Getestet: Nachrüst-Fahrerassistenz von Mobileye

mobileye abstandswarner

Dass Fahrerassistenzsysteme die Voraussetzung für mehr Komfort, Sicherheit und das autonome Fahren sind, weiß mittlerweile jeder. Sogar Fahrzeuge aus der Kompaktklasse wie der Seat Leon oder der Skoda Octavia können dank Abstandstempomat und aktivem Lenkassistent fast schon teilautonom unterwegs sein. Basis kameragestützter Assistenzfunktionen bei vielen Herstellern ist die Software des israelischen Unternehmens Mobileye. Wir haben ihre Nachrüstlösung, das sog. ADAS (Advanced Driver Assist System), einige Wochen in einem Opel Corsa aus 1997 getestet.

Was aussieht wie ein Fahrradcomputer ist das kompakte Display von Mobileye

Displayeinheit des Mobileye ADAS Series 5

Technik von Mobileye steckt in etlichen Neuwagen
Auch wenn die Display- und Steuereinheit von Mobileye wie ein Fahrradcomputer aussieht, hat es die Technik und vor allem die Software wirklich in sich. Es handelt sich keinesfalls um eine halbgare Lösung: Die Software von Mobileye verwenden Hersteller wie Skoda, Volvo, Audi, VW, Nissan, BMW, Ford seit Jahren in aktuellen Modellen. Zum Einsatz kommt das Knowhow aus Israel in den Fahrzeugen, in denen eine Monokamera oder eine Monokamera kombiniert mit einem Radarsensor arbeiten. Die Software kann zwischen Autos, Fußgängern und anderen Objekten unterscheiden.

Einpassung der Kamera an der Windschutzscheibe

Einpassung der Kamera an der Windschutzscheibe

Einbau durch Mobileye Vorort
Wenn wir schon Assistenzsysteme nachrüsten, dann gleich richtig. Testkandidat ist deshalb ein 19 Jahre alter Opel Corsa B aus dem Motoreport Fuhrpark, der nicht einmal ABS an Bord hat aber sonst noch täglich auf Kurzstrecken zum Einsatz kommt. Beim aktuellen Kaufpreis von ca. 900 Euro für das System ist der Einbau durch einen mobilen Mobileye-Techniker inklusive. Den Ablauf des etwa einstündigen Einbaus haben wir schon in unserem ersten Artikel aus Dezember 2015 erklärt. Mobileye ist fest ins Fahrzeug integriert: Die Monokamera befindet sich in der Mitte der Frontscheibe, das Display kann an einer beliebigen Stelle auf dem Armaturenbrett angebracht werden. Kabel werden komplett versteckt.

Kollisionswarner mit Anzeige des Abstands in Sekunden
Mit Mobileye waren wir nun gut 10 Wochen im Corsa-Alltag unterwegs, der zu einem großen Teil aus Stadtfahrten besteht. Bewährt hat sich vor allem die Abstandswarnung mit Kollisionswarner: Fährt man dem Vordermann zu dicht auf oder droht gar ein Zusammenstoß, warnt das ADAS optisch und akustisch. Eine Notbremsung einleiten kann das System nicht, vielmehr sind passive Warnungen seine Stärke. Da das System bei der Installation aufwändig kalibriert wird (z.B. Abstand Kamera – Kennzeichen), kann etwa der Abstand zum Vordermann von der Software exakt gemessen werden.

