Im Test: Toyota Avensis Kombi 2.2 D-4D

toyota avensis kombi 2013

In den letzten 14 Tagen hatte ich den Toyota Avensis Kombi Executive mit der stärksten Motorisierung 2.2 L D-4D mit 150 PS und dem 6-Gang Automatikgetriebe im Test. Der Avensis ist der beliebte „Business Kombi“ des japanischen Herstellers, sein Motor verspricht Effizienz, das TEC-Paket bringt fortschrittliche Assistenzsysteme mit – auch diese werden im Bericht ausführlich vorgestellt.

Exterieur: Angekommen

Mit der aktuellen Modellgeneration ist der Avenis endlich im Jahr 2013 angekommen und ist deutlich attraktiver geworden als seine Vorgängerversionen. Dazu trägt in erster Linie die stark überarbeitete Fahrzeugfront bei, die flacher und dynamischer wirkt und neue, elegantere Proportionen mitbringt. Sehr gut dazu passt auch das LED-Tagfahrlicht, das in den Bi-Xenonscheinwerfern integriert ist. Es besteht aus 6 einzelnen LED-Punkten pro Seite, die in der Form von oben nach unten schmal zusammenlaufen. Auch in den völlig überarbeiteten Heckleuchten sind schicke, langgezogene LED-Bänder verbaut. In der Kombi-Version gefällt mir Avensis übrigens deutlich besser als in der auch weniger verkauften Limousinenform – das liegt auch an der nach hinten etwas schmaler werdenden Fensterfront.

toyota avensis kombi heck

Interieur

Das Innenraum-Design ist in erster Linie komfortabel und praktisch. Insbesondere die Sitze, die auch nach vielen hundert Kilometern wirklich bequem sind. Auch die Sitzposition, die Erreichbarkeit des Navis und die Tasten am Multifunktionslenkrad sind wunderbar umgesetzt. Schon etwas angestaubt wirkt der Automatikhebel mit offenem Schaltschema, auch der orange beleuchtete Bordcomputer, der in 2 getrennte Anzeigen aufgeteilt wurde, könnte gerne durch ein modernes und hochauflösendes Farbdisplay ersetzt werden. Außerdem kann immer nur ein Wert angezeigt werden, also z.B. entweder Außentemperatur oder Verbrauch.  Etwas verirrt hat sich leider die Taste für die elektronische Handbremse: Diese sitzt rechts unterhalb des Lenkrads. Genau dort, wo i.d.R. das Knie den Zugang blockiert. Das „Touch & Go“ Navi dagegen bewältigt alle Aufgaben einwandfrei. Es bringt einen schnell reagierenden 6,1 Zoll Touchscreen, eine sehr schnelle und unkomplizierte Bluetooth Koppelung sowie eine gute Routendarstellung mit. Inklusive ist auch eine Rückfahrkamera – mein Testwagen hatte keine Park Distance Control, lies sich aber nur mit der Kamera dank der einwandfreien Übersicht nach draußen und den großen Spiegeln wunderbar in Parklücken manövrieren. Das Navigationssystem kann, wenn es via Bluetooth einen Internetzugang über ein gekoppeltes Handy erhält, auch Google Local Search nutzen. Suchergebnisse können direkt als Ziel übernommen werden.

