Fahrbericht: VW Touareg V6 TDI (262 PS) R-Line

Kein VW kommt derzeit mit mehr Chrom an der Front als der Touareg R-Line. Passend zum kraftstrotzenden Auftritt ist man mit dem V6 Diesel mit 262 PS ausreichend motorisiert, um auch auf alpinen Landstraßen jede Menge Spaß zu haben. Im Autobahneinsatz bügelt die Luftfederung im Comfort-Setup jegliche Vibrationen aus. Wie agil ist der 2.1-Tonner in den Alpen?

Fahrerassistenz: Zuverlässige ACC bis 250 km/h, kein aktiver Lenkassistent
Unterwegs auf der Langstrecke merkt man im Vergleich zu Golf, Passat, Touran und co: Der Touareg hat momentan in Sachen Fahrerassistenz aufzuholen. Zwar gibt es eine mehr als exakte adaptive Geschwindigkeitsregelung, allerdings kann auch optional kein aktiver Lane Assist dazukonfiguriert werden. Wer also viel auf der Autobahn unterwegs ist, kann zwar automatisch Abstand halten lassen, jedoch sich nicht über die permanente, aktive Lenkunterstützung freuen, wie sie sogar Einsteigermodelle wie der Seat Leon schon seit 2013 bieten. Die ACC funktioniert zwar bis 250 km/h und verfügt auch über eine Stopp&Go Funktion fürs automatische Anfahren und Bremsen in Stausituationen. An Bord ist neben dem Notbremsassistenten Front Assist auch ein Toter-Winkel-Warner (Beim Touareg mit LEDs direkt in den Außenspiegeln) und eine zuverlässige Verkehrszeichenerkennung.

Das höchste der Fahrgefühle von VW?
Auf der Autobahn punktet der Touareg außerdem mit jeder Menge Komfort. Er ist ein bisschen der geländegängige Bruder des Phaeton und bringt deshalb z.B. doppelt verglaste Seitenscheiben mit. Sie sorgen für enorme Ruhe während der Fahrt und lassen auch in lauten Innenstädten kaum Geräusche in den Innenraum. Der zweite, wichtige Punkt für den hohen Komfortfaktor im Touareg ist die Luftfederung. Sie bügelt einerseits Dinge wie Kopfsteinpflaster in der Stadt gut aus, andererseits eliminiert sie weitestgehend Vibrationen, die bei hohen Geschwindigkeiten entstehen und lässt den 2.100 Kilo schweren Touareg sanft bei Tempo 200  (Vmax 225 km/h) über den Asphalt gleiten. Auf der Schnellstraße und auch in der Stadt fällt beim Touareg im Vergleich zu jüngeren VW Modellen auf, dass noch etwas mehr gelenkt werden muss: Hier steckt eben noch nicht die neueste, komfortabelste Version der Servotronic drin. Trotzdem lässt sich der Touareg kinderleicht und nahezu ohne Kraftaufwand einparken – nur etwas mehr Umdrehungen am Lenkrad braucht man eben. Die Familien- und Alltagstauglichkeit ist hoch, der Komfort im Fond auch. Die Passagiere dort können sich etwa über zwei eigene Klimazonen der Climatronic freuen.

Althergebrachtes aber luxuriöses Interieur
Auch im Interieur fühlt man sich im Jahr 2016 etwas zurückversetzt in die Zeit des Sechser Golf: Es gibt im Touareg noch keinen voll-digitalen Tacho, das Navigationssystem RNS850 kennt man im speziellen Setup mit den Tasten unter dem Bildschirm auch aus dem Phaeton oder Bentley Continental. Trotzdem ist die Bedienung genau so gut wie ein den ganz aktuellen Modellen – alle Elemente und Knöpfe haben ihren Platz und sind um Prinzip selbsterklärend, wie man es von VW kennt. Etwas rustikal steuert man nur die Offroad-Eigeschaften des Touareg: In der Mittelkonsole befinden sich zwei Drehknöpfe, mit einem wird zwischen On- und Offroad gewählt, mit dem anderen kann die Höhe der Luftfederung in mehreren Stufen eingestellt werden. Die serienmäßige Bodenfreiheit von 22cm kann mit maximal ausgefahrener Luftfederung auf ganze 30cm erhöht werden. Fährt man schneller als Offroad-Geschwindigkeit, senkt sich der Touareg automatisch wieder ab. Alternativ kann man die Höhe auch fixieren (Taste Lock), dann wird er aber nicht schneller als 70 km/h. Bei (höheren) Überlandgeschwindigkeiten wechselt die Luftfederung ohnehin nochmal in einer aerodynamisch optimale, niedrigere Stellung.

