BMW geht beim Thema Elektromobilität bislang einen eigenen Weg. Statt getrennte Modelle mit Verbrennungsmotor und elektrischem Antrieb zu entwickeln, verbaut BMW alle Antriebsvarianten in die gleiche Karossiere. So gibt es den BMW 5er (G60) beispielsweise mit Benziner, Diesel, als Plug-In Hybrid oder vollelektrisch. Mit dem neuen (i)X5 (G65) geht BMW beim Thema Technologieoffenheit noch einen Schritt weiter: Ab 2028 wird der iX5 auch mit Wasserstoff-Brennstoffzelle ausgeliefert. Bis der neue iX5 auf die Straße kommt, lässt uns BMW gut eine Woche mit dem iX5 Hydrogen aus der vorherigen Generation (G05) auf die Straße.
Unseren Fahrbericht zum G05 Facelift gibt es übrigens hier auf YouTube und hier als Fahrbericht.
Vorteile von Brennstoffzellenfahrzeugen
Zum Hintergrund: Seit 2013 entwickelt BMW in Kooperation mit Toyota Brennstoffzellen. Während Toyota mit dem Mirai schon ein Serienfahrzeug auf den Markt gebracht hat, beschränkte man sich bei BMW bislang auf den Bau einer Pilotflotte aus etwa 100 Fahrzeugen.
Ein Brennstoffzellenfahrzeug kombiniert theoretisch die Vorzüge eines Verbrennungsmotors mit denen eines elektrischen Antriebs. So kann der Nutzer den Tank, genau wie beim Verbrenner, an einer Tankstelle in ungefähr fünf Minuten vollständig auffüllen. Getankt wird allerdings keine Flüssigkeit, sondern gasförmiger Wasserstoff, der auf 700 bar Druck verdichtet wurde. Der T-förmige Tank im BMW iX5 Hydrogen ist dabei unter der Rücksitzbank und im Kardantunnel verbaut und speichert 6kg Wasserstoff, was auf dem Papier für eine Reichweite von gut 500 Kilometern reichen soll. Weiterer Vorteil: Genau wie Benzin / Diesel und anders als Lithium-Ionen-Akkus bleibt die Reichweite bei kalten Temperaturen quasi gleich.

Die Brennstoffzelle findet beim BMW iX5 Hydrogen unter der Fronthaube Platz. Zu sehen ist außer einer Abdeckung aber leider nichts. Quelle: BMW AG
Gefahren wird dann mit elektrischem Strom, der einen Elektromotor antreibt. Anders als beim batterielektrischen Fahrzeug wird der elektrische Strom allerdings durch die Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff in der Brennstoffzelle erzeugt. Als Emission entsteht während der Fahrt lediglich Wasser(dampf). Entsprechend leise fährt also unser iX5 Hydrogen. Da die Brennstoffzelle eine maximale Leistung von 125 kW / 170 PS bereitstellt, ist im Pilot-iX5 aber noch eine kleine Lithium-Ionen-Batterie unter dem Kofferraum verbaut, die zusätzlich bis zu 170 kW / 231 PS liefert. Mit der Energie aus beiden Quellen versorgt leistet die E-Maschine an der Hinterachse, die aus dem BMW iX übernommen wurde, bis zu 295 kW / 401 PS. Der Sprint auf 100 km/h gelingt so in unter sechs Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt elektronisch begrenzt bei 210 km/h.
Wenig Interieur-Änderungen im iX5 Hydrogen
Im Cockpit müssen wir uns nicht groß umstellen, lediglich einzelne ‚Hydrogen‘-Schriftzüge weisen auf die besondere Antriebstechnologie hin, dazu eine Tankanzeige mit ‚H2‘-Beschriftung, blaue Akzente und die H2live-App zur Tankstellensuche im Infotainmentsystem. An dieser Stelle sei übrigens ein ausdrückliches Lob an die Innenraumdesigner des X5 G05 ausgesprochen. In Zeiten von Touchbedienung und Wischgesten ist das Cockpit mit Tasten für Temperatur und Lüfterstärke sowie das klassische iDrive eine echte Wohltat. Die Materialqualität ist trotz ‘Pilot’-Status hoch, die gut 17000km unseres Testwagens sieht man ihm nicht an.

Im Innenraum deuten nur die blauen Akzente auf den besonderen Antrieb hin. Das Bedienkonzept mit Tasten ist im Jahr 2026 eine wahre Wonne. Quelle: BMW AG
Fahrverhalten: Überzeugend!
Und wie fährt er, der Erprobungs-iX5 Hydrogen? Im ersten Eindruck überraschend unaufgeregt. Typisch Elektrofahrzeug ist es im Innenraum angenehm still, das Fahrwerk bügelt Unebenheiten sauber glatt. Beim Beschleunigen stürmt der iX5 Hydrogen dann spontan los, Turboloch und Gänge sortieren entfallen mangels dieser Bauteile. Stattdessen ist nur ein leises Rauschen von vorne zu hören. In Sachen Fahrkomfort ist dieses Erprobungsfahrzeug vielleicht der beste Antrieb für den X5 G05.
Seine Reisekompetenz zeigt der iX5 Hydrogen dann auch auf der Heimfahrt von München nach Nürnberg. Zügig schwimmt der BMW im Verkehr mit, trotz längerer Hochgeschwindigkeitsetappen bleibt der Wasserstoff-Verbrauch bei 1,5 kg / 100km. Damit sind auf der Autobahn locker 350 km pro Tankfüllung möglich, auch bei ziemlich hohem Tempo. Das Zusammenspiel von Brennstoffzelle und Akku gelingt dabei unmerklich und absolut fehlerfrei. Interessant ist, dass wir es nicht schaffen die Pufferbatterie leer zu fahren. Egal wann wir beschleunigen, der iX5 Hydrogen scheint immer volle Leistung zu haben, auch wenn wir länger zügig auf der Autobahn fahren.
Dank gut 400 PS Spitzenleistung lässt sich unser Testwagen auf Wunsch auch zügiger über die Landstraße bewegen. Dann spürt man allerdings auch die knapp 2,5 Tonnen Leergewicht – vergleichbar mit dem X5 M60i (2023). Der hatte aber einen V8 unter der Haube. Das Terrain des iX5 Hydrogen ist aber eher der Alltag und die Autobahn. Er stachelt uns nicht zum sportlichen Fahren an, sondern überzeugt durch gediegene, leise Fortbewegung mit ordentlich Leistungsreserve, die sich spontan abrufen lässt. So gefahren erreichen wir im Alltag einen Verbrauch von 1,2 – 1,3 kg Wasserstoff auf 100 Kilometer, was rechnerische eine ordentliche Reichweite von gut 450 Kilometern ergibt.
Verbesserungen im neuen BMW iX5 Hydrogen (G65)
Für den ersten Serien-iX5 Hydrogen (G65) mit Brennstoffzelle hat man sich bei BMW trotzdem einige Verbesserungen vorgenommen. So soll hier die neue, dritte Generation der Brennstoffzelle zum Einsatz kommen. Diese ist 25% kleiner, als die von uns gefahrene zweite Generation und ermöglicht damit erstmals auch Allradantrieb. Zudem hat BMW an der Effizienz gearbeitet und vergrößert den Tank, der in Zukunft im Unterboden verbaut wird, auf 7kg Wasserstoff. Auf dem Papier vergrößert sich die Reichweite damit auf bis zu 750km.

Der neue iX5 Hydrogen (G65) ist bei BMW schon in der Erprobung und kommt 2028 auf den Markt. Im Vergleich zum Pilotfahrzeug steigen Reichweite und Leistung durch die neue Brennstoffzelle der dritten Generation. Quelle: BMW AG
Nachteile von Brennstoffzellenfahrzeugen
Fahren wir in Zukunft also alle Brennstoffzellenfahrzeuge? Nun, dieser Fahrbericht wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch die Nachteile beleuchten würden.
Erstens ist da das Thema Tankstellennetz. Vertrauen wir auf Statista, gab es 2024 in Deutschland etwa 14000 Tankstellen für „klassische“ Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Stand August 2026 gibt es allerdings nur 52 Wasserstofftankstellen in Deutschland, 12 befinden sind laut h2.live im Bau. Während Großstädte und Ballungszentren meist eine Wasserstoff-Tankstelle in der näheren Umgebung haben, findet man diese in Ostdeutschland eher selten. Auch wer beispielsweise in Ingolstadt lebt, müsste sich entscheiden, ob er zum Tanken lieber nach München (ca. 85km / 65 min) oder Augsburg (88km / 57 min) fährt. Das dünne Tankstellennetz spricht deswegen aktuell eher gegen Brennstoffzellenfahrzeuge.
Relativ hohe Betriebskosten
Ein zweiter Punkt sind die Betriebskosten. Ein Kilogramm Wasserstoff kostet je nach Tankstelle zwischen ca. 11€ und 19,50€, im Mittel laut h2.live-App bei ca. 16-18€. Nimmt man für den neuen iX5 Hydrogen (G65) einen Verbrauch von ca. 1kg H2/ 100km an (7kg Tankinhalt, 750 km WLTP-Reichweite), belaufen sich die Kraftstoffkosten auf 16-18€. Der neue iX5 M60 wird von BMW mit einem Energieumsatz von 20-24kWh /100km angegeben. Wer den iX5 über die BMW Charging Karte / App lädt, zahlt unterwegs an vielen Ladesäulen nur 49ct/kWh (+ggf. Grundgebühr nach 12 Monaten). Damit ergeben sich Energiekosten von 10-12€/100km. Zuhause dürfte der Strom bei den meisten Kunden noch günstiger sein. An einer öffentlichen Ladesäule laden wir beispielsweise mit der App des örtlichen Betreibers für 42ct/kWh mit 22kW.
Batterie-elektrische Fahrzeuge werden immer besser
Ein drittes Argument ist die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Die Akkutechnologie für Elektroautos entwickelt sich rasant weiter. Der neue iX5 (G65) erhält einen bis zu 141 kWh großen Akku und soll damit bis zu 850km Reichweite schaffen. Selbst auf der Autobahn sollten damit relativ entspannt über 400 Kilometer möglich sein, auch bei höherer Geschwindigkeit. Dazu lässt sich der Akku im Idealfall in 23 Minuten auf 80% befüllen. Damit schmilzt der Vorteil der schnellen Betankung beim BMW iX5 Hydrogen, da zunehmend der Mensch den Pausenrhythmus vorgibt und nicht mehr der leere Akku. Zum schnellen Nachladen stehen in Deutschland zudem mittlerweile (August 2026) über 19000 Ladepunkte mit mehr als 299kW zur Verfügung.
Geringe Well-to-Wheel-Effizienz bei Brennstoffzellenfahrzeugen
Und dann ist da noch die Sache mit der Energieeffizienz. Der Strom für ein batterieelektrisches Fahrzeug muss natürlich erzeugt werden, genau wie der Wasserstoff für ein Brennstoffzellenfahrzeug.
Für ein batterieelektrisches Fahrzeug wird der Strom im Idealfall aus erneuerbaren Quellen gewonnen und dann über das Stromnetz verteilt. Der Strom wird in Form von chemischer Energie im Akku gespeichert und dann für den Elektromotor wieder in elektrische Energie umgewandelt. Dabei treten Verluste auf, etwa durch den Transport im Stromnetz, AC/DC-Wandlung und den Elektromotor selbst. Vertraut man dem Bundesumweltministerium, liegt der Wirkungsgrad Well-to-Wheel bei einem batterieelektrischen Fahrzeug trotzdem bei 64%. 64% der ursprünglich erzeugten Energie werden also tatsächlich für die Fortbewegung genutzt.
Beim Brennstoffzellenfahrzeug fällt der Wirkungsgrad dagegen deutlich schlechter aus. Hier muss Strom erzeugt werden, der dann zur CO2-neutralen Elektrolyse von Wasser und damit zur Wasserstoffproduktion genutzt wird. Der erzeugte Wasserstoff wird dann mit LKWs zur Tankstelle transportiert. Dafür wird er entweder unter Einsatz von elektrischer Energie komprimiert oder es werden LOHCs (Liquid Organic Hydrogen Carrier; flüssige organische Wasserstoffträger) hydriert, wofür ebenfalls (elektrische) Energie notwendig ist. An der Tankstelle selbst wird der Wasserstoff dann auf den Zieldruck von 700 bar komprimiert, wobei ebenfalls elektrische Energie notwendig ist. Auch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff in der Brennstoffzelle hat keinen Wirkungsgrad von 100%, denn es wird auch Energie in Form von Wärme frei. Unter dem Strich liegt der Wirkungsgrad von Brennstoffzellenfahrzeugen in der Well-to-Whell-Betrachtung laut Umweltbundesamt bei nur 26% und werden damit für die Fortbewegung genutzt.

Auch wenn das Exterieur aus dem Jahr 2019 stammt: Die Brennstoffzelle als Antrieb macht Spaß – vielleicht können wir in Zukunft öfter wasserstoffbetriebene Autos fahren. Quelle: BMW AG
Fazit: BMW iX5 Hydrogen & Brennstoffzelle
Brennstoffzellenfahrzeuge sind Stand heute nur für einen kleinen Kundenkreis interessant – auch wenn bereits der iX5 Hydrogen aus der Pilotflotte ein ziemlich überzeugendes Fahrzeug ist. Der neue iX5 Hydrogen (G65) liefert ab 2028 natürlich eine noch bessere Effizienz und mehr Reichweite, könnte aber aufgrund des dünnen Tankstellennetzes in Europa eher selten auf der Straße zu sehen sein. Für potenzielle Kunden mit ausgeprägtem Drang nach kurzen Tankzeiten könnte der iX5 Hydrogen aber eine gute Alternative zum Batterie-elektrischen iX5 sein. Was der Wasserstoff-iX5 kosten wird hat BMW übrigens noch nicht verraten.
Technische Daten: BMW iX5 Hydrogen (G05)
| BMW iX5 Hydrogen (G05) | |
| Länge x Breite x Höhe | 4,94m x 2,01m x 1,75m |
| Kofferraumvolumen | 650L |
| Leergewicht (DIN) | 2460kg |
| Tankinhalt | 6kg Wasserstoff (700bar) |
| Spitzenleistung | 295kW / 401PS |
| Drehmoment | unbekannt |
| Höchstgeschwindigkeit | 210km/h (elektronisch begrenzt) |
| Beschleunigung 0-100km/h | <6s |
| Antriebsart | Heckantrieb |
| Verbrauch WLTP / Test | 1,19kg/100km / 1,2-1,6kg/100km |
| Preis Testwagen | unverkäuflich |
