Fahrbericht: Neuer Jaguar XF 30d Portfolio

Jaguar XF 2015

Nicht nur die Optik des neuen XF ist leichter und sportlicher geworden: Auch beim tatsächlichen Gewicht hat er gegenüber seinem Vorgänger 190 Kilogramm verloren. Dafür sorgt die überwiegend aus Aluminium bestehende Karosserie. Wir sind mit dem auf 300 PS überarbeiteten 3-Liter V6 Diesel mit durch die herbstlichen Weinberge um Stuttgart gefahren.

jaguar xf heck

Jaguar XF Portfolio mit 20-Zoll Felgen „Star“

Schärfere Formen
Schon die erste Generation des XF bot 2008 jede Menge Innovationsfreudigkeit in der Technik und im Design. Letzteres sorgt auch heute dafür, dass der „alte“ XF keineswegs zu rund oder aus der Mode wirkt. Beim neuen XF sind die Linien deutlich schärfer und kantiger gezeichnet, er wirkt schon beim Ansehen leichter und vor allem eines: sportlicher. Während der neue XF kürzer wurde, hat sich sein Radstand zugunsten kürzerer Überstände verlängert. Öffnungen an der Frontschürze, schnörkelfreie Formen und der moderate Gebrauch von Chrom-Applikationen machen den XF extrem attraktiv. Die Frontscheinwerfer arbeiten optional mit Voll-LED-Technik – bekannt ist hier das J-Förmige LED Tagfahrlicht, das beim Abbiegen komplett zum ästhetischen Blinker wird und nicht nur abgedunkelt wird. Am Heck, dessen horizontal verlaufende Chromleiste die Briten ebenfalls optisch etwas erleichtert haben, findet sich mit den Heckscheinwerfern ein weiteres Highlight. Sie bringen das heiß begehrte Lichtdesign des F-Type in breiterer Ausführung die Businesslimousine.

jaguar xf 2016 heck

Interieur: Komfortabel, klassisch, hochwertig
Der sog. Riva-Hoop wird immer beliebter. Beim Opel Insignia gibt es ihn in Plastik-Ausführung, beim Audi A7 in Holz mit Seitenstreifen-Optik. Auch der XF verfügt nun über diese Zierleiste. In unserem Testwagen führt das schmale Ebenholz-Design  halbrund und unauffällig oberhalb entlang  des kompletten Instrumententrägers bis über die Türen und schafft ganz zurückhaltend ein angenehmes Raumgefühl. Für Komfort sorgen außerdem viel Beinfreiheit und hochwertige Materialien. So z.B. der Automatik-Driveselector, der aus Aluminium gefertigt ist und zum Start des XF aus der Mittelkonsole fährt. Auch die Lüftungsdüsen führen die von Jaguar bekannte Zeremonie des „Ausfahrens“ beim Einsteigen durch. Mit zu wenig Kraft geschlossene Türen zieht die Automatik den letzten Zentimeter elegant zu. Der XF interagiert in einer angenehmen, unaufdringlichen Weise mit seinem Fahrer.

jaguar xf interieur riva hoop

Die Bedienung des XF hat man nach einigen Kilometern heraus. Das Multifunktionslenkrad fühlt sich nicht nur wertig an, sondern überzeugt durch ergonomisch geformte Tasten. Leider war es in unserem Testwagen nicht verbaut, aber auch eine 12.3 Zoll großes, individuell belegbares HD Instrumentendisplay gibt es – und darf schließlich in dieser Klasse auch nicht fehlen. Beim analogen Tacho haben die Briten jedoch auf große Innovationen verzichtet. Die Tachoeinheit ist sehr übersichtlich, aber wenig spektakulär. Die Bedienelemente in der Mittelkonsole strahlen, wie der ganze XF, Einfachheit aus. Die (optionale 4-Zonen-) Klimaautomatik lässt sich extrem unkompliziert bedienen. Für die Wahl der Temperatur gibt es dankenswerter Weise 2 physische Tasten. Wer kein Fan von Touchscreens ist, kann auch die Hauptfunktionen des Infotainmentsystems über die Tasten um das Display aufrufen. So gelangt man schnell und unkompliziert aufs Hauptmenü der Navigation, die Telefonanbindung und die wichtigsten Rangier- und Kameraoptionen.

jaguar xf automatik

Überarbeiteter V6 Diesel mit 300 PS und 700 Nm
Der V6 Diesel mit 300 PS ist bereits aus dem Vorgänger bekannt. Dank Änderungen am Einspritzsystem und dem Turbolader leistet der größte Diesel im XF jetzt 300 statt 275 PS und beschleunigt die Business-Katze mit einem Drehmoment von satten 700 Nm (vorher: 600) in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ein Beschleunigungswert, der auch beim Fahrer so ankommt. Das heißt: der V6 sorgt für jede Menge Vorschub und bügelt das durchaus akzeptable Gewicht von 1.750 Kilo bestens aus. Die 8-Gang Automatik von ZF ist beim Dreiliter Diesel serienmäßig an Bord, während es für die Zweiliter Selbstzünder „Ingenium“ nun erstmals auch ein manuelles 6-Gang Getriebe gibt. Die Wandlerautomatik schaltet, das kann man so sagen, nahezu perfekt. Sie wechselt die Gänge recht effizient, vor allem aber sehr sanft und unbemerkt. Der Unterschied zu einem der einschlägigen Doppelkupplungsgetriebe ist nicht wirklich spürbar, auch nicht bei schnellen Etappen. Für Situationen wie das Abbremsen aus 100 auf 20 km/h und anschließendem, schnellen Beschleunigen benötigt das ZF-Getriebe nur minimale Bedenkzeiten. Hier spürt man zum kürzlich gefahrenen Audi A7 mit V6 Diesel, dessen „Multitronic“ ebenfalls ZFs 8HP70 Wandlergetriebe in sehr ähnlicher Form ist, kaum Unterscheide. Soundtechnisch schnurrt er vor sich hin, wie man es von einem V6 Diesel gewohnt ist. Potent und angenehm, im Vergleich zur Konkurrenz aber eher zurückhaltend und ruhig.

