Der Hyundai Inster ist klein, elektrisch und bietet trotzdem einige Funktionen, die ihn überraschend interessant für einen Camping-Ausflug machen. In unserem Test geht es deshalb nicht nur um das Fahren, sondern vor allem um die Frage: Kann man im Hyundai Inster tatsächlich übernachten? Dafür nutzen wir den Standmodus, die variable Rückbank, die umlegbaren Vordersitze und die verschiedenen Stromanschlüsse. Jonas schläft im Inster und testet, ob sich tatsächlich eine Liegefläche von rund 2,20 Metern realisieren lässt.

Hyundai Inster: Klein, aber erstaunlich variabel
Der Hyundai Inster ist ein kleines Elektroauto, kann seine Abmessungen aber durch eine variable Innenraumgestaltung teilweise kompensieren. Die Rückbank lässt sich um 16 Zentimeter nach vorne und hinten verschieben. Zusätzlich kann die Lehne in ihrer Neigung angepasst werden. Dadurch entsteht für ein Fahrzeug dieser Größe erstaunlich viel Variabilität im Innenraum. Die vorderen Sitze lassen sich außerdem vollständig umlegen. Genau das ist für den Camping-Versuch entscheidend, denn Hyundai verspricht dadurch eine Liegefläche von rund 2,20 Metern. Auch zum Arbeiten lässt sich der Innenraum nutzen. Klappt man einen hinteren Sitz um, entsteht eine weitgehend ebene Fläche, auf der sich beispielsweise ein Notebook abstellen lässt. Ein zusätzliches Zubehörteil kann magnetisch befestigt werden und dient als erhöhte Ablage für den Laptop. Insgesamt funktioniert diese Lösung im kleinen Inster überraschend gut.
Auch beim Umsteigen gibt es einen kleinen Kniff: Bei hochgeklappter Lehne kann man von hinten nach vorne wechseln, ohne das Auto verlassen zu müssen. Ob man das im Alltag wirklich benötigt, bleibt allerdings fraglich. Viele weitere kleine Lösungen erinnern an das bekannte „Simply Clever“-Prinzip von Škoda. So lassen sich verschiedene Elemente mit einem Kreuzschlitzschraubenzieher oder sogar einer Münze austauschen. Ein Kartenhalter nimmt beispielsweise mehrere Karten oder Parktickets auf, während Netze im Fond kleinere Gegenstände sichern können.
Liegefläche mit bis zu 2,20 Metern
Für den Camping-Test werden zunächst die Kopfstützen entfernt, die Rückbank ganz nach vorne geschoben und die Vordersitze möglichst weit zurückgestellt. So entsteht die längstmögliche Liegefläche. Ganz eben wird der Innenraum dabei allerdings nicht. Zwischen den einzelnen Flächen bleibt eine Lücke, die sich nicht vollständig schließen lässt. Mit einer Körpergröße von 1,82 Metern reicht die Liegefläche grundsätzlich aus. Allerdings zeigt sich ein Problem: Die Position ist abschüssig. Während das Fahrzeug selbst relativ eben steht, liegen die Beine höher als der Oberkörper. Für größere Personen wird es entsprechend schwieriger. Jonas ist über zwei Meter groß und muss deshalb voraussichtlich quer im Fahrzeug schlafen. Für zwei Personen wird es ebenfalls eng. Die im Video verwendete Matratze entspricht ungefähr einer 90er-Breite. Theoretisch lässt sich damit auch zu zweit schlafen, besonders komfortabel dürfte das aber nicht sein. Für eine Person ist der Platz dagegen durchaus brauchbar.
Die im Video verwendete dicke Matratze ist allerdings eher eine Komfortlösung und nicht unbedingt die Variante, die man dauerhaft mitnehmen würde. Zusammengeklappt nimmt sie einen erheblichen Teil des verfügbaren Platzes ein. Eine Luftmatratze wäre praktischer zu transportieren, könnte aufgrund der vorhandenen Lücken zwischen den einzelnen Liegeflächen aber möglicherweise weniger komfortabel sein.

Viel Strom dank Vehicle-to-Load
Ein besonders interessantes Thema beim Camping mit dem Hyundai Inster ist die Stromversorgung. Das Fahrzeug verfügt über Vehicle-to-Load und kann damit externe Geräte mit Energie versorgen. Über einen entsprechenden Adapter lassen sich bis zu 3,6 kW beziehungsweise 3.600 Watt entnehmen. Damit lassen sich beispielsweise ein Elektrogrill oder mehrere E-Bikes betreiben. Zusätzlich gibt es im Innenraum USB-A- und USB-C-Anschlüsse sowie eine normale Schuko-Steckdose. Letztere liefert im Innenraum 180 Watt. Für Smartphones, Computer und kleinere Geräte reicht das problemlos aus. Für leistungsstärkere Verbraucher ist dagegen der externe V2L-Anschluss mit bis zu 3,6 kW deutlich interessanter. Gerade für ein so kleines Elektroauto ist diese Kombination bemerkenswert flexibel. Die verschiedenen Anschlüsse machen den Inster damit nicht nur für einen Camping-Ausflug interessant, sondern auch für andere Situationen, in denen unterwegs Strom benötigt wird.
Standmodus für Klimaanlage und Strom
Für das Übernachten ist vor allem der sogenannte Standmodus interessant. Hyundai bezeichnet die Funktion aktuell noch nicht als Campingmodus. Der Ablauf ist dabei etwas speziell: Zunächst muss das Fahrzeug gefahren worden sein. Anschließend wird auf P gestellt und der Standmodus über die EV-Einstellungen aktiviert. Ist der Standmodus eingeschaltet, kann das Fahrzeug von außen abgeschlossen werden, obwohl die Zündung aktiv bleibt. Gleichzeitig kann die Klimaanlage weiterlaufen. Im Sommer lässt sich so der Innenraum kühlen, im Winter kann die Heizung genutzt werden. Da die Hochvoltbatterie für die Klimatisierung zur Verfügung steht, muss man dafür nicht auf eine separate Stromquelle zurückgreifen. Auch die Stromversorgung bleibt aktiv. Das betrifft nicht nur die USB-Anschlüsse, sondern auch die größeren Steckdosen. Genau diese Kombination macht den Standmodus für einen Camping-Einsatz interessant.

