Fahrberichte Porsche

Porsche Macan: Frisch geliftet Richtung Ruhestand

Der Porsche Macan stellt für viele Kunden den Einstieg in die Porsche-Welt dar. Denn laut Porsche kommen etwa 80% der Macan-Käufer von anderen Marken. Zwar ist der Macan in seiner Basis bereits seit 2014 auf dem Markt. Damit er sich auch in Zukunft weiter gut verkauft, schärft Porsche den Macan für das Modelljahr 2022 nach. Wir hatten die Möglichkeit alle drei angebotenen Motorisierungen in Norwegen ausgiebig zu fahren.


Neu gestaltete Front & neues Heck

Optisch bleibt sich der Macan auch mit der Produktaufwertung treu. Vorne gibt es eine neu gestaltete Frontschürze mit, bei Macan (Basis) und S, in Wagenfarbe lackierter Querstrebe. Beim Macan GTS ist diese Querstrebe in matt-schwarz ausgeführt. Die Frontlippe ist bei Macan und S dagegen in schwarz ausgeführt, während sie beim GTS in Wagenfarbe lackiert ist. Zudem wandern die Blinker nach oben in Richtung Frontscheinwerfer. Auch die Heckschürze wurde neu gestaltet und verfügt nun über einen höheren Schwarzanteil, was den Macan von hinten aggressiver wirken lässt. Rundherum (Front- und Heckschürze, Siedeblades) bringt Porsche zudem Muster mit „3D-Struktur“ an.

Die Heckschürze wirkt mit dem höheren Schwarzanteil deutlich aggressiver. Rund um die Endrohre ist außerdem die “3D-Struktur” zu erkennen.

Innenraum: Typisch Porsche, jetzt mit Touch

Auch im Innenraum wird auf den ersten Blick klar, dass wir in einem Porsche sitzen. Während sich bei der Tachoeinheit nichts getan hat, wurde die Mittelkonsole mit den vielen Tasten durch ein durchgängiges, verglastes Bedienelement mit Touchfunktion ersetzt wurde. Hier wirkt der Macan deutlich moderner, allerdings geht der Charme eines „Flugzeugcockpits“ etwas verloren. Die Tasten lassen sich allerdings gut (aber nicht blind) bedienen, da sie aktiv gedrückt werden müssen. Lediglich berühren genügt nicht. Wünschenswert wäre allerdings neben dem akustischen Feedback auf ein haptisches Feedback mit Vibration. Einige klassische Knöpfe finden sich im Innenraum aber doch noch, nämlich am Dachhimmel für die Innenbeleuchtung. Ebenfalls neu sind die Lenkräder, die aus dem 911 und Panamera übernommen wurden. Ein nettes Detail ist zudem die jetzt immer serienmäßige Uhr auf dem Armaturenbrett.

Macan_Innenraum

Schöner Wohnen: Dank neu gestalteter Mittelkonsole mit Touchfunktion wirkt der Macan nun aufgeräumter und moderner. Ein echter Blickfang ist zudem die jetzt immer serienmäßige Uhr auf dem Armatuerenbrett.

Macan: Die Basis reicht für den Alltag

Ganz klassisch wird der Macan noch durch drehen des Zündschlüssels gestartet. In der Basis läuft sich dann ein zwei Liter großer Vierzylinder warm, wie er beispielsweise auch im Golf GTI (CS) zum Einsatz kommt. Allerdings hat Porsche hier unter Anderem noch an Zylindern, Steuerkette und Turbo optimiert. So bringt es der Motor auf 265 PS und 400 Nm Drehmoment, was für den Alltag absolut ausreichend ist. Im Idealfall soll der Macan damit in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 stürmen, wobei er immer vom Sieben-Gang-PDK und einem variablen Allradantrieb unterstützt wird. Unser Testwagen verfügt über das optionale Sport-Chrono-Paket (993€, Empfehlung), womit sich vier Fahrmodi (Normal, Sport, Sport+, Individual) und die Härte des Fahrwerks PASM (Porsche Active Suspension Management) einstellen lassen. Im Modus „Normal“ dämpft der Macan zwar straff, aber nicht unnötig hart. Wanken ist trotzdem kein Thema, spätestens im Sport+-Modus wankt der Macan praktisch nicht mehr. Dem Komfort zuträglich ist sicherlich auch, dass unser Testwagen auf 19″-Felgen steht (19″: Serie, Aufpreis Felgendesign: 547€).

Doch auch mit dem „Basismotor“ macht der Macan auf der Landstraße richtig Spaß. So bietet die relativ schwergängige Lenkung (hier haben die Ingenieure nochmals optimiert) ein tolles Feedback und Traktionsverlust verhindert der Allradantrieb zuverlässig. Auch das Getriebe hält stets den passenden Gang bereit, wobei wir dank gut positionierter Schaltwippen aus Metall am liebsten selbst geschaltet haben. Im Vergleich zum S wirkt das Basismodell bei Einlenken sogar noch etwas agiler, hier hilft das geringere Gewicht des Vierzylinders auf der Vorderachse. Dem Treiben auf der Landstraße setzen allerdings die Komfortsitze (Serie) bei sportlicher Fahrweise ein Ende. Problematisch ist hier der etwas geringe Seitenhalt, Stichwort „Komfort“. Außerdem fehlt uns bei den Basissitzen auch eine Lordosenstütze, diese erhält nur, wer mindestens 1476€ in die Komfortsitze mit Memoryfunktion investiert.

An der Front trägt der Basis-Macan eine neue Querstrebe in Wagenfarbe (oberhalb des Nummernschilds, dolomitsilbermetallic). Für die aufgezogenen 19″-Felgen verlangt Porsche 547€ – die Größe entspricht den Serienfelgen.

