Eyecatcher: Test Volvo XC90 D5 AWD R-Design

Die Hochalpen Österreichs: Hier integriert sich der XC90 R-Design schon fast skulpturhaft in die Landschaft. Zusammen mit den Brüdern V90 und S90 bildet er die unverschämt gut aussehende Technologiespitze Volvos. Der XC90 kann nicht nur attraktiv in den Bergen stehen und viel Gepäck schlucken, sondern gibt auch auf winterlichen Kurvenstraßen eine gute Figur ab.

Perforierte Nappa Leder Sportsitze, Echtcarboneinlage „Carbon Fibre“

Die neue Designsprache Volvos ist im Interieur und Exterieur scharf
Momentan unterscheiden wir innen wie außen zwischen  zwei Volvo-Generationen: Die, mit dem modernen nordischen Design (z.B. der S60 Cross Country oder XC60) und denen mit der noch ein bisschen attraktiveren Optik. Die neusten 90er Modelle basieren nämlich auf der neuen PSA Plattform, der gemeinsamen, Skalierbaren Produktarchitektur. Das macht sich auch im Interieur bemerkbar: Die von Volvo bekannten Elemente aus echtem Alu oder echtem Holz gibt es nach wie vor, alles ist aber noch viel aufgeräumter und cleaner. Fast jede Funktion wird über den Sensus-Touchscreen gesteuert, den wir bereits 2015 als einen der wenigen Nerv-Freien Touchscreens im Automobilbereich ausgezeichnet haben. Das gilt bis heute. Nur für wenige Dinge wie die Lautstärke des Infotainmentsystems gibt es noch physische Tasten.

Eigenständig und cool: Der Innenraum des Touareg oder Q7 wirkt hier schnell langweilig

Das minimalistische Design stört die Funktionalität kein bisschen. Der im Winter so wichtige, digitale Regler für die Klimaautomatik lässt sich auch per Touch einfach intuitiv bedienen. Bis in die dritte Sitzreihe kann die Klimatisierung gesteuert werden. Außerdem bietet der XC90 eine Unmenge an Stauraum alleine im langen, schmalen Fach in der Mittelkonsole. Dank doppelter Verglasung an den Seitenscheiben ist auch am Stadtverkehr an der Ampel neben einem Betonmischer flüsterleise. Die Möglichkeit, die Sitzposition auch für den Beifahrer zu speichern ist nur ein Beispiel für die Detailverliebtheit der technischen Gadgets im Innenraum.

D5 AWD: 2-Liter Biturbo Diesel mit 235 PS und 480 Nm
Das Ötztal ist im Sommer und insbesondere im Winter eine der schönsten Gegenden halbwegs nah an Deutschland, in denen man einem Auto einiges abverlangen kann. Um den XC90 auch jenseits der Münchener Autobahnen erleben zu können, entscheiden wir uns für die Ötztaler Gletscherstraße, die nur wenige Minuten von Sölden beginnt. Sie führt in den Sommermonaten zum höchstgelegenen Tunnel und auch asphaltierten Punkt Europas auf 2.829 Metern Seehöhe. Im Winter fährt man entlang großartiger Schneepanoramen über steile aber perfekt geräumte Kehren auf maximal 2.500 Metern Höhe, ehe der Winterdienst aufhört. Schade, dass der XC90 und die Nokians ihr Können nicht auf Schnee unter Beweis stellen können, denn die Serpentinen sind trocken und nur am Rand von meterhohem Schnee umgeben. Die relativ dicke Schicht Straßensalz  macht die Fahrbahn zwar schmierig, wirft den 2.2 Tonnen schweren Schweden aber auch in dynamisch gefahrenen Kurven nicht aus der Bahn.

Er klebt nahezu am Asphalt, was bei der fast schon vulgären 20-Zoll Bereifung auch kein Wunder ist. Mit der Luftfederung und dem erhöhten Schwerpunkt lässt es sich mit dem XC90 auch trotz R-Design Kriegsbemalung nicht ganz so bunt wie mit den Polestar Modellen treiben. Die 235 PS des D5 dürften aber auch für Sportfahrer in den Alpen mehr als ausreichen. Die 8-Gang Automatik Geartronic schaltet an den teils sehr steilen Kehren ganz entspannt. Kein Vergleich zur früheren 6-Gang Automatik, die sich viel schnellere aus der Ruhe bringen ließ. Vor allem lassen die 235 PS aus dem Vierzylinder das Gewicht des XC90 nicht wirklich spüren. Beim akzeptabler Verbrauch von acht Litern (5,7 angegeben) vermisst man auch die früheren Fünfzylinder nicht. Wahre Wunder kann der Eco-Mode wirken, mit dem man den Verbrauch sogar auf 6-7 Liter drücken kann. Die Lenkung passt sich, auch je nach Drivemode, dem Streckenprofil an. Sie entkoppelt den Fahrer ein Stück weit vom Untergrund, gibt aber noch recht gutes Feedback – spätestens wenn man über eines der zahlreichen Weideroste rattert.

Volvo XC90 D5 AWD R-Design in Bursting Blue Metallic mit 20-Zoll Felgen

Auf dem Supermarktparkplatz mit dem kleinen Finger einparkbar
Am wichtigsten dürfte den meisten potenziellen XC90 Fahrern aber sein: Der Koloss aus Schwedenstahl lässt sich auch super leicht durch die Großstadt navigieren. Einmal, weil die Lenkung in der City kaum Kraftaufwand erfordert, zweitens, da die Armada von elektronischen Helferlein beim Einparken oder Rangieren wirklich fast alle Aufgaben abnimmt. Da wäre etwa der Querverkehrswarner, der sich optisch und akustisch bemerkbar macht, falls beim Rückwärts-Ausparken (wenn es der XC90 nicht ohnehin automatisch macht) ein vorbeifahrendes Fahrzeug in den Weg kommt. Die Rückfahrkamera wird zwar im Winter ständig schmutzig, da man sie permanent offen am Kofferraum mitfährt. Sie fügt aber mit drei weiteren Kameras eine extrem scharfe Vogelperspektive auf das SUV zusammen. Genau wie die Abstände der Park Distance Control kommt dem Kamerabild der große Touchscreen zugute.

Gewohnt ausgereifte Fahrerassistenz von Volvo
In Sachen Fahrerassistenz überzeugte Volvo bereits vor einigen Jahren vor vielen anderen Herstellern mit einer reaktionsschnellen, absolut zuverlässigen adaptiven Geschwindigkeitsregelung. Das Sicherheits-Know-How der Schweden findet sich (nun zu großen Teilen serienmäßig) auch im XC90 wieder. Alle Fahrerassistenzfunktionen haben wir im Detail schon im Artikel zu den Assistenzsystemen im XC90 erklärt. Den wichtigen Radarsensor für die adaptive Geschwindigkeitsregelung hat Volvo mittlerweile oben in der Frontscheibe neben der Kamera angebracht. Das hat den großen Vorteil, dass er im Winter bei Schneefall auf langen Strecken nicht vereist, was bei anderen Modellen häufig zum Deaktivieren der ACC geführt hat. Weiter ging es erst, wenn man den Sensor manuell enteist hatte.

Pilot Assist II: Teilautonomes Fahren bis 130 km/h
Der Pilot Assist II ist die Kernfunktion der Assistenzsysteme im XC90. Er ist das Zusammenspiel aus ACC und aktivem Lenkassistent und macht sich vor allem auf der Autobahn bezahlt. Er unterstützt den Fahrer permanent mit sanften Lenkbewegungen bis 130 km/h. Noch einen Schritt weiter geht der Stauassistent: Bei niedrigeren Geschwindigkeiten kann der XC90 auch stärker in die Lenkung eingreifen und engere Kurven fahren. Er orientiert sich dabei neben der Fahrspur auch am Vordermann. Dieser Stau ist nur eine der „leichten Übungen“ für den Assistenten:

Traffic jaming, made by Sweden…

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Auch wenn er etwas mehr Power hat und mehr Chrom mitbringt: Der VW Touareg V6 R-Line sieht sportlich aus, der XC90 lässt ihn aber mit einer völlig anderen Formensprache klein und bieder aussehen. Und: In der aktuellen Version gibt es immer noch keinen aktiven Lenkassistenten. Kein anderes Modell, auch keines eines süddeutschen Herstellers, bringt so ein beeindruckendes Interieur mit wie der XC90 mit: Vom Motorstart über den Drehknopf, dem echten Holz und echten Alu über die schallisolierenden Seitenscheiben bis zu den bequemen Langstrecken-Sitzen. Extras wie das R-Design Paket sorgen zwar für maximale Coolness, treiben den Preis aber schnell mal über die 90.000er Marke.

Volvo XC90 D5 AWD R-Design

Leistung/Drehmoment: 173 kW / 235 PS / 480 Nm
Getriebe: 8-Gang Geartronic
Antrieb: Allradantrieb mit Instant Traction
0-100 km/h: 7,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Leergewicht:  2.171 kg
Verbrauch angegeben: 5,7 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Verbrauch erfahren: 7-8 Liter, unter 7 im Eco Drivemode
Farbe: Bursting Blue Metallic
Kofferraumvolumen (hinter 3. Sitzreihe) 314 l
Kofferraumvolumen (hinter 2. Sitzreihe) 692 l
Basispreis D5 AWD R-Design: 65.300 EUR
Testwagenpreis: 90.200 EUR

 

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