Fahrberichte Volkswagen

Dauertest, Teil 1: 10000 Kilometer im Golf 8 GTI Clubsport

Seit gut zwei Monaten bewege unser Redaktionsfahrzeug, einen Golf 8 GTI Clubsport in „Kings Red Metallic“ und (außer Schiebedach) Vollausstattung beinahe täglich etwa 140 Kilometer. Zeit für einen ersten Zwischenbericht, zu Stärken, Schwächen und Kosten. In Zukunft werde ich voraussichtlich alle 10000 Kilometer Updates veröffentlichen.


Übrigens: Von unserer Abholung in der Autostadt in Wolfsburg gibt es hier ein Video.

Das Fahrprofil: Wie von VW empfohlen habe ich unseren GTI Clubsport auf den ersten ca. 1500 Kilometern gemütlich eingefahren, d.h. Drehzahlen bis maximal 3000 Touren (=Tempo 170 auf der Autobahn). Insgesamt betrachtet wurde der GTI zu etwa 80% (auch zügig) auf der Autobahn bewegt, 10% meist sportlich auf der Landstraße, sowie 10% im Stadtverkehr. Grundsätzlich wird der Golf GTI Clubsport IMMER warm und kalt gefahren, was dank Öl-, Wasser- und Getriebetemperaturanzeige gut möglich ist. Etwas überrascht hat mich an Anfang die gefühlt relativ hohe Öltemperatur von ca. 100-105°C im „Normalbetrieb“. Unter Last kann die Öltemperatur aber auch auf bis zu 115-120°C steigen.

Golf 8 GTI Clubsport Seitenansicht

Mit 10 Kilometern auf der Uhr haben wir am 22.05.21 unseren neuen Dauertest Golf 8 GTI Clubsport in der Autostadt Wolfsburg abgeholt. Ausstattung (u.a.): Felge Estoril glanzgedreht, IQ.Light, DDC und “Black Style”-Paket.

Golf 8 GTI Clubsport: Das nervt.

1. Der (passive) Spurhalteassistent

Jeder Golf 8 rollt mit einem passiven Spurhalteassistenten vom Band, der bei jedem Motorneustart aktiviert ist und den Wagen zurück auf die Fahrbahn „schubst“, wenn man die Fahrbahnbegrenzung zu überfahren droht. Das funktioniert ordentlich und grundsätzlich befürworten wir bei motoreport den Einsatz von Assistenzsystemen zur Erhöhung der Fahrsicherheit.

Allerdings hat dieser passive (!) Spurhalteassistent einen großen Fehler: Er erkennt scheinbar keine gelben Baustellenmarkierungen. Denn sobald man in einer Baustelle auf der Autobahn den gelben Baustellenmarkierungen folgt und damit teilweise auf den „normalen“ weißen Markierungen fährt, beginnt der Golf mit piepsen auf den „Fehler“ aufmerksam zu machen. Und dann hört er nicht mehr auf und piepst bei längeren Baustellen auch mal mehrere Minuten ununterbrochen. Problem: Sobald der Spurhalteassistent im „Alarmmodus“ ist, lässt er sich nicht mehr abschalten. Mögliche Lösungen: Spurhalteassistent vor Baustellen abschalten oder Musik so laut stellen, dass der Warnton nicht mehr hörbar ist. Beides erscheint mir suboptimal. Alternativ kann auch der (optionale) Travel Assist mit aktiver Spurhaltefunktion aktiviert werden. Der erkennt gelbe Baustellenmarkierungen in der Regel problemlos.

