Unentdeckte Komfortlimousine: Infiniti Q70 2.2d

infiniti q70 led

Selbst Infiniti-Kenner müssen beim Q70 zwei Mal hinschauen. Auf den ersten Blick unterscheidet er sich nämlich kaum vom kleineren Q50. Erst recht nicht seit dem letzten Facelift, das vor allem die Frontpartie stark an die neuen, kantigen Formen der Nobelmarke Nissans angeglichen hat. Nötig hatte er ein Design-Update auf jeden Fall: Die dramatische, runde Formensprache vieler Japaner gehört nach und nach der Vergangenheit an. Im Test: Der heckgetriebene Q70 2.2d mit 170 PS und 7-Gang Automatik.

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Q70 Facelift: Nahe am Q50
Worin unterscheidet sich der Q70 also noch vom Q50? Rein äußerlich ist der Q70 größer, länger und bulliger. Grundsätzlich wäre der Q50 wohl der Mittelklasse und Konkurrenten wie dem Passat, A4 oder 3er BMW zuzuordnen, während der Q70 eher der oberen Mittelklasse entspricht. Die Formen an der Frontschütze sind zwar nahezu identisch mit dem Q50, allerdings baut der Q70 etwas höher und zieht den Grill deshalb etwas weiter nach oben. Während das Heck des Q50 schmale, runde LED-Signaturen zieren, sind die Heckscheinwerfer des Q70 noch deutlich kräftiger und auffälliger geformt. Eines der Highlights Limousine sind die extravaganten Felgen, deren Optik stark an die Räder des Nissan 370Z erinnert.

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Interieur im klassischen Infiniti Look
Wir erinnern uns: Dem Q50 hat Infiniti im Jahr 2013 einen fast komplett neuen Innenraum spendiert. Dazu das InTouch System mit zwei Touchscreens, das das Bedienkonzept ein Stück weit revolutionieren sollte und das auch gut geschafft hat. Spannend war auch die Steer-by-Wire Lenkung, mit dem die Bewegungen des Lenkrads rein elektrisch auf die Frontachse übertragen wurden. Leider gab es für den Q70 kein so umfassendes Update, weshalb er auf fast alle Errungenschaften seines kleineren Bruders verzichten muss. Dafür herrscht im Interieur noch feinster Infiniti Charme, bei dem niemand außer Nissan mitgemischt hat. Besonders spürbar wird das z.B. an den Sitzen, die ganz ohne Frage zu den komfortabelsten ihrer Klasse gehören. Auch die Sitzposition, bzw. die Anordnung aller Steuerelemente um den Fahrer, ist großartig gelungen und hätte auch keiner wirklichen Änderung bedurft. In einer angenehmen Weise interagiert der Q70 mit seinem Fahrer, indem Lenkrad und Sitz zum leichteren Ein- bzw. Aussteigen von der eingestellten Position gefahren werden. Der Innenraum des Q70 ähnelt dem des großen SUV QX70 stark, da beide etwa aus der gleichen Entwicklungs-Generation stammen.

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Auf dem Infotainmentsystem läuft im Prinzip die selbe Software, die sich auch im Q50 oder sogar dem brandneuen Q30 nur geringfügig verändert hat. Sie besticht zwar nicht durch spektakuläre Grafiken, lotst aber stets zuverlässig. Die Bedienung erfolgt über einen Art Joystick in der Mittelkonsole oder per Touch-Eingabe. Erscheinen einem die Buchstaben zur Zieleingabe während der Fahrt zu klein, können Sie auch per Dreh-Geste erreicht werden, was den oft nervigen Prozess der schnellen Zieleingabe ein Stück weit erleichtert. Alle anderen Eingaben wie gewünschte Temperatur, Radiosender oder die Aktivierung der Surround Kamera (AVM) funktionieren über die Mittelkonsole so einfach und übersichtlich, dass man sich schon fast fragt, ob das InTouch dieses grundsolide, analoge Bedienkonzept wirklich noch stark verbessern konnte.

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Infiniti Q70S 2.2d in Midnight Blue Metallic, 20-Zoll Felgen im Doppelspeichendesign

