Mehr Pkw: Test neuer VW Crafter 2.0 TDI (170 PS)

neuer vw crafter 2017 hochdach

Der neue Crafter fährt sich fast wie ein Pkw. Gut, vielleicht nicht ganz, aber fast wie ein T6 auf jeden Fall. Er ist von Grund auf neu konzipiert, baut nun endlich auf Volkswagens eigener Plattform auf und läuft im neu errichteten Werk in Września, Polen vom Band. Er ist extrem alltagstauglich geworden und hat jede Menge Gadgets für den harten Liefer- und oder Handwerkeralltag an Bord. Neue Assistenzsysteme machen ihn beim Rangieren und auf der Autobahn deutlich komfortabler und sicherer.

Schnell noch zum letzten Auftrag im hektischen Stadtverkehr: Beim Längs-Einparken neben dem fließenden Verkehr kurbelt man etliche Male, steht dann in etwa im richtigen Winkel und will den Crafter schnell aus dem fließenden Verkehr in die Parklücke bringen. Im Rückspiegel fängt das Auto dahinter an zu wackeln: Man hat es mit dem Stoßfänger getroffen. Muss die Polizei holen. Hat eine weitere, üble Delle am Heck des Crafters. Für ein paar Euro Aufpreis hätte man im neuen Crafter nicht einmal selbst in die Lücke lenken müssen, geschweige denn Sie von der Größe her einschätzen. Der neue VW Lieferwagen parkt mit dem Park Assist selbst ein. Man muss nur noch Gas geben und bremsen. Bremst man bei der Rückwärtsfahrt nicht, halb so schlimm: Wenige cm vor dem Aufprall auf den Hintermann wirft der Park Assist den Anker – mit einem Ruck, der durch die ganze Karosserie geht. Anstoßen beim Einparken ist schwer geworden.

vw crafter led scheinwerfer

Crafter Kastenwagen Hochdach in Reflexsilber Metallic mit Voll LED Scheinwerfern

Nahezu komplette Assistenzsystem-Palette aus VW Pkws verfügbar
Auch komplexere Rangiermanöver werden dank Volkswagens MQB einfach: Der aus Modellen wie dem Passat und Touran bekannte Trailer Assist ermöglicht das halbautomatische rückwärts Rangieren von Anhängern per Joystick Steuerung: Der Einstell-Stick für die Außenspiegel wird bei aktiviertem Trailer Assist zur Richtungsvorwahl für den Hänger. Gelenkt und „umgedacht“ wird vom Crafter selbst. Ähnlich wie bei brenzligen Einpark-Situationen leistet auch der Auspark-Assistent, bzw. Rear-Traffic-Alert im Crafter so wertvolle Dienste wie in sonst keiner Fahrzeugklasse: Droht man beim Rückwärts-Ausparken mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug zu kollidieren, wird auch in dieser Situation erst gewarnt und dann automatisch die Notbremse gezogen. Deutlich mehr Ultraschallsensoren schützen vor Parkremplern jetzt auch an den Seitenflanken.

Adaptive Geschwindigkeitsregelung und Lane Assist nicht wegzudenken für Kurierfahrer
ACC und Lane Assist sind die beiden großen Neuerungen im Crafter. Das bedeutet: Man stellt den Abstand zum Vordermann ein, der Crafter gibt Gas, bremst und hält den gewünschten Abstand. Der Lane Assist unterstützt den Fahrer aktiv mit Lenkbewegungen und verhindert dadurch ein versehentliches Verlassen der Fahrspur. Gerade für Langstreckenfahrer dürften die beiden Systeme ein Highlight am in dieser Fahrzeugkategorie sein, da sie mehrere hunderte Kilometer täglich doch wesentlich entspannter machen. Das volle Potenzial der adaptiven Geschwindigkeitsregelung schöpft man mit dem Automatikgetriebe aus, mit dem der Crafter auch bis 0 km/h und bei niedrigen Geschwindigkeiten im Stau selbst anfahren und bremsen kann. Im Langstreckenbetrieb sorgt ein Toter-Winkel-Warner außerdem dafür, z.B. kleinere Pkws im toten Winkel nicht zu übersehen. Gewarnt wird deutlich per LED im Außenspiegel.

vw crafter 2017

Kurierdienste mit hohem Autobahnanteil sollten sich außerdem überlegen, den Verkehrszeichenassistent mitzuordern: Er erkennt zuverlässig Verkehrsschilder wie Geschwindigkeitsgebote und stellt sie im Multifunktionsdisplay dar. Neu ist auch der Seitenwindassistent: Gerade bei windanfälligen Derivaten des Crafter können Autobahnfahrten bei starkem Wind schnell nervig werden: Permanentes Gegenlenken strengt zudem ungemein an. In Küstennähe bei Almeria hatten wir auf der Autopista die beste Gelegenheit das System auszuprobieren: 30 km/h Wind lagen hier laut Wetterapp an, die deutlich zu hören und zu spüren waren. Mit dem Seitenwindassistent spürt man durchaus noch, dass der Crafter leicht ins Wanken gerät, allerdings muss man wesentlich weniger bis kaum noch gegenlenken. Die elektromechanische Servolenkung gleicht fast alles aus.

crafter

Fahrverhalten: Ruhiger, leichter, weniger Lenkaufwand
Einer der große Unterschiede zum Vorgänger-Crafter ist, dass die neue Generation wesentlich leichter zu handhaben ist. Erstmals gibt es auch im Crafter eine elektromechanische Servolenkung, die einerseits den Lane Assist (automatische Bremseingriffe) ermöglicht, vor allem aber das Lenken selbst einfacher macht. Man benötigt also wesentlich weniger Kraft zum Lenken und insbesondere weniger Umdrehungen zum Rangieren als vorher. Das Fahrgefühl im neuen Crafter ist einem Pkw nun deutlich näher als bei seinem Vorgänger. Im Innenraum ist es leiser geworden, auch bei hohen Drehzahlen dringt der Diesel nicht mehr so sehr zum Fahrer durch. Wir sind den 2.0 TDI Biturbo „EA 288 Nutz“ in mit der derzeit größten Leistung von 130 kW (170 PS) und Frontantrieb gefahren. Der Motor ist nicht nur laufruhig, sondern überzeugt im Derivat Kastenwagen (in unserem Fall unbeladen) absolut sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn. 170 PS sorgen nicht nur für allzeit genug Kraft beim Anfahren, sondern auch beim Überholen im Langstreckenverkehr. Auf unserem kleinen Roadtrip durch die Serpentinen der spanischen Halbwüste kommt da sogar ein gewisser Fahrspaß auf, Nutzfahrzeug-Fahrspaß eben. Verbrauchen soll er kombiniert nur 7,5 Liter Diesel. Alle Motoren sind auch mit 8-Gang Automatik (Wandler) erhältlich – der Allradantrieb 4MOTION kommen nächstes Jahr hinzu. Den 2.0 TDI gibt es außerdem noch in den Leistungsstufen 103 kW (140 PS) und 75 kW (100 PS).

vw crafter pritschenwagen pickup 2017

Crafter Pritschenwagen mit Testbeladung

Cockpit wie umgewandelt: Mehr Komfort und Alltagstauglichkeit
Egal für welches Derivat und welchen Zweck: Die Kunden werden sich über die vielen Ablagen freuen. Volkswagen Nutzfahrzeuge hat den neuen Crafter intensiv zusammen mit ausgewählten (Groß-)Kunden entwickelt. Herausgekommen ist ein extrem praktisches Cockpit mit keinem Zentimeter ohne Ablage. Besonders schnell gefüllt dürften die drei großen Fächer oben auf dem Instrumentenbrett sein, die direkt in den Ablageflächen zudem noch 12V- und USB-Anschlüsse mitbringen. Auch in den Türtaschen, direkt um das Lenkrad/den Fahrer und im Dachhimmel findet sich viel Stauraum. Das Cockpit ist im Vergleich zum Vorgänger auch deutlich ergonomischer geworden: Während das Interieur bisher von Daimler-Bauteilen geprägt war und an einigen Stellen äußerst klobig und rau wirkte, umgeben die Bedienelemente (wie etwa im T6) den Fahrer nun viel mehr.

Einige Knöpfe (etwa Verriegelung oder Innenraumbeleuchtung) sind nun viel größer ausgefallen und weiter oben angeordnet. Die wichtigste Bedieneinheit, das (optionale) Multifunktionslenkrad inkl. Hebel für Blinker und Scheibenwischer unterscheiden sich überhaupt nicht mehr von den Pkw Modellen Volkswagens. Merkliche Fortschritte gibt es auch beim Sitzkomfort: So gibt es neben dem optionalen Komfortsitz nun auch einen Schwingsitz, wie man ihn aus Bussen oder Lkws kennt. Für den Aufpreis von gut 500 Euro ist dieses Feature wirklich eine Überlegung wert. Die Schwing-Mechanik bügelt sehr viele Fahrbahnunebenheiten raus.

vw crafter

Der von Grund auf neue Crafter ist ein gelungenes Gesamtkonzept geworden. Man merkt an jeder Ecke, dass er in Zusammenarbeit mit Großkunden entwickelt wurde und entsprechend auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Crafter-Fahrern ausgelegt ist. Ein besonderes Highlight in dieser Klasse sind die vielen Assistenz- und Sicherheitssysteme. Sie treiben den Grundpreis jedoch, wie häufig bei VW, schnell in die Höhe. Wir empfehlen, vor dem Kauf gut zu überlegen, welche optionalen Assistenten für den Einsatzzweck sinnvoll sein könnten. Die Helferlein machen gerade den Langstrecken-Alltag ungemein komfortabler und sicherer.

VW Crafter Kastenwagen Hochdach 2.0 TDI (170 PS)
Leistung/Drehmoment: 130 kW / 170 PS / 350 Nm
Getriebe: 6-Gang
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Leergewicht:  2027‐2889 kg
Verbrauch angegeben: 7,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Farbe: Reflexsilber Metallic
(Weitere Daten erst in Kürze verfügbar)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.