Fahrbericht: Mit dem Fiat 124 Spider durch die Normandie

Es müssen ja nicht immer die Alpen sein: Mit dem Fiat 124 Spider gings von Paris durch die Normandie in den Norden nach Deauville. Entlang der Seine gibt es genug kurvige Landstraßen, auf denen der Roadster mit niedrigem Schwerpunkt und geschickter Gewichtsverteilung sein Potenzial entfalten kann. Dank wechselhaften Wetters weit nördlich des Heimatlands der Marke hatten wir auf etwa 600 Kilometern Wegstrecke in zwei Tagen auch die Gelegenheit, uns vom manuell zu öffnenden Stoffverdeck zu überzeugen.

Startpunkt der #124SpiderTour: Das Motor Village Champs-Élysées in Paris, Showroom der Konzernmarken

 

Fiat 124 Spider: Mehr tradizione dank Gepäckträger
Den 124 Spider hat Fiat seit Mitte 2016 im Programm. Der Fokus dieser Hommage an den vor 50 Jahren vorgestellten Fiat 124 Sport Spider liegt ganz klar auf dem ungefilterten Fahren, wenngleich der 124 Spider optional viel moderner Technik wie Keyless Go, Voll-LED Scheinwerfer oder eine Rückfahrkamera  mitbringt. Auch wenn man etwas im Thema ist, fällt nicht gleich auf, dass der Mazda MX-5 die Basis für den 124 Spider ist. Die Formen kommen in etwa hin, die bei Fiat aber doch ganz anderen Scheinwerfer lenken stark davon ab. Damit blickt das italienische Pendant des Japaners deutlich freundlicher und weniger aggressiv aus der Kurve. Für den besonderen Italo-Look haben wir auf unserem Spider nicht die vielspeichigen 17-Zöller, sondern die Felgen im historischen Design montiert, die eigentlich dem Sondermodell America Limited Edition vorbehalten sind. An frühere Roadsterzeiten erinnert auch der Retro-Gepäckträger auf der Kofferraumhaube: Das stylische Plus an offenem Stauraum gibts für knapp 900 Euro extra. Die silbernen Außenspiegel und das 124-Badge am Kühlergrill sind weitere Häkchen in den Sonderausstattungen des Konfigurators für unseren passione roten Zweisitzer.

Klassisches Roadsterfeeling & moderne Technik
Im Interieur mischt sich japanisches mit italienischem Design. Lenkrad, Klimaautomatik oder Steuerung des Infotainmentsystems kennen wir vom MX-5. Die braunen Ledersitze in und der Tacho mit klassischer Fiat-Schrift sorgen für die richtige Mischung mit italienischem Chic. Das japanische Navi kombiniert modernste Technik mit traditionellen Roadster-Werten. Es macht im Alltag richtig Spaß und ist mit dem Joystick in der Mittekonsole – oder wahlweise per Touch – extrem einfach zu bedienen. Ausreichend Platz gibt es für maximal zwei Personen. Die sportlich konturierten Sitze bieten genug Seitenhalt für Sportfahrer, sind aber auf der Sitzfläche weich genug, um auch auf der Autobahn nicht unbequem zu sein. Das Handschuhfach befindet sich zugunsten der Beinfreiheit hinter den Mittelkonsole, ein kleines zweites hinter dem Fahrersitz. Ein Highlight des Bose Soundsystems: Zwei kleine Lautsprecher finden sich auch im Kopfteil der Sitze. Das sorgt auch bei schnellen, offenen Fahrten für ein super Klangerlebnis.

Manuelles Stoffverdeck: Dach auf in 2 Sekunden
Nicht wegzudenken ist beim 124 Spider das Stoffverdeck. In Zeiten, in denen Verdecke bei teilweise 50 km/h und mehr elektrisch fahren ist es umso schöner, nicht auf eine Armada an Motörchen und Seilzüge angewiesen zu sein. Auch der 124 Spider schließt während flotten Fahrten – wenn man eben genug Kraft hat, es gegen den Luftwiederstand nach vorn zu ziehen. Bei aufkommendem Sonnenschein entriegelt man es einfach mit einem einzigen Hebel – und klappt es nach hinten bis zum Einrasten. Das funktioniert schneller als bei jedem elektrischen Dach. Dank eines kleinen Windschotts zwischen den Sitzen zieht es auch bei schnelleren Geschwindigkeiten nicht zu stark. Den Arc de Triomphe beim Start unserer Roadstertour zur Rush Hour zu umfahren macht ohne Dach umso mehr Spaß. Schließlich ist man dann nicht nur noch tiefer im Geschehen, sondern hat die im Pariser Großstadtverkehr so wichtigen Zentimeter um die Karosserie genau im Blick. Bei geschlossener Mütze wird es im Innenraum auf der Autobahn erst ab 130 km/h etwas lauter.