Macan S: Mehr Leistung, mehr Klang

Umstieg in den Macan S. Beim Starten macht der 2,9 Liter V6-Motor im Bug aus seiner Leistung (380 PS, 520 Nm) keine Hehl und tönt deutlich lauter als der R4 im Basis-Macan. Anteil daran hat sicherlich auch die optionale Sportabgasanlage (2404€). Klar, dass der Macan S den Macan mit 115 Extra-PS und 120 Extra-Nm deutlich hinter sich lässt. Besonders bemerkenswert sind zudem die hervorragenden Sportsitze (18-fach verstellbar, 1776€) mit einstellbaren Seitenwagen. Hier sitzen wir sehr gut ins Fahrzeug integriert und können den S ohne Angst um mangelnden Seitenhalt über die Landstraße scheuchen. Auch wenn sich, wie oben beschrieben, das Mehrgewicht des V6 bei sportlicher Gangart in Kurven durchaus leicht bemerkbar macht, ist untersteuern beim S ein Fremdwort. Im Grenzbereich schiebt der S spät und dann gut kontrollierbar über alle vier Räder und lässt sich mit der Bremse leicht einfangen. Thema Bremse: Unser Testwagen war mit der Serienbremse ausgerüstet, die im Alltag gut funktioniert. Für ein sportliches Fahrzeug wie den Macan S dürfte der Initialbiss aber durchaus noch kräftiger ausfallen.

Macan S Frontansicht

“Papayametallic” gehört zu den drei neu verfügbaren Farben des Macan und steht dem Fahrzeug wirklich gut. Typisch Porsche lassen sich im Innenraum – natürlich gegen Aufpreis – farblich passende Akzente setzen, etwa bei den Sicherheitsgurten und den Kontrastnähten.

Macan GTS: Geschärfter Macan S

Zuletzt fahren wir das aktuelle Topmodell Macan GTS, der in Sachen Leistung nochmal nachlegt. 440 PS und 550 Nm Drehmoment stehen im Datenblatt. Auch das Fahrwerk wurde hier durch steifere Federn nachgeschärft und der GTS liegt mit dem hier serienmäßigen Luftfahrwerk 10 Millimeter tiefer. Zudem rollt der GTS immer auf 21“-Felgen (S: 20“), was dem Auto optisch gut steht. Auf den ersten Metern wirkt der Unterschied zum Macan S gar nicht so groß. Auf den ersten zügig gefahrenen Kurven fällt dann aber auf, dass der GTS nochmal satter auf der Straße liegt. Auch insgesamt wirkt der GTS straffer als der S, die Fahrt würde die Landstraße wird zum großen Vergnügen.

Zudem ist bei unserem Testwagen GTS die optionale PCCB (Porsche Ceramic Composite Break) für 5085€ (Macan S: 8033€) moniert, die auch den oben bemängelten scharfen Initialbiss liefert. Wer den zugegeben sehr hohen Aufpreis für die PCCB nicht zahlen möchte, erhält beim GTS immerhin die PSCB (Porsche Surface Coated Brake) serienmäßig, die dank Wolframcarbidbeschichtung der Bremsscheibe (Schichtdicke 80-100 µm) für eine bessere Bremsleistung als bei der Macan S-Serienbremse sorgen soll. Leider hatten wir nicht die Gelegenheit den Unterschied zur PSCB zu „erbremsen“. Wem der Basis-GTS noch nicht scharf genug ist, kann übrigens noch das GTS-Sportpaket bestellen, dem auch die exklusive Farbe „Pythongrün“ vorbehalten ist.

Macan GTS Seitenansicht

Anders als der Macan (S) trägt der GTS am Heck einen durchbrochenen Heckspoiler, den er vom ‘Turbo’ des Vorgängers erbt. Die gelben Bremssättel sind Teil der PCCB (Porsche Ceramic Composite Break).

Fahren: Hui – Assistenzsysteme: Naja

In Sachen Fahrdynamik steht der Macan (S, GTS) also sicherlich mit an der Spitze in seinem Segment. Allerdings merkt man dem Macan sein Alter an anderer Stelle an. Bei Komfortfunktionen ist das Fahrzeug nicht mehr auf der Höhe der Zeit, Matrix-LED-Licht (wie im Konzernbruder Q5, hier im Video) oder Head-Up-Display sucht man im Konfigurator vergeblich. Und auch beim Thema Fahrerassistenz ist beispielsweise der Konzernbruder Audi Q5 (Assistenzpaket Stadt & Tour – Test im Video) davongezogen. Der Grund ist, dass sich diese Systeme nicht in die technische Plattform des Fahrzeugs integrieren lassen, schließlich stammt diese noch aus dem Jahr 2014. Abhilfe könnte dann im Jahr 2023 der neue elektrische Macan auf der neuen PPE-Plattform schaffen. Bis dahin lässt sich der Macan also am besten als „Fahrerauto“ oder „Fahrmaschine“ beschreiben, das aktiv gefahren werden will.

Die Porsche-typisch preisintensive und lange Optionsliste (weder Sitzheizung noch automatisch abblendender Innenspiegel sind beim Basismodell Serie) findet sich übrigens auch beim Macan und ist fast schon einen eigenen Artikel wert. Trotz der etwas mageren Serienausstattung startet der Macan nun bei 62.917€, für den S werden mindestens 71.723€ fällig. Das Topmodell GTS beginnt im Konfigurator bei 88.264€. Hier haben wir unseren oben gezeigten Basis Macan als PDF konfiguriert.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

Kommentieren...

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.