Fahrberichte

Mit dem Mitsubishi Space Star (2020) durch Amsterdam

Amsterdam – eigentlich eine Stadt die hauptsächlich von Radfahrern, Rollerfahrern und Fußgängern bevölkert wird. Und außergerechnet hier stellt Mitsubishi das Facelift des Space Stars, dem „City-Flitzer“ wie man der Infobroschüre entnehmen kann, vor. Eine durchaus mutige Entscheidung, wie auch die Entscheidung den Space Star in Zeiten von Elektrifizierung und Hybridisierung ausschließlich mit Verbrennungsmotoren auf den Markt zu bringen. Der Erfolg gibt Mitsubishi auf dem deutschen Markt allerdings recht. Im Januar 2020 steigerte Mitsubishi seinen Absatz um 28,5% im Vergleich zum Vorjahr – und der (alte) Space Star war das meistverkaufte japanische Automodell in Deutschland.


Space Star Fronantansicht

Unser Mitsubishi Space Star in „Titan-Weiß Premium Metallic“ (790€). Den Grill mit roten Akzenten (oben am Fahrzeug, 326€) sowie die Spoilerlippe in Carbon-Optik (unten am Fahrzeug, 179€) gibt es gegen Aufpreis.

Neue Optik für den Space Star

Beim Erstkontakt fällt das sportliche Auftreten des Space Stars auf, denn mit dem Facelift erhält er das Markengesicht „Dynamic Shield“. So trägt der Space Star nun vorne eine neu gestaltete Stoßstange mit scharf gezeichneten Scheinwerfern, die es erstmals auch in LED-Technik gibt. Der von uns getestete, 3,85 Meter kurze Space Star fährt übrigens in der Ausstattungsvariante „Intro Edition+“ vor, welche u.a. 15“ Leichtmetallfelgen, Tempomat, Multifunktionslenkrad und ein 6,5“ Infotainmentsystem mit Navigationsfunktion, DAB und Android Auto/Apple Carplay-Unterstützung beinhaltet.

Im Innenraum bietet der Space Star überraschend viel Platz. Zwar sind die Sitze nur schwach konturiert und bieten entsprechend wenig Seitenhalt, insgesamt geht der Sitzkomfort für Menschen bis ca. 1,90m allerdings in Ordnung. Wer größer gewachsen ist kommt dem Dachhimmel nahe und ist in der Sicht nach vorne eingeschränkt. Auf den hinteren Plätzen ist die Kopffreiheit dagegen überraschend großzügig, denn der Space Star verzichtet auf eine modisch abfallende Dachlinie. So können auch auf der Rückbank zwei Mitfahrer auf kurzen und mittellangen Strecken gut reisen. Zu Dritt sitzt es sich auf der Rückbank aufgrund der kompakten Außenbreite dann eher beengt. Arrangieren muss man sich zudem mit der Qualität im Innenraum – hier dominieren Hartplastik und einfache Materialien, Schrauben in der Türverkleidung sind teilweise offen sichtbar. Das Kofferraumvolumen von 235 Liter reicht dagegen für normale Einkäufe im Supermarkt vollkommen aus. Auch unseren Kabinentrolley konnten wir im Kofferraum prolemlos unterbringen.

Foto Innenraum

Das Multifunktionslenkrad, mit dem man den Tempomat steuert, gehört wie das Infotainmentsystem in der Ausstattungsline „Intro Edition+“ zur Serienausstattung. Das CVT-Getriebe kostet Aufpreis (1.100€), ebenso die Blende der Mittelkonsole in Carbon-Optik (139€)

Fahreindrücke im Stadtverkehr

Ganz klassisch mit dem Dreh am Zündschlüssel wird der Dreizylinder ohne Turbo zum Leben erweckt. In der Ausstattungslinie „TOP“ gibt es übrigens auch ein schlüsselloses Zugangssystem. Wir fahren hier den größeren der beiden bestellbaren Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 80 PS. Anders als die heute meist üblichen Turbomotoren entwickelt der 1,2er sein Drehmoment erst bei höheren Drehzahlen. Dem Motor spielt aber das geringe Gewicht von nur 935 kg in der Basis in die Karten. Den Wunsch nach mehr Leistung verspürt man in der Stadt entsprechend eher selten. Wir würden allerdings auf das optionale CVT-Getriebe (1.100€) verzichten und den Handschalter mit fünf Gängen wählen. Zwar fährt sich das CVT in der Stadt durchaus entspannt, es raubt dem Motor allerdings auch etwas vom spritzigen Charakter. Zudem ist die Kupplung beim Handschalter sehr leichtgängig zu bedienen und das Getriebe lässt sich exakt schalten.

