Ponycar im Alpintest: Ford Mustang GT

IMG_0250-2

Kaum ein Testwagen hat bisher für so viele gezückte Smartphones bei Passanten gesorgt. Kein Wunder, der Mustang GT ist halt ein Klassiker. In Lackierungen wie Race-Rot oder California-Gelb fängt er zwar noch mehr Blicke ein, weniger aufdringlich und kontrastreicher mit den schwarzen Kunststoffelementen am Heck ist aber Bright Silber Metallic. Nach einigen Schnee-Reports geht es mit dem Mustang als erstem Testwagen mit Sommerbereifung in 2016 in Richtung Großglockner in den Hohen Tauern.

US-Musclecar Charme
Fast immer hat die rote Umrandung des Engine-Knopfes im Cockpit auch etwas zu bedeuten. Beim Mustang erweckt man mit ihm satte 421 PS aus fünf Litern Hubraum. Selten haben der Blick auf die extrem muskulös geformte Motorhaube und der potente Klang der acht Zylinder so gut harmoniert. Nur wenige Elemente wie der Bordcomputer und der Licht-Schalter lassen im Interieur auf die Verwandten „Normalos“ der Ford Familie schließen. Alles andere ist im typischen US-Stil gehalten. Da wären etwa die vermeintlichen Chrom-Klappschalter für die Wahl von Fahr- und Lenkrad-Modi oder die Temperaturregelung. Die Wertigkeit dieser Kunststoffarmaturen weißt dich zwar als Fahrer mit Nachdruck auf den Kaufpreis um die 45.000 Euro hin, sie versprühen aber auch den Muscle-Car Charme vergangener Jahre.

Langstreckenkomfort und doch Eins mit dem Pony
Als unerfahrene Mustang-Driver hätten wir ja nicht gedacht, dass es sich im PS-strotzenden Ponycar derart komfortabel auf der Langstrecke aushalten lässt. Die elektrisch einstellbaren Sitze sind ungeahnt bequem und machen auch lange Autobahnfahren zum Kinderspiel. Alternativ gibt es harte Recaros. Wem das Leder im Sommer zu heiß wird, der bestellt sich die Sitzbelüftung, die zusammen mit dem großartigen Soundsystem und den großzügigen Platzverhältnissen den Mustang zu einem Sportwagen macht, bei dem man auf den gewissen Luxus beim Reisen nicht verzichten muss. Der Mustang hat lediglich einen Spurhalteassistenten in Form der großformatigen Reifen, die sich auf der Autobahn in die Spurrillen ziehen. Sonst gibt es nur einen Tempomat am vollen, aber sehr ergonomischen Lenkrad. Dinge wie einen Notbremsassistenten hätte man als Sportfahrer wohl sowieso die meiste Zeit deaktiviert.

IMG_0133

Launch Control serienmäßig
Obwohl man auf Motoreport eher dieselmotorisierte Businessclass mit 9-Gang Automatik findet, muss für einen Klassiker wie den Mustang natürlich die manuelle Schaltung her, um dem Geschehen möglichst nahe zu sein. Eine gute Entscheidung: Die sechs Gänge rasten auf legendär kurzen Schaltwegen mit feinster Rückmeldung ein und sind wunderbar abgestuft. Außerdem ist eine Launch control beim manuellen Getriebe in Verbindung mit dem V8 sogar serienmäßig. Für ein filmreifes vom Fleck kommen ab 0 km/h dosiert sie auf Wunsch die Kraft optimal, während der Fahrer einfach Vollgas gibt. Auf welcher Drehzahl Sie den Motor halten soll, kann man ihr sogar zwischen 3000 und 4500 Revs in Hunderterschritten vorgeben. Im Bordcomputer findet sich noch eine weitere, sog. Track App: Der „Burnoutmodus“. Im Line Lock bremst der Mustang die Vorderräder fest und ermöglicht es dem Fahrer, 15 Sekunden lang die hinteren Reifen in Rauch aufgehen zu lassen. Aber diese Spielereien sind ohnehin nur dann erlaubt, wenn alle Flüssigkeiten und Gummis am Mustang auf Betriebstemperatur sind.

