Fahrbericht: Mercedes Benz CLA 220 CDI

mercedes benz cla heck

Auch wenn die neue A-Klasse eine Menge Fans hat, sieht sie richtig gut erst als CLA aus. Als fünftüriges Coupé mit einem besonders heißen Heck, dessen LED-Rückleuchten einen Preis verdient hätten. Gefahren wurde der größte Diesel im CLA, der 220 CDI mit 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe 7G-DCT.

Aufhübschen kann man die Grund-CLA Klasse ganz einfach mit der relativ günstigen Ausstattungsvariante „Urban“, in der auch der Testwagen auf den Fotos konfiguriert ist. Highlights sind hier der Diamantgrill und das Sportfahrwerk mit Tieferlegung, auch 18 Zöller sind dann inklusive. (Am Testwagen sind allerdings Reifen der Dimension 225/45 R17 montiert.) Die doppelflutige Abgasanlage ist ebenfalls ein optischer Leckerbissen. „Urban“ bringt außerdem etwas mehr Chrom und Ziernähte ins Interieur. Die Voll-LED Rückleuchten gibts übrigens nur in Verbindung mit Xenonscheinwerfern.

cla 220 cdi jupiterrot

Wechselt man aus der C- oder E-Klasse zum CLA, vermisst man nicht allzu viel im kompakten Benz. Die bekannten Hebel und Knöpfe sind gleich, an der einen oder anderen Stelle fehlt nur die Chromeinfassung. Auch wenn das mittlerweile „aufgesetzte“ Comand Online Display zunächst für Skepsis sorgte, musste ich nach wenigen Tagen doch zugeben: Es ist wirklich gut positioniert und ablesbar. Gerade die Karten/Routendarstellung und die Genauigkeit der Online-Stauprognose überzeugen absolut, genau wie die Bedienung über das Wählrad in der Mittelkonsole. Für die Positionierung des Gangwahlhebels bei Mercedes bin ich ohnehin ein Befürworter – der zusätzliche Platz in der Mittelkonsole ist ungemein praktisch. Die auf den ersten Blick recht spacigen Lüftungsdüsen lassen sich präzise einstellen. Extrem gut gefallen hat (auch allen Mitfahrern) die in fünf Stufen dimmbare, gelb-warme Ambientebeleuchtung. Diese strahlt dezent neben den Türgriffen, Becherhaltern, Fußraum auch die Chromelemente zwischen Sitz und Kopfstütze an. (Licht- und Sicht-Paket: 450 EUR) Für den Fahrer besonders nett: Die übersichtliche, hochauflösende und schön animierte Multifunktionsanzeige in der Tachoeinheit.

cla urban interior

Der frontgetriebene CLA 220 CDI bringt den bewährten 2,2 Liter Diesel mit 170 PS mit. Diese ziehen das 1.500 Kg schwere Coupé locker über Landstraßen, dabei geht es gerade im Sport-Modus auf Wunsch auch gerne deutlich dynamischer voran als das beim Kaltstart wahrnehmbare, dieselige Motorgeräusch vermuten lässt. Die Lenkung ist bei Stadt-Geschwindigkeiten angenehm leichtgängig, wechselt bei schnelleren Kurven-Etappen zu sportlicherem Feedback, generell ist sie aber eher komfortabel. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe 7G-DCT, das einzig verfügbare Getriebe zur Motorisierung 220 CDI, schaltet fix und effizient – bei extremer Fahrweise auf kurvigen, bergigen Landstraßen kann man mit dem Sport-Modus eventuell auftretende Hektik bei den automatisierten Schaltvorgängen umgehen. Das Sportfahrwerk, das in Verbindung mit der Urban-Ausstattung verfügbar ist, bietet für meinen Geschmack genug Sportlichkeit, lässt aber den Reisekomfort nicht vermissen. Tendenziell ist es beispielsweise etwas härter abgestimmt als die Serien-Sportfahrwerke der entsprechenden Fahrzeugklasse(n) von Volkswagen.

cla urban jupiterrot

Besonders auf der Autobahn zeigen Motor, Getriebe und cw-Wert (grob gesagt: Der Luftwiderstand) das ganze Sparpotenzial: Der cw-Wert spielt beim CLA durchaus eine Rolle, sein Betrag 0,23 macht ihn zum windschlüpfrigsten PKW aller Serienfahrzeuge. Bei Geschwindigkeiten von 130 km/h auf der Autobahn bedeutet das Verbräuche von unter 5 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Über gut 3.000 Testkilometer, die auch viele sportlich gefahrenen Landstraßen beinhalteten, konnten wir ihm auch nicht mehr als 5,4 Litern (berechnet) entlocken – das kann sich wirklich sehen lassen. Der gute Strömungswiderstand kommt übrigens auch der Geräuschkulisse im Inneren zugute, auch bei 180 km/h ist es hier noch angenehm ruhig.