2. Das Infotainment

Über das langsame und fehlerhafte MIB3 bei verschiedenen Volkswagen-AG-Fahrzeugen haben sich schon zahlreiche Zeitschriften und Blogs ausgelassen. Mit Softwarestand 1803 des Infotainments kann ich beim Golf GTI Clubsport teilweise Entwarnung geben. Bisher hatte ich keinerlei Abstürze, trotzdem gibt es einige nervige Punkte. So zählt das System grundsätzlich nicht zu den leistungsstärksten, stellt z.B. das Menü zum Schnellzugriff (von oben nach unten wischen) und die Navigation ruckelig dar und gönnt sich auch nach jedem Motorstart einige Sekunden, bis es einsatzbereit ist. Gleiches gilt für die Darstellung des Bilds der Rückfahrkamera. Auch die Eingaben auf dem Touchscreen, etwa im Klimamenü, werden teilweise erst verzögert umgesetzt. Spannend ist, dass die Leistung gefühlt tagesformabhängig ist. Mal läuft es besser, mal schlechter – ohne, dass ich bisher dahinter gekommen bin, woran das liegt.

Die mangelhafte Performance bei der Nutzung von Android Auto (ruckelnde Musikwiedergabe, Abstürze) gehen übrigens nicht auf das Konto von Volkswagen, sondern von Samsung/Google (Galaxy S21 Ultra).

Auf das Konto von Volkswagen geht allerdings das Problem, dass unser Golf etwa alle vier Wochen ohne Vorwarnung den aktiven Nutzer (also mich) abmeldet. Dann sind die gekauften „WeConnect“-Funktionen nicht mehr verfügbar und ich muss mich wieder neu anmelden, was nicht immer problemlos funktioniert. Dies scheint allerdings ein bekannter Fehler von vielen Golf-Fahrern zu sein. Auch hier bessert Volkwagen hoffentlich noch nach.

3. Die Bedienung

Mit dem Golf 8 hat Volkswagen zahlreiche Knöpfe im Cockpit eingespart und diese durch berührungsempfindliche Oberflächen ersetzt. Das Fazit nach 10000 Kilometern: Echte Knöpfe wären besser. Ich kann beispielsweise das Lenkrad (insbesondere den Travel Assist, den ich wirklich ständig nutze) noch immer nicht blind bedienen. Und auch das Justieren der Temperatur via „Slider“ unter dem Zentraldisplay ist – auch nach 10000 Kilometern – nachts schwierig, da hier eine Beleuchtung fehlt. Das sollte beim Facelift dringend überarbeitet werden.

Grundsätzlich kann ich die Defizite, die wir schon 2019 in unserem Video aufgezeigt haben, weiterhin bestätigen.

Seitenschweller und Diffusor sind beim GTI Clubsport leider nicht lackiert. Das werden wir vermutlich mittelfristig ändern, um die Optik an den schwarz lackierten Heckspoiler sowie die schwarz lackierten Außenspiegel anzugleichen.

Golf 8 GTI Clubsport: Das macht Spaß.

1. Fahren

Die Kernkompetenz meistert der Golf 8 GTI Clubsport! Und wie! Vorneweg: Auch als Golf GTI Clubsport bleibt das Auto ein Golf, heißt er fährt sehr geschliffen, mit dem bei uns verbauten adaptiven Fahrwerk (1125€) auf Wunsch auch ziemlich komfortabel, Gangwechsel sind praktisch nicht spürbar, die Lenkung arbeitet schön direkt, das Geräuschniveau im Innenraum ist angenehm niedrig.

Schaltet man jedoch in den Fahrmodus „Nürburgring“ straffen sich Lenkung, Getriebeabstimmung und Ansprechverhalten. Dann lässt sich der Golf GTI Clubsport ziemlich zügig über die Landstraßen der fränkischen Schweiz scheuchen. Vorteil „Nürburgring“-Modus: Das Fahrwerk ist auch für Straßen zweiter und dritter Ordnung nicht zu hart. Für das letzte Quäntchen Fahrspaß empfiehlt es sich allerdings von der Serienbereifung (bei uns Goodyear Eagle F1) auf straßenzugelassene Semislicks (z.B. Michelin Pilot Sportcup 2) zu wechseln, denn 300 PS an der Vorderachse sorgen bei geringen Geschwindigkeiten öfter für Traktionsverlust. Auch ich werde voraussichtlich beim ersten Reifenwechsel auf einen Semislick wechseln.

