Porsche Designer Peter Varga über Ikonen und Linien

interview porsche peter varga

Wie schafft man es, zur Ikone zu werden? Im Rahmen der fünften Berlin Design Night diskutierten im DRIVE. Volkswagen Group Forum Unter den Linden Designergrößen in einer Podiumsdiskussion. Das Group Forum, in dem die Volkswagen AG sonst alle ihre 12 Marken präsentiert, war an diesem Abend wie in den Wochen zuvor einer Sonderausstellung von Porsche vorbehalten. Genau dem richtigen Ambiente für ein Interview mit Peter Varga, der seit 2016 für die entscheidenden Formen aus Zuffenhausen verantwortlich ist.

Empfangen wird man in der Markenausstellung vom historischen 550 Spyder. Über den neuen 718 Boxster S, den radikalen 911 GT3 RS bis zum 919 Hybrid von der WEC gibt es hier sicherlich die höchste (Super-)Sportwagendichte Berlins noch bis Mitte Juni zu sehen. Da es aber weniger um PS Zahlen als um Formen und Ästhetik geht, darf auch die Marke Porsche Design nicht fehlen. Neben der legendären Soundbar bekommt man von den Shopmitarbeitern auch die Geschichte und Merkmale der Porsche Uhren erklärt – und wie sich die Linien der Sportwagen auch in einigen Accessoires wiederfinden. Ganzjährig stehen im DRIVE außerdem über 500 Fahrzeugmodelle in Miniatur und automative Lifestyleartikel zum Kauf bereit.

Peter Varga (*1978) studierte Transportation Design an der Fachhochschule in Pforzheim. 2004 trat er in die Porsche AG ein, nach der Ernennung zum Fachreferenten 2012 erfolgte 2014 die Ernennung zum Leiter Entwurf Exterieur Design. Seit 2016 ist Varga kommissarischer Leiter Exterieur Design Style Porsche und trägt die Projektverantwortung für alle laufenden Projekte.

Seit 2014 sind Sie Leiter Entwurf Exterieur Design bei Porsche. Was war seitdem Ihr spannendstes Projekt?
Ein ganz besonderes Projekt war natürlich der Mission E, den wir letztes Jahr in Frankfurt vorgestellt haben. Das ganze Team hatte extrem viel Spaß dabei zu zeigen, wie der Sportwagen der Zukunft aussehen könnte. Aber bereits seit 2004 habe ich viele großartige Projekte begleitet. Spannend war natürlich auch der 911, den wir 2011 auf die Straße gebracht haben, ebenso der 911 Turbo. Einen Turbo zu designen ist eine riesige Herausforderung. Das Fahrzeug beinhaltet hochkomplexe Technik. Wenn man sich die Karosserieteile wegdenkt, sieht man, dass eigentlich der komplette Raum bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllt ist. Das Fahrzeug als Designer mitzugestalten, gerade in Hinblick auf Technik, Aerodynamik und Thermodynamik, ist sehr spannend.

Nur bei wenigen anderen Sportwagen werden traditionelle Linien bis heute so dezent aber geschickt weiterentwickelt. Welche Designelemente machen die Optik eines Porsche so zeitlos?
Generell haben wir bei Porsche eine ganz spezielle Formsprache, die wir behutsam weiterentwickeln. Schauen wir uns mal den 911 an: Die flache Haube, langgezogene Kotflügel, hinten der sog. Hüftschwung oder auch die breiten Schultern, die gerade beim 911 sehr dominant sind, die wir aber auch bei anderen Modellen wie dem Macan wiederfinden. Was für Porsche ebenfalls typisch ist, sind die nach hinten zusammengezogenen Dachlinien und eine klare Heckgrafik. Die Fahrzeuge sind hinten generell clean gehalten.

Weniger ist mehr, auch als Erkennungsmerkmal aus der Ferne?
Ja, wir lassen sozusagen unsere Flächen glänzen und die Muskeln spielen. Das wird direkt spürbar, wenn man das Fahrzeug einmal „durchtastet“. Als wären Muskeln unter der Karosserie. Von der Nase über die sog. Fallung der Tür und über die Kotflügel, alles fließt ineinander.

 porsche

Apropos Heck. LED-Technik hat man sich in den letzten Jahren immer mehr zunutze gemacht. Sogar in der Kompaktklasse bekommt man für wenig Geld scharfe Lichtdesigns. Welche Rolle spielt Licht-Design bei den aktuellen Modellen?
Unser Ziel ist es nicht, modische Elemente in die Modelle zu bringen, nur weil sie im Trend sind. Wir versuchen das Lichtdesign strategisch weiterzuentwickeln, wie etwa unser 4-Punkt LED-Licht. Am Heck sollen die Fahrzeuge schön sauber bleiben, weshalb z.B. der 718 Balken in der Heckleuchte bekommen hat und keine Konturbetonung mehr. Priorität hat aber auf jeden Fall der Nutzen der LED-Technik, wie z.B. die starke Lichtleistung – das Lichtdesign kommt erst danach.

Verraten Sie uns, an welchen Stellen Design bei ihren letzten Projekten schwer mit der Technik vereinbar waren? Gibt es Partien an der Karosserie, an denen optische Änderungen nur schwer umgesetzt werden können?
Die Spielregeln haben sich in den vergangenen 15 Jahren sicherlich verändert. Mir persönlich macht es aber großen Spaß, gerade weil wir als Mannschaft gemeinsam an den Projekten arbeiten. Wir haben in Weissach sehr gute Ingenieure, die uns dabei unterstützen – das ist immer ein Geben und Nehmen. Wenn aerodynamisch oder technisch irgendein Konflikt auftaucht, versuchen wir  einen guten Mittelweg zu finden. Wir haben viele verschiedene Abteilungen, die direkt ineinander greifen. Da kann ich auch mal schnell rüber laufen und mit dem Kollegen reden. Im Windkanal z.B., wenn wir mit der Heckspoilerstellung nicht weiterkommen, setzen wir uns zusammen und besprechen eine gemeinsame Lösung.

porsche 911 gt3 rs

Einige Porsche Modelle tragen das Radarauge unten an der Frontschürze auffällig offen, wie wir es etwa auch von den günstigeren Marken im VW Konzern kennen. Ist das kein Störfaktor in der Optik?
Wir haben keinen Kühlergrill, in den wir den Radarsensor versteckt integrieren könnten. Es kommt aber immer mehr Sensorik dazu: noch mehr Kameras, Nightvision usw. Viele Kunden nutzen Techniken wie die adaptive Geschwindigkeitsregelung gerne und deswegen lautet unsere Strategie: Wenn die Technik da ist, zeigen wir sie auch. Wir arbeiten aber immer daran, Elemente wie diese noch attraktiver zu gestalten.

Hinter Kunststoff verstecken ist auch keine Option?
Das Radarauge sieht alles, ist aber extrem sensibel. Sobald ich es hinter etwas lege, verliere ich etwas von der Leistung des Sensors. Wenn wir die Technik an Bord haben, nutzen wir sie auch voll aus.

Vielen Dank für die Einblicke!

Fotos: Matthias Luft

 

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