Warnung: Abstands zum Vordermann weniger als eine Sekunde

Warnung: Abstand zum Vordermann weniger als eine Sekunde

Vorteil gegenüber Radartechnik: Radfahrer- und Fußgängererkennung
Besonders fortschrittlich ist, dass auch Motorräder, Fahrradfahrer und Fußgänger erkannt werden können, denn gerade letztere können Radarsensoren i.d.R. alleine nicht also solche wahrnehmen. Die Fußgängerkennung funktioniert überraschend gut, da die aufwändige Software Personen tatsächlich als solche (und nicht etwa als Auto/Objekt) identifiziert und das im Display auch so ausgibt. Auch Radfahrer werden erkannt, wobei Mobileye hier keine so hohe Erkennungssicherheit hat. Ganz wie in der Oberklasse bringt das System auch noch eine Verkehrszeichenerkennung mit. Der Fahrer kann einstellen, ab wie vielen km/h über dem Tempolimit eine Warnung erfolgen soll.

Fußgängererkennung

Fußgängererkennung

Konfigurierbare Warnmeldungen
Überhaupt ist ein riesiger Vorteil von Mobileye, dass der Fahrer das System unkompliziert kalibrieren kann. Das heißt: Die Lautstärke von Signalen und die Empfindlichkeit für Warnungen können in mehreren Stufen eingestellt werden. Diese Möglichkeit hat man bei kaum einem fest installierten System. Sollte Mobileye im Flottenbetrieb verwendet werden, kann allerdings ab Werk auch festgelegt werden, dass das System vom Fahrer nicht abgeschaltet oder anders eingestellt werden kann. So kann man den rasanten Außendienstler dazu bringen, durch permanente Abstandswarnungen einen effizienteren Fahrstil an den Tag zu legen…

Spurhalteassistent

Spurhalteassistent

Einbaubar in jedes Fahrzeug, Funktionsumfang kann bei älteren Modellen variieren
Offiziell funktioniert Mobileye nicht bei Dunkelheit. Da das System eben nur mit einer Kamera und nicht mit weiteren Sensoren warnt, ist der Funktionsumfang bei Nacht eingeschränkt. Trotzdem haben in unserem Test die Spur- bzw. Fußgängererkennung und der Auffahrwarner häufig auch bei schlechter Sicht noch funktioniert. Für Nachtfahrten bringt das ADAS außerdem eine Fernlichtautomatik mit. Diese war aufgrund der zu alten Technikstruktur im Corsa B aber nicht aktivierbar.

mobileye

Sinnvoll sowohl für Fahranfänger als auch Außendienstler
Insgesamt überzeugt Mobileyes ADAS Series 5 auf der ganzen Linie. Man merkt einfach, dass hier langjährige Erfahrung in der Softwareentwicklung steckt. Im Gegensatz zu Assistenzfunktionen von Navigationsgeräten ist die Kamera außerdem exakt aufs Fahrzeug kalibriert. Einige Funktionen und deren Darstellung, etwa die Abstands-Anzeige zum Vordermann in Sekunden, haben Hersteller wie Opel sogar komplett übernommen. Wirklich immer hat der Kollisionswarner, bzw. der Abstandswarner in Verbindung mit vorausfahrenden Fahrzeugen funktioniert. Auch Fußgänger wurden meistens erkannt, vereinzelt aber auch, wenn Sie ganz regelkonform auf dem Gehweg laufen. Auch die Erkennung von Tempolimits funktioniert zu 90% korrekt – eine Erkennungsquote, die auch auf viele fest installierte Systeme zutrifft. Aufgrund des humanen Preises ist Mobileye auch für Fahranfänger mit älteren Fahrzeugen eine Überlegung wert. Genauso eignet es sich aber für Vielfahrer oder zur Steigerung von Effizienz und Sicherheit im Flottenbetrieb.

Fotos: Motoreport, Mobileye

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hab noch nichts davon gehört, dass man diese Technik auch nachrüsten kann.
    Wenn das aber so zuverlässig funktioniert, wie in Deinem Artikel beschrieben, dann Hut ab.
    Tagsüber ist das denke ich nicht ganz so relevant für mich, wie zum Beispiel in der Nacht.
    Muss ich mich mal erkundigen, ob es das auch für meinen Wagen gibt.

  2. Pingback: Am 25. Februar 2016 gefunden … | wABss

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