Wirklich überzeugt hat mich der Golf GTI Clubsport zudem auf der Autobahn. Der Motor hat wirklich ordentlich Leistung und marschiert auch jenseits der 160 km/h zügig Richtung Höchstgeschwindigkeit (Tacho 267). Stellt man dazu die Dämpfung auf extra weich und fährt nachts bei freier Autobahn Tempo 180 (Travel Assist), so stellt sich beinahe eine Art „Fluggefühl“ ein.

Einen kurzen Fahrbericht im Vergleich zum “normalen Golf 8 GTI” wir auch schon hier auf YouTube veröffentlicht.

2. Assistenzsysteme & IQ.Light

Oben habe ich bereits über den passiven Spurhalteassistenten geschimpft. Ein Lob verdienen dagegen der optionale Travel Assist mit aktiver Spurhaltefunktion sowie das optionale IQ.Light.

Der Travel Assist arbeitet auf der Autobahn auch bei höheren Geschwindigkeiten fast immer tadellos und dank kapazitivem Lenkrad genügt es die Hände am Lenkrad zu halten um zu signalisieren, dass man als Fahrer noch „da“ ist. Einen Eindruck dazu gibt es auch in unserem Video.

Bei Nachtfahrten hat sich zudem das IQ.Light bewährt, das entgegenkommenden Verkehr recht zuverlässig und schnell ausblendet. Defizite gibt es lediglich ab und zu bei Fahrzeugen in sehr großer Entfernung, die der GTI Clubsport erst etwas spät maskiert. Auch hierzu gibt es bereits ein Video von uns.

Golf 8 GTI Clubsport: Werkstattaufenthalte & Defekte

Bisher ist unser Golf GTI Clubsport nur zur Abholung der Winterreifen beim lokalen Volkswagenpartner vorstellig geworden. Ansonsten gab es keine Defekte oder Ausfälle. Im Rahmen der ersten Inspektion soll zudem die nicht ganz perfekt sitzende Heckschürze neu eingepasst werden.

Kosten

Nach einer „Einfahrphase“ mit Verbräuchen über 10 Liter / 100 Kilometer hat sich der Benzinverbrauch unseres GTI Clubsport über 10000 Kilometer bei 9,04 Liter auf 100 Kilometer eingependelt. Minimal habe ich bei einer Tankfüllung einen Verbrauch von 7,87 Liter erzielt. Auf der zügigen Landstraßenrunde gönnt sich der GTI CS aber auch mal 13 Liter / 100 Kilometer. Getankt wird (natürlich) ausschließlich Benzin mit 98 Oktan oder höher.

Zahlen, Daten, Fakten: Der Verbrauch des Golf GTI Clubsport wird mittels Tankbelegen genau aufgezeichnet. Auf 10133km Fahrstrecke haben wir 961 Liter Super Plus für durchschnittlich 1,63€/Liter verbrannt (=9,04L/100km). Bei einer Tankgröße von 50 Litern kommt man somit rechnerisch pro Tank 553 Kilometer weit. Der Boardcomputer (blasse Linie) gibt übrigens stets einen etwas geringeren Verbrauch an.

In Planung

Aktuell plane ich, die dunkelgrauen Elemente an Front- und Heckschürze sowie die Seitenschweller in schwarz hochglanz lackieren zu lassen. Zudem wird – wenn verfügbar – voraussichtlich die Akrapovic-Abgasanlage des Golf 8 GTI Clubsport 45 montiert. Darüber hinaus erhält der Golf GTI Clubsport im Herbst noch eine Steinschlagschutzfolie sowie der Lack eine Keramikversiegelung. Updates dazu folgen in den nächsten Zwischenberichten.

Über den Autor

Jonas Braunersreuther

Autor Jonas Braunersreuther interessiert sich von Kindesbeinen an für sportliche Autos und Zweiräder sowie neue Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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