Scharfe Reiselimousine: Mazda6 Skyactive-D 175

mazda 6 limousine sedan heck rot

Der Mazda6, gerne wie hier in Rubinrot Metallic, ist zweifelsfrei eine der derzeit schönsten Mittelklasselimousinen. Die „Kodo“-Formensprache zeigt sich in von ihrer besten Seite, muskulöse Linien ziehen sich über die gut 4,8 Meter lange Karosserie. In der „Sports-Line“ gibt es außerdem 19-Zoll-Alus serienmäßig, die perfekt mit dem sportlichen Auftritt und Details wie den zwei Endrohren harmonieren. Der 175 PS Diesel Skyactive-D mit manueller Schaltung im Test!

Dass der Mazda6 deutlich mehr interessierte Blicke erntet als ein 3er BMW, ist kein Wunder. Die deutschen Premiumlimos sind sich sehr ähnlich geworden, man will jedem gefallen und keiner traut etwas wirklich Neues, Frisches. Das mehrfach erfahrene Interesse am Mazda6 kann natürlich auch daran liegen, dass der Betrachter doch überrascht ist, ein so attraktives Auto von Mazda zu erkennen, schließlich war der Mazda6 Vorgänger bei weitem nicht so gelungen wie die dritte Generation. Die Vermutung „sieht nach mehr aus, als er ist“, ist falsch. Auch am Interieur und der Technik fehlt es nicht.

mazda6 limousine

Insbesondere von außen klingt der 1.8 Skyactive-Diesel mit 175 PS wie ein Benziner. Da tackert nichts, auch innen und nach einem Kaltstart ist die Geräuschkulisse überraschend still – der Motor kam, vermutlich aufgrund einer geringeren Dämmung, im vor einigen Monaten getesteten Mazda CX-5 deutlich lauter rüber. Aufgrund der sportlich gezeichneten Formen ist die Übersicht, vor allem nach hinten, nicht die Beste, eine hochwertige Rückfahrkamera, deren Linien auch den Lenkeinschlag anzeigen, schafft hier aber schnell Abhilfe. Das Interieur schmückt sich mit verschiedenen Designelementen im Alu- und Pianolack-Stil, die Ledersitze (automatisch verstellbar auf der Fahrerseite) zeigten trotz eines Kilometerstandes jenseits der 20.000 rein gar keine Gebrauchsspuren. Für die Preisklasse richtig gut ausgefallen sind Kleinigkeiten wie etwa das Feedback von Drehreglern und Knöpfen, die im Gegensatz zu manch anderen Japanern durch Materialqualität überzeugen. Lediglich die Mittelkonsole wirkt in ihrer Bauweise recht „dünn“, lässt aber an Funktionalität von der gummierten Ablage vorne bis zur Mittelarmlehne keine Wünsche offen. Das integrierte TomTom-Navi mit Live-Services macht einen guten Job, der Bildschirm sollte in Zukunft aber etwas wachsen. Das in der Sports-Line serienmäßige Bose Soundsystem mit 11 Lautsprechern bringt jede Menge audiophile Freude, besser klingts bei den Premiummarken auch nicht.

Mazda6 interieur innen

Der 2.2 Liter Skyactive-D Motor ist mit 150 oder 175 PS (die getestete 175 PS Version ist und nur mit der Sports-Line Ausführung verfügbar) lieferbar. Gerade auf der Langstrecke macht der Mazda6 mit ihm eine tolle Figur: Ausreichend Leistung, kein Mangel an Elastizität, auch bei zügigem Reisen ein recht niedriger Verbrauch. Ganze 420 Nm bringt der starke 2.2 Liter mit, von 0 auf 100 km/h gehts in 7,8 Sekunden und maximal sind 223 km/h drin. Die Leistung gelangt über die Vorderachse auf den Asphalt,  hier kann es trotz der großen 19-Zoll (Winter-)Bereifung (225/45) auf rutschigem Untergrund bei dynamischer Fahrweise schon mal kurz an Traktion fehlen, Spaß und Durchzugskraft sind aber garantiert. Die gelungene Abstimmung der elektromechanischen Lenkung macht sich gerade auf der Autobahn bemerkbar, wo sich langgezogene Kurven sehr angenehm mit nur wenig Lenkraft befahren lassen. Da stellt sich schon die Frage, was sich in einem Passat noch viel besser anfühlen soll. Ein Konkurrent für den Mazda6 ist der Honda Accord Type S, ebenfalls ein 2.2 Liter Selbstzünder mit 180 PS. Er bietet zwar weniger Reisekomfort, punktet aber mit einer sportlicheren Lenkung und kürzeren Schaltwegen.

