Fahrbericht: Audi Q5 3.0 TFSI und Q5 Hybrid

Wie schon in meinem Artikel zur Fahrt mit dem Audi SQ5, dem ersten S-Modell mit Dieselmotor, erwähnt, hatte Audi ins Munich Airport Center eingeladen um von dort aus die neuste Generation des Audi Q5 auf den Straßen um den Flughafen zu testen. Der Q5 ist eines der wenigen Audi-Modelle, die ich zuvor noch nicht gefahren bin – umso gespannter war ich auf die Straßen Oberbayerns mit ihm. Nach dem SQ5 konnten wir etwa 120 Kilometer mit vielen Foto-Stopps mit dem stärksten, technisch überarbeiteten Benziner, dem 3.0 TFSI mit (200kW, 272 PS) drehen.

Der erste Kontakt & Interieur

Ich bin keine SUVs gewohnt. Man muss schon sagen, man steigt bequem ein und die Sitzposition ist extrem übersichtlich – aber man fühlt sich nicht wie im Golf Plus: Man fühlt sich im Q5 einfach sicher. Vielleicht hat man es schon wegen seinem massiv-sportlichen Äußeren im Hinterkopf, oder es sind die hochwertigen, stabilen Materialien im Innenraum. Hier haben sich einige Details verändert, besonders die Dekoreinlagen aus Holz haben es mir angetan. Hiervon gibt es 3 verschiedene „Holz-Designs“ (Mein Favorit siehe Foto unten) und eine Alu-Variante (Siehe Q5 Hybrid) Neu ist außerdem, dass in der Mittelkonsole nun viele Bedienelemente schmale Chromspangen tragen und  einige Blenden in hochglänzendem Schwarz gehalten sind – so wie das auch aus anderen aktuellen Audi Modellen bekannt ist. Ein weiteres praktisches Feature ist z.B. der Lautstärkeregler des MMI, der als Mini-Joystick agiert und jetzt eine Skip-Funktion, z.B. zum Song- oder Senderwechsel, hat. Beim S-Line-Paket ist das Interieur in Schwarz getaucht, neben Sportsitzen findet sich noch mehr Chrom, z.B. an den Tiptronic-Schaltwippen.

Freunde gemütlicher Wohnzimmer finden das Interieur der aktuellen Audis häufig zu kühl – für mich nachvollziehbar, aber das Design und die Verarbeitung sind nach meinem Geschmack einfach perfekt, genau wie die konsequent weiterentwickelte intuitive Bedienung. Der schwarze Alcantara-Himmel war aber nicht ganz mein Geschmack – für mich also kein Grund, hierfür einen Aufpreis zu zahlen. Im Kofferraum gibt es ebenfalls eine praktische Neuerung: Das Audi Gurtsystem. Damit kann man einfach kleinere Gegenstände, z.B. einen Rucksack mittels Netz oder Gurten „festschnallen“ oder den Kofferraum  teilen. Ein gutes System gegen das Herumfliegen loser Gegenstände im leeren Kofferraum, das hier auf automobile-trends.de am Ende des Videos erklärt wird.

Ich habe mich verliebt: Sowas schickes kann man aus dem bieder klingendem Wort „Dekoreinlagen“ machen. Auch die Mittelkonsole hatte in diesem Modell die „Nadelstreifenoptik“

Die leicht überarbeitete, traditionelle MMI-Bedienung. Auch in der Mittelkonsole finden sich die neuen Holz-Designs. Die rote Umrandung des Engine-Start-Knopfes hat man übrigens nur dem SQ5 spendiert ;-)

Andere, schicke Variante der Innen-Optik (Foto: Audi)

Das MMI System und auch die MFA (Multifunktionsanzeige), die direkt im Blickfeld des Fahrers zwischen Tacho und Drehzahlmesser liegt, können nun all ihre Informationen hochauflösend darstellen. Leider ist die farbige Multifunktionsanzeige im Q5 noch nicht Serie, denn z.B. bei der Navigation sind die verschiedenen Farben ein echter Mehrwert für die Übersicht. Mein letztes Farb-MMI habe ich in einem aktuellen A6 genutzt, das hatte noch nicht die Möglichkeit, Karten im Format „GoogleMaps“ anzuzeigen – die Funktion war für mich ein echtes Highlight. Das MMI ist dank integrierter SIM-Karte permanent im schnellsten verfügbaren Netz online, um z.B. Verkehrs- oder Wetterdaten direkt aus dem Internet abzurufen. Auch ohne Internet-Empfang haben die GoogleMaps-Karten funktioniert, eventuell sind diese lokal auf dem Gerät gespeichert.(?)

