Fahrbericht: Heißes Sportcoupé Infiniti Q60 3.0t

Nachdem die letzten beiden Jahre für Infiniti mit den Kompakt SUVs Q30 und QX30 im Zeichen der Kooperation mit Daimler standen, kommt die Nobeltochter Nissans mit dem Q60 wieder auf das zurück, was uns am Q50 und der Marke Infiniti so begeistert hat: Der Exoten-Status und die charakterstarken Modelle, die zu Unrecht immer noch viel zu unbekannt auf deutschen Straßen sind. Mit 405 PS aus einem neu entwickelten Twin-Turbo V6 ist der Q60S 3.0t der stärkste Infiniti bislang. Wir haben eine erste Runde hoch auf den Feldberg im Taunus gedreht.

Q60 Coupé: Das beste Design aus Q30 und Q50
Vor genau einem Jahr wurde der Q60 auf der NAIAS 2016 vorgestellt und steht nun, sehr nah an den ersten Skizzen, auf der Straße. Der Q60 setzt der bekannten Formensprache des Q50 ein noch schärferes Design und ein völlig neues, regelrecht futuristisches Heck auf. Vom Q30 kennen wir etwa die neue Form des Kühlergrills. Die typische Infiniti-Sichelform an der C-Säule scheint beim Q60 vom Drehmoment regelrecht nach hinten gebogen. Im Gegensatz zum Q50 ist der Blinker nun ins ebenfalls neu designte LED-Band des Tagfahrlichts integriert. Hingucker schlechthin ist bei unserem Testwagen die Farbe Dynamic Sunstone Red. Diese Lackierung wird in mehreren Farbschichten (beginnend mit Pink) aufgetragen und wird zudem von einer besonders hochwertigen Klarlackschicht geschützt.

Q60 Interieur in der Trimline Sport Tech

Das Interieur unterscheidet sich nur geringfügig vom Q50. Neu sind etwa die Türgriffe, die nun voll in die Verkleidung integriert sind, der Automatikwahlhebel und die Formen des Multifunktionslenkrads. Das InTouch Infotainmentsystem, das sich in einen oberen Bildschirm für die Navigation und den unteren für die Fahrzeugfunktionen aufteilt, gibt es nun auch mit Onlinekonnektivität.

Neu entwickelter Twin-Turbo V6 mit 405 PS und 475 Nm
Auch wenn die 364 PS im Q50 Hybrid 2013 eine Ansage waren, ist der neue V6 Twin-Turbo mit 405 PS der stärkste Motor Infinitis bislang. Er beschleunigt den Q60 in 5 Sekunden auf Tempo 100. Das ansehnliche Drehomement von 475 Nm wird dabei serienmäßig über den Allradantrieb auf den Asphalt gebracht. Seine 405 PS sind auch in Anbetracht des Leergewichts von 1.870 Kilogramm noch mehr als genug und lassen, genau wie der gleichmäßig spritzige Durchzug, situationsunabhängig nicht zu wünschen übrig. Bei unseren salzig-schmierigen Testfahrten im Taunus kann man sich ab einer gewissen Kurvendynamik recht gut vom AWD überzeugen. Mangelt es an Traktion, erfolgt die Umverteilung des Drehmoments ziemlich fix, was die winterliche Hauchtaunusstraße schon fast ein bisschen zu einem Alpenpass macht.

Drive Mode Selector und 7-Gang Automatik
Zwischen Motor und Fahrwerk hängt noch die aus dem Q50 bekannte 7-Gang Wandlerautomatik, die zwar nicht radikal sportlich die Gänge durchhämmert, aber nach wie vor einen guten Job macht. Sie ist eher aufs komfortable Cruisen ausgelegt. Ein Querbeschleunigungssensor soll topografische Veränderungen erkennen und die Schaltpunkte der Automatik entsprechend anpassen. (Hektisches Rauf- und Runterschalten an starken Steigungen soll damit verhindert werden). Ihre Abstimmung ändert sich merklich mit dem gewählten Fahrmodus. Hier ist nun auch ein Sport+ Mode hinzugekommen, der nicht nur die Gasannahme des Motors, sondern auch die elektronisch einstellbaren Dämpfer anpasst. Sie und in erster Linie die 255/40er 19-Zöller sorgen dafür, dass der Q60 möglichst eins mit dem Asphalt wird und das am besten kann, was ein Sportcoupé können sollte: Für größtmöglichsten Fahrspaß auf den besten Kurvenstraßen sorgen. Im Autobahnverkehr gibt sich der Q60 auch im Komfort-Modus eher sportlich gefedert, lässt aber äußerst wenige Wind- oder Abrollgeräusche in den Innenraum dringen. Der Dreiliter V6 klingt von unten heraus sanft und hell im Sound, ist aber bei einem Sportlichen-Start (Video) von außen gut wahrnehmbar. Alternativ gibt es den heckgetriebenen 2.0t mit 211 PS (155 kW), der uns bereits im Q50 2.0t überzeugt hat. Den Verbrauch für den 3.0t gibt Infiniti mit 9,1 Litern kombiniert an.

Infiniti Q60S 3.0t in Dynamic Sunstone Red mit serienmäßigen 19 Zoll Felgen

Steer-by-Wire (DAS) in der zweiten Generation
Im Flugzeug ist es seit vielen Jahren Standard, im Pkw hatte Infiniti mit dem Q50 2013 als erster Hersteller auf die rein digitale Übertragung der Lenkbefehle gesetzt. Die Lenkbewegungen werden über redundante Steuergeräte auf ein Stellglied an der Vorderachse übertragen. Wir haben das Fahrgefühl des sog. DAS – Direct Adaptive Steering bereits hier ausführlich beschrieben. Der Hauptvorteil von DAS im Alltag liegt darin, dass leichte Vibrationen von der Fahrbahn nicht bis zum Fahrer durchdringen und die Lenkübersetzung und der Kraftaufwand in mehreren Setups eingestellt werden können. Schlaglöcher werden beispielsweise am Lenkrad nicht spürbar, während der Q60 trotzdem auf Kurs bleibt. Ein Kritikpunkt seitens Kollegen und einiger unserer Leser war, dass sich die Lenkung zu künstlich anfühle und zu wenig Feedback von der Fahrbahn beim Fahrer ankomme. Nach unserer kurzen Fahrt auf feuchter Straße hatten wir den Eindruck, dass am Feedback in der zweiten Generation durchaus etwas gearbeitet wurde – schließlich wurde ein drohender Traktionsverlust etwas spürbarer. Ein absolut direktes und superfeines Feedback ist mit DAS aber mangels mechanischer Verbindung zum Lenkrad schwer möglich.

Direct Adaptive Steering mit 7 personalisierten Lenkmodi

Steer-by-Wire kombiniert mit Fahrerassistenz
Für den Q60 als “Hightech” Limousine/Coupé ist aber ein Steer-by-Wire System genau das Richtige. Einerseits, da sportliches Fahren damit genauso viel Freude bereitet wie mit herkömmlichen Lenksysteme. Andererseits, da fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme wie das Spurhaltesystem noch weitaus komfortabler für den Fahrer werden. Wenn sich der Q60 auf der Autobahn selbstständig mit leichten Lenkeingriffen in der Spur hält, bewegt sich das Lenkrad nicht unnötig mit – zumindest bis zu einem gewissen Lenkeinschlag.

Fortschrittliche Assistenzsysteme, Safety Shield
Im Q60 steckt sozusagen das feinste an Fahrhilfesystemen, das der Nissan Fundus derzeit zu bieten hat. Optional gibt es in der Tech-Ausstattung eine Adaptive Cruise Control, einen aktiven Lenkassistenten (ist zusammen mit Steer-by-Wire ein Muss), einen Toter-Winkel-Assistent und neben der Bewegtobjekterkennung und der virtuellen 360 Grad Ansicht aufs Fahrzeug das sog. Safety-Shield: Hat man diesen „Rundum-Komfort“ aktiviert, kann man den Q60 z.B. auf einen Warteschlange an der Ampel zu rollen lassen und er bremst aktiv selbst und sanft selbst dann, wenn die ACC nicht aktiviert ist. Ein Feature, das es so bei keinem Wettbewerber gibt. Im Rahmen des Safety Shield ist auch eine Notbremsfunktion aktiv. Wenn es zum Vordermann hin knapp zu werden droht, warnt zudem ein aktives Gaspedal.

Der Vorgänger des Q60, der G37, hat in Deutschland definitiv Exotenstatus. Mit seinem umwerfenden Design und dem 405 PS oder 211 PS Motor hat der Q60 die besten Chancen, erfolgreicher zu werden. Sein Heck wirkt sogar auf unseren Fotos so neu und frisch, als wäre der Wagen immer noch eine Studie. Das scharfe Sportcoupé, kombiniert mit modernster Fahrerassistenz und Steer-by-Wire Lenkung ist unbedingt eine Probefahrt wert. Zu haben ist der 2.0t mit Heckantrieb ab 44.500 Euro, der V6 beginnt ab 56.990 Euro.

Infiniti Q60S 3.0t AWD Sport Tech

Leistung/Drehmoment: 298 kW / 405 PS / 475 Nm
Getriebe: 7-Gang-Automatik
Antrieb: Variabler Allradantrieb
0-100 km/h: 5,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Leergewicht:  1.874 kg
Verbrauch angegeben: 9,1 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Farbe: Dynamic Sunstone Red
Kofferraumvolumen: 342 L
Einstiegspreis 3.0t: 56.990 EUR

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