Gebrauchter Golf V vom VW Partner: Mängelliste unseres „WeltAutos“

Wer einmal einen Unfallwagen von privat gekauft hat und das erst nach einem halben Jahr erfährt, kauft lieber beim professionellen Händler. Audis „Gebrauchtwagen Plus“ und das VW Pendant „WeltAuto“ prangen als Kennzeichen-Platzhalter an allen Fahrzeugen auf dem Hof des bekannten, großen Händlers Auto Scholz in Bamberg. So war ich mir eigentlich sicher, dass, wenn man ein gebrauchtes Auto kauft, beim VW Händler mit hoher Wahrscheinlichkeit alles in Ordnung ist. Dafür zahlt man auch gerne ein paar Euro mehr. Beim „WeltAuto“-Programm heißt es:

Bevor ein WeltAuto zum Verkauf angeboten wird, unterzieht es der WeltAuto Partner einem gründlichen Qualitätscheck. Zustand sowie alle Funktionen des Wagens werden eingehend geprüft. Der WeltAuto Partner ersetzt fehlerhafte Teile umgehend durch neue, die dem Qualitätsstandard von Volkswagen entsprechen. Anschließend wird die Prüfung von einem autorisierten Serviceberater bestätigt und auf dem Qualitätszertifikat attestiert, das jedem WeltAuto beiliegt. (volkswagen.de)

Das Fahrzeug, um das es geht ist ein

VW Golf United 1.4, EZ 07/2008, 60.000 KM, 2-Türer, manuelle Schaltung, unfallfrei. Und laut Beschilderung ein „WeltAuto“.

„Dank“ einer Reifenpanne mussten bei dem Golf vor ein paar Tagen frühzeitig die Winterreifen aufgezogen werden. In unserer kleinen vertrauenswürdigen Dorf-Werkstatt wurden wir dann auf mehrere Mängel aufmerksam gemacht. Auch sonst sind einige „Fehler“ schon bald nach der Fahrzeugübergabe aufgefallen. Da die vielen Kleinigkeiten in ihrer Gesamtheit doch nicht mehr lustig waren gibt es hier die Mängelliste:

Das Verkaufsgespräch (Auszugsweise)

  • Der Verkäufer versichert und „zeigt im Computer“, dass außer dem Service am Fahrzeug keinerlei Reparaturen vorgenommen wurden und dass es unfallfrei ist (unten mehr dazu…)
  • Der Verkäufer versichert, dass, wenn man finanzieren würde, die in den Finanzierungskosten beinhaltete CarGarantie die beste der Welt wäre. Bis 100.00 Kilometer müsste man im Garantiefall gar nichts aufzahlen. Auf mehrfache Nachfrage meinerseits (ich gab mich außerdem als Auto-kundig aus) bestätigte er das immer wieder. Im 20-seitigen Finanzierungsvertrag, der auch die Bedingungen der CarGarantie beinhaltete, mussten wir zu hause feststellen, dass nur bis 60.000 Kilometer keine Aufzahlung fällig ist. Danach je nach Kilometerstand.
  • Die Provision ist dem Verkäufer schon fast sicher. Scheinbar hat er heute schon viele Autos verkauft, denn auf weitere Fragen wird nicht groß eingangen. Mehr Rabatt gibt es nicht, er sagt er würde auf jeden Fall schon draufzahlen.
  • „Einen Satz Winterreifen“ gibt es als Geschenk dazu
  • Geht gar nicht: Was lernt jeder Verkäufer bei VW? Den Kreditvertrag und die EU-Kreditinfo lässt man den Kunden nochmal in Ruhe durchlesen! Mit nach Hause nehmen? Nein. Einfach unterschreiben, is doch gleich Feierabend!
  • Wir nehmen die Verträge trotzdem mit.

Nach der Fahrzeugübergabe aufgefallen

  • Abdeckung der Schrauben der Alufelge vorne Links fehlt (wie kann man das bei einer Fahrzeugauslieferung übersehen? Bei der Probefahrt war alles noch da)
  • Zweitschlüssel momentan nicht verfügbar / wurde vergessen auszuhändigen
  • Plastikabdeckung der Abschleppvorrichtung hinten fehlt
  • Das VW Emblem am Kofferraum, das defekt war und getauscht werden sollte ist noch nun noch stärker beschädigt
  • Der Satz geschenkte Winterreifen ist stark gebraucht und hat augenscheinlich kaum mehr Profil

Unserer „Stamm-Werkstatt“ aufgefallen

  • Seitenteil hinten rechts neu lackiert
  • Lack am Türinneren rechts mit Schmirgelpapier behandelt
  • Diese Lackarbeiten sehr unprofessionell durchgeführt
  • Kotflügel der selben Seite (sehr wahrsch.) ersetzt
  • Heckscheinwerfer rechts defekt (Undicht/Kondenswasser – Stoß?)
  • Die Gratis-Winterreifen, die nun montiert werden sollten, sind stark einseitig abgefahren und haben teilweise 0 mm Profiltiefe, können also zur Entsorgung gegeben werden
  • mehrere kleine Lackreparaturen auf der Beifahrerseite, die auf einen Stoß o.Ä. über die ganze Seite hindeuten
  • [Update] Das Flexrohr  (Was ist das?) ist gerissen, was auch die von Anfang an bestehenden für einen 1.4 Benziner zu lauten Motorgeräusche erklärt.

Die Mängel im Detail

Seite hinten Rechts. So ist man schneller fertig: Lackieren und den „United“ Aufkleber einfach abkleben, statt einen neuen zu bestellen.

Kante Dach/Seite hinten rechts: Hier wurde wohl auf ca 50 cm nicht richtig abgeklebt. Den Lack kann man mit dem Fingernagel wegschieben

Kotfügel vorne rechts: Keinerlei Gebrauchsspuren / Swirls. (Zum Vergrößern Klicken)

Der Linke war schon öfters in der Waschanlage…

Geschenkter Reifen, jetzt vorne links montiert: Rechts hat er nahezu gar kein Profil mehr.

Nach Auftauchen der Mängel wurde nochmal beim Verkäufer nachgehakt. Dieser sagte erneut einen Satz Winterreifen (Reifen, keine Räder) zu, Abdeckungen wurden wie der Ersatzschlüssel nachgeliefert. Bzw. musste abgeholt werden. Auf die vielen schlechten Lackierungen aufmerksam gemacht konnte der Verkäufer, im Gegensatz zum Beginn unserer Verhandlungen, nun „im Computer“ feststellen, dass die Vorbesitzerin diese Mängel vor Abgabe des Fahrzeugs im selben Autohaus hatte reparieren lassen… Angeblich seien es aber nur „kleine Kratzer“ gewesen. Natürlich schwer zu glauben, da alle Lackreparaturen nur auf der Beifahrerseite waren. Auf weitere Reklamationen gibt es bisher keine Antwort. Übel war natürlich zu hören, dass die VW Werkstatt selbst diese merkwürdigen Lackarbeiten durchgeführt hat.

Das oben stehende Zitat der WeltAuto Website trifft bei unserem Kauf also gänzlich nicht zu. Zwar gibt es bisher keinerlei technische Mängel, ein WeltAuto soll ja aber laut VW einem eingehenden Qualitätscheck unterzogen werden. Man soll dann einen ordentlichen Gebrauchten haben. In der Volkswagen Checkliste wird ausdrücklich auch der Lack als Prüfpunkt erwähnt. Ersatzteile in VW-Qualität wurden auch nicht verwendet (Heckemblem). Selbst vom Qualitätszertifikat fehlt jede Spur.
Zumindest ist das Fahrzeug technisch bislang absolut in Ordnