Probefahrt: Neuer Hyundai Tucson 2.0 CRDi

hyundai tucson 2015

Der Hyundai Tucson (Achtung, gesprochen nicht „taksn“ sondern eher „tusoh“) soll das neue Flaggschiff des koreanischen Herstellers werden. Während er in den letzten Jahren unter dem Namen ix35 eines der beliebtesten Fahrzeuge aus Hyundais Modellpalette war, legt der Tucson nochmal ordentlich nach und hat beste Chancen, diesen Erfolg zu überbieten: Er bringt eine neue Plattform,  überraschend viele, fortschrittliche Assistenzsysteme, mehr Raum und neue Antriebe mit.

hyundai tucson 2015

Markanter Kühlergrill, dramatische Scheinwerferformen
Das Exterieur führt die Formensprache des Santa Fe fort und übertrifft ihn in der Attraktivität deutlich: Das viele Chrom am markentypischen, massiv wirkenden Hexagonal-Kühlergrill und die lang gezogenen Scheinwerfer sind eine Designmischung, die hierzulande einfach immer gut ankommt. Dass Hyundai dem deutschen Publikum seit ein paar Jahren richtig gut gefällt ist kein Zufall: Die Modelle für den europäischen Markt werden in Hyundais Technikzentrum in Rüsselsheim designt und entwickelt.

hyundai tucson ruby wine 2015 heck

Erste Fahrt: 2.0 CRDi (185 PS) mit 6-Gang Automatik
Für die erste Probefahrt sollte es der große Diesel 2.0 CRDi mit 136 kW, bzw. 185 PS, Allradantrieb und Automatikgetriebe sein. In der Ausstattungsvariante Premium ist man da zwar direkt beim teuersten Modell (39.850 EUR) angekommen, das merkt man aber auch beim Fahren. Wie schon im 2013 gefahrenen Kia Sportage überzeugt der 2-Liter Diesel absolut. An Leistung fehlt es quasi nie, im Gegensatz zur Sportage-Testfahrt dringt der Motor auch deutlich weniger nach innen durch. Ordert man einen Diesel mit Automatikgetriebe, handelt es sich nicht um das neue 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe: Das ist nur dem 1.6er Turbobenziner vorbehalten. Zu meckern gibt es aber auch bei der in den Dieseln verbauten Wandlerautomatik nicht viel: Sie macht einen überraschend guten Job. Die Schaltpausen drängen sich nicht wirklich auf. Das macht auch dynamischere Etappen relativ komfortabel, lediglich etwas früher könnte manchmal geschaltet werden. Das maximale Sparpotenzial des 2.0 CRDi holt man entsprechend nur mit der 6-Gang Handschaltung heraus, die zwar sehr leichtgängig ist, jedoch nicht mit kurzen Schaltwegen glänzt. Ganz wie bei den einschlägigen dt. Premiummarken schlägt die Automatik mit einem Aufpreis von etwa 2.000 Euro zu Buche.

hyundai tucson 2015

Hyundai Tucson Premium in Ruby Wine mit 245/45er 19 Zoll Bereifung

Ausgeklügelter Allradantrieb
Im Gegensatz zu japanischen Konkurrenten wie dem Mazda CX-5, bei denen das Einkoppeln der Heckachse mit einem heftigen Ruck einhergeht, kann sich der Allradantrieb des Hyundai Tucson wirklich sehen lassen. Der in Zusammenarbeit mit Magna Steyr entwickelte 4WD reagiert wie versprochen blitzschnell auf mangelnde Traktion an der Vorderachse und leitet dann bis zu 50% des Antriebsmoments auf die Hinterräder. Sowohl beim (zu) zügigen Start ab 0 km/h oder auch bei Glätte stimmt bei diesem Allradsystem mit seiner Reaktionsgeschwindigkeit alles. In der höchsten Ausstattungsvariante „Premium“ ist der variable Allradantrieb Serie, darunter ist er im schwächeren 2.0 CRDi mit 100 kW (136 PS) und manueller Schaltung ab 33.900 EUR zu haben.

hyundai tucson

Auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar: Die Voll LED-Scheinwerfer

Auch sonst, abgesehen von der Automatik und dem Allradantrieb, macht der Tucson ziemlich Spaß auf den kurvigen Landstraßen des Taunus. Er schaukelt nicht zu stark auf und kann seine SUV-Höhe und den Schwerpunkt gut verstecken. In der Stadt lässt er sich mit der Hyundai-typisch sehr leichtgängigen Lenkung super manövrieren, sie ist aber nach wie vor etwas synthetisch und lässt etwas Feedback von der Fahrbahn vermissen.

7-Gang Doppelkupplungsgetriebe für den 1.6 Turbobenziner optional
Für den 1.6 Turbobenziner mit 130 kW (177 PS)  und Allradantrieb haben die Koreaner seit kurzem ein 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe namens DCT im Angebot. Es schaltet durchaus zügig, lässt aber (auch laut Kollegen) das knackige Schaltgefühl anderer, etablierter Doppelkupplungsgetriebe ein bisschen vermissen. Das typische „Zurückfallen“ wurde leider nicht völlig ausgemerzt. Insgesamt ist es im Vergleich zur Wandlerautomatik nicht ganz so bahnbrechend, dass man sich seinetwegen extra für diesen Antriebsstrang entscheiden sollte. In jedem Falle dürften die sieben Gänge aber, die richtige Fahrweise vorausgesetzt, etwas beim Spritsparen helfen.

Serie ab Ausstattung "Trend": LED-Rückleuchten

Serie ab Ausstattung „Trend“: LED-Rückleuchten

Interieur: Geräumiger und durchdachter
Das Interieur ist, wie von Hyundai gewohnt, solide und sauber verarbeitet. Auch die verwendeten Materialien sind größtenteils bereits aus anderen Modellen bekannt. In seiner Klasse ist der Tucson zu einem der größten SUVs geworden, sowohl die Außenmaße als auch der Innenraum sind gewachsen. In der ersten Reihe und auch im Fond hat man extrem viel Platz. Doch in Sachen Komfort bleibt es nicht beim Raum: Bekannte Gimmicks wie die optionale Sitzheizung hinten oder die -Belüftung vorne wurden etwa aus dem i40 nun auch in den Tucson gebracht. Die Sitze sind auch in der höchsten Ausstattungslinie einfach, aber sehr bequem und sollte auch so manche Langstrecke Rückenschmerz-frei zurücklegbar machen.

hyundai tucson 2015 innen

Neu & praktisch: Einige Funktionen direkt in der Mittelkonsole

Alle Funktionen sind bequem erreichbar – das gilt für das fast unveränderte Multifunktionslenkrad wie auch für die zuverlässig und zugfrei arbeitende 2-Zonen Klimaautomatik. Zwar gibt es noch nicht ungünstig positionierten Tasten links hinter dem Lenkrad, erfreulicherweise sind aber ein paar neue und wichtige Funktionen in die Mittelkonsole gewandert: Dorthin, wo gewöhnlicherweise häufig ohnehin eine Hand herumliegt. Hier befinden sich neben dem Hebel für die elektrische Parkbremse (je nach Ausstattung) sechs weitere Tasten: Der automatische Einparkassistent wird etwa von hier komfortabel gestartet. Auch die Differenzialsperre für den 4WD, der Bergabfahr-Assistent oder die Auto-Hold Funktion sind hier positioniert.

hyundai tucson 2015 cockpit

Fortschrittliche Fahrerassistenz: Vom Radar-Notbremsassistent bis zur Verkehrszeichenerkennung
Überhaupt sind es die Sicherheits- und Assistenzsysteme, die den Tucson von der restlichen Modellpalette abheben. Die Modelle von Hyundai und Kia waren schon seit Jahren gut mit technischen Gadgets bestückt, so konnte z.B. der erschwingliche Kia Sportage schon seit einiger Zeit teilautonom Einparken und der i40 den Fahrer ziemlich gut aktiv beim Lenken unterstützen. Mit einigen komplett neuen Systemen schließt der Tucson nun sogar die Lücke zur Auswahl einiger deutscher Fabrikate. So gibt es statt einem Laser-Notbremsassistent ein zuverlässiges, radargestütztes System, das den Tucson im Falle einer drohenden Kollision auch aus Überland-Geschwindigkeiten (mit maximalem Bremsdruck) zum stehen bringen soll und auch Fußgänger erkennt. (Ähnlich dem Emergency Assit z.B. im neuen Touran).

Klimaautomatik: Serie schon ab Ausstattung "Trend".

Klimaautomatik: Serie schon ab Ausstattung „Trend“.

Wie im i40 ist auch der aktive Spurhalteassistent optional verfügbar. Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet zuverlässig und stellt erkannte Symbole sogar etwas übersichtlicher und größer als Golf und Co im Bordcomputer dar. Neben den altbewährten, mit Ultraschallsensoren im Nahbereich arbeitenden Parkpiepser gibt es nun auch bei Hyundai einen Cross Traffic Alert. Ein System, das z.B. beim Rückwärts-Ausparken nicht nur direkte Hindernisse, sondern auch herannahenden Verkehr erkennt. Amüsant: Trotz aller Funktionen, die im ersten Test ziemlich flüssig funktionierten, gibt es noch immer keine Anzeige der Set-Geschwindigkeit des Tempomats. Wie im Nissan Qashqai hat man auf eine adaptive Geschwindigkeitsregelung trotz des Radarsensors verzichtet.
Teilfunktionen wie Die Verkehrszeichenerkennung, der Spurhalteassistent und die Rückfahrkamera sind zumindest ab der zweit höchsten Ausstattungsvariante Style inklusive. Auch in der teuersten Variante „Premium“ sind einzelne Elemente noch Sonderausstattung. Die Voll-LED Scheinwerfer sind hier aber inklusive. Für mehr Komfort im Alltag sorgt auch die optionale elektrische Heckklappe, die schon öffnet, wenn man sich ihr  mit vollen Händen und dem Schlüssel in der Hosentasche öffnet. Das bereits mehrfach gelobte Infotainmentsystem wurde um TomTom Live Services erweitert.

hyundai tucson 2015

Designt und entwickelt in Rüsselsheim für den europäischen Geschmack – ohne dabei seine koreanischen Wurzeln zu verlieren. Der Hyundai Tucson ist zu einem noch attraktiveren Gesamtpaket geworden als sein Vorgänger und dürfte es auf dem deutschen Markt nicht schwer haben. Kein Wunder: Es gibt eine Vielzahl an Motorisierungen und Ausstattungsmerkmalen für fast jeden Gebrauch. Erfahrungsgemäß überzeugen hier besonders die Diesel in Sachen Leistung und Effizienz. Mit der Fülle und Qualität der Sicherheitsfeatures rückt der Tucson so manchem Premium-Konkurrenten sehr nah.

Den Hyundai Tucson gibt es auch auf der-auto-blogger.de und Newcarz im Fahrbericht und bei Autogefühl im Video. Automativ hat sich mit ihm auch kurz ins Gelände gewagt.


2.0 CRDi (185 PS)
4WD Automatik
Krafstoff: Diesel
Hubraum: 1.995 cm³
Leistung: 185 PS (136 kW)
Maximales Drehmoment: 400 Nm
Getriebe: 6-Gang Automatik
Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h
0-100 km/h: 9,5 Sek.
Verbrauch ang. komb.: 6,5 l/100 km
Leergewicht: 1.690-1.854 Kg

1.6 Turbo (177 PS) 4WD 7-Gang DCT
Krafstoff: Benzin
Hubraum: 1.591 cm³
Leistung: 177 PS (130 kW)
Maximales Drehmoment: 265 Nm
Getriebe: 7-Gang-DCT
Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h
0-100 km/h: 9,5 Sek.
Verbrauch ang. komb.: 7,5 l/100 km
Leergewicht: 1.609-1.770 Kg

Text & Fotos: Matthias Luft

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  5. Der Tucson ist ein wunderschönes Auto leider wurde bei den Scheinwerfer ( Fernlicht ) gespart nur H7 Das Fernlicht ist kaum wahrzunehmen da sollte unbedingt nachgebessert werden

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  7. Der Tucson ist besonders als neuer Nachfolger vom IX35 wieder ein hübsches und gelungenes SUV und das für vermeintlich kleines Geld.

    Ich freue mich darauf, wenn Hyundai diese Serie weiter fortsetzt…

  8. Ich fahre seit 4 Wochen den neuen Tucson und er überzeugt mich fast 100%-ig. Leider habe ich Probleme mit dem Fahrersitz, er ist irgendwie schlecht gefertig und hat unangenehme Druckstellen in der Sitzfläche. Mein Händler kommuniziert deswegen mit dem Generalimporteur zwecks Austausch des Sitzes auf Werksgarantie. Aber das dauert nun schon verdächtig lange… Ich hoffe doch, dass Hyundai mir da eine Lösung bietet.

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