Fahrbericht: Honda CR-V 2.2 i-DTEC Automatik

honda crv front alpen

Der Honda CR-V machte seinem Namen „Comfortable Runabout Vehicle“ alle Ehre und hat einen richtigen Allroundtest hinter sich: Erst ging es mit ihm ein paar hundert Kilometer in Richtung Alpen, dann über viele Passstraßen und durch den Schnee. Wie gut funktionieren Hondas Fahrassistenzsysteme und harmoniert der 150 PS-Diesel mit dem Automatikgetriebe mit nur 5 Fahrstufen?

Eine 5-Gang-Automatik? Während Volvo und Jeep in SUVs in den Jahren 2013 und -14 8-Gang-Getriebe verbauten, bekommt der CR-V nicht mal einen Sechsten. Auf dem Papier fand ich das gerade in Verbindung mit dem von mir so gelobten 2.2 Liter Diesel schade: Er hatte mich Anfang 2013 sehr im Honda Accord Type S (180 PS) überzeugt. Richtig viel Leistung und Fahrspaß gab es hier zu einem beeindruckend niedrigen Verbrauch, damals 6-Gang handgeschaltet. Zum Test der Fahrassistenzsysteme wie der Adaptive Cruise Control musste diesmal aber das Wandler-Automatikgetriebe her.

honda crv 2014 offroad

Nicht an den Felgen sparen: Die montierten 17-Zöller wirken am großen CR-V schon fast unterdimensioniert.

Das Ergebnis nach den ersten Test-Tagen hat mich überrascht: Mit den fünf sich selbst wechselnden Gängen lässt es sich richtig angenehm fahren. Die Dauer der Zugkraftunterbrechungen geht absolut in Ordnung, viel schneller jedenfalls als z.B. beim Toyota Avensis. Klar, mit einem sportlichen Doppelkupplungsgetriebe ist es nicht vergleichbar, 1-2 Gänge mehr wären auch schön, aber: Es ist keinesfalls langweilig oder störend. Auch auf die Kraftstoffeffizienz wirkt sich die Automatik weitestgehend geringfügig aus: Zwar muss beim Beschleunigen immer mal etwas höher gedreht werden, spätestens der 5. Gang ist aber lang genug übersetzt um Langstrecken-Geschwindigkeiten im Bereich von 100-130 km/h mit ausreichend niedriger Drehzahl zu fahren.

honda cr-v

Sehr wichtig im Test war mal wieder der Verbrauch: Über etwa 2.500 Testkilometer lag dieser berechnet bei 7,6 Litern Diesel auf 100 Km. Enthalten sind viele Autobahnkilometer bei 130 km/h und mehr, dynamischer Stadtverkehr und ein paar Bergpässe, also: Keine bewusst sparsame Fahrweise. Der 2.2 i-DTEC verliert von seiner Effizienz durch die Automatik nicht zu viel, hat aber hand-geschaltet sicherlich noch mehr Sparpotenzial.

Mit dem Automatikgetriebe kauft man übrigens auch den Allradantrieb „Real Time AWD“, der die Heckachse bei Bedarf mit antreibt. Um Ende Dezember dem AWD-untauglichen Deutschland zu entfliehen, ging es mit dem CR-V auf 1.600 Meter Höhe in die italienischen Alpen, wo wir ihn am Nachmittag bei Sonnenschein im Schnee neben einem Range Rover Evoque abstellten. Als wir nach einer kleiner Tour zurück zum Honda kamen, versuchte eine Familie ihren Evoque aus dem Eis zu bekommen: Der Schnee begann gegen Abend wieder zu frieren, der Front-Wheel-Drive Evoque steckte fest und bewegte sich keinen Zentimeter. Beim Honda CR-V mangelt es für einen kurzen Moment an der Frontachse an Traktion, etwas mehr Gas aktiviert auch den Heckantrieb, mit ein bisschen Schwung ist man wieder auf dem griffigen Asphalt, während die Evoque-Fahrer erst mal Äste zum unterlegen suchen. 150 PS und ein Drehmoment von 350 Nm genügen übrigens auch für einigermaßen dynamische Sprints auf Bergpässen, in 10,9 Sekunden ist man bei 100 km/h angekommen (mit manueller Schaltung 1 Sek. weniger), maximal sind 190 km/h drin.

