Fahrbericht: Audi A3 2.0 TDI Stronic Ambition

audi a3 2013 ambition weiß fahraufnahme

Seit gut 2 Jahren fahre ich privat einen Audi A3 8P 1.6 TDI Ambition. Ein Auto, das im Gesamtpaket absolut meinen Vorstellungen entspricht. Mitte 2012 war mein A3 dann nicht mehr der Neuste: Das Modell 8V wurde vorgestellt und kommt nicht nur mit deutlich aufgebesserter Optik, sondern auch mit Assistenzsystemen aus der Oberklasse daher. Vor einigen Wochen hatte ich ein paar Tage Zeit, das Modell ausgiebig Probe zu fahren.

audi a3 8v instagramMein eigener A3 ist ein 2-türer. Wie auch der Testwagen also kein Sportback-Modell. Für A3-Kenner vielleicht die optisch auffälligste Neuerung des MJ 2013 ist das Design des Hecks und der Heckscheinwerfer: Diese sind nun beim 2- und 4-türer identisch, das rundliche Design, das beim A3 relativ lang beibehalten wurde, ist endlich vorbei. Neben neuen Linienführungen an den Seitenflächen, hier wird viel mit Kanten, Licht und Schatten gespielt, ist natürlich die Front relativ stark überarbeitet worden. Der Singleframe Grill wurde an die anderen Audi-Modelle angeglichen, ist nun noch kantiger und wurde oben abgewinkelt. Insbesondere in Verbindung mit den Bi-Xenonscheinwerfern ist natürlich das LED Tagfahrlicht ein Highlight. Dieses besteht nun nicht mehr aus einzelnen kantig angeordneten LEDs, sonder aus einem Leuchtband, das so etwas wie die sportlich dynamische „Augenbraue“ des Scheinwerfers darstellt. Wie beim neuen Seat Leon sind auch Voll-LED-Scheinwerfer verfügbar. Die Türen öffnen und schließen seit dem Modell 8V übrigens stufenlos, die Ladekante des Kofferraums ist nun deutlich niedriger als beim 8P. Einziger Kritikpunkt an der „Konstruktion“ des neuen A3 ist die Geräuschkulisse im Innenraum: Der Diesel ist, gerade nach einem Kaltstart, recht laut zu hören. Die Vordertüren wirken zwar leichter als beim Vorgängermodell, allerdings auch etwas dünner und sparsamer.

audi a3 8v heckleuchten led

Beim Interieur Design, der Verarbeitung und der Materialqualität macht Audi keiner was vor. Genau wie beim ebenfalls  getesteten Audi A1 ist hier alles nahezu perfekt, es gibt für mich nichts zu bemängeln. Egal ob man mit dem Automatikhebel die Fahrstufe wechselt, den Blinker betätigt oder in den Menüs des MMI navigiert, alles fühlt sich sehr geschmeidig und hochwertig an. Optisches Highlight in meinem Testwagen war ganz klar die Mischung aus den Farben Schwarz und Capriorange, in dem nicht nur die Seitenteile der Sitze sondern auch etliche Nähte gehalten waren.

audi a3 sitze leder capriorange

Das Interieur des A3 hat beim Modellwechsel einen sehr großen Schritt gemacht. So tummeln sich um das MMI bei meinem Modell noch viele einzelne Knöpfe direkt neben dem Bildschirm. Der 8P dagegen hat ganz wie in der Oberklasse eine Steuerung direkt vor der Mittelarmlehne für das Infotaimentsystem bekommen.  Die Anordnung der Bedieneinheiten ist bestens, so kann z.B. die Lautstärke sowohl am Multifunktionslenkrad als auch in der Mittelkonsole, wohin man teils noch komfortabler als ans Lenkrad fassen kann, geregelt werden. Der ausfahrbare Bildschirm des  MMI – bei mir war das MMI Touch verbaut – liegt ziemlich genau auf Blickhöhe des Fahrers, besser hätte man ihn wohl nicht platzieren können. Als audiophile Extras brachte mein Testwagen sowohl digitalen Radioempfang (DAB) als auch ein Bang & Olufsen Soundsystem mit, das mich im Vergleich zu den Audi-eigenen System aber nicht wirklich umgehauen hat. Ebenfalls aus den „großen“ Audis bekannt: Die Tachoeinheit, die nun Tankinhalt und Kühlmitteltemperatur „digital“ mit weißen LED-Punkten darstellt. Ist der Tank bis zum Reserve-Bereich leergefahren, wird die letzte LED Rot. Details, die mir extrem gut gefallen.

audi a3 cockpit

Weiter gehts mit dem Motor: Der 2.0 Liter Turbodiesel war ja schon immer sowas wie der Klassiker in den Kompakt- und Mittelklasse Audis. Seit dem Jahr 2012 hat er statt 140 PS 150 und soll noch etwas weniger verbrauchen. Nicht unbedingt optimal für die maximale Verbrauchseffizienz, sorgte in meinem Testwagen das 6-Gang Direktschaltgetriebe Stronic für die Kraftübertragung. Wenn man, wie ich, privat mit nur 105 PS unterwegs ist, sind die knapp 50 PS mehr natürlich deutlich spürbar. Mehr Beschleunigung braucht im Alltag kein Mensch, geschalten mit dem 6-stufigen Doppelkupplungsgetriebe muss man außerdem nur einen sehr kurzen Moment auf den Gangwechsel warten. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er übrigens in 8,7 Sekunden. Die elektromechanische Lenkung ist wie schon beim 8P nach meinem Geschmack geschwindigkeitsabhängig abgestimmt, ist jetzt aber bei Stadt-Geschwindigkeiten noch deutlich leichtgängiger. Genau wie die Lenkung ist auch das Fahrwerk gefühlt minimal weicher als beim Vorgänger, die Standardbereifung des Ambition-Modells ist 225/45 R17. Dass der A3 auf jeder Straße Spaß macht habe ich schon in früheren Artikeln wie diesem erklärt.

Mein berechneter Verbrauch lag etwa bei 5.5 Litern / 100 km/h, zwar ist ein Liter mehr die Werksabgaben, dafür, dass ich aber häufig schnell unterwegs war ist das aber schon extrem und nur schwer zu toppen. Ähnliche Werte war ich ja auch vom 1.6 TDI gewohnt.

audi a3 ambition weiß 2014 seite

Noch etwas Entscheidendes hat man aus der Oberklasse in den neuen A3 gepackt: Assistenzsysteme vom Feinsten. Das wäre ein adaptiver Tempomat (ACC), ein aktiver Spurhalteassistent (Active Lane Assist) sowie ein Toter-Winkel-Assistent, der Side Assist. Diese drei Systeme gibts im „Assistenzpaket“ für etwa 1.500 EUR zu bestellen.

Probiert man die Systeme einige Kilometer, alle bevorzugt auf Autobahnen und Schnellstraßen, aus, wird bald deutlich, dass sie jeweils aus der neusten Generation entstammen und gemeinsam das Fahren von Langstrecken deutlich erleichtern. Die ACC hält eine festgelegte Geschwindigkeit konstant und bremst den A3, wenn nötig, ab, sodass er einem Hindernis (Fahrzeug) folgen kann. Eine ausführliche Video-Erklärung anhand des Audi Q5 findet man hier.

audi a3 tacho acc FIS

Im Gegensatz zu vielen aktuellen Systemen kann sie allerdings bis zum Stillstand bremsen und danach wieder anfahren, was aus ihr einen wunderbaren Stau-Assistenten macht. Gerade bei zäh fließendem Verkehr kann ein manuelles Anfahren, Bremsen und Auskuppeln extrem nervig sein. Das alles entfällt dank der ACC. Voraussetzung für das Bremsen bis 0 km/h ist natürlich ein Automatikgetriebe, das System an sich ist aber auch mit manueller Schaltung lieferbar. Ist der A3 zum kompletten Stillstand gekommen und muss länger als ein paar Sekunden anhalten, fährt er erst wieder an, wenn der Fahrer ihm die Erlaubnis gibt – dafür zieht man einmal kurz den Tempomaten-Hebel zu sich. In der Stillstand-Zeit könnte schließlich eine Person o.Ä. vors Fahrzeug gelaufen sein. Im Stau muss der Fahrer also nur noch lenken – extrem komfortabel. Das adaptive Geschwindigkeitsregelsystem funktioniert bis 200 km/h – gebremst wird sehr sanft und der Abstand zum Vordermann kann in 5 Stufen eingestellt werden. Fährt man hinter einem anderen Fahrzeug her und schert zum Überholen aus, ist häufig das Problem, dass solche Systeme nur langsam beschleunigen. Das tut effizienter Weise auch der A3, bietet allerdings die Möglichkeit, durch ein ziehen am Regler-Hebel mehr Gas zu geben, ohne dass die ACC deaktiviert wird.

audi a3 mmi setup assistenz

Menü für die Assistenzsysteme im MMI

Spaß macht auch der Active Lane Assist. Dieser aktive Spurassistent lässt ab Geschwindigkeiten von etwa 60 km/h beim Überfahren von Spurmarkierungen nicht nur das Lenkrad vibrieren, sondern kann auch aktive Lenkunterstützung bieten. Im MMI kann der Lenkeingriff früh oder spät festgelegt werden. Wichtig zu wissen ist, dass der Active Lane Assist nur in sanften Autobahnkurven komplett autonom lenken kann. Nimmt man auf nahezu gerade Strecke die Hände vom Lenkrad, merkt das System das nach etwa 10 Sekunden und fordert den Fahrer auf, wieder aktiv zu werden. Vielmehr ist der Sinn des Systems, den Fahrer permanent mit leichter Lenkkraftunterstützung zu mehr Fahrkomfort zu verhelfen. In schnell gefahrenen Autobahnkurven spürt man deutlich, wie sich das Lenkrad bereits richtig ausrichtet  – lässt man es los und ist die Kurve zu steil, kann es diesen Lenkeinschlag teilweise aber nicht halten. Beim Spurassistenten des A3 hat mich besonders beeindruckt, dass wirklich nahezu alle Spuren erkannt wurden, auch einspurige Autobahnbaustellen, die nur mit Beton-Leitplanken ohne Markierungen bestückt waren.

