Offroadtest mit dem Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D 4WD

Vor 3 Jahren hatten wir den kurzen Pajero im Test. Jetzt ging es mit dem technisch (z.B. mittlerweile 190 statt 200 PS) und optisch seitdem nur geringfügig veränderten Offroad-Klassiker Mitsubishis ins teils heftige Gelände: Die Verkehrs-Versuchsanlage Horstwalde bietet dafür legendäre Bedingungen. So fühlt sich der Pajero 3.2 DI-D 4WD in einer rauen Offroadumgebung an:

Mitsubishi Line-up 2017 und Sonderaufbauten auf der Verkehrsversuchsanlage Horstwalde

Gleichmäßig und konsequent am Gas bleiben!
Wir haben es schon oft und markenübergreifend erklärt: Das wichtigste im Gelände mit traktionsschwachem Untergrund ist, konsequent zu fahren. Bloß nicht nach dem Motto “Gas – kein Gas – Gas – Bremse – Gas” – und auf keinen Fall mit der Kupplung spielen. Bringt man die Traktionskontrolle nicht durcheinander, kann sie die Kraft bedarfsgerecht auf die jeweiligen Räder verteilen. Soweit die Theorie, von der man im Pajero weitestgehend erstmal keinen Gebrauch machen muss. Der Waldboden ist trocken, feiner Sand oder richtiger Matsch sind noch nicht in Sicht. Über Steile Kurven? Die Bügelt der 2,4-tonner einfach weg. Vielmehr muss man sich beim Lenken umstellen: Mit eineinhalb Umdrehungen in jede Richtung ist es beim Pajero nämlich nicht getan. Als es nicht gerade langsam durch den naturbelassenen Privatwald geht, hat man ganz schön zu tun, um den Pajero durch den Baumslalom zu manövrieren.

Dreiliter-Diesel bezwingt alle Steigungen und Pferdeanhänger
An was es dem Pajero im Gelände niemals mangelt ist die Kraft. Der 3.2 Liter Vierzylinder liefert 190 PS und satte 441 Nm Drehmoment. Übertragen wird die Kraft in unserem Fall per 5-Gang Automatik. Statt also zu bangen, dass der Pajero einen Hügel nicht hoch kommt, geht es in unserem Offroadtraining viel mehr darum, die Kraft richtig zu dosieren. Gerade an sandigen Steigungen (und die sind deutlich steiler als es auf den Fotos aussieht!) gilt es, diese von Anfang an mit gleichmäßig viel Gas anzufahren. Wilde Lenkbewegungen auf der Steigung führen, wenn es schlecht läuft, dazu, dass man komplett aus einer bestehenden Spur fährt und am Hügel herumhangeln muss, um eventuell wieder Traktion zu finden. Der Pajero fräst sich aber völlig unbeeindruckt – ob langsam oder schnell – durch den sandigen Waldboden. Die Traktionskontrolle muss in den meisten Fällen gar nicht anspringen. Hier macht sich der “echte” permanente Allradantrieb sehr bezahlt: Viele moderne SUVs schalten die Hinterachse nur bei Bedarf zu – und dann oft zu langsam oder zu spät.

Weder der zwei- noch der fünftürige Pajero zeigt sich vom Geröllhang beeindruckt

Weiches Fahrwerk sorgt für Offroadkomfort
Das Fahrwerk federt auf den teils stark unebenen Waldwegen übrigens nahezu alles raus. Ähnlich wie beim Amarok gleitet man ausgesprochen komfortabel durchs Gelände, wobei der Pajero den Fahrer – eben dank der altmodischen Lenkung – doch nicht so stark entkoppelt und mehr Feedback vom Untergrund gibt als sein lifestyliger Mitbewerber. Technisch möglich sind bei der Wattiefe übrigens max. 70 Zentimeter – damit schafft der japanische Offroadklassiker ganze 20cm mehr als z.B. der Amarok.