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Fahrassistenz: ACC und LKAS

Honda hat im Accord schon früh fortschrittliche Fahrassistenzsysteme verbaut, die seit der neusten Modellgeneration auch im CR-V verfügbar sind. Während ich bei einer kurzen Probefahrt Ende 2012 bereits alle Basics zu den Systemen hier zusammengefasst habe, bestand nun die Möglichkeit, die Systeme auf der Langstrecke zu erfahren.

Der Abstands-Tempomat ACC ist zwischen 30 und 180 km/h aktiv, er wird bequem über mehrere Tasten auf der rechten Hälfte des Lenkrads gesteuert. Lobenswert ist, dass er sehr einfach zu einem normalen Tempomat ohne Abstandsfunktion umgeschaltet werden kann. Die Langstrecke, auf der die ACC zeigen konnte, was sie kann, war zunächst die A8/A9 an München vorbei, dann die Inntal- und Brennerautobahn. Bei Reisegeschwindigkeiten bis 130 km/h funktioniert das System sehr ruhig, bremst relativ sanft ab und beschleunigt, z.B. nach dem Ausscheren auf die linke Spur, ziemlich schnell. Einzige Situation, in der Fehler passieren können, sind viele enge Autobahnkurven in Verbindung mit Geschwindigkeiten von 150 km/h aufwärts: Die ACC wird dann etwas hektisch und erkennt manchmal Fahrzeuge als voraus fahrend, die eigentlich rechts fahren und überholt werden sollen, was zu einem kurzen, leichten Abbremsen führt. Fährt man mit z.B. 180 km/h auf ein sehr langsames Fahrzeug auf, kann das System ein Viertel der maximalen Bremskraft aufbringen, es erfolgt rechtzeitig eine optische und akustische Warnung an den Fahrer, die restliche Kraft manuell dazuzugeben. Der Radarsensor befindet sich übrigens hinter dem Honda Emblem im Kühlergrill. Speziell für Notbremsungen im Bereich der Stadtgeschwindigkeiten gibt es CMBS: Das System warnt optisch und akustisch bei einer drohenden Kollision, baut vorab Bremsdruck auf und kann bis zum Stillstand bremsen sowie die Gurte straffen. (Mehr)

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LKAS, das „Lane Keeping Assist System“ funktioniert simpel und zuverlässig. Ist die Funktion, ebenfalls per Taste am Lenkrad, aktiviert, erscheinen im Bordcomputer Linien, die für die Fahrspur stehen. Sind diese Linien weiß ausgefüllt, erkennt der CR-V die Fahrspur und kann aktiv lenken. Beeindruckend finde ich, dass Markierungen in vielen Formen und Farben erkannt werden, auch bei Dunkelheit und extrem nasser Fahrbahn, wenn für den Fahrer selbst fast nichts mehr zu erkennen ist, gibt LKAS nicht auf. Entscheidend zu wissen ist, dass LKAS eine Unterstützung zum Halten der Spur ist, kein System, bei dem man das Lenkrad Kilometer lang aus der Hand lassen kann. (Erkennt das System, dass das Lenkrad länger als 10-20 Sek. keinen Kontakt zum Fahrer hat, schaltet es sich mit einem Warnhinweis ab.) Das System wendet bis zu 80% der nötigen Lenkkraft auf, der Fahrer die restlichen 20%. Aktiv ist LKAS zwischen 72 und 180 km/h, eine Kamera oben in der Frontscheibe ist für das Erkennen der Fahrspuren verantwortlich. Hondas LKAS hat nach meiner Meinung im Alltag einen mindestens genau so hohen nutzen wie ähnliche Systeme von Mercedes, Audi oder Seat: Im Gegensatz zu den Premiummarken bringt das System von Honda gefühlt mehr Lenkkraft auf. Auch in schnell gefahrenen, engen Autobahnkurven einer Gebirgsautobahn lenkt das System mit, macht auch bei hohen Geschwindigkeiten keine Fehler, erkennt nichts falsch oder lenkt gar über die Fahrspuren hinaus – auf der Langstrecke macht das wirklich Spaß.

