Fahrbericht: Jeep Cherokee 2.2 MultiJet (200 PS)

jeep cherokee 2016

Jeep. Was für die meisten eher eine Fahrzeuggattung ist, hat im Jahr 2016 wieder einige scharfe Modelle im Angebot. So zum Beispiel der etwas im Licht seines großen Bruders stehende Cherokee. Sein 200 PS starker 2.2 Liter MultiJet Diesel bringt genug Power für den Alltag und das Gelände mit, während die neue 9-Gang Automatik sanft und effizient die Gänge wechselt. Fortschrittliche Assistenzsysteme sind ebenfalls verfügbar.

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Dank jeder Menge Chrom am Jeep-typischen, siebenwabigen Kühlergrill kommt der Cherokee fast so kraftstrotzend wie der Grand Cherokee daher. Die polierten 18-Zöller sorgen vor allem frisch gewaschen für den ganz besonderen, auffälligen Jeep-US-Charme. Die flachen LED-Tagfahrlichter auf der Motorhaube lassen den Cherokee flach, fast reptilienartig wirken. Die Hauptscheinwerfer befinden sich unterhalb.

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Jeep Cherokee Limited in Deep Cherry Red mit polierten 18-Zoll Felgen

Modernes Interieur im Offroad-Klassiker
2013 tauchte der zentrale Touchscreen des Uconnect Systems erstmals in der Mittelkonsole im Grand Cherokee auf. Über ihn werden zahlreiche Funktionen des Fahrzeugs gesteuert. Tasten wie die fürs das (De-)Aktivieren des ESP, des Start&Stopp Systems oder der Regelung der Innenraumtemperatur sind zwar noch physisch vorhanden, die Sitzheizung oder Media-Steuerung ist aber komplett digitalisiert worden. Das Konzept ist zwar nicht ganz so intuitiv wie etwa im XC90, ist aber dank groß dimensionierter Buttons und sehr schneller Reaktionszeiten absolut stressfrei im Alltag brauchbar.
Beim Innenraumkomfort positioniert sich der Cherokee zwischen dem kleineren Renegade und dem Luxus-Jeep Grand Cherokee: Die Anordnung wesentlicher Elemente ist fast identisch wie beim großen Häuptling, lediglich eine höhere Mittelkonsole und das Shift-by-Wire System hat man sich gespart. Trotzdem bietet auch der Cherokee einen sehr guten Langstreckenkomfort auf den Nappa-Leder sitzen, die wahlweise beheizt oder gekühlt werden können.

Hommage an den Ur-Jeep Willys MB
Besonders sympathisch machen so einen Jeep die manchmal merkwürdigen Übersetzungen im Menü. Ausgeglichen wird das aber mit viel Liebe fürs Detail z.B. im Bordcomputer: In der Assistenzgrafik des Abstandstempomats ist das vorausfahrende Fahrzeug der Ur-Jeep Willys MB. Das gilt auch für die längs parkenden Fahrzeuge beim halbautomatischen Einparkassistenten. Die zahlreichen Eastereggs, einer Hommage an den historischen Willys MB, sind wir auch schon im Renegade auf den Grund gegangen.

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2.2 l MultiJet und 9-Gang Automatik von ZF
Wir sind den Cherokee mit dem 2.2-Liter MultiJet gefahren. MultiJet steht im Hause Fiat/Jeep für effiziente Dieseltriebwerke, was wir auch schon beim V6-Diesel im Grand Cherokee erfahren konnten. Die wohl gelungensten Kombi aus Kraft, Effizienz und Fahrspaß bietet der MultiJet in Verbindung mit der 9-Gang Automatik. SUV, neun Gänge – richtig, hier kommt wieder das bereits mehrfach gelobte 9HP48 aus dem Hause ZF zum Einsatz, das wir auch schon im Honda CR-V oder Range Rover Evoque ausgiebig testen konnten und das auch im Jeep Renegade verbaut wird. Bis auf Software-Unterschiede wechselt das Getriebe unabhängig vom Einsatzfahrzeug die Gänge schnell, unbemerkt und effizient. Durch die hohe Spreizung der Fahrstufen fallen zwar mehr Schaltvorgänge beim Blick auf den Drehzahlmesser auf, dafür wird die Motordrehzahl aber niedrig gehalten, was dem Durchschnittsverbrauch zu hübschen Ergebnissen verhilft. Realistisch sind im Alltag bei normaler Fahrweise etwa 7 bis 8 Liter Diesel im Mittel. Zwar sind die Schaltvorgänge des Getriebes nicht ganz so knackig wie bei manchen Doppelkupplungsgetrieben, allerdings werden Zugraftunterbrechungen kaum spürbar. Die einzige Schwäche der Automatik ist, dass der Wechsel von den Fahrstufe D zu R oder umgekehrt eine Bedenksekunde benötigt – wenn das denn überhaupt im Alltag wirklich auffällt.

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Nicht ohne Go-anywhere Allüren: Jeep Active Drive I
Insgesamt bewegt man sich mit dem Cherokee äußerst komfortabel vorwärts – dazu gehört auch die ein oder andere Wankbewegung. Im alpinen Umfeld lässt er sich aber durchaus sportlich um Kurven scheuchen. Für dynamische bergauf-Etappen bietet der 2.2 MultiJet genug Kraftreserven. Die Lenkung hat dabei immer eine für die Geschwindigkeit passende Kraftunterstützung parat, ist aber kein Künstler der Präzision. Die Möglichkeit des Cherokee, die Hinterachse in den meisten Fahrsituationen komplett Abzukoppeln (Kardanwelle steht komplett still) kommt der Effizienz zugute. Jeep Active Drive I, sozusagen der „Basis Allradantrieb“, arbeitet dabei natürlich ohne jeden Fahrereingriff vollautomatisch. Im Offroad-Fall koppelt das einstufige Transfergetriebe die Kardanwelle in kürzester Zeit ein, ein Hinterachs-Antriebsmodul verteilt das Drehmoment stufenlos nach hinten.  Über den SelecTerrain Drehknopf in der Mittelkonsole kann neben dem Auto-Modus vorgegeben werden, welcher Fahrsituation sich der Jeep anpassen soll. (Snow, Sand/Mud, Sport).

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Fahrerassistenz: Langstreckenkomfort und Einparkversicherung
Einen separaten Absatz haben sich die Fahrerassistenzsysteme im Cherokee verdient, die es mittlerweile ganz schön in sich haben. Verfügbar sind im Fahrerassistenzpaket für 2.000 Euro fortschrittliche Funktionen wie eine Adaptive Cruise Control, ein aktiver Lenkassistent sowie ein Totwinkel und Fernlichtassistent. Den Abstandstempomat hat man eindeutig auf vorausschauendes Fahren getrimmt – zur Sicherheit bremst er lieber einmal zu viel vorsichtig, als auf ein Fahrzeug zuzusteuern, das auf der Autobahn auf die eigene Überholspur zu torkeln droht. Bei stockendem Verkehr kann die ACC (das Automatikgetriebe vorausgesetzt) auch selbstständig wieder anfahren. Schert man zum Überholen aus, kommt der Cherokee mit ihr schnell vom Fleck. Besonders sinnvoll auf der Langstrecke ist der Spurhalteassistent. Er bietet zwar keine permanente Lenkunterstützung, verhindert aber durch ein deutliches Gegenlenken das ungewollte abkommen von der Fahrbahn, bzw. der Fahrspur auf der Autobahn.

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Der historische Jeep Willys MB als Vordermann bei der ACC

Parkrempler scheinbar unmöglich
Dank zahlreicher Helferlein wird es sehr schwer, den Cherokee beim Einparken gegen irgendetwas zu fahren. Bei der Rückwärtsfahrt unterstützt die Rückfahrkamera und die althergebrachten Ultraschallsensoren. Abstände werden optisch und akustisch dargestellt. Rollt man trotzdem zu schnell (rückwärts) auf ein Objekt zu, wirft der Jeep auch bei Einparkmanövern den Anker. Und ja, man muss wirklich bei der Rückwärtsfahrt fast nicht mehr aus dem Fenster sehen. Die Radarsensoren im Stoßfänger hinten, die bei Autobahnfahrten den toten Winkel überwachen, können auch herrannahenden Verkehr erkennen – etwa beim Rückwärtsausparken.

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Auch in der neusten Generation ist der Jeep Cherokee ein echter Offroader. Er hat nicht viel von seinem klassischen US-Charme verloren, bringt aber trotzdem ein ganz frisches Design mit. Die MultiJet Diesel sind nicht nur kräftig, sondern auch sehr sparsam und leisten zusammen mit der Neungang-Automatik beste Arbeit. Für die Langstrecke empfehlen sich Assistenzfunktionen wie der Abstandstempomat und der Spurhalteassistent, die ausgesprochen zuverlässig funktionieren.

Jeep Cherokee Limited 2.2 l MultiJet Active Drive I 9-AT

Motor: Reihenvierzylinder
Leistung/Drehmoment: 147 kW (200 PS) / 440 Nm
Getriebe: 9-Gang Automatik
Antrieb: Variabler Allradantrieb
0-100 km/h: 8,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 204 km/h
Leergewicht: 1.953 kg

Verbrauch angegeben: 5,7 Liter / 100 Km (Komb.)
Verbrauch erfahren: ca. 7-8 Liter / 100 Km (Komb.)
Farbe: Deep Cherry Red
Kofferraumvolumen: 714-999 L
Grundpreis Testwagen: 45.900 EUR
Endpreis Testwagen: 49.130EUR

Mehr Infos zu den Ausstattungsvarianten und den Platzverhältnissen hat autogefühl.de.

Text&Fotos: Matthias Luft

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