Mechanik fühlen: Bloß nicht mit Automatik
Deshalb fahren wir von Kaprun aus das Pony erstmal ganz panoramahaft auf der Felbertauernstraße warm. Sie verbindet Mittersill mit Matrei in Osttirol. Die Alpenstraße führt uns ins fahrdynamische Hochgebirge, bietet selbst aber keine spektakulären Kurven. Vielmehr schöne Ausblicke auf unbesiedelte Täler und Tunnels, in denen sich der Sound des Achtzylinders schön reflektieren kann. Wirklich frech oder rotzig klingt er nicht, vielmehr einfach nach kräftigem V8. Mit dem moderaten Sound fährt man also nicht ganz so aufdringlich das tägliche Stück am Nachbarn vorbei und der Motor liegt einem auch beim sechshundertsten Langstreckenkilometer noch angenehm im Ohr. Die 1.7 Tonnen des Ponys liegen großartig auf der Straße. Auf der Autobahn gibt sich das Fahrwerk ausgesprochen komfortabel und gibt im Gegensatz zu manch kleinerem Sport Ford  nicht jedes Steinchen an die Insassen weiter. Im Hochgebirge kann man den 421 PS ganz dynamisch freien Lauf lassen: Natürlich lassen sie das Gewicht des Ponys nicht unter den Tisch fallen, hoch gedreht nimmt das Muscleclar aber auch die stärksten Steigungen leichtfüßig. Überhaupt ist es bei diesem Sportwagen die Mechanik der Kupplung, die dich eins mit ihm werden lässt. Mit unerwarteten Gangwechseln des 6-Gang Automaten könnte man schließlich den Gripverlust an der Hinterachse nicht so schön dosieren.

Hochalpiner Fahrspaß pur
Ein Leckerbissen in Osttirol ist, vor allem während der Wintersperre der Großglockner Hochalpenstraße, die Auffahrt auf 2.000 Meter Höhe zur Luckneralm. Vom Tal von der Staatstraße 108 kommend führt eine Kurvenreiche, gut ausgebaute Straße bis ins Örtchen Kals am Großglockner. Von dort aus geht es auf einer Serpentinenstraße bis zum Gasthaus Großglocknerblick auf knapp 2.000 Metern Höhe. Das im Sommer mautpflichtige Sträßchen hat es wirklich in sich und führt in nur wenigen Minuten steil bis in die typische karge Gebirgslandschaft der Alpen. Sind die 19 Zoll Pirelli Pzeros der Dimension 275/40 ordentlich warm gefahren, ist es ein Fest, wie stark sich das Gummi auch bei hohen Drehmomenten in den Kehren an den groben Asphalt presst. Die Grenzen des Mustang zu erfühlen und die Drives-Modes bis hin zum Abschalten des ESP zu erkunden – nirgends geht es besser als hier. Mit maximaler elektronischer Regelunterstützung erlaubt sich der Mustang nur sehr geringe Schwenks mit dem Heck. Einzig der aus den Wintermonaten am Pass liegen gebliebene Splitt sorgt etwas für Unruhe bei der Traktion in den Radkästen.

Ford Mustang GT

Light Version: Mustang EcoBoost Vierzylinder
Der Verbrauch der 421 Pferde des Mustang GT liegt bei moderater Fahrweise etwa bei 11 Litern, wobei wir ihn nie unter 10,5 drücken konnten. Bergetappen wie unsere beschriebene liegen bei 15 Litern Super Plus. Neben dem V8 gibt es hierzulande auch die Light-Version des Mustang mit Vierzylinder Turbobenziner. Für satte 5.000 Euro weniger leistet er stolze 317 PS, er bietet aber sowohl in Sachen Performance als auch Sound ein ganzes Stück weniger.

Ford Mustang GT Fastback 5,0 l V8

Motor: 5,0 l Ti-VCT V8
Leistung/Drehmoment: 310 kW (421PS) / 530 Nm
Getriebe: 6-Gang
Antrieb: Hinterradantrieb
0-100 km/h: 4,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Leergewicht: 1.720 kg

Verbrauch angegeben: 13,5 Liter / 100 Km (Komb.)
Verbrauch erfahren: 11-15 Liter / 100 Km (Komb.)
Farbe: Bright Silber Metallic
Kofferraumvolumen: 408 L
Grundpreis Testwagen (GT): 43.000 EUR
Endpreis Testwagen: ca. 46.700 EUR

Text & Fotos: Matthias Luft

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Am 19. April 2016 gefunden … | wABss

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.