Prinzipiell ist der Space Star allerdings eher ein Auto für gemütliche Fahrer – anders als das sportliche Äußere suggeriert. So arbeitet das Fahrwerk zwar ordentlich, ist allerdings komfortabel abgestimmt. Auch die Lenkung fällt nicht durch direkte Rückmeldung auf, vielmehr wundern wir uns zu Beginn über das praktisch nicht vorhandene Rückstellmoment bei geringen Lenkwinkeln. Diese Kombination funktioniert auf der Landstraße ordentlich – die große Stunde des Space Star schlägt dann aber, wie von Mitsubishi angekündigt, bei der Fahrt durch die Stadt. Dank kleinem Wendekreis von 9,2 Metern, geringen Lenkkräften, dem komfortablen Fahrwerk und dem quirligen Motor schwimmt der Space Star wunderbar im Verkehr mit. Und auch die Fahrt entlang der Grachten in der Innenstadt sind dank kompakter Außenmaße entspannt machbar. In Ordnung geht auch der Verbrauch, der bei uns zwischen 5,8 und 7,3 Liter lag – je nach Fahrweise und Anteil des Stop&Go-Verkehrs in Amsterdam.

Sportlich: Mit den optionalen roten Akzenten und den 15″-Alufelgen (Komplettrad mit Winterbereifung, 259€) steht der Space Star gut da.

Magere Grundausstattung im Space Star

Es muss allerdings gesagt werden, dass unser Space Star in der „Intro Edition+“ schon recht gut ausgestattet ist. Die einfachere „Intro Edition“ muss ohne Extras wie Infotainmentsystem, elektrische Fensterheber hinten, höhenverstellbare Vordersitze oder höhenverstellbare Sicherheitsgurte auskommen. Besonders unverständlich ist für uns, dass der Notbremsassistent inklusive Fußgängererkennung erst in der höchsten Ausstattungslinie „TOP“ enthalten ist. Gerade für ein Stadtauto sollten diese Systeme auch in niedrigeren Ausstattungslinien verfügbar sein.

Space Star Hackansicht

Großer Spoiler und Diffusor – der Space Star sieht auch von hinten gut aus. Die Heckleuchten (Rückleuchte + Bremslicht) sind in der Ausstattung „Intro Edition+“ in LED-Technik ausgeführt. Die roten Akzente an Seitenschweller und Heck kosten extra (329€ / 179€).

Preiswert oder gut ausgestattet?

Hier zeigt sich allerdings auch ein Dilemma, welches Mitsubishi lösen muss: Einerseits soll der Space Star in der Basis sehr günstig angeboten werden. Andererseits möchte man dem Kunden gegen Aufpreis auch ein gut ausgestattetes Fahrzeug bieten. Entsprechend ist die Preisgestaltung: Zu Beginn gibt es die „Intro Edition“ mit 2.000€ Preisnachlass, die damit bei 9.790€ startet (71 PS, Handschalter). Zum Vergleich: Der neue, kleinere VW up! startet als Dreitürer aktuell bei 12.960€. Am anderen Ende der Preisskala rangiert das Modell „TOP“ u.a. mit Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfern und Spurhalteassistent bei 17.990€ (80 PS, CVT-Getriebe). Das von uns getestete Modell mit der mittleren Ausstattungslinie „Intro Edition+“ startet zu Beginn auch mit 2000€ Preisnachlass bei 12.490€ (80 PS, Handschalter). Gratis dazu gibt es beim Space Star übrigens immer fünf Jahre Garantie bis 100.000 km – da dürfen sich andere Hersteller gerne eine Scheibe abschneiden!

Grachtentour mit dem Mitsubishi Space Star – Dank kleinem Wendekreis und kompakten Abmessungen kein Problem!

Fazit

Mit dem Space Star hat Mitsubishi vieles richtig gemacht, denn das Auto bietet auf 3,85 m Länge genügend Platz für Fahrten durch die Stadt sowie gelegentliche Touren über Land. Der Space Star sieht zwar deutlich sportlicher aus als er fährt, doch trifft er damit sicherlich den Geschmack der angepeilten Kundschaft „Generation Y & Z“. Lediglich die gefühlsarme Lenkung und die teilweise sehr einfachen Materialien haben uns im Test etwas gestört.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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