abgespacet, andererseits recht seriennah. Ein bisschen wie im Citroën C5 gibt es inmitten des Lenkrads einen kleinen Touchscreen mit ein paar wenigen physischen Tasten, über den zentrale Funktionen wie das Klima oder die Sitzeinstellung gesteuert werden sollen. Auch Automatikwahltasten, eben das Lenkrad und Pedale gibt es noch: Das Concept Car ist schließlich momentan schon fahrbar. Die beiden vorderen Sitze sollen sich um bis zu 12 Grad in die Mitte drehen können. Wie das aussieht zeigen wir im Detail in unserem Video. Das soll es den Passagieren ermöglichen, sich ohne lautes nach-vorne-Schreien zu unterhalten. Einen Holzboden gibt es optional. Im Rahmen von Byton Life, einem eigenen Cloud-Service, können entweder die Fitness-Daten ins Auto eingespielt werden oder aber, was viel interessanter sein dürfte: Die kompletten Einstellungen in einen anderen Byton mitgenommen werden, ähnlich einem Apple iOS-Backup. 

1,25 Meter breiter Bildschirm serienmäßig
Das Highlight des Byton Concept ist der 1,25 Meter breite und 25cm hohe Bildschirm, der sich über das komplette Armaturenbrett zieht und serienmäßig (!) in allen Ausstattungsvarianten an Bord ist. Das sog. Shared Experience Display bietet einerseits für den Fahrer den Blick auf z.B. die Rückfahrkamera / Surroundview, andererseits, wie der Name schon sagt, auch Inhalte für Beifahrer und die restlichen Mitfahrer. So kann z.B. auch der Beifahrer ein Navi-Ziel auf seiner Seite des Displays ganz bequem eingeben. Wie sich das hochauflösende, aber deart große Display in der Realität bei Nachtfahrten schlägt bleibt allerdings abzuwarten: Schon große Infotainmentsystemen wie das von Volvo oder das Discover Premium von Volkswagen geben trotz Dimmfunktion sehr viel Helligkeit ab. Gesteuert wird alles entweder per Touch, Spracheingabe oder Gestensteuerung: In verschiedenen Videos kann man die Gestensteuerung bereits sehen, dort scheint sie relativ gut funktioniert zu haben. Wir saßen allerdings in einem von momentan vier Byton Concept Cars, in dem man uns die Gestensteuerung leider nicht zeigen und den Demomodus nicht deaktivieren wollte.

Mittig ins Dashboard integriert: Sensorik für die Gestensteuerung

200 kW oder 350 kW Antrieb mit max. 500 km Reichweite
Bytons Mid-Size-SUV kommt mit zwei Antriebsoptionen: In der Basisversion, heckgetrieben mit 200 kW (400 Nm), soll die Batterie für max. 400 Kilometer reichen. Eine Performance Version bringt einen Allradantrieb, 350 kW (710 Nm) und eine maximale Reichweite von 500 Kilometern mit. Zu 80% geladen werden können die Akkus in nur 30 Minuten – mit entsprechender Ladeinfrastruktur.

Wir sind gespannt, ob es Byton tatsächlich 2020 nach Deutschland schafft. Auf derselben Plattform wie beim SUV will man in 2021 und 2022 noch eine Limousine und ein MPV bauen. Byton hat seinen Hauptsitz im chinesischen Nanjing und weitere Entwicklungszentren in München und im Silicon Valley. Hinter Byton steckt die Future Mobility Corporation, hinter ihr wiederum China Harmony, ein chinesisches Händlernetz.

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