toyota avensis interieur

Fahrverhalten

Der Avensis ist eindeutig eher das Langstrecken-Reisemobil. Er ist sehr weich abgestimmt, was aus ihm auf Landstraßen keinen Kurvensportler macht, auf der Autobahn aber ein angenehmes Reisen ermöglicht. Die elektromechanische Lenkung hält für jede Geschwindigkeit die richtige Dosis Lenkraftunterstützung bereit. Lange Autobahnkurven lassen sich sehr angenehm fahren. Mein Testwagen war mit dem 6-Gang Automatikgetriebe ausgestattet. Leider lässt sich die Automatik für etwas Entscheidendes zu viel Zeit: Das Hochschalten. Beim (langsamen) Beschleunigen wird nämlich immer erst ab etwa 2.5-3000 Touren in den nächsten Gang gewechselt. Klingt theoretisch ganz in Ordnung, wäre da nicht der Motor, der sich bei diesen Drehzahlen schon etwas gestresst und nicht mehr wirklich glücklich anhört. Man kann sozusagen den unnötig hohen Spritverbrauch hören. Unangenehm ist das z.B. wenn ich ohnehin schon wenig Gas gebe und der zweite Gang viel zu lange auf die Ablösung des dritten wartet. Interessanter Weise liegt das aber nicht an der Arbeit des Getriebes selbst: Schaltet man im manuellen Modus mit den Schaltpaddels am Lenkrad selbst hoch, können die Gänge durchaus schnell gewechselt werden! Scheinbar ist lediglich der Punkt zum Hochschalten etwas zu spät gewählt. Einen Vorteil hat das dennoch: An der Beschleunigung fehlt es nie, die 150 PS werden gut umgesetzt und die Zugkraftunterbrechungen beim Sprint von 0 auf 100 km/h fallen nicht wirklich auf. Dafür benötigt der Avensis übrigens 8,8 Sekunden.

Verbrauch

Zu Beginn meines Tests – nach der ersten Autobahnetappe über 100 Kilometer – zeigte mir der Bordcomputer einen Spritverbrauch von 8 Litern / 100 km an. Wie gewöhnlich etwas höher als die Werksangabe, auch höher als erwartet, da ich mit Tempomat auf 130 km/h unterwegs war. Meine Berechnung mit der Roadtrip iPhone App ergab aber einen Verbrauch von 7,5 Litern / 100 km über alle 3.000 Test-Kilometer – das geht in Ordnung. Sicher ist aber: Mit Handschaltung hätte ich den Verbrauch noch deutlich senken können.

avensis combi 2013 seite

Assistenzsysteme

Wie immer gibt es bei Motoreport etwas eingehendere Informationen zu den Assistenzsystemen. Für den Avensis Executive mit 2.2l D-4D Motor und Automatik gibt es auf Wunsch das sogenannte „TEC Paket“. Dieses Paket aus fortschrittlichen Sicherheitssystemen kostet 2.900 EUR, erweitert die Fähigkeiten des Avensis aber deutlich. In ihm ist enthalten: Das Lichtpaket, das Pre-Crash-Safety System, der Spurhalteassistent LKA, ein Spurwarner sowie eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (ACC). Die Gadgets im Überblick:

Mitlenkende Bi-Xenon Scheinwerfer
Bei der Ausleuchtung einer dunklen Autobahn bleiben keine Wünsche offen – kaum eine Stelle bleibt unbeleuchtet. Wie der Name schon sagt wird auch im Fernlicht-Modus mit Xenonlicht ausgeleuchtet. Die Scheinwerfer bewegen sich nicht nur in engen Kurven, sondern auch deutlich erkennbar und direkt zum Lenkeinschlag auf langgezogenen Landstraßen Kurven mit – bestens.