Fiat 124 Spider in Passione Rot – die Felgen im Vintage Design stammen aus dem Fundus des Sondermodells Spider America

Eins mit der Straße: 1.4 MultiAir mit 140 PS, 1.125 Kilo und direkte Lenkung
Der Fiat 124 Spider wird vom im Konzern gut bekannten 1.4 MultiAir Turbobenziner mit 140 PS (längs eingebaut, wie beim historischen Vorbild) angetrieben. Dank des ultraschlanken Leergewichts von gerade mal 1.125 Kilo wirken diese 140 PS dann schnell wie mindestens 170, die dann schon die Leistung des Abarth 124 Spider wären. Von 0 auf 100 km/h gehts in 7,5 Sekunden, wahlweise auch mit Automatikgetriebe. Das Drehmoment von 240 Nm gelangt über die Hinterräder auf den Asphalt und sorgt für jede Menge Spaß. Zum Vergleich: Beim MX-5 sind es bei 130 PS nur 150 Nm – aus einem Sauger statt Turbo. Die Gänge der manuellen 6-Gang Box rasten knackig und weitestgehend hakelfrei mit kräftigem Feedback und auf kurzen Schaltwegen ein. Den leichten Roadster um die Kurven der Normandie zu scheuchen ist ein Fest, das auch klanglich etwas untermalt wird. Der Turbobenziner klingt gut, auch hochdrehend nicht überanstrengt oder gepeinigt. Auch wenn zum Abarth 124 Spider mit serienmäßiger Record Monza Abgasanlag einiges fehlt.

Normandie statt Toskana: Ungefilterter Fahrspaß mit dem 124 Spider

Lenkimpulse gibt elektrische Dual Drive Servolenkung radikal direkt weiter. So lässt sich der Spider einerseits mit geringem Lenkaufwand schnell noch in die letzte Lücke vor der Ausfahrt der Pariser Stadtautobahn drücken, vor allem aber auf Kurvenstraßen passt ihr Charakter zum Antriebsstrang. Besonders dann macht sich auch der sehr niedrige Schwerpunkt (Aussteigen entsprechend von richtig weit unten, klar) und die gleichmäßige Gewichtsverteilung bezahlt. Das Fahrwerk des Spider ist dabei etwas sanfter als das des MX-5 abgestimmt. Das bringt auf der Langstrecke mehr Komfort, stört aber bei dynamischen Fahrten kein bisschen. Den Verbrauch gibt Fiat mit 6,4 Litern an. Schnelle Sprints und so ziemlich alles, was viel Spaß macht, fordern schnell 2 Liter mehr.

Was uns am Fiat 124 Spider gefällt: Die Mischung aus Retro-Stil und Konzentration auf das Wesentliche kombiniert mit moderner Technik. Mit dem spritzigen 1.4 Turbo mit 140 PS hat der Spider genug Kraft, um in Windeseile auch jeden noch so steilen Alpenpass zu erklimmen. Fahrwerk und Lenkung bringen die Power standesgemäß auf die Straße. Danach in eine entkoppelten Business-Limo zu steigen ist ungeahnt langweilig. Der 124 Spider ist etwas teurer als seine japanische Basis, bringt aber auch mehr Leistung und Kleinigkeiten wie eine Lage Stoff mehr beim Verdeck mit. Die beste Zeit für eine Probefahrt ist genau jetzt, zum Start der Cabriosaison!

Technische Daten: Fiat 124 Spider

Leistung/Drehmoment103 kW (140 PS) / 240 Nm bei 2.250
Getriebe:6-Gang
Antrieb:Hinterradantrieb
0-100 km/h:7,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
Leergewicht1.125 kg
Verbrauch angegeben6,4 Liter / 100 Km
Kofferraumvolumen140 L
Basispreisab 24.990 €
Testwagenpreisca. 33.272 €

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