Ein günstiger Mietwagen kann den Urlaub entspannter machen. Er kann aber auch schon wenige Minuten nach der Landung für den ersten Ärger sorgen. Für unseren Aufenthalt in Lissabon hatten wir über Check24 eine Kompaktklasse mit Automatik gebucht. Die Abholung war in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 0:15 Uhr geplant, die Rückgabe am Mittwoch um 15 Uhr. Unser Vermieter vor Ort war Goldcar.
Mit dem Auto hatten wir Glück. Statt eines abgewohnten Kleinwagens stand ein fast neuer Škoda Scala mit nur rund 2.500 Kilometern auf dem Tacho bereit. Rückfahrkamera, Automatik, ausreichend Platz für drei Erwachsene und unser gesamtes Gepäck. Für einen Grundpreis von 137 Euro in der Hauptsaison im August war das eigentlich ein richtig gutes Angebot. Allerdings gab es auch die üblichen Überraschungen, die man bei günstigen Mietwagen offenbar einkalkulieren muss.
Buchung über Check24 mit abgesichertem Selbstbehalt
Wir haben den Mietwagen über Check24 gebucht und bei der Suche bewusst darauf geachtet, dass im Schadensfall keine Selbstbeteiligung bei uns hängen bleibt. Genau genommen hätte Goldcar einen Betrag zunächst einziehen können. Check24, beziehungsweise die dahinterstehende Versicherung, hätte diesen anschließend erstattet. Das ist etwas umständlicher als eine echte Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt direkt beim Vermieter, schützt aber vor hohen Kosten. Gerade bei besonders günstigen Vermietern würde ich auf diese Absicherung nicht verzichten. Am Schalter wird fast immer versucht, noch eine zusätzliche Versicherung, ein Fahrzeug Upgrade oder irgendein anderes Extra zu verkaufen. Wir haben freundlich abgelehnt, da wir den Schutz bereits vorab gebucht hatten. Wichtig ist nur, die Bedingungen vorher wirklich zu lesen und nicht erst nachts am Flughafen herausfinden zu müssen, was eigentlich versichert ist.
Die Preise hatten wir über mehrere Wochen beobachtet. Die Unterschiede lagen meistens bei höchstens rund 50 Euro. Selbst kurz vor der Reise war das Angebot nicht wesentlich teurer. Da viele Mietwagen bis etwa 24 Stunden vor der Abholung kostenlos stornierbar sind, kann es sich lohnen, nach der Buchung noch einmal nachzusehen und bei einem besseren Angebot neu zu buchen.

Goldcar direkt im Terminal, aber mit Nachtzuschlag
Der Goldcar Schalter befindet sich direkt am Flughafen von Lissabon und war von der Gepäckausgabe aus schnell erreichbar. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist bei einer Ankunft nach Mitternacht aber viel wert. Bei manchen günstigen Vermietern muss man zuerst einen Shuttlebus suchen und wird anschließend zu einer Station außerhalb des Flughafengeländes gefahren. Darauf hatten wir um diese Uhrzeit keine Lust.
Die Abwicklung am Schalter ging relativ schnell. Für die Übernahme außerhalb der regulären Öffnungszeiten wurden allerdings etwa 50 Euro zusätzlich berechnet. Aus den zunächst sehr günstigen 136 Euro wurden damit rund 186 Euro. Für vier Tage im August war das immer noch in Ordnung. Der Aufschlag sollte beim Preisvergleich trotzdem berücksichtigt werden.
Richtig sportlich war die Kaution. Rund 1.600 Euro wurden auf der Kreditkarte blockiert. Check24 hatte darauf vorher hingewiesen, dennoch muss der Kreditkartenrahmen natürlich ausreichen. Benötigt wurde außerdem eine physische Kreditkarte auf den Namen des Hauptfahrers. Mit einer Karte, die ausschließlich im Smartphone hinterlegt ist, wäre die Anmietung vermutlich bereits am Schalter beendet gewesen.

Fast neuer Škoda Scala mit Automatik
Die Spannung bei einer Mietwagen Übernahme ist immer die gleiche. Bekommt man tatsächlich ein Auto aus der gebuchten Klasse oder wartet auf dem Parkplatz doch wieder irgendein Kleinwagen mit wenig Leistung und kaum Ausstattung? Wir hatten dieses Mal Glück. Für unsere gebuchte Kompaktklasse gab es einen Škoda Scala mit Automatik, Rückfahrkamera und gerade einmal rund 2.500 Kilometern.
Unter der Motorhaube arbeitete vermutlich der 1.0 TSI mit 116 PS und einem DSG Getriebe mit sieben Gängen. Für Lissabon und unsere Ausflüge reichte der Dreizylinder vollkommen aus. Bei stärkeren Steigungen musste er sich mit drei Erwachsenen und Gepäck allerdings hörbar anstrengen. Die Automatik schaltete zurück, der Motor drehte deutlich höher und wirkte bergauf ziemlich beschäftigt. Oben angekommen sind wir trotzdem immer.
Insgesamt waren wir ungefähr 350 Kilometer unterwegs und kamen laut Bordcomputer auf einen Verbrauch von rund 7,2 Litern pro 100 Kilometer. Kein Rekordwert, für Stadtverkehr, Steigungen, Klimaanlage und drei Personen aber akzeptabel. Der Scala bot außerdem erstaunlich viel Platz. Zwei mittelgroße Koffer, ein Trolley und mehrere Rucksäcke passten in den Kofferraum. Auch auf der Rückbank ließ es sich als erwachsene Person ordentlich sitzen.
Für die Navigation nutzten wir Apple CarPlay. Wenn die Verbindung stand, war das deutlich angenehmer als die Navigation direkt über das Smartphone. Ganz zuverlässig funktionierte CarPlay allerdings nicht. Gelegentlich brauchte es mehrere Versuche, bis sich das Telefon und der Scala wieder verstanden hatten. Überwiegend lief die Verbindung aber problemlos.

Via Verde und die Maut in Portugal
Im Scala hing bereits ein Via Verde Transponder für die elektronische Mautabrechnung. Allein für die Bereitstellung wurden etwa sieben Euro berechnet. Wir haben das Gerät auf unseren Strecken nicht genutzt und die Maut dort, wo es möglich war, direkt mit der Kreditkarte bezahlt. Wer ähnlich vorgehen möchte, sollte seine Route vorher prüfen. In Portugal gibt es auch Strecken mit rein elektronischer Maut. Dort kann man nicht einfach an einem klassischen Mauthäuschen bezahlen. Den Transponder sollte man deshalb nicht gedankenlos abhängen, sondern vorher klären, welche Straßen man tatsächlich nutzen möchte und wie die Maut dort bezahlt werden kann.
Wir hatten bereits von Fällen gehört, bei denen die nachträgliche Abrechnung über den Vermieter deutlich teurer geworden sein soll. Deshalb war uns die direkte Zahlung lieber. Auf unseren Strecken funktionierte das problemlos.
Angeblich schadenfrei, bis wir selbst nachgesehen haben
Bei der Abholung war der Scala laut Unterlagen ohne Schäden. Das klang bei einem Auto mit nur 2.500 Kilometern durchaus glaubwürdig. Trotzdem haben wir das Fahrzeug vor der Abfahrt noch einmal gründlich angesehen. An der rechten Vorderseite entdeckten wir einen deutlich sichtbaren Schaden.
Wir meldeten ihn sofort. Der Mitarbeiter erklärte, dass der Schaden noch aufgenommen werde, und wir erhielten ein entsprechend ergänztes Dokument. Besonders vertrauenerweckend wirkte die ganze Aktion nicht, aber immerhin hatten wir etwas Schriftliches, wenn auch nur ein Kreuzchen mehr, in der Hand. Zusätzlich machten wir eigene Fotos.
Genau das sollte man bei jedem Mietwagen tun. Einmal komplett um das Auto laufen, Front, Heck, Seiten, Felgen und Scheiben fotografieren und auch Kilometerstand sowie Tankanzeige festhalten. Eine mündliche Bestätigung hilft später nur wenig. Wie wichtig das war, zeigte sich bei der Rückgabe. Die Mitarbeiterin entdeckte genau den bereits vorhandenen Schaden und wollte ihn zunächst als neu aufnehmen. Offenbar war die Meldung von der Abholung nicht richtig im System hinterlegt worden. Zum Glück hatten wir das ergänzte Dokument aufgehoben und konnten sofort zeigen, dass der Schaden nicht von uns stammte. Danach wurde er akzeptiert. Weitere Beschädigungen wurden nicht gefunden.
Ob der Schaden von einem Vormieter oder vielleicht beim Rangieren durch einen Mitarbeiter entstanden war, lässt sich natürlich nicht sagen. Sicher ist nur, dass die interne Dokumentation schlecht funktioniert hat. Ohne unser Dokument und die eigenen Fotos wäre die Diskussion vermutlich wesentlich unangenehmer geworden. Für die Rückgabe sollte man deshalb mindestens 15 Minuten zusätzlich einplanen und unbedingt bei der Kontrolle bleiben. Den Schlüssel abzugeben und direkt zum Terminal zu gehen ist zwar bequemer, bei einem angeblich neu entdeckten Schaden kann man dann aber nicht mehr sofort reagieren. Fotos und Unterlagen würde ich erst löschen, wenn die Kaution vollständig freigegeben wurde.

Preislich trotz Zusatzkosten fair
Für die vier Tage im August zahlten wir zunächst rund 136 Euro. Hinzu kamen etwa 50 Euro für die Abholung nach Mitternacht. Insgesamt lagen die reinen Mietkosten damit bei ungefähr 186 Euro. Dazu kamen Kraftstoff, Maut und die Gebühr für den Via Verde Transponder. Für einen fast neuen Škoda Scala mit Automatik war das während der Hauptsaison ein fairer Preis. Das Fahrzeug war sauber, gut ausgestattet und bot genug Platz für drei Erwachsene sowie unser Gepäck. Auch die Lage des Schalters direkt im Terminal war nach unserer späten Landung ein großer Vorteil.
Beim Vergleich sollte man allerdings nie nur auf den zunächst angezeigten Grundpreis schauen. Kaution, Versicherungsbedingungen, Tankregelung, Öffnungszeiten, Gebühren für eine späte Abholung und die Lage der Vermietstation können am Ende einen größeren Unterschied machen als einige Euro beim Mietpreis.

Fazit zu Goldcar in Lissabon
Unsere Erfahrung mit Goldcar in Lissabon fällt insgesamt gemischt, aber überwiegend positiv aus. Das Fahrzeug war nahezu neu, gut ausgestattet und für drei Erwachsene samt Gepäck ausreichend groß. Der Škoda Scala fuhr sich angenehm, die Automatik passte gut zum Verkehr in und rund um Lissabon und der Gesamtpreis war für vier Tage im August angemessen. Kritisch sehen wir dagegen die hohe Kaution, die Zusatzkosten für die nächtliche Abholung und vor allem den Umgang mit dem bereits vorhandenen Schaden. Dass dieser bei der Rückgabe zunächst als neue Beschädigung behandelt wurde, obwohl wir ihn vor der Abfahrt gemeldet hatten, hinterlässt keinen besonders professionellen Eindruck.
Würde ich wieder bei Goldcar in Lissabon buchen? Bei einem ähnlich guten Preis wahrscheinlich ja. Allerdings nur über einen Vermittler, mit abgesichertem Selbstbehalt und ausreichend Kreditkartenrahmen. Vor allem würde ich wieder jedes Detail fotografieren und mir jeden Vorschaden schriftlich bestätigen lassen. Unser Scala war ein richtig guter Mietwagen. Auch Goldcar war mit gewissen Einschränkungen in Ordnung. Man sollte nur nicht davon ausgehen, dass der Vermieter bereits alles korrekt dokumentiert hat. Beim Mietwagen gilt weiterhin: Vertrauen ist gut. Ein Foto von der beschädigten Stoßstange ist besser.