mazda6 limousine

Mit etlichen Kilometern Autobahn bei 130-140 km/h und etwas Stadtverkehr habe ich einen kombinierten Verbrauch von knapp über 6 Litern / 100 km eingefahren. Mit einer sparsameren Fahrweise sind selbstverständlich auch unter 6 Liter drin, angegeben sind 4,9 Liter / 100 km. Verantwortlich für die Kraftstoffeffizienz sind nicht nur die Skyactive-Technologie (Video) und eine niedrige Drehzahl auf der Langstrecke, sondern auch das sog. i-ELOOP System. Rückgewonnene Bremsenergie kann so vom Start-Stopp System z.B. an der Ampel genutzt werden. Auch ein ECO-Mode der Klimaanlage sorgt für etwas Sparpotenzial.

mazda6 rubinrot

Auch in Sachen Fahrerassistenz hat der Mazda6 schon einiges zu bieten. Besonders gelungen ist hier das Rear Vehice Monitoring System RVM. Dieser „Spurwechselassistent“ macht über kleine LED-Symbole im entsprechenden Außenspiegel auf Fahrzeuge im Toten Winkel aufmerksam. Zwei Radarsensoren am Heck des Fahrzeugs überwachen die Bereiche schräg hinter dem Wagen ab 30 km/h und funktionieren äußerst zuverlässig, schon aus großer Entfernung werden herannahende Fahrzeuge erkannt. Wird geblinkt, während sich ein Fahrzeug im Toten Winkel befindet, warnt das System akustisch. Der Spurhalteassistent LDWS warnt, wenn die Fahrspur versehentlich verlassen wird – bewusste Spurwechsel ohne ein Setzen des Blinkers erkennt er und nervt somit nicht, wenn man auf einer ganz leeren Autobahn mal die Spur wechselt ohne es anzuzeigen. Für den Stadtverkehr gibt es die Laser-gestützte City-Notbremsfunktion SCBS, die von 4-30 km/h ein Auffahren auf den Vordermann verhindert. Die Fernlichtautomatik entstammt eher nicht der neusten Generation, wurde von mir aufgrund der ohnehin sehr guten Leistung der Xenon-Scheinwerfer nicht benötigt. Auch eine adaptive Geschwindigkeitsregelung ist verfügbar, leider aber nur in Verbindung mit dem Automatikgetriebe. (1.200 EUR)

mazda6 rot limousine sportsline

Zur Assistenz zählt ja doch auch die Licht- und Scheibenwischerautomatik, bei vielen Japanern sozusagen schon seit der ersten Mazda6-Generation aus 2002 Standard. Angenehm ist aber, dass im Infotainmentsystem z.B. der Zeitpunkt zum Einschalten des Lichts gewählt werden kann: In fünf Stufen. Richtig sinnvoll meiner Meinung nach, zumindest habe ich eine solche Einstellungsmöglichkeit schon oft vermisst. Auch die Lautstärke der optionalen, akustischen Rückmeldung nach dem Absperren sowie ein automatisches Verriegeln, wenn sich der Schlüssel entfernt, können konfiguriert werden.

In Sachen Preisgestaltung macht es Mazda dem Kombi-Land Deutschland nicht leicht: Limousine und Kombi kosten gleich viel, weshalb hierzulande wieder jeder versuchen wird, so viel Auto wie möglich mitzunehmen und am Ende natürlich den Kombi kauft. Dabei hätte ich mir mehr (Mazda6-) Limousinen auf der Straße gewünscht. Das Design ist einzigartig, auch in der sportlichen Bauform hat man mit 489 Litern wirklich jede Menge Kofferraum und Platz im Fond. Mein Testwagen, der stärkste Diesel inklusive fast der kompletten Sonderausstattungs-Palette, ist im Handel für deutlich unter 40.000 EUR erhältlich und überzeugt in allen Belangen.

Mehr über den Mazda6 Skyactive-D mit 175 PS findet man bei mein-auto-blog.de, mit Automatikgetriebe und adaptivem Tempomat hat ihn autophorie.de getestet. Einen ausführlichen Bericht zum Skyactive-G Motor mit 165 Benziner-PS findet man bei autoaid.de.

Mazda6 Limousine 2.2 Skyactive-D 175 Sports-Line

Leistung/Drehmoment: 129 kW (175 PS) / 420 Nm
Getriebe: 6-Stufen Schaltgetriebe
0-100 km/h: 7,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 223 km/h
Leergewicht: 1.480 Kg
Verbrauch angegeben: 4,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Verbrauch berechnet: 6.0 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Gefahrene Kilometer: 1.000
Kofferraumvolumen: 489 L, max.: 1.961 L
Testwagenpreis: 39.640 EUR
Sonderausstattung (Auszug): Lackierung Rubinrot Metallic (550 EUR), Mazda SD Navi mit TomTom Technologie (500 EUR), Lederausstattung inkl. elektr. Sitzverst. (1.800 EUR)

Text: Matthias Luft, Fotos: Matthias Luft, Mazda

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