Dies und das

Formel 1: Anfängerfehler und starke Konkurrenz

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Es hatte so gut ausgesehen für den jungen Briten George Russell: Beim Qualifying war dem 22 Jahre alten Formel-1-Rennfahrer ein respektabler 13. Platz gelungen, der ihm beim italienischen Grand Prix in Imola einen Start aus Reihe sieben sicherte. Experten trauten ihm durchaus zu, auf einen der vorderen Plätze zu fahren und damit sowohl für sich selbst wie auch das Williams-Team die ersten Punkte der Saison zu holen.


Doch bereits beim Reifenaufwärmen hinter dem Safety-Car unterlieg ihm ein Anfängerfehler, der seine Hoffnungen zerplatzen ließ. Russell verlor auf den noch kalten Gummis beim Gangwechsel und gleichzeitigen Gas geben die Kontrolle über seinen Boliden, erwischte eine Bodenwelle und fuhr in die Streckenbegrenzung.

Damit ist der Brite, der im März 2019 in Australien sein Debüt in der Formel 1 hatte, allerdings bei weitem nicht der erste Fahrer, dem ein derartiger Fehler unterlaufen ist. Der unter französischer Flagge fahrende Franko-Schweizer Romain Grosjean hatte 2018 beim Grand Prix in Baku die gleiche peinliche Schlappe erlebt. Doch während das Ausscheiden bei Russell vom Experten auf Unerfahrenheit zurückgeführt wird, waren sich die Fachleute bei Grosjean einig, dass ihm neun Jahre nach seinem Debüt in der Königsklasse eine derartige Fehleinschätzung nicht so leicht hätte unterlaufen dürfen.

George Russell gilt für Williams weiterhin als Hoffnungsträger. Sechs Jahre nach seinem Meistertitel in der britischen Formel 4, dem zweiten Platz bei den Formel-3-Masters im folgenden Jahr und dem dritten Platz in der Formel 3 Europameisterschaft 2016, wurde er 2017 GP3-Meister. Den Titel in der Formel 2 holte er 2018. Außerdem war er 2017/2018 als Testfahrer für Mercedes und für Force India im Einsatz. Seit 2019 steht er in der Formel 1 bei Williams unter Vertrag. Bis 2021 läuft sein Kontrakt.

Dabei hat Russell es mit einer Konkurrenz zu tun, die schon jetzt Rennfahrgeschichte geschrieben hat. Allen voran sein Landsmann Lewis Hamilton, der in seinem Mercedes beim zwölften Rennen dieser Saison den bis dahin geltenden Rekord von Rennfahr-Legende Michael Schumacher geknackt hat. Der britische Ausnahmefahrer holte beim ersten Grand Prix von Portugal in Portimao den 92. Sieg in der Formel 1 in seiner Karriere. Michael Schumacher brachte es bei 307 Rennen zwischen 1991 und 2012 auf 91 Siege.

Hamilton ist außerdem auf dem besten Weg, Michael Schumachers andere, ebenfalls lange Zeit als unantastbar geltende Bestenmarke zu erreichen. Sein Vorsprung vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas ist bereits jetzt so groß, dass ein weiterer Sieg ihm den siebten Weltmeistertitel einbringen würde. Zweifel daran hegen laut Sportwetten kaum noch Fans. Schumacher stand 1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 auf dem Siegerpodium.

Dass Hamilton als würdiger Nachfolger des legendären Deutschen gilt, der kurz nach seinem aktiven Karriereende einen schweren Skiunfall erlitten hat, wurde der Rennwelt nicht nur durch die Triumphe des Briten deutlich. Als dieser seinen 91. Grand-Prix-Sieg einfuhr, überreichte ihm Schumis Sohn Mick, der auf dem besten Weg ist, als Rennfahrer in die Fußstapfen der Sport-Ikone zu treten, einen von Schumis berühmten roten Rennhelmen.

Von einem derartigen Erfolg ist George Russell noch weit entfernt, aber das gilt für die meisten Fahrer, die gegen Lewis Hamilton antreten. An dritter Stelle der ewigen Bestenliste liegt mit 53 Siegen der deutsche Sebastian Vettel, der in Imola auf Platz 17 startete – vier Positionen schlechter als Russell. Valtteri Bottas hat es im Zuge seiner Karriere auf neun Grand-Prix-Siege gebracht. Viele Fahrer schaffen es im Laufe ihrer gesamten Karriere nicht ein einziges Mal auf den ersten Platz.

Obwohl Williams als Hersteller neben Ferrari, McLaren und Mercedes-Benz zu den Top vier gehört, lagen die Glanzzeiten des Konstrukteurs in den 90er Jahren. Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve verhalfen dem 1977 gegründeten Rennstall zwischen 1992 und 1997 zu beachtlichen vier Titeln in der Fahrer-WM und sogar fünf Titeln in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Danach übernahmen Ferrari sowie Mercedes die Führung in der Formel 1, obwohl Williams im Jahr 2013 und dann 2015 noch einmal ein beachtlicher dritter Platz in der Konstrukteurswertung gelang.

Im Jahr 2018 stand Williams ein Tiefschlag bevor. Zum ersten Mal in seiner Formel 1-Geschichte wurde der Rennstall letzter in der Konstrukteurswertung. Das gleiche wiederholte sich in der kommenden Saison.

Noch haben Russell, sein Teamkollege Nicholas Latifi, der es in Imola vor dem vierfachen Weltmeister Vettel auf den 11. Platz brachte, eine Chance, den Rennstall vor der dritten Blamage in Folge zu retten. Das Haas F1-Team hat nach dem Grand Prix von Italien gerade mal drei Punkte, und auch Alfa Romeo hat es erst auf acht Punkte in dieser Saison gebracht.

Bei der Konstrukteurswertung werden die Punkte beider Fahrer beziehungsweise Wagen eines Teams addiert. Die letzte für die Wertung geltende Platzierung ist der zehnte Platz mit einem Punkt. Platz neun wird mit zwei Punkten belohnt, Platz acht mit vier und Platz sieben mit sechs Punkten. Danach geht es in Zweierschritten mit den Punkten weiter, bis die Podiumsplätze erreicht werden. Für den Sieger gibt es 25 Punkte, der zweite wird mit 18 Punkten belohnt, und für den dritten gibt es 15 Punkte in der Wertung.

Noch hat George Russell daher eine gute Chance, sich und seinem Rennstall zu beweisen, was fahrerisch in ihm steckt.

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Motoreport Redaktion

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