DS Fahrberichte

DS9 E-Tense im Test – Unterschätzter Underdog?

Zu Beginn ein kleines Zahlenspiel: Schätzen Sie einmal wie viele Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse im Jahr 2021 in Deutschland neu zugelassen wurden. Die Antworten: A6 – 26.260, 5er – 23.290, E-Klasse – 22.901. Zum Vergleich: Vom DS9 wurden exakt 41 Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Damit wurde der DS9 sogar seltener zugelassen als ein Bentley Continental (458), Rolls Royce Cullinan (44) oder Ferrari F8 (590). Woran das liegt? Wir finden es im ausführlichen Test heraus.


Zur Einordnung: DS versteht sich selbst als französischer Premiumhersteller und gehört zum Stellantis-Konzern. Von dort leiht man sich auch die technische Basis des 4,93 Meter lange DS9, die in ähnlicher Weise auch im Peugeot 508 zum Einsatz kommt. DS sieht den DS9 als Fahrzeug, das „Eleganz, Exzellenz und Leistung“ vereinen soll. Wir fahren den DS9 als 225 E-Tech in der höchsten Ausstattungslinie Rivoli+. Auch wenn DS auf dem deutschen Markt eine eher untergeordnete Rolle spielt hatten wir bereits mehrere Fahrzeuge der Marke zum Test zu Gast wie den DS7 Crossback (Text & Video).

DS9 Heckleuchtendesign

Rauten und Dreicke wohin der Blick fällt: Das Design des DS9 erfüllt den expressiven Anspruch in den Details sehr gut.

DS9: Edel verarbeitet, Franzose durch und durch

Schon beim Zustieg wird klar, dass es sich um ein durch und durch französisches Fahrzeug handelt. In der Mitte des Armaturenbretts thront eine elektrisch ausfahrende Uhr des französischen Herstellers B.R.M.. Das optionale Soundsystem steuert der französische Hifi-Spezialist FOCAL bei. Auch beim Design geht DS eigene Wege und verziert den Innenraum mit zahlreichen Diamantförmigen Elementen. Diese finden sich beispielsweise an den Fensterhebern, den Rollen am Lenkrad sowie in der Darstellung des Infotainmentsystems. Selbst die LED-Frontscheinwerfer und Heckleuchten. folgenden der Rauten-Optik. Um den Anspruch an Eleganz und Exzellenz zu unterstreichen fährt unser Testwagen mit weinroter Volllederausstattung vor. Trotzdem lässt sich eine gewisse Konzernzugehörigkeit nicht bestreiten. Den Gangwahlhebel für die 8-Gang-Automatik kennen wir so auch von Peugeot.

DS9 Cockpit

Avantgarde, französisch interpretiert. Das rubi-rote Leder (4800€) von bayerischen Kühen ist fein und großflächig verarbeitet. Der Wahlhebel der Automatik gibt einen Hinweis auf den Konzernbruder Peugeot.

Eher emotionslose Antriebe, komfortables Fahrwerk

Auch beim Antrieb greift DS in das Konzernregal und verbaut bei uns einen Hybrid-Antriebsstrang mit 225 PS. Zum Einsatz kommt ein 1,6 Liter Benziner mit 180 PS, der mit einem ins Getriebe integrierten 110 PS starken Elektromotor zusammenarbeitet. Mittlerweile wurde der von uns gefahrene 225 E-Tense durch den 250 E-Tense ersetzt. Der Verbrennungsmotor erstarkt dabei auf glatte 200 PS, das maximale Drehmoment bleibt mit 320 Nm unverändert. Wer auf die elektrische Unterstützung verzichten möchte, kann lediglich einen 1,6 Liter Benziner mit 225 PS wählen, mehr als sechs Zylinder gibt es leider nicht.

So viel zur Theorie. Doch wie fährt der DS9 nun? DS verspricht einen ausgesprochenen Langstreckenkomfort, auch in Reihe zwei. Aber zuerst nehmen wir vorne links Platz und fallen tief in die bequemen Ledersitze, auf denen wir uns auf Wunsch wärmen, kühlen oder massieren lassen können. Das optionale weinrote Leder im Innenraum für 4800€ ist fein verarbeitet und unterstreicht den avantgardistischen Charakter des DS9 – schwarzes Leder gibt es aber natürlich auch. Mit Druck auf den rautenförmigen Startknopf hoch oben auf dem Armaturenbrett zeigt sich die B.R.M.-Uhr und wir rollen elektrisch los. Das soll der DS9 dank 11,9 kWh-Akku etwa 50 Kilometer weit schaffen (250 E-Tense: 61 km).

Französische Avantgarde, Teil 2: Die Uhr des französischen Herstellers B.R.M. rotiert beim Start um 180°. Lüftungselemente und Startknopf greifen selbstverständlich die „Diamantform“ auf.

Dieses Versprechen löst der DS9 nicht ganz ein, gute 35 Kilometer sind allerdings rein elektrisch und bis Tempo 135 möglich. Und dieses elektrische Fahren passt auch hervorragend zum Charakter des DS9, denn das Fahrwerk ist ausgesprochen komfortabel abgestimmt, zudem wird mittels Kamera die Fahrbahnoberfläche gescannt und so die Dämpfer schon vor Unebenheiten passend eingestellt. So gleitet der DS9 äußerst komfortabel dahin.

Ist die Kapazität des Akkus erschöpft schaltet sich der Benzinmotor fast unmerklich zu. Der schiebt dank 180 PS Leistung auch auf der Autobahn ordentlich aber nicht atemberaubend an und beschleunigt den DS9 bis Tempo 240. Wobei der Motor im oberen Drehzahlbereich dann deutlich zu hören ist. Also belässt man es auf der Autobahn bei Tempo 160 und lässt sich auf Wunsch mit aktiver Spurführung zum Ziel fahren.

Lieber gleiten als hetzen im DS9

Auch abseits der Autobahn macht der DS9 eine gute Figur, was sicherlich auch dem montieren Reifen Michelin Pilot Sport 4 geschuldet ist, der überraschend viel Traktion bietet. Allerdings macht der DS9 auf der dynamischen Landstraßenrunde auch recht schnell klar, dass er lieber gemütlich bewegt werden will. Denn der kleine 1,6 Liter Motor drängt sich auch hier akustisch in den Vordergrund und die 8-Gang-Automatik ist bei der Gangwahl nicht immer ganz treffsicher. Auch hier gilt der Grundsatz: Lieber gleiten als hetzen.

Reisen wie Macron in Frankreich. Dank knapp 2,90 Meter Radstand sitzt man auch hinten großzügig, aber leider ohne Rear-Seat-Entertainment.

Trotz dem Respektabstand in den Abmessen zur automobilen Oberklasse wie S-Klasse oder BMW 7er soll der DS9 auch zum chauffieren geeignet sein. Schließlich ist der DS9 auch der Dienstwagen des französischen Präsidenten. Dafür gibt es für die Mitfahrer in Reihe zwei ebenfalls Sitzheizung und Massagefunktionen. Nicht bestellbar sind allerdings Rear-Seat-Entertainment oder Arbeitstische. Lediglich eine breite Mittelarmlehne bietet der DS9 auf der Rückbank. Die Beinfreiheit geht dafür absolut in Ordnung, auch wenn es, anders als beispielsweise in der S-Klasse, keine elektrisch ausfahrbare Fußablage gibt. Immerhin lässt sich der Beifahrersitz vom Chauffeur elektrisch einstellen um dem Fahrgast hinten rechts maximalen Entfaltungsraum zu garantieren.

Bei den Assistenten nicht ganz auf Höhe mit der Konkurrenz

Ebenfalls Respektabstand zur deutschen „Premium“-Konkurrenz hält der DS9 beim Thema Infotainment und Assistenzsysteme. Das Infotainmentsystem lässt sich nur wenig intuitiv bedienen, die Sprachsteuerung zählt eher zu den begriffstutzigen Exemplaren. Zudem kann immer nur eine Funktion, wie Navigation oder Medien dargestellt werden, ein „Home“-Bildschirm fehlt leider. Bei den Assistenzsystemen bietet der DS9 zwar gutes Mittelmaß mit adaptivem Tempomat, aktiver Spurhaltung, Totwinkelwarner, Parkassistent und Wärmebildkamera (Testvideo). Wer Matrix-LED-Scheinwerfer, aktiven Spurwechsel auf der Autobahn, Head-up-Display oder einen Rettungsgassenassistenten (automatische Bildung der Rettungsgasse im Stau) wünscht, muss sich bei anderen Herstellern umsehen.

Attraktiv wird der DS9 E-Tense dann – neben dem Design – wieder über den Preis. Unser voll ausgestatteter Testwagen liegt derzeit (als 250 E-Tense) bei gut 65.000€. Für einen vergleichbar ausgestatteten BMW 530e (292 PS) werden dagegen etwa 15.000€ mehr fällig. Ein Audi A6 TFSI-e lässt sich derzeit gar nicht erst konfigurieren.

Aggressive Formensprache ist dem DS9 fremd, das Design wirkt eher staatsmännisch und gediegen. Dazu passt auch die Außenfarbe „Kristall-grau“, die keinen Aufpreis kostet.

KategorieTechnische Daten DS DS9 225 E-Tense
Daten Benzinmotor1598 cm3, 4 Zylinder, Turbo, 180 PS, 320 Nm Drehmoment (kombiniert)
Daten ElektromotorAkkukapazität 11,9 kWh, 110 PS, 320 Nm Drehmoment (kombiniert), Einsatzort: Getriebe
Elektrische Reichweite50 km (Herstellerangabe), Test ca. 35 km
Getriebe8-Gang-Automatik
Angetriebene AchseVorderachse
Höchstgeschwindigkeit240km/h
Sprintzeit 0-100km/h8,7 Sekunden
Leergewicht1914kg
TestverbrauchRein elektrisch: ca. 22 kWh/100km
Alltagsnah mit Laden: 1,5 - 6 Liter/100km
Ohne laden: 8,5 Liter/100km

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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