Effizienz-Triebwerk für Europa: Der 2.2d von Daimler (170 PS)
Speziell für Europa hat man in die Limousine wieder den 2.2 Liter Turbodiesel aus dem Hause Daimler gepackt. Er ist nicht einfach eine reingekleisterte Sparlösung für unsere gemäßigt motorisierte Region, sondern macht viel mehr Spaß, als man bei einer Leistung von 170 PS meinen möchte. Trotz seines nicht unerheblichen Gewichts von knapp 2 Tonnen geht es mit dem Diesel im Q70 gar nicht träge voran. Auf der Landstraßen macht er Spaß – auch mit der 7-Gang Wandlerautomatik, deren Stärke eher das entspannte Cruisen und weniger das Durchbeschleunigen ist. Letzteres kann ein Doppelkupplungsgetriebe wie im neuen Q30 deutlich besser. Besonders zuhause fühlt sich der Q70 auf der Langstrecke. Autobahnetappen gestaltet er für den Fahrer so entspannt und entkoppelt wie selten. Für das Facelift hat Infiniti die Geräusche im Innenraum weiter reduziert, Vibrationen und Windgeräusche hat man bis auf ein Minimum drücken können. Das insgesamt recht weiche Fahrwerk macht sich im Außendienstler-Betrieb ebenfalls bezahlt. Wie im Q50 ist im Q70 zudem das 3.5 Liter Hybridsystem mit V6 Benziner verfügbar, wenn es etwas mehr sein darf. Während das Hybridsystem zwar jede Menge Fahrfreude bereitet, gelingen nur dem Selbstzünder attraktive Verbräuche von etwa 7 Litern Diesel im Mittel.

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Technologie: Voll-LED Scheinwerfer
Was wäre eine Luxuslimousine ohne technischen Fortschritt? Was man besonders im Herbst zu schätzen lernt sind die Voll LED-Scheinwerfer. Voll-LED, das bedeutet, dass nicht nur das Augenbrauen-artige Tagfahrlicht aus einem dekorativen LED-Band besteht, sondern auch die Hauptscheinwerfer mit LED-Technik arbeiten. Im Gegensatz zu (Bi-)Xenonscheinwerfern wirkt die Ausleuchtung per LED noch etwas harmonischer und gleichmäßiger. Auf unseren Fotos aus der Dämmerung ist zudem der scharf abgegrenzte Lichtkegel gut zu erkennen. Noch etwas besser werden solche Scheinwerfer, wenn Sie wie im Q70 dynamisch mit dem Lenkeinschlag genau die richtige Fahrtrichtung ausleuchten.

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Around View Monitor & Safety Shield
Neu seit dem Facelift ist im Q70 auch der Around View Monitor. Vier Kameras erstellen eine virtuelle Draufsicht aufs Fahrzeug, die besonders bei den Dimensionen dieser Limousine beim Einparken extrem hilfreich ist. Einen Spurhalteassistenten gibt es in der passiven Variante, er warnt optisch und akustisch beim Verlassen der Fahrspur. Für maximalen Komfort auf der Langstrecke ist die adaptive Geschwindigkeitsregelung nicht mehr wegzudenken, die konstant einen zuvor eingestellten Abstand zum Vordermann hält. Sie verhält sich beim Ausscheren zum Überholen zwar eher gemütlich als dynamisch, ist aber insgesamt recht angenehm abgestimmt. Auch eine Art „Safety Shield“ wie im Q50 gibt es. Hat man diesen „Rundum-Komfort“ aktiviert, kann man den Q70 z.B. auf einen Warteschlange an der Ampel zu rollen lassen und er bremst aktiv selbst und sanft auch dann, wenn die ACC nicht aktiviert ist. Teil dieses den Q70 „in Watte packenden“ Assistenzpakets ist auch ein Notbremsassistent in Kombination mit aktivem Gaspedal: Kommt man dem Vordermann zu schnell zu nahe, warnt der Q70 unter anderem mit einem Gegendruck im Gaspedal.

infiniti q70 voll led scheinwerfer

Der Q70 aus der oberen Mitteklasse startet bei 8.000 Euro mehr als der kleinere Q50. Ein Testwagenpreis von 54.000  Euro mag für einen solchen Exoten zwar jede Menge Geld sein, allerdings kommen auch geringere Trimlevels als „Sport“ mit einer umfassenden Serienausstattung. Große Felgen, ein gutes Soundsystem und Assistenzsysteme sind immer inklusive. Mit seinem spektakulären Design und Außendienst-tauglichen Fahrleistungen ist der Q70 die Alternative zu den typisch deutschen Business-Limousinen.

Technische Daten & Preise Infiniti Q70 2.2d Sport

Leistung/Drehmoment: 125 kW (170 PS) / 400 Nm
Getriebe: 7-Gang Automatikgetriebe
Antrieb: Hinterrad
0-100 km/h: 9,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Leergewicht: 1.897 kg

Verbrauch angegeben: 4,9 Liter / 100 Km (Komb.)
Verbrauch erfahren: ca. 7-8 Liter / 100 Km (Komb.)
Farbe: Midnight Blue Metallic
Kofferraumvolumen: 450 L
Grundpreis: 44.500 EUR

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Am 10. Dezember 2015 gefunden … | wABss

  2. Interessantes Bericht hat mir gut gefallen aber Das Analoge Uhr in der Mittelkonsole finde ich unpassend.

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