toyota avensis xenon

ACC – Adaptive Cruise Control
Der „Abstands-Tempomat“ des Avensis funktioniert grundsätzlich genau wie die der anderen Hersteller. Allerdings hat die ACC des Avensis ein paar Eigenheiten. Erkennt das Radarsystem ein Hindernis, auf das man mit einer höheren Geschwindigkeit auffährt (Beispiel: Der Avensis fährt 160, der Vordermann 120) läuft der Bremsvorgang manchmal nicht ganz sanft sondern eher etappenweise ab. In Verbindung mit der Automatik kommt es auch manchmal vor, dass die ACC den Spritverbrauch in die Höhe zieht: Ist die Set-Geschwindigkeit etwa 160 km/h und man fährt mit 120 km/h hinter einem Fahrzeug her und schert dann auf die Überholspur aus, wird Kickdown-like gerne mal 2 Gänge zurückgeschaltet und mit nahezu maximaler Beschleunigung davongezogen. Natürlich kommt man so ohne große Wartezeiten auf die Reaktion der Technik zügig voran, hier muss aber unbedingt eine kraftstoffeffizientere Abstimmung her – zumal es in der Mittelkonsole einen „Sport“-Knopf gibt, bei dem eine solche Beschleunigung schon eher Ordnung wäre.
Die ACC des Avensis ist unterhalb von 40 km/h nicht aktiv. D.h., dass man Sie etwa im Stau nur eingeschränkt nutzen kann.
Der gewünschte Abstand zum Vordermann lässt sich übrigens in 3 unterschiedlichen Abständen auswählen, das System ist bis max. 180 km/h aktiv. Erkannte Fahrzeuge werden im Bordcomputer angezeigt, genau wie die Set-Geschwindigkeit, die sich komfortabel mit einem kleinen Hebel unten rechts am Lenkrad in 5 km/h Schritten einstellen lässt. (Siehe Fotos unten) Wenn man mit der Abstandsfunktion nicht zurechtkommt oder diese den Fahrer stört, kann man mit dem Tempomatenhebel aus ihr im Handumdrehen einen herkömmlichen Tempomat mit konstanter Geschwindigkeits-Haltung machen. Insgesamt ein tolles System, das gerade auf Langsteckenetappen viel Komfort- und Sicherheitspotenzial für den Fahrer mitbringt.

toyota avensis acc lka assist

Spurhalteassistent mit Spurwechselwarnung LKA
Der Lane Keeping Assist LKA erkennt verschiedene Spurfarben, -Arten und -Breiten. Im Bordcomputer wird angezeigt, ob er die Fahrspur erkennt und ob aktiv gelenkt werden kann. Ganz nach dem Motto „Den Fahrer unterstützen und nicht ersetzten“ ist wichtig zu wissen, dass es sich hierbei um keinen Lenkassistent handelt, der enge Kurven allein fahren kann: Das System des Avensis ist darauf ausgelegt, auf Autobahnen oder Schnellstraßen das Halten der Spur zu erleichtern. Hierfür werden permanent leichte Lenkimpulse in die Entsprechende Richtung gegeben. Wird die Spur dennoch überfahren, wird akustisch gewarnt. Lässt man das Lenkrad in einer relativ engen Autobahnkurve komplett los, kann der Assistent das Fahrzeug nicht in der Spur halten, genau wie auf Landstraßen-Kurven. Auf etwa 2.000 Autobahnkilometern hat das System nicht einmal falsch gelenkt oder einen Fehler angezeigt, auch nahezu alle Spuren wurden erkannt. Nimmt man die Hände mehr als etwa 10 Sekunden vom Lenkrad, erkennt das System das Fehlen der Fahrerhände und schaltet sich ab. Der LKA muss nach jedem Motorstart neu aktiviert werden, das verhindert nervige Warnsignale, wenn man Sie nicht benötigt.

PCS  – Pre Crash Safety System
Pre Crash Assistenten sind ja immer schwierig zu testen. Dazu braucht es schließlich einen Beinahe-Zusammenstoß. Soweit ist es nicht gekommen, aber als ich bei Tempo 130+ auf der linken Spur in ein Autobahn-Tunnel einfahren wollte schien der Zusammenstoß unausweichlich: Ein LKW scherte genau dort aus und befand sich quasi neben mir schon zur Hälfte auf meiner Spur. Heftige Bremsung  – hinter mir war zum Glück niemand – ein Geräusch von Gurtstraffern – und: Ich bin quasi im Sitz fixiert. Aufgrund der starken, plötzlichen Bremsung hat der Avensis die Gurte schön straff gezogen. Meine Beifahrerin hatte regelrecht Atemprobleme. (Dramatisierung!) Im Falle eines Aufpralls wären wir dann wesentlich weniger in Richtung Cockpit gewirbelt worden. Ein extrem sinnvolles Feature. Nach ein paar Sekunden lassen die Gurte dann auch wieder los. Eigentliche Fähigkeit des PCS Systems sind aber autonome Notbremsungen. Das Radar erkennt drohende Kollisionen (ich fahre z.B. auf ein an der Ampel stehendes Fahrzeug auf) und baut den Bremsdruck auf, gleichzeitig wird der Fahrer gewarnt. Betätigt dieser dann die Bremse, steht sofort die max. Bremsleistung zur Verfügung. Bremst der Fahrer trotz Warnung nicht, kann das System autonom eine Vollbremsung einleiten. Durch vorsichtiges Ausprobieren kann ich sagen: Der Bremsassistent bremst erst sehr spät, aber zuverlässig!