cla urban seite

(Verfügbarkeit von) Komfort- und Assistenzfunktionen
Bei der Verfügbarkeit von Gadget ist der CLA ein bisschen eigen. Es gibt teilweise feinste Technik aus höheren Klassen, manche Kleinigkeiten vermisst man aber. Besonders hilfreich und eher selten in dieser Klasse ist z.B. der aktive Parkassistent, der mithilfe von 12 Ultraschallsensoren sowohl längs- als auch quer automatisch ein- und ausparken kann. (ca. 800 EUR) Der Attention Assist, der anhand der Messung von Lenkbewegungen den Fahrer vor Übermüdung warnt, ist sogar serienmäßig an Bord. Auch die Hold Funktion der Bremse (einmaliges, festes Drücken der Bremse hält diese bis zum Wiederanfahren geschlossen) kann im Alltag an der roten Ampel sehr entspannend sein. Die Rückfahrkamera fährt am Kofferraum aus einer Abdeckung aus, was sie gerade im Winter vor Verschmutzung schützt – auch bei Dunkelheit ist die Bildqualität hier wirklich sehr gut. Die Kennzeichenerkennung liest sogar zeitlich bedingte Tempolimits nahezu fehlerfrei. In Anbetracht dieser und noch vieler weiterer Assistenzfunktionen überrascht etwas, dass es an ein paar Kleinigkeiten fehlt: Die Tachoeinheit bietet leider bei Tageslicht keine Beleuchtung, Einstellungsoptionen z.B. zur Empfindlichkeit des automatischen Fahrlichts fehlen. Die Lichtautomatik reagiert teilweise in Tunnels etwas verzögert. Details, die durchaus verbesserungswürdig sind.

cla 220 cdi urban exklsiv paket

Nicht ohne Distronic Plus
Auch Distronic Plus durfte aus der Oberklasse in den kleinsten Mercedes Einzug nehmen. Dort verrichtet sie beste Arbeit und unterscheidet sich der Entsprechung in höheren Klassen kaum. Einmal eingestellt halt das Coupé Abstand und Geschwindigkeit. Bei Bremseingriffen gibt es kaum Komforteinbußen im cla distronic plusVergleich zu größeren Mercedes, insbesondere extremer Regen und hohe Mengen an Spritzwasser brachten die Sensorik kein bisschen durcheinander – der CLA folgte dem zähfließenden Verkehr durch die verregneten Alpen absolut sicher. So sicher, dass 900 zu fahrende Kilometer wie die Hälfte wirkten. Ein Automatikgetriebe und Distronic Plus ist deshalb die Sonderausstattungs-Empfehlung für den CLA. Einen aktiven Lenkassistenten gibt es (noch) nicht, technisch aufwändige Funktionen wie des exakte Lenken (Folgen des Vordermannes) in der getesteten E-Klasse BlueTEC Hybrid oder das automatische Verhindern des Rechtsüberholens würden eine Stereokamera erfordern. Im CLA genügt eine Monokamera, einen sehr guten Spurassistent gibt es auch – dieser warnt beim Verlassen der Linien per Vibration im Lenkrad.

Wichtig für die aktive Sicherheit im Stadtverkehr ist auch der neue Collision Prevention Assist Plus: Das „Plus“ unterscheidet das bisherige Notbremssystem in der Eigenschaft, nun schon ab 7 km/h (statt bisher 30) aktiv zu sein. Das radargestützte System warnt den Fahrer optisch und akustisch vor erkannten Hindernissen und bereitet den Bremsassistenten auf eine möglichst punktgenaue Bremsung vor.

mercedes benz cla heck

Wenn man nicht immer zu viert unterwegs ist ist man in der Kompaktklasse mit dem CLA an der richtigen Adresse. Der 170 PS Diesel sorgt nicht nur für Dynamik sondern ist auch dank der Aerodynamik des CLA auch noch extrem sparsam. Fast alle bekannten Assistenzsysteme wie Distronic Plus oder das Intelligent Light System aus höheren Baureihen sind verfügbar.

Mercedes Benz CLA Klasse 220 CDI Coupé Urban

Leistung/Drehmoment: 125 kW (170 PS) / 350 Nm
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
0-100 km/h: 8,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Leergewicht:  ca. 1.525 Kg
Verbrauch angegeben: 4,2 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Verbrauch berechnet: 5,2 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Gefahrene Kilometer: 2.800
Farbe: Jupiterrot
Kofferraumvolumen: 470 L
Testwagenpreis: 53.079 EUR
Grundpreis: 38.466 EUR
Sonderausstattung (Auszug): Spiegelpaket, Spurpaket, Exklusivpaket, Comand Online, Intelligent Light System, Distronic Plus, Licht- und Sicht-Paket

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