jaguar xf 2016

Vierzylinder-Verbräuche beim V6 Diesel
Hetzt man den XF etwas dynamischer über die herbstlichen Weinstraßen östlich von Stuttgart, tut man sich schwer, das Heck in steilen Kurven aus der Fassung zu bringen. Die Elektronik greift extrem früh ein, damit auch der radikalste Fahrer bei Nässe nicht aus der Spur gerät. Etwas mehr Traktion für den Winter hätte sicherlich ein Allradantrieb gebracht, den gibt es (derzeit?) aber nur für den 380 PS-Benziner. Was natürlich nur mit dem Diesel möglich sein dürfte ist das sportliche Reisen mit humanen Verbräuchen. Die relativ hohe Leistung gepaart mit einem nicht zu schweren XF und einer niedrigen Drehzahl ermöglichte Bordcomputer-Werte von deutlich unter 10 Litern auch bei Außendienstler-Fahrweise. Auch, wenn die Werksangabe bei nur 5.5 Litern kombiniert liegt, ist das ein sehr guter Wert. Realistisch dürften in jedem Fall 6-7 Liter machbar sein.

jaguar xf

Sowohl Business- als auch Sportlimousine
Überarbeitet hat man neben dem großen Diesel auch die elektromechanische Lenkung. Unter anderem der hinzugekommene aktive Spurhalteassistent setzte hier neue Technik voraus. Die Charakteristik der Lenkung dürfte bei vielen Daily-Drivern auf Gefallen stoßen: Beim Rangieren ist sie leichtgängig, allerdings nicht so weich, dass man, wie bei vielen Oberklasse-Limos derzeit fast schon das Gefühl für den Lenkeinschlag verliert. Bei höheren Geschwindigkeiten wie bei Autobahn-Sprints vermittelt sie ein überraschend direktes Gefühl sowie festen Bodenkontakt auch bei Tempo 200+. Dem Asphalt ist man auch bei groben Unebenheiten stets sehr nah: Das Fahrwerk ist sportlich ausgelegt, gibt aber trotzdem nicht jeden etwas tieferen Kanaldeckel an die Passagiere weiter. Eben so, wie man es sich von einer Sportlimousine vorstellt, in der man trotzdem hunderte Kilometer komfortabel hinter sich lassen kann.

jaguar XF

Assistenzsysteme: Stereokamera, Stauassistent, intelligenter Tempomat
Die neue ASPC, All Surface Progress Control, soll die Sache mit dem Heckantrieb im Winter noch leichter machen. Der Fahrer gibt nicht mehr selbst Gas, sondern stellt eine Geschwindigkeit bis 30 km/h ein. Das System soll dann auch auf sehr eisigem Untergrund Grip finden. Bei den fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemem gibt es im XF zwei Besonderheiten: Im Gegensatz zu vielen Modellen der deutschen Konkurrenz kommt in ihm eine Stereokamera von Bosch zum Einsatz, die deutlich exakter Fahrbahnmarkierungen aber auch Abstände und Differenzgeschwindigkeiten als eine Monokamera erkennen kann. Ihre Funktonalität umfasst auch eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Staufunktion, mit der der XF auch aus dem Stand autonom anfahren kann. Noch bisher bei keinem Testfahrzeug an Bord war auch ein sog. intelligenter Geschwindigkeitsbegrenzer: Das via Kamera erkannte Verkehrszeichnen wird direkt zur Übernahme in die adaptive Cruise Control vorgeschlagen und muss nur noch vom Fahrer bestätigt werden. Das dürfte vor allem in häufigen Baustellenfolgen auf Autobahnen extrem hilfreich sein. Ein neues Laser-Headup Display sorgt nicht nur für deutlich mehr Kontrast der Symbole in der Scheibe, sondern ist auch noch leichter und platzsparender. Navi-Anweisungen wie eine Kreisverkehr-Ausfahrt sind auch bei starker Sonneneinstrahlung bestens lesbar.

jaguar xf

Für unsere kurze aber dynamische Testfahrt haben wir uns schon wegen der passenden Landstraßen für den großen V6 Selbstzünder entschieden. Obwohl wir die Katze heftig durch die Kurven gescheucht haben, genehmigte sich der XF nur 7-8 Liter / 100 km laut Bordcomputer. Noch sparsamer und günstiger und damit für viele Käufer mindestens genauso interessant dürften aber die Ingenium Vierzylinder Diesel sein, die in den Leistungsstufen 163 und nun auch 180 PS bereitstehen.

Jaguar XF 30d Portfolio
Leistung/Drehmoment: 221 kW (300 PS) / 700 Nm
Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Heckantrieb
0-100 km/h: 6,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Leergewicht: ca. 1.750 kg
Verbrauch angegeben: 5,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Kofferraumvolumen: 885 L (umgeklappt)
Preise ab 31.350 EUR

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