Das rustikale Schema zeigt einen mögl. Traktionsmangel pro Rad sowie gesperrte Differenziale an

Interieur: Funktional, klassisch und durchaus bequem
Während die neueste Generation der Mitsubishi Flotte wie z.B. der Outlander über einen hochauflösenden, farbigen Bordcomputer inmitten der Tachoeinheit verfügt, gibts beim Pajero nur eine rustikale Schema-Anzeige des Allradantriebs: Leuchtende LEDs stehen für aktive Räder. Mangelt es einem an Traktion, beginnt die entsprechende LED zu blinken. Gesperrte Differenziale (beim Pajero Mitte und/oder Heck) leuchten Rot. Simpel und übersichtlich! Ein Hingucker im Interieur ist deshalb neben dem offenen Schaltschema des Automatikwahlhebels auch der kleine Hebel daneben für die Wahl der Geländegänge. Hierüber lässt sich zwischen Heck- und Allradantrieb wechseln sowie die Differenziale sperren. Auch wenn es im Pajero im Gegensatz zum Outlander keine Assistenzsysteme gibt, sind Licht- und Regensensor sowie ein Tempomat oder eine Klimaautomatik natürlich an Bord. Letzterer lässt sich mit vier einzelnen Tasten auf dem Multifunktionslenkrad bedienen, das durch seine Ergonomie überzeugt – auch wenn es auf den ersten Blick ein bisschen historisch wirkt.

Bloß nicht aufsetzten oder zu heftig “landen”: Mit Gefühl geht es durch den Hügel-Parcours

Aber kommen wir nochmal zurück zu unserem Testgelände: Die Verkehrsversuchsanalage Horstwalde liegt 50 Kilometer südöstlich von Potsdam. Hier können nicht nur normale Fahrzeuge wie SUVs, sondern auch Lkws und andere Gelände-Spezialfahrzeuge ihr Können unter Beweis stellen. Spannend dabei: Der Pajero macht auch Heavy-Offroad Elemente mit, die vermeintlich noch größere Offroader an die Grenzen bringen. So gibt es in Horstwalde die steilste Steigungsbahn in Europa: Mit 65% ist die Bahn ganz rechts auf dem Foto oben wirklich enorm steil und bringt die Fahrzeuge am ehesten wegen der Gefahr des Aufsetzens ganz unten an die Grenzen. Das gilt auch für abwechselnd angeordnete, gepflasterte Kuppen: Durchfährt man sie sanft und in der “Ideallinie”, setzt man nicht auf und hat dabei abwechselnd jeweils ein Rad in der Luft. Hier kommt es besonders darauf an, das Gas richtig zu dosieren, um nicht zu schnell zu kippen um z.B. mit der Anhängerkupplung doch am Boden zu schleifen. Offroadspaß garantiert auch der sog. “feste Geröllhang” mit 35% Steigung. Hier wechseln sich faust- bis kopfgroße Steine ab. Auch sie meistert der Pajero aber unbeeindruckt. Einzig am Sandhang braucht der Pajero ein paar Sekunden, um sich freizuschaufeln, wenn man es denn wagt, mitten am Hang stehen zu bleiben und wieder anzufahren.

Auf unserem letzten Foto sieht der Pajero aus, als wäre er an unserem Offoradtag nur auf Asphalt unterwegs gewesen. Dabei haben wir etliche Steigungen auf Waldboden bezwungen und sind steile Sandhänge heruntergerutscht. Besonders beeindruckend war das absolut problemfreie Erzwingen des steilen Geröllhangs: Das gibt es in der freien Offroad-Natur fast nie. In der gezeigten, höchsten Ausstattungsvariante “Top” kommt der Pajero mit mehr Chrom am Kühlergrill und den Außenspiegeln sowie etwas aufgehübschtem Interieur. Wer sich für einen der “letzten wirklichen Geländeklassiker” interessiert, sollte ihn unbedingt mal auf einem Offroadparcours Probe gefahren sein, um zu sehen, wie viel mehr als Asphalt er beherrscht.

Mitsubishi Pajero 5-türer 3.2 DI-D 4WD TOP

Leistung/Drehmoment 147 kW (190 PS) / 441 Nm
Getriebe:5-Gang Automatikgetriebe
Antrieb:Permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)11,1 Sekunden
Leergewicht:2.385 kg
Zul. Gesamtgewicht:3.030 kg
Verbrauch angegeben:9,3 Liter / 100 Km
Länge:4.900 mm
Grundpreis 5-türerab 39.990 EUR
Testwagenpreis:50.990 EUR

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  1. Hallo Ihr. Mitsubishi Pajero ein tolles Auto. Ein guter Artikel. Wir sind begeistert. Die Daten sprechen für sich. Gut recherchiert. Weiterhin vie Erfolg.

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