Fazit

Der Toyota Avensis Kombi mit dem 150 PS Diesel ist ein komfortables Langstreckenmobil mit sehr großzügigen Platzverhältnissen zu einem sehr vernünftigen Preis. Bei moderater Fahrweise und vorallem mit manuellem Getriebe lassen sich gute Verbrauchswerte zu erzielen. Die Technik an Bord und die Assistenzsysteme des TEC-Pakets funktionieren bis auf ein paar Feinabstimmungen einwandfrei und bringen einen hohen Sicherheits- und Komfortzugewinn in den Alltag.

Technische Daten & Ausstattungsdetails

Toyota Avensis Kombi 2.2 D-4D (150 PS) Automatik

Leistung/Drehmoment: 150 PS (110 kW) / 400 Nm
Getriebe: 6-Gang Automatikgetriebe
0-100 km/h: 8,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Leergewicht: 1600 Kg
Gepäckraum-Volumen: 543 – 1690 l
Verbrauch berechnet: 7,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Gefahrene Kilometer: 3.000
Grundpreis: 33.200 EUR (177 PS Diesel Kombi Executive)
Sonderausstattung (in Variante „Executive“, Auszug): Bi-Xenonscheinwerfer, 17Zoll  Leichtmetallräder, Alcantara Innenausstattung, TEC-Paket, Touch & Go Navigation, Keyless Go

Text: Matthias Luft , Fotos: Matthias Luft

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Avensis ist aber viel zu hart abgestimmt und die Sitze sind viel zu weich! Der Verbrauch liegt zwieschen 8.5-9,5 Litern Diesel!!! Hier sind alle benziner in dieser Leistungsklasse sparsamer.
    Miserable Qualitätsanmutung und sehr geringe Motorleistung. Bin sehr enttäuscht von dem Avensis.

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  4. Ich bin mit dem Avensis sehr zufrieden, man bekommt eine prima Ausstattung zu einem guten Preis. Verarbeitung im Innenraum könnte etwas besser sein, aber verstecken brauch sich Toyota hier auch nicht, Hartplastik und rauhe Ecken und Kanten gibt es auch bei manch teureren „Premiumfahrzeugen“. Außerdem lässt sich alles gut reinigen. Die Sitze sind im übrigen richtig gut und überhaupt nicht zu weich. Die Lendenwirbelstütze funktioniert sehr gut und der Seitenhalt überzeugt auch. Die Sitzbezüge muten hochwertig an. In punkto Fahrleistung ist sicher Luft nach oben, vor allem beim Beschleunigen, aber der Toyota fährt sich in jeder Situation sicher und souverän. Einzig der Verbrauch ist enorm, zumindest mit dem Automatikgetriebe. Bei einer Mischung an Kurzstrecke, Landstraße und Autobahn ist man im Prinzip immer über 8 Liter Diesel. Das ist für mich der einzige Wermutstropfen bei dem Avensis. Ein Sparwunder ist er beim Spritverbrauch nicht, aber der 2.2 Liter Diesel läuft dafür sehr kultiviert. Das war für mich auch wichtig.

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