Alles was man braucht: GoogleMaps-Karte, permanente Internetverbindung, hochauflösendes Display. Umrandet von Pianolack.

 

Exterieur

Seit Audi den Q5 2008 erstmals vorgestellt hat, gibt es dieses Jahr das erste Facelift. Von außen sicherlich die markanteste Neuerung an der Front: Das neue LED-Tagfahrlicht und der Kühlergrill. Die ersten „coolen“ Tagfahrlichter vor ein paar Jahren hatte irgendwie Audi. Die ersten LEDs im A4 in der geschwungenen Form waren damals ein echter Klassiker und bei jedem Facelift bin ich aufs Neue gespannt, was es als nächste TFL geben wird. Beim Q5 verabschiedet Audi sich von der flügelartigen LED-Anordnung und verwendet nun ein LED-Band, das einmal den ganzen Scheinwerfer umrandet. Cool, aber ich muss mich erst dran gewöhnen. Die Heckscheinwerfer wurden auch mit LED-Technik aufgerüstet und haben neue Leuchtformen erhalten.

Das neue LED-Tagfahrlicht in Form eines LED-Bandes.

Am rechten Heckscheinwerfer gut zu erkennen: Auch hie ein LED-Band als Heckleuchte und in der Mitte das Bremslicht. (Audi Q5 Hybrid) Außerdem: Die neuen, unten abgeflachten Endrohre. Design-Harmonie mit dem neuen Lenkrad.

 

Der Singleframe-Grill ist nun von Haus aus voll-verchromt, auch die Lamellen im Inneren. Beim SQ5 verlaufen die Chromstreifen horizontal.

Das Facelift bringt auch eine ganze Reihe neuer Felgen mit: Hier welche aus dem S-Line Exterieurpaket. Die Aluminiumräder haben in den meisten Motorisierungen 18 Zoll Diagonale, auf Wunsch gibt es Räder mit bis zu 20 Zoll Durchmesser und das S-Line Sportpaket.

Mit dem 3.0 TFSI über die oberbayerischen Landstraßen

Unser zweites Testfahrzeug nach dem SQ5 war ein 3.0 TFSI mit 200kW / 272 PS mit Kompressoraufladung und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm. Er ist der stärkste Benzinmotor im Q5 und ersetzt den frei saugenden 3.2 Liter Vorgänger. Getriebe war eine 8-Stufen tiptronic quattro. Übrigens werden die meisten Motoren mittlerweile serienmäßig mit Automatikgetriebe ausgeliefert. (Passender Irrtum nochmal an dieser Stelle) Nur noch die „kleinen“ Motoren (z.B. 2.0 TDI) werden  mit Schaltgetrieben ausgeliefert.

Der 3.0 TFSI fühlt sich nicht viel „langsamer“ als der 313 PS Diesel des SQ5 an. Beim Anfahren z.B. ist mir aufgefallen, dass er minimal „spritziger“ ist und etwas schneller reagiert. Der Sound klingt innen wie außen super, eben gar nicht nach SUV, sondern einfach nach sehr kräftigem Benziner. (Soundcheck hier) Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er in 5,9 Sekunden. (Zum Vergleich: Der SQ5 schafft es in 5,1 Sekunden)
Das Gefühl, beim Beschleunigen in den Sitz gedrückt („Gepresst“ wäre zu viel des Guten) zu werden ist eben beim Q5 besonders toll, weil man weiß, dass man ein ziemlich schweres Fahrzeug (leer ca. 1,7 Tonnen) bewegt und entsprechend jede Menge Kraft aufgebracht werden muss. Der Verbrauch wird mit 8,5 Litern pro 100 km angegeben, ein Wert, den man mit moderater Fahrweise durchaus erreicht. Bei unserem Test, der hauptsächlich auf Geschwindigkeit und Beschleunigen ausgelegt war, waren 8,5 Liter natürlich nicht denkbar.

Die 8-Gang Automatik tut ihren Dienst so schnell sie kann, für mich immer wieder ein cooles Gefühl, wenn man doch sonst nur manuelle Schaltungen fährt. Gerade im Terrain ist eine Automatikschaltung beim Berganfahren etwas feines. Kein Zurückrollen, kein Spiel mit der Kupplung, man rollt einfach langsam an wenn man den Fuß von der Bremse nimmt. Ab und zu wird kritisiert, dass die Automatik (hier: „Tiptronic“) nicht die aller schnellste ist, wie z.B. die sog. „S-Tronic“ von Audi. Meiner Meinung nach sind ist die Schaltdauer absolut in Ordnung.

Ein weiterer Effizienz-Schritt ist die neue elektromechanische Servolenkung: Sie braucht keinen Strom, wenn das Fahrzeug geradeaus fährt, wenn also nicht gelenkt wird. Die Servolenkung ist außerdem geschwindigkeitsabhänghig. Beim Einparken, bzw. langsamen Fahren muss zum Lenken nur sehr wenig Kraft aufgewendet werden, fährt man schnell auf der Landstraße oder auf Autobahnen muss der Fahrer ein bisschen mehr am Lenkrad ziehen. Ich bin schon lange Fan der sog. Servotronic von Audi, da Sie meiner Meinung nach optimal justiert ist. Im Fahrwerk hat Audi außerdem die Federn, die Dämpfer und die Stabilisatoren noch feiner abgestimmt.

Die Bremsen des Q5 sind groß dimensioniert. Bei den Vierzylinder-Motorisierungen haben die vorderen Scheiben mit 320mm Durchmesser eine Innenbelüftung, d.h., hunderte kleiner Metallkuben verbinden die beiden Scheibenhälften miteinander und können so in kürzester Zeit viel heiße Luft abführen – die Bremsleistung ist für die Dimensionen des Fahrzeugs massiv.

Mit dem „Audi Drive Select“ System kann der Fahrer anhand verschiedener Modi, z.B. „Dynamic“, „Comfort“ oder „Efficient“ die Kennlinie des Gaspedals, die Schaltpunkte des Automatikgetriebes, die Lenkunterstützung und die Arbeit der Klimaautomatik wählen.

Sound im Video

Assistenzsysteme

…um die 5 wichtigsten zu nennen:

  • Bergabfahrassitent: Ist im Q5 Serie. Er wird über eine Taste in der Mittelkonsole oberhalb der Klimaautomatik aktiviert und sorgt dafür, dass das Fahrzeug je nach zu fahrender Steigung langsam herunter gebracht wird. Hierfür übernimmt er komplett das Bremsen, der Fahrer muss also nur Lenken.
  • Adaptive Cruise Control (ACC) Mein Lieblings-Assistenzsystem. Per Radar hält es, vorzugsweise auf der Autobahn, den vom Fahrer festgelegten Abstand zum Vordermann ein. Das System kann beschleunigen und autonom Bremsen und ist an den Tempomaten gekoppelt. Beispiel: Ich fahre auf der Autobahn in der rechten Spur. Mein Tempomat ist auf 140 km/h eingestellt. Vor mir fährt ein LKW 90 km/h. Der Assistent fährt mit 90 km/h dem LKW hinterher. Schere ich nach links aus und ist kein Fahrzeug vor mir auf der linken Spur, beschleunigt der Q5 auf 140 km/h. Komme ich Fahrzeugen näher, die langsamer fahren, bremst die ACC automatisch sanft ab und fährt ihnen im eingestellten Abstand hinterher. Unter 30 km/h leitet der Assistenz eine Vollbremsung ein, wenn ein Aufprall droht. Das System funktioniert auch bei starken Regen oder Nebel, da es nicht mit Kameras sondern mit Radartechnik arbeitet!
  • Der Active Lane Assist kann mit leichten Lenkbewegungen eingreifen, wenn der Fahrer, z.B. auf der Autobahn die weißen Streifen überfährt ohne geblinkt zu haben. Eine Kamera im Rückspiegel erkennt die Fahrstreifen.
  • Der Side Assist überwacht per Radar den toten Winkel des Fahrzeugs und zeigt durch eine helle LED im Seitenspiegel an, wenn man blinkt (ausscheren möchte) obwohl ein Fahrzeug im toten Winkel ist.

Das Radarauge, das für die Adaptive Cruise Control zuständig ist.

Diese Kamera an der Rückseite des Rückspiegels erkennt die Fahrstreifen. Rechts unten: Fliege, die es im Gegensatz zu den anderen zerquetschten Kollegen auf der Scheibe überlebt hat.

Assistenzsystem?! Etwas Luxus muss schon sein im SUV. Der rechte Becherhalter ist wahlweise kühl- oder beheizbar. Tatsächlich ist das Metall nach wenigen Minuten extrem kalt geworden: Funktioniert!

Der Q5 Hybrid

Neue Technik, futuristisches Design. Die Felgen erinnern mich etwas an den A8 Hybrid.

Auch das Hybridmodell haben wir mal schnell, mal effizient über die Straßen geschickt. Eigentlich ist er so interessant, dass er einen eigenen Bericht verdient hätte, hier aber zunächst mal die Keyfacts: Der Q5 Hybrid hat, so gibt Audi an, 245 PS. Insgesamt. Davon entfallen 155kW / 211 PS auf den 2.0 TFSI Motor und 40 kW / 54 PS auf den Elektromotor, maximales Drehmoment sind 450 Nm. Mit der Batterie, die im Kofferraum versteckt ist speichert 1,3 kWh Nominalenergie, mit ihr sollen laut Audi  bis zu 3 km rein batterieelektrisch mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h zurückgelegt werden können. Der Verbrauch ist mit nur 6,9 Litern / 100 km angegeben. Hierbei handelt es sich aber eben um eine Herstellerangabe, gerade für den Hybridlaien fällt beim Fahren doch bald auf: Oft fährt er nicht elektrisch. Bei einem etwas steileren Übergang vom Feldweg auf die Landstraße schaltet er dann schon mal gern den Benziner zu. Um im Alltag auf die angegeben Verbrauchswerte zu kommen, muss man eben schon äußerst vorausschauend fahren und etwas mit den Hybrid-Eigenheiten vertraut sein. Der Q5 Hybrid quattro beschleunigt in 7,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Super umgesetzt ist eine visuelle Anzeige im MMI und in der MFA über den aktuellen Verbrauch. Hier kann man u.A. sehen, ob man gerade elektrisch oder mit Verbrennungsmotor fährt und ob gerade die Batterie per Rekuperation geladen wird. Auch der Drehzahlmesser wurde zum Hybrid-Tacho modifiziert. Beim Fahren des Q5 Hybrid hat mich besonders beeindruckt, dass der Übergang vom Elektro- zum Benzinmotor fast gänzlich unbemerkt geblieben ist. Dank des 2.0 TFSI Motors mit 211 PS kann man eben auch mal richtig uneffizient Gas geben – diese Möglichkeit gibt es nicht bei jedem Hybridauto.

Grüne Pfeile sagen uns: Wir fahren im Moment rein elektrisch. Im Heck ist der Batterieladestand zu sehen.

„Drehzahlmesser“ des Q5 Hybrid

 

Fazit

Das Facelift des Q5 ist gelungen. Es gibt etliche technische Effizienz-Neuerungen wie neu überarbeitete Motoren, eine leichtere Karosserie, Sparmodi oder eben den Q5 Hybrid. Der Innenraum fühlt sich einfach großartig an, das MMI ist überarbeitet worden und bietet HD-Grafik und Karten im Google Maps Format. Alles ist Audi-typisch sehr wertig und extrem einfach bedienbar. Neue Assistenzsysteme sorgen für mehr Sicherheit und Reisekomfort. Alle Modelle, inkl. des SQ5 kann man, wenn man denn will, auch sparsam bewegen, die Dieselmotoren können sehr effizient oder eben sehr sportlich gefahren werden. Vielen Dank an Audi für die Einladung und den interessanten Tag in München!