Luftfederung auf maximale Bodenfreiheit fürs Offroaden

 

V6 TDI mit 262 PS steckt knapp 2.2 Tonnen Gewicht gut weg
Das Herzstück und für viele Kunden der Kaufgrund des Touareg ist der V6 Diesel mit, wie in unserem Fall, 262 PS oder 196 kW. Sein Drehmoment von 580 Nm bringt er über das beliebte 8-Gang Wandlergetriebe von ZF und über den 4MOTION Allradantrieb – in diesem Fall dem permanenten 4MOTION – auf die Straße. Traktionsprobleme gibt es damit auch bei heftigen Kurvenfahrten auf Nässe kein bisschen. Von 0 auf 100 schafft er es in 7,3 Sekunden. Wir fahren mit dem Touareg V6 TDI auf die Seiser Alm – eine kurze aber traumhafte Serpentinenstraße, die nur vor 9 oder nach 17 Uhr befahren werden darf. Hier haben sich im Sommer 2016 auch die Rennradfahrer bei der Giro d’Italia abgestrampelt, während die teils sehr steile Straße dem V6 mit 262 PS einfach zu Füßen liegt. Die Kehren machen auch schnell gefahren Spaß, da sich der Touareg mit der Luftfederung im Modus “Sport” nur geringfügig in die Kurve legt und nicht übertrieben in Wanken gerät. Das Gewicht von knapp 2.2 Tonnen geht dabei tatsächlich ziemlich stark unter. Bei anderen Schwergewichten mit V6 Diesel wie dem Range Rover Sport blieb das Gewicht etwas mehr präsent – trotz des Sport im Namen. Mit offenem Fenster hört man die Kraft der Turboaufladung. Ein überraschend sportliches SUV-Erlebnis, das nach ein paar Minuten auch schon auf dem Hochplateau der Seiser Alm endet. Einer nach 17 Uhr besonders mystischen Landschaft im Hochgebirge, in der etwa unsere Fotos mit der ausgefahrenen Luftfederung entstanden sind. Schade, dass nicht schon Winter ist und wir ausprobieren können, wie viel Tiefschnee der Touareg verträgt.

Ein muss beim größten (europäischen) VW SUV: Die LED-Heckleuchten

Freilauffunktion/Segeln für niedrigeren Verbrauch
Der V6 schluckt weniger Diesel als sein Vorgänger. Das liegt unter anderem daran, dass der Motor im Rahmen der Auto Start&Stopp Funktion nicht erst im Stillstand, sondern schon unter 7 km/h abgeschaltet wird. Noch mehr soll allerdings die Freilauffunktion sparen. Sobald man das Gaspedal loslässt, trennt das Automatikgetriebe die Verbindung von Motor und Fahrwerk. Man befindet sich im Leerlauf, wenn man z.B. bergab von der Seiser Alm rollt, als hätte man keinen Gang eingelegt. Zwei Dinge stören uns aber daran: Wenn man wieder beschleunigen möchte (oder auch abbremsen und damit die Motorbremse aktivieren) dauert es einfach einen kurzen, ungewohnten Moment, bis die Automatik wieder den passenden Gang eingelegt hat. Das wirkt irgendwie befremdlich und ist ein bisschen schade, in Anbetracht dessen, dass die 8-Gang Automatik sonst so wunderbar schnell schaltet. In Sachen Effizienz ist das Segeln aber sicherlich eine gute Sache, an die man sich nach ein paar Wochen auch gewöhnen kann.

Der Touareg ist nicht nur der “große Geländewagen” von VW, sondern bringt mit einer Luftfederung und zahlreichen Komfortfeatures wie der Doppelverglasung Elemente aus der Oberklasse mit, die es im kleineren Tiguan einfach nicht gibt. Wir haben im Test ca. 8 bis 9 Liter Diesel im Mittel verbraucht, sind aber für unsere Fotos auch viele Male Bergauf- und abgehetzt und haben es auf der Autobahn eher dynamisch getrieben. Dazu verleitet der Touareg auch, da die ACC wirklich mit Weitblick arbeitet und die Luftfederung die Geschwindigkeit wie das Tatsächliche Tempo minus ca. 80 km/h wirken lässt.

Technische Daten VW Touareg 3.0 V6 TDI 4MOTION BlueMotion

Leistung/Drehmoment: 193 kW (262 PS) / 580 Nm
Getriebe: 8-Gang Wandergetriebe (ZF)
Antrieb: Permanenter Allradantrieb 4MOTION
0-100 km/h: 7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Leergewicht: 2.185 kg

Verbrauch angegeben: 6,8 Liter / 100 Km (Komb.)
Verbrauch erfahren: ca. 8-9Liter / 100 Km (Komb.)
Farbe: Light Silver Metallic
Kofferraumvolumen: maximal 1.642 L
Testwagenpreis: ca. 77.305 EUR

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ah schön auf der engen Strasse der Seiser Alm getestet. Das ist schon einmal sehr schön. Der Touareg ist in diesen Gefilden tatsächlich eine gute Wahl. Leider hängt dem Auto wohl immer noch das schlechte Image seines alten Motors nach.

    Ich gehe aber mal davon aus, das das alles besser geworden ist.

  2. Sehr schöner Wagen, der in mit den größen von Audi, BMW und co mithalten kann. Hätte Ihn mir etwas leichter gewünscht und mit mehr Hubraum

  3. Pingback: Im Test: Volkswagen Touareg V6 TDI » Der Auto Blogger

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