Fahrberichte Nissan

Nissan Micra N-Design: Stadtauto aus Fernost (& Vergleich Polo)

Der Kleinwagenmarkt in Deutschland ist geprägt von den Platzhirschen alias Volkswagen Polo und Opel Corsa. Doch auch andere Hersteller haben schöne Kleinwagen-Töchter. Wir testen den Nissan Micra, der sich die technische Plattform mit dem Renault Clio teilt.


Zum Test tritt der Micra in der Ausstattungslinie „N-Design“ mit 92 PS starkem Dreizylinder und stufenloser Automatik an  (ab 21.390€, Testwagenpreis 22.370€). Während die Außenlänge (3,99 Meter) etwa acht Zentimeter hinter der Konkurrenz von Volkswagen und Opel zurück bleibt fällt der Micra auf den ersten Blick durch die auffällige Lackierung „Energy Orange“ (590€) auf. Passend dazu weißt auch der Innenraum orangefarbene Akzente auf (390€). Wem diese Farbgebung zu intensiv ist, kann aber natürlich auch die kostenlose beige-grauen Option im Innenraum wählen.

Streitpunkt stufenloses Getriebe?

Ein Streitpunkt bei Fahrzeugen aus Fernost ist häufig die Arbeitsweise der stufenlosen Automatikgetriebe – wobei der Nissan streng genommen in Frankreich mit seinem Konzernbruder Renault Clio vom Band läuft. Ein solches Getriebe ist auch in unserem Testwagen verbaut. Solche CVT-Getriebe neigen beim starken Beschleunigen zum sogenannten „Gummiband-Effekt“. Dabei dreht der Motor auf einem konstant hohen Drehzahlniveau, während die Beschleunigung über eine Veränderung des Getriebe-Übersetzungsverhältnisses realisiert wird. Auch der Nissan Micra ist von diesem Effekt nicht ganz befreit, im eher gemächlichen Alltagsbetrieb arbeitet das Automatikgetriebe dagegen meistens unauffällig.

Auffällig ist dagegen der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum unter der Motorhaube. Klassentypisch ist der Motor eher schlecht gedämmt, vor allem bei höheren Drehzahlen ist der Motor durchaus akustisch präsent. Ansonsten sind wir mit dem Micra in der Stadt, auch dank der kompakten Abmessungen, flink unterwegs.

Gehobene Serienausstattung im Nissan Micra N-Design

Im aufgeräumten Innenraum bietet der Micra eine solide Verarbeitung, auch die klassischen Rundinstrumente im Tacho und die Drehregler für die Klimaautomatik (Serie bei N-Design) stellen uns vor keine Probleme. Ebenfalls serienmäßig wird der Micra mit einem 7“-Infotainment ausgeliefert, allerdings muss die Navigationsfunktion für 490€ extra bestellt werden. Wir empfehlen jedoch das Geld zu sparen und stattdessen lieber die Navigation mittels Smartphone zu nutzen, denn Apple Carplay sowie Android Auto bringt der Micra als N-Design immer mit. Einen Kaufgrund für das Navigationssystem liefert lediglich das optionale BOSE-Soundsystem, welches immer an das Navigationssystem gebunden ist und entsprechend mit teuren 890€ zu Buche schlägt.

Aber auch ohne BOSE-Soundsystem ist der Micra als „N-Design“ schon gut ausgestattet, bietet beispielsweise Regensensor, Parksensoren hinten, getönte Scheiben und 16“-Alufelgen. Sinnvoll ist für Nachfahrten noch die Investition in das „Style Paket“, welches unter anderem Voll-LED-Scheinwerfer beinhaltet.

In der Stadt flink aber nicht dynamisch

Auf knapp vier Metern Außenlänge platziert der Nissan Micra die Passagiere in der ersten Reihe durchaus großzügig.  Lediglich die Kopffreiheit ist aufgrund der eingezogenen Dachkanten etwas eingeschränkt. In Reihe zwei Reisen dagegen klassentypisch nur Kinder komfortabel. Auch der Kofferraum (300 Liter Fassungsvermögen) fällt bei der Konkurrenz meist größer aus, der Wocheneinkauf kommt aber auch hier unter.

Im Betrieb in der Stadt weiß der Nissan Micra außerdem einem ausgewogenen Fahrwerk zu gefallen. Zudem hat der Motor mit den gut 1000 Kilogramm Gewicht recht leichtes Spiel. Dass der Micra kein ausgewiesener Dynamiker ist, machen allerdings auch die etwas Seitenhalt-armen Sitze und die gefühlsarme Lenkung klar. Eventuell kann hier ein Griff zur Ausstattung „N-Sport“ etwas Abhilfe schaffen. Auch auf der Autobahn kann der Micra bis etwa Tempo 130 angenehm bewegt werden. Darüber hinaus macht sich dann, wie oben beschrieben, der Motor durch die schlechte Dämmung bemerkbar.

Vergleich: Volkswagen Polo oder Nissan Micra?

Da vor kurzem auch der frisch überarbeitete Volkswagen Polo als “R-Line” bei uns zum Test war bietet sich hier ein kurzer Vergleich an. Der Polo bietet deutlich mehr Fahrerassistenzsystem, wie einen aktiven Spurhalteassistenten, Totwinkel-Warner, Parksensoren vorne und Matrix-LED-Scheinwerfer. Das hat allerdings auch einen entsprechenden Preis: Unser Testwagen war fast 12.000€ teurer. Für dieses Geld bekommt man beim Kauf eines Nissan Micra N-Design fast noch einen Basis-Micra dazu (ab 13.990€). Vergleichbar ausgestattet ist der Polo immer noch etwa 3000€ teurer. Wer also auf die etwas großzügigeren Platzverhältnisse im Innenraum und die technischen Spielereien verzichten kann, fährt mit dem Micra N-Design ähnlich gut. Auf eine elektrische Unterstützung in Form eines Mild-Hybrid-Systems muss der Micra übrigens, genau wie der Polo verzichten. Trotzdem ist der Micra im Alltag etwas sparsamer. Verbräuche um die sechs Liter auf 100 Kilometer lassen sich bei normaler Fahrweise im Micra gut erreichen.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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