2,5 Tonnen Cabrioerfahrung: Bentley Continental GTC

bentley continental gtc w12

Wenn dein Hintermann in einer engen Kurve in der Stadt, während der Fahrt ein Foto vom dicken Heck deines Autos zu machen versucht, heißt das in der Regel: Man ist mit etwas exotischem unterwegs. So sieht der Bentley Continental GT Convertible von außen aus, ist aber eng mit dem VW Phaeton verwandt. Im Luxus-Briten-Cabriolet für rund 220.000 Euro bekommt man aber weit mehr als die umwerfende Leistung von 590 PS geboten:

bentley continental gtc w12

Supercar-Erkennungsmerkmale
Als Lieferant des Britischen Königshauses darf Bentley in der Formensprache Dinge, die sonst eigentlich keiner mehr macht. Da wären die ganzen runden Formen, allen voran die Frontscheinwerfer, die bei jeglicher Konkurrenz heutzutage natürlch scharf, dynamisch und kantig sein müssen. Auch die Form der 21 Zoll Alus wirkt traditionell, vermittelt aber mit ihrer gewaltigen Dimension schon eine Vorahnung auf eine gewisse PS-Zahl. Neben den gefühlt 600 Kilogramm Chrom (den Frontgrill inbegriffen) sind die Heckleuchten eines der markantesten Designmerkmale des GT – mit ihrer genau so ovalen Form wie die Auspuffendrohre.

Bentley Continental GTC in Extreme Silver

Bentley Continental GT Convertible in Extreme Silver

Interieur: Mischung aus feinsten Materialen und bekannten Elementen
Das erste Einsteigen erinnert an eine Mitfahrt in einer gepanzerten Limousine bei einem Staatsbesuch: So schwer und massiv sind die Türen des Briten. Von der Karosserie bis zum Innenraum: Alles fühlt sich maximal füllig und wertig an. Zwar hat man in den ersten Stunden auch als erfahrener Fahrer Angst, beim Einparken irgendwas zu beschädigen, allerdings ist der GT tatsächlich relativ übersichtlich und lässt sich dank Park Distance Control und Rückfahrkamera sowieso nur schwer anmacken. Ein Grund für den stolzen Preis des Briten ist übrigens der Innenraum. Hier hat man zu großen Teilen nicht einfach á la MQB die Ergo Comforts aus dem Passat verbaut, sondern setzt auf handgestickte Nähte an den Sitzen aus hochwertigem Leder. Nicht umsonst prangt auf den Einstiegsleisten auch: Handcrafted by Bentley Motors Ltd., Crewe, England. Auch die „Ledereinfassung“ der Mittelkonsole schreit bei jedem Griff an die Bedieneinheiten danach, sie anzufassen. Störend fürs Auge ist einzig das offene Schaltschema der Automatik (hier wäre ein Shift-by-Wire System angemessener) und die Tasten für die Sitzheizung und -Lüftung, die an die Mittelkonsole des Ford Mustang GT erinnern.

Das Infotainmentsystem ist ein Element, das man beispielsweise komplett aus dem Volkswagen-Fundus übernommen hat. Das selbe gilt für die Bedieneinheit der Klimaautomatik oder das nicht mehr ganz aktuelle Fahrprogramm der adaptiven Geschwindigkeitsregelung. Trotz einiger gleicher Teile stimmt aber die Liebe fürs Detail: So sind die virtuellen Schieberegler auf dem Touchscreen allesamt genauso metallisch dargestellt, wie etwa auf dem Zierelement des Automatikwahlhebels.

Das leiseste Stoffverdeck der Welt?
Eindruck macht auch das Stoffdach des GTC: Steht man offen im mehrspurige Stadtverkehr Münchens, am besten noch zwischen zwei Lkws, kann man den Lärm innerhalb von Sekunden mit einer Verdeckfahrt ausblenden. Man hört im Innenraum dann nur noch überraschend wenig. Das gilt auch für Autobahnfahrten. Erst jenseits der 200 nimmt man deutlich (Wind-)Geräusche wahr. In allen anderen Situationen ist es mindestens so leise wie z.B. einem A7. Dafür verantwortlich sind einerseits superdicke Doppel-Scheiben vorne, wie wir sie etwa auch aus dem Touareg oder eben Phaeton kennen. Andererseits handelt es sich einfach um ein absolut hochwertiges, dickes Verdeck, das mit der Karosserie und, dank gros dimensionierten Gummis, sehr sauber mit den Fenstern abschließt.

