Historische Autowerbung: Von 1920 bis 2000

In keiner anderen Branche steckt so viel Budget in Werbeanzeigen wie in der Autobranche. Agenturen denken sich großartige oder furchtbare Ideen aus, entwerfen Konzepte, mittlerweile natürlich immer mehr auch für Social Media Kanäle. Fangen wir aber nochmal im Jahr 1920 bei Printanzeigen an. Wie beeinflussen Zeitgeschehen und gesellschaftlichen Entwicklungen Automobil-Werbung? Von amüsanten bis aus heutiger Sicht absurden Anzeigen haben wir für jedes Jahrzehnt etwas nettes gefunden.

1920er: Freiheit und Vergnügen als Motive der goldenen 20er
Die goldenen Zwanziger gelten als Phase des Aufatmens zwischen den Weltkriegen. Themen in der Autowerbung sind gesellschaftliche Vergnügungen und Freiheit. So wird in der Audi-8-Zylinder-Werbung von 1928 der Wagen als „Majestät“ – und damit als Statussymbol bezeichnet. Der modisch gekleideten Dame darf da der Lifestyle-Hund natürlich nicht fehlen.

Aus heutiger Sicht völlig absurd ist die Werbung für den Opel 4 aus 1929, der im Werbeplakat allein der „Sportdame“ gehört, die mit ihm zu ihren „vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen“ (Im Hintergrund erkennt man bereits den Golfplatz) reisen kann. Und zwar „dann, wenn es ihr paßt“!

1930er: Entscheidende technische Neuerungen
Zu den technischen Neuerungen der 1930er gehörte neben den ersten Großcomputern auch der Bau einiger Hochalpenstraßen. Die Werbeanzeige für das Mercedes-Benz-Modell „Mannheim“ bezieht sich auf das Hochrad zurück, in einer Zeit, zu der Mercedes bereits Autos baute. „Die Anzeige mit Mercedes-Benz Typ „Mannheim“ Limousine um 1930 verweist auf die Geschichte der Marke, wobei Tradition mit Voraussicht verknüpft wird. In jener Zeit der Ungewißheit stellte sich Mercedes-Benz als Inbegriff der Unerschütterlichkeit dar.“ Daimler

1940: Internationale Rekordaussagen in der Werbung
In den 1940ern musste der Fokus der Industrie von der Autoproduktion auf die Rüstung gelegt werden. Auch wenn es keine gravierenden Neuerungen gab, wirbt BMW 1944 mit einer Anzeige in der „Motorschau“ mit dem „schnellsten Sportwagen der Welt“ und den „hervorragenden Leistungen der deutschen Kraftfahrtindustrie“.

Ähnliche, internationale Rekordaussagen finden sich auch in der Mercedes Werbung für den Typ 170 D Innenlenker von 1949. Er wird als ein „Weltrekord an Wirtschaftlichkeit“ bezeichnet. In Anbetracht des den Höhepunkt erreichenden zweiten Weltkriegs passen diese Aussagen in den Zeitgeist. Sonst taucht der Krieg in der Autowerbung weitestgehend nicht auf.

1950: Zuversicht und Wiederaufbau, Lebensgefühl und Vergnügen im Fokus
Ähnlich wie in den 20er Jahren war das Jahrzehnt geprägt von der Zuversicht für die Zukunft und den Wiederaufbau. Laut BMW fahren zu dieser Zeit „erfolgreiche Geschäftsleute und kultivierte Frauen“ den BMW 501 bzw. 502. Das Lebensgefühl und das Vergnügen stehen im Fokus.

DKW arbeitete schon damals mit einem Kundentestimonial mit dem fiktiven, zufriedenen Kunden Gustav Rutz, einem „Glasgroßhändler aus Düsseldorf-Oberkassel“, der auf eine zwanzigjährige persönliche Geschichte der DKW-Modelle zurückblickt.

1960er Jahre: Fokussierung der Funktionalität
In den 1960ern gewinnen Luxus und Lebensgefühl weiter an Bedeutung. Neben der Betonung der Ästhetik legt die Autoindustrie immer mehr Wert auf das Herausstellen der Funktionalität neuer Modelle. Wie etwa beim „vielseitigen“ BMW 1800TI.

…genauso wird 1966 auch für die Beschleunigungswerte neben dem „stählern-starken Muskeln“ des Opel Rekord C geworben:

1970: Audi/NSU Slogan „Vorsprung durch Technik“ wird geboren
Auch wegen des technischen Fortschritts ab 1970 tritt die Ästhetik in den Anzeigen eher hinter die technischen Funktionen zurück. Der noch bis vor kurzem aktuelle Slogan „Vorsprung durch Technik.“ von Audi / NSU wurde z.B. in den 1970er-Jahren etabliert. Mit der Aussage „Wir machen keine Auto-Mode.“ wird seitens NSU die Ästhetik regelrecht abgelehnt und sich vielmehr auf die Technik, hier auf den Wankel-Motor, konzentriert.

Ähnliches gilt auch für die Anzeige der neuen S-Klasse, in der die „physikalisch-technischen Grenzbereiche des heutigen Automobilbaus“ ausgelotet werden. Im Fließtext werden auch Fahreigenschaften und Sicherheitssysteme beschrieben.

1980er: Sicherheit! Dank ABS und Airbag
Dank Innovationen wie ABS und Airbag geht es in den Anzeigen der 80er immer mehr um die Sicherheit. So z.B.beim Opel Corsa, für den Sicherheit wohl an oberste Stelle steht.

Auch beim 5er BMW bewirbt man die „Check-Control“, die konkrete Fehler in der Technik an den Fahrer meldet.

1990: Komfort und Leasingangebote
In den 90ern wechselt der Fokus in der Werbung von der Sicherheit eher wieder auf Komfort. BMW bezeichnet den neuen 5er als „perfektes Autombil“, nicht nur wegen seiner Klimatisierung, sondern auch wegen des komfortablen Fahrwerks. Ein Novum war in einer weiteren Anzeige etwa auch das Sechsgang-Schaltgetriebe zum „geschmeidigen Achtzylinder“. Hochpreisige Modelle werden durch Leasing-Angebote vom BMW-Partner einem immer größeren Kundenkreis zugänglich.

2000: Mehr Bild, weniger Text
Etwa seit dem Jahr 2000 beginnen sich die Anzeigen so zu formen, wie wir sie bis heute kennen: Bildlastig und mit einem Text, der vielmehr zur Ergänzung als Erklärung dient. Die Farben und Schriftarten der von Opel in den 2000ern gestarteten Imagekampagne bestehen teilweise noch heute. Wie z.B. bei der Anzeige des Agila wird die Alltagstauglichkeit immer wichtiger.

Fotos/Werbeanzeigen: Opel, BMW, Mercedes, Audi, die uns freundlicherweise Ihre Archive zugänglich gemacht haben!

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne Sammlung schaut man sich das erste Plakat oben an, bekommt man ein schmunzeln ins Gesicht. Warum?

    Die Dauerleistung von damals kommt so in etwa an die heutige Reichweite der Elektroautos/Hybriden ran…Welch Ironie!

    Oder doch eher Trendwende in ein neues Zeitalter? Mal schauen…

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