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Interieur, Lob und Kritik

Der Innenraum des Honda CR-V ist simpel und alltagsnah – verfügt, bis auf den Bordcomputer, über moderne Instrumente, eine geschickte Anordnung und vor allem viel Platz. Fotos und mehr Informationen zum Innenraum des CR-V finden sich in diesem Artikel. Sehr hilfreich und praktisch im hektischen Alltag ist nicht nur die elektrische Heckklappe, die auch per Fernbedienung schnell (und mittlerweile ohne zu piepsen!) öffnet und schließt, sondern auch der Tankdeckel, hinter dem sich der Tankstutzen befindet, der ohne weiteren Verschluss betankt werden kann. Das Infotainmentsystem ist DAB-Fähig, die Navigationsanweisungen werden nochmal in Symbolform auf dem Fabdisplay oberhalb des Navi-Screens angezeigt. Der Automatik-Wahlhebel wirkt leider etwas überdimensioniert und rustikal. Die Türtaschen sind ausreichend für größere Flaschen ausgelegt, das „neue“ Multifunktionslenkrad lässt sich sehr gut und intuitiv bedienen. (Mehr Fotos) Aufgrund der guten Rundum-Sicht und der großen Spiegel lässt sich der CR-V z.B. in Parkhäusern gut rangieren, mit Parkpiepsern und Rückfahrkamera ist man komplett auf der sicheren Seite. Der neue CR-V ist außerdem leiser geworden: Auch im fünften Gang bei 150 km/h ist es im Innenraum angenehm ruhig.

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Die vierte Generation des Honda CR-V bringt nicht nur ein frisches Design des Exterieurs und einen verbesserte Innenraum mit, mit ihr halten überarbeitete Motoren Einzug, besonders der 2.2 Liter Diesel überrascht in Sachen Verbrauch. Das größte Sparpotenzial bietet die 6-Gang Handschaltung, die 5-Gang Automatik ist besonders in Verbindung mit den modernen Fahrerassistenzsystemen wie dem Abstandstempomaten ACC und dem aktiven Spurassistenten LKAS für Langstrecken (insb. auch bei stauähnlichem Verkehr) interessant. Viele Kleinigkeiten machen die gute Alltagstauglichkeit des CR-V aus, das Interieur ist einfach aber komfortabel und bietet gute Lademöglichkeiten und eine Menge Platz auch im Fond.

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Update 4.1.2015: Schon steht der neue CR-V 2015 in den Startlöchern. Wie es aussieht, wird der hier getestete 2.2 Liter Diesel nun entgültig vom 1.6er Downsizing-Selbstzünder ersetzt.

Honda CR-V 2.2 i-DTEC 4WD Automatik Executive

Leistung/Drehmoment: 110 kW (150 PS) / 350 Nm
Getriebe: 5-Stufen Automatikgetriebe
0-100 km/h: 10,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Leergewicht: 1782 Kg
Verbrauch angegeben: 6,8 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Verbrauch berechnet: 7,6 Liter / 100 Km (Kombiniert)

Gefahrene Kilometer: 2.000
Kofferraumvolumen: 589 L, umgeklappt: 1.669 L
Lackierung: Urban Titanium Metallic
Testwagenpreis: 40.265 EUR
Sonderausstattung (Auszug): HDD Navigationssystem, Safety-Paket (Assistenzsysteme, 2.600 EUR), Xenon-Schweinwefer mit Kurvenlicht, Bergabfahrhilfe, Rückfahrkamera, Panorama Glasdach, el. verst. Fahrersitz.

 

Text und Fotos (aus Folgaria, IT): Matthias Luft

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. CRV 2.2 Diesel Automatik !
    Kann nur teilweise den Angaben zustimmen ! Bin ein moderater Fahrer aber unter 8.5 L / 100 Km bin ich noch nie gekommen ! Der Ölverbrauch ist auch nicht gerade gering ! (22000Km) Der Lärm Pegel auf der Autobahn ist störend . Zuviel Ausstattung ist leider nicht Serienmäßig !

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