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12 Zylinder, 2,5 Tonnen und gefühlt unbegrenzter Vortrieb
2,5 Tonnen wollen erstmal in Bewegung gebracht werden. Dafür steckt im GTC als Spitzenmotorisierung ein 6-Liter Zwölfzylinder in W-Anordnung mit BiTurboaufladung. Er leistet brachiale 590 PS und bringt 720 Nm auf. Sie lassen sich nur mit seinem permanenten Allradantrieb auf den Asphalt bändigen. Traktionsprobleme kennt der GTC nicht, auch keine Millisekunde beim Anfahren auf nassem Asphalt. Am besten dabei: Wie der 2,5 Tonner auch bei Geschwindigkeiten über 200 km/h noch so zieht, wie es andere nur bis höchstens Tempo 100 können. Die 8-Gang Automatik stammt, wie die Servolenkung, von ZF und ist ein alter Bekannter aus zahlreichen, schwer Motorisierten Kollegen des Continental: Sie schaltet gewohnt unbemerkt und zackig, obwohl es sich bei ihr um eine klassische Wandlerautomatik handelt. Die 590 PS hat man mit ihr wunderbar in Einklang gebracht. 

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Insgesamt fällt beim Cruisen mit dem Continental GT Convertible das Gewicht kaum auf – zumindest beim Beschleunigen. In Kurven spürt man zwar, dass hier mehr Masse in Bewegung gerät als bei einem kleinen Roadster, allerdings neigt der GTC dazu, sich eben nicht zu stark in Kurven zu legen. Die Luftfederung hat, insbesondere im sportlichen Setup, das zweitürige Schlachtschiff gut im Griff. Für den Rest und eine perfekte Haftung sorgen die 275/35er 21-Zöller Pirelli Pzeros. Der Kontakt zum Boden wird je nach Einstellung der Luftfederung etwas mehr spürbar, grundsätzlich ist das Fahrwerk aber eher eines zum Cruisen und weniger zum feedbackstarken Sportfahren. Der Verbrauch ist beim W12 nicht relevant, würde man meinen, er ist aber gar nicht so schlimm: Wir haben bei moderaten bis sportlichen Fahrten und einigen superschnellen Autobahnetappen im Mittel um die 17-18 Liter verbraucht – und liegen dabei gar nicht allzu weit über den angegebenen 14,3. Wir der Bentley nicht auf voller Leistung gefahren, schaltet sich die Hälfte der 12 Zylinder ab. Das spart immerhin 5% Super Plus im Vergleich zum Vorgänger.

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Cabrioerlebnis mit sattem Sound
Beim Herablassen des Verdecks fällt dann ein zweites Mal auf, wie massiv die Türen des Continental GTC eigentlich sind. Der ganz Cabrio-like darauf abgelegte Arm geht darauf nämlich fast unter. Bei offener Fahrt wechselt die Klimaautomatik in ein wärmeres Programm. Auf Wunsch kann man sich auch den Nacken beheizen lassen – dafür gibt es Düsen zwischen Kopfstütze und Armlehne der Sitze. Als männlicher Passagier, also häufig ohne langes Haar, kann man sich auf maximaler Heizleistung schnell mal den Nacken verbrennen – die Nackenheizung liefert jede Menge heiße Luft, um auch um die 8 Grad zum Cabriowetter zu machen. Der Sound des W12 kommt erst bei einer Cabriofahrt auch beim Fahrer richtig an und klingt extrem kräftig aber auch zurückhaltend. Einfach dick, ohne protzig oder giftig zu wirken. Tief und nobel, ein bisschen so wie wir es auch im Luxussegment auf dem Wasser schon bei Riva in Sarnico kennengelernt haben.

bentley continental gtc w12

Wem 590 PS nicht ausreichen, dem sei der Continental GT Speed ans Herz gelegt: Er bringt es nämlich auf 635 PS. Einen fünfstelligen Betrag kann man andererseits gegenüber dem W12 sparen, wenn man sich nur mit 8 aufgeladenen Zylindern und ihren 507 PS begnügt. Unabhängig von der PS-Zahl gibt es aber wohl keine souveränere und luxuriösere  Cabriofahrt als im Bentley Continental GTC.

 

Bentley Continental GT Convertible W12

Leistung/Drehmoment: 434 kW / 590 PS / 720 Nm
Motor: 6-Liter W12 TwinTurbo (6 Zyl. abschaltbar bei geringer Last)
Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Permanenter Allradantrieb
0-100 km/h: 4,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h
Leergewicht:  2.495 kg
Verbrauch angegeben: 14,3 Liter / 100 Km (Kombiniert)
Farbe: Extreme Silver
Kofferraumvolumen: 260 L
Testwagenpreis inkl. aller Sonderausstattungen: 220.870 EUR

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