Ein weiteres Gadget, speziell für die Autobahn, ist der Side Assist. Auch zu diesem gibt es schon ein Video. Helle, gelbe LEDs in beiden Außenspiegeln warnen durch Aufblinken, wenn man die Spur wechseln möchte (den Blinker setzt) obwohl sich ein Fahrzeug im toten Winkel befindet. Radarsensoren für den Nahbereich im Heck des Fahrzeugs machen es möglich. Hat man sich den Schulterblick angewöhnt, muss der Side Assist aber nur selten eingreifen.

Sensorik für Spur- und Verkehrszeichenerkennung

Sensoren/Kamera u. a. für Spur- und Verkehrszeichenerkennung

Nett ist auch die Verkehrszeichenerkennung: Wenn man sich, gerade auf langen Autobahnetappen, fragt, ob denn hier eigentlich ein Tempolimit herrscht bzw. ob es schon aufgehoben wurde, genügt ein Blick in die obere Ecke des Bordcomputers. Hier werden (auch durch z.B. eine bestimmte Uhrzeit bedingte, oder „Bei Nässe“) Tempolimits dargestellt. Auch Überholgebote werden erkannt. Das funktioniert überraschend zuverlässig über dieselbe Kamera in der Frontscheibe, die auch die Straße für den Lane Assist im Auge behält.

Audi pre sense basic ist ein besonders intelligenter, nicht aktiv beeinflussbarer Assistent: Er greift in kritischen Situationen wie z.B. einem drohendem Aufprall ein, in dem er vorab Bremsdruck aufbaut oder autonom eine Vollbremsung einleitet. Falls der A3 ins Schleudern kommt, sorgt es dafür, dass die vorderen Gurte elektrisch gestrafft werden; zugleich beginnen Fenster und Schiebedach zu schließen.

audi a3 led heckleuchten

Der A3 hat im neuen Modelljahr nochmal ordentlich zugelegt: Er bietet noch effizientere Dieselmotoren mit beeindruckenden Verbrauchswerten und wurde optisch mehr an die Audi-Oberklasse angenglichen. Obwohl das Assistenz-Paket mit für die Kompaktklasse sehr fortschrittlichen Systemen nur etwa 1.500 EUR kostet, kann man mit Sonderausstattungen wie dem Stronic-Getriebe oder dem MMI den Grundpreis schnell verdoppeln.

Der Audi A3 auf anderen Blogs

Der neue Audi A3 8V hat sich im vergangenen Jahr dem Blogger-Check aus allen möglichen Perspektiven unterzogen. Anfang 2013 fand der Audi Efficiency Roadtrip statt, bei dem 3 Teams in 3 identischen A3s um den geringsten Verbrauch fuhren. Außerdem wurde der Audi A3 Sportback (4-türer) vorgestellt, Mitte 2013 dann die A3 Limousine. Die aktuell sportliche Variante ist der Audi S3.

Fotogalerie

Technische Daten / Ausstattungsdetails

Audi A3 (Interne Bez.: 8V) 2.0 TDI Stronic Ambition, 150 PS (110 kW)

Leistung/Drehmoment: 150 PS (110 kW) / 320 Nm
Getriebe: 6-Gang Direktschaltgetriebe
0-100 km/h: 8,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h
Leergewicht: ca. 1400 Kg
Verbrauch berechnet: 5,5 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Gefahrene Kilometer: 1.500

Grundpreis: ca. 25.300 EUR
Testwagenpreis: 44.500 EUR
Sonderausstattung (Auszug): Bi-Xenonscheinwerfer, MMI Plus mit MMI Touch, Audi Connect, DAB, Bang & Olufsen Sound System (800 EUR), Audi Design Collection Capriorange (2000 EUR), Assistenzpaket, Farbe: Gletscherweiß Metallic

 

 

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Probefahrt: Mit dem Seat Leon FR durch die Alpen › Motoreport

  2. Pingback: Audi MMI touch getestet: Technischer Hochgenuss in der Kompaktklasse > Technik > Autophorie.de

  3. Pingback: Hightech Sportlimousine: Infiniti Q50 angefahren › Motoreport

  4. Pingback: Mazda CX-5 2.2 Skyactive-D im Fahrbericht › Motoreport

  5. Pingback: Meine Top 3 Testwagen in 2013! › Motoreport

  6. Pingback: Motoreport Jahresrückblick: Mein automotives 2013 › Motoreport

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.