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SCR-Katalysator für Euro 5-Diesel nachrüsten

Das Thema Fahrverbote beschäftigt sowohl die Medien wie auch Autobesitzer bereits seit einiger Zeit. Betroffen sind aktuell Fahrzeuge mit Dieselmotor der Abgasnorm Euro 4 (Erstzulassung bis Dezember 2010) und älter. Allerdings rücken auch Fahrzeuge mit Abgasnorm Euro 5 (Erstzulassung bis Oktober 2015) mittlerweile verstärkt in den Fokus, da die EU-weit gültigen Stickoxidwerte in einigen Großstädten nicht eingehalten werden. Durch ein Fahrverbot von Euro 5-Dieseln erhoffen sie die Städte eine Reduzierung der Stickoxidkonzentration in der Luft. Moderne Benzinmotoren sind dagegen bauartbedingt nicht betroffen, da ihr Stickoxidausstoß deutlich geringer ist. Wer sich beispielsweise im Sommer 2015 einen Neuwagen mit Dieselmotor gekauft hat steht nun möglicherweise vor einem Problem. Denn schon jetzt oder in naher Zukunft dürfen einige Großstädte nicht mehr mit dem eigenen Auto befahren werden, obwohl das Auto erste knapp vier Jahre alt ist. Eine mögliche Lösung für dieses Problem ist die Nachrüstung eines sogenannten SCR-Katalysators.


Was ist ein SCR-Katalysator?

Ein SCR-Katalysator ist ein Bauteil im Abgasstrang eines Fahrzeugs, welches den Anteil an Stickoxiden im Abgas verringert. Dieser Prozess arbeitet mit selektiver katalytischer Reduktion (engl. SCR), vereinfacht gesagt einer chemischen Reaktion. Anders als ein Drei-Wege-Katalysator, der ebenfalls im Kfz-Bereich zum Einsatz kommt, benötigt ein SCR-Katalysator allerdings eine zusätzliche Flüssigkeit um zu funktionieren. Diese Flüssigkeit enthält Harnstoff und Wasser in einem festgelegten Verhältnis (Handelsname AdBlue) und wird beim Reinigungsprozess verbraucht (etwa 1 – 4 Liter/1.000 km). Ein SCR-Katalysator wird also zusätzlich zu einem Drei-Wege-Katalysator verbaut. Heutige Neuwagen der Abgasnorm Euro 6d oder 6d-temp arbeiten teilweise bereits ab Werk mit einem solchen SCR-Katalysator um den Stickoxidausstoß zu verringern.

 

Schemazeichnung eines SCR-Katalysators. Im Generator (klein, unten) wird die Harnstofflösung AdBlue in Ammoniak umgewandelt. Dieser wird dann im SCR-Katalysator (mitte) mit den Stickoxiden im Abgas zur Reaktion gebracht, es entsteht Stickstoff und Wasser. (Quelle: Twintec/Baumot)

Für wen lohnt sich eine Nachrüstung?

Interessant ist eine solche Nachrüstung vor allem für Euro 5-Diesel die in Gebieten mit hoher Stickoxidkonzentration genutzt werden. Betroffen sind zum Beispiel Städte wie Berlin und Frankfurt oder Teile der A40 im Ruhrgebiet. Wer sein Auto allerdings meist abseits von Ballungszentren bewegt und bereit ist im Zweifelsfall alternative Mobilitätskonzepte wie z.B. Park&Ride zu nutzen kann sich eine Nachrüstung sparen.

Darüber hinaus gilt es aber auch das Alter bzw. den Restwert des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Ein immer planmäßig gewarteter VW Golf VI (140PS Diesel, 80.000km, EZ 2012, Comfortline) hat aktuell einen Restwert von ca 9.000€. Ob sich die Nachrüstung eines solchen Fahrzeugs lohnt muss Jeder selbst entscheiden.

Funktioniert die Nachrüstung eines SCR-Katalysators?

Da es aktuell noch keine serienreifen Systeme gibt ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Allerdings hat der ADAC Vorseriensysteme verschiedener Hersteller über eine Distanz von 50.000 km getestet. Das Fazit dieses Tests: Im Sommer, bei hohen Temperaturen, funktionieren die Systeme gut und unterschreiten auch den vom Gesetzgeber geforderten Grenzwert von 270mg/km NOx. Sobald die Temperaturen allerdings im Herbst und Winter sinken verschlechtert sich auch die Reinungsleistung der SCR-Katalysatoren. Zwar werden die Stickoxidemissionen noch immer um mindestens 50% im Vergleich zum Serienzustand verringert. Die gültigen Grenzwerte erreicht unter diesen Umständen aber keines der getesteten Systeme.

Zudem bemängelt der ADAC die Zuverlässigkeit der Testsysteme, es traten temporäre Ausfälle, mechanische Defekte sowie Probleme mit der Energieversorgung auf. Ebenfalls negativ bewertete der ADAC den Kraftstoffverbrauch. Dieser steigt aufgrund des Energieverbrauchs des SCR-Katalysators um bis zu 13%. Die geringste Steigerung des Kraftstoffverbrauchs betrug sieben Prozent. Damit überschreiten alle getesteten Systeme die gesetzliche Vorgabe eines maximalen Mehrverbrauchs von sechs Prozent.

Da es sich aber bei dem Test aber um Vorseriensysteme gehandelt hat, werden die Hersteller bis zum Verkaufsstart sicherlich noch nachbessern. Zudem verlangt der Gesetzgeber eine Garantie der Funktionfähigkeit über 100.000km oder fünf Jahre (je nachdem was zuerst eintritt). Diese Garantie sollte auch möglichen Interessenten Sicherheit geben.

Was kostet der Einbau eines SCR-Katalysators?

Der Hersteller TwintecBaumot veranschlagt für sein „BNOx“ getauftes System einen Preis von 1.500-2.000€. Die Preise anderer Hersteller werden sich vermutlich in einem ähnlichen preislichen Rahmen bewegen. Der hohe Preis ergibt sich aus der Vielzahl an zusätzlichen Teilen, die in den Abgasstrang integriert werden müssen. Die folgende Skizze zeigt die notwendigen Neuteile (in rot).

Möglicherweise gute Nachrichten gibt es dagegen für Kunden von VW und Mercedes: Der Spiegel berichtete Ende letzten Jahres, dass die Hersteller eine finanzielle Unterstützung bis 3.000 Euro bei der Nachrüstung der Autos in Erwägung ziehen.

In Rot: Nötige Bauteiländerungen für eine Hardware-Nachrüstung am Unterboden eines Euro 5-Fahrzeugs.

 

Fotos: Twintec/Baumot (1,2); Volkswagen (3)

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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