Camping mit einem entscheidenden Nachteil
Ganz ausgereift wirkt die Funktion allerdings noch nicht. Das größte Problem sind die eingeschalteten Displays. Zwar lässt sich das große Infotainment-Display auf einen schwarzen Bildschirm schalten, andere Anzeigen und die Schalterbeleuchtung bleiben aber aktiv. Für einen echten Campingmodus wäre das aus unserer Sicht ein Punkt, den Hyundai noch optimieren könnte. Wenn man nachts im Fahrzeug schlafen möchte, sind dauerhaft leuchtende Displays schlicht störend. Im Video wird deshalb improvisiert und ein Teil der Anzeige abgedeckt. Auch die Klimaanlage ist hörbar. Auf niedriger Stufe bleibt das Geräusch zwar überschaubar, für eine wirklich ruhige Nacht wäre aber eine weitere Optimierung wünschenswert. Ein interessanter Tipp aus dem Test: Wird die Klimatisierung auf „Driver Only“ gestellt, reduziert sich die Geräuschentwicklung deutlich. Da sich nur eine Person im Fahrzeug befindet, muss schließlich nicht der komplette Innenraum mit Luft versorgt werden.
Eine Nacht im Hyundai Inster
Für die Übernachtung wird es im Test schließlich ernst. Die Außentemperatur liegt nachts bei etwa zehn Grad. Die Klimatisierung läuft entsprechend mit Heizung, da der Inster natürlich nicht über die Isolierung eines klassischen Campingfahrzeugs verfügt. Das Gepäck lässt sich dabei überraschend gut unterbringen. Für eine einzelne Person bleibt neben der Liegefläche noch ausreichend Stauraum für persönliche Gegenstände. Natürlich darf man keinen Grand California erwarten, aber für ein kleines Elektroauto ist das Platzangebot durchaus bemerkenswert. Nach ungefähr sechs bis sieben Stunden Schlaf zeigt sich dann der Energieverbrauch. Der Akkustand ist von 61 auf 53 Prozent gefallen. Damit wurden über Nacht rund acht Prozent der Batteriekapazität verbraucht. Die Klimatisierung hat also durchaus Energie benötigt. Gleichzeitig fällt das Komforturteil positiv aus: Trotz der niedrigen Außentemperatur war das Schlafen mit laufender Klimaanlage grundsätzlich gut möglich.

Fazit: Camping funktioniert, aber mit Einschränkungen
Der Hyundai Inster kann tatsächlich als kleines Campingauto genutzt werden. Besonders die variable Rückbank, die umlegbaren Vordersitze, die lange Liegefläche und der Standmodus machen aus dem kleinen Elektroauto ein überraschend vielseitiges Fahrzeug. Für eine einzelne Person funktioniert das Konzept im Test gut. Auch das Platzangebot für Gepäck fällt besser aus als zunächst erwartet. Für zwei Personen wird es dagegen deutlich enger. Hinzu kommt die Frage nach der passenden Matratze. Eine zu große oder zu dicke Variante nimmt viel Stauraum weg, während eine Luftmatratze möglicherweise mit den vorhandenen Lücken in der Liegefläche nicht optimal harmoniert. Der größte Kritikpunkt betrifft den Standmodus. Die dauerhafte Klimatisierung und Stromversorgung sind für das Camping sehr praktisch, die weiterhin aktiven Displays und Schalterbeleuchtungen stören beim Schlafen allerdings. Hier wäre ein echter Campingmodus mit einer konsequenten Abschaltung der Beleuchtung die bessere Lösung.
Trotzdem zeigt der Test, dass der Hyundai Inster deutlich mehr kann, als seine geringe Größe vermuten lässt. Besonders für eine Person, die gelegentlich spontan im Auto übernachten möchte, ist das Konzept interessant. Der Standmodus sorgt für Klimakomfort, Vehicle-to-Load ermöglicht eine flexible Stromversorgung und die variable Innenraumgestaltung schafft tatsächlich eine brauchbare Liegefläche. Für echtes Camping mit zwei Personen bleibt der Inster dagegen naturgemäß ein Kompromiss.
YouTube-Video:
Dieser Text ist auf der Basis unseres YouTube Videos mit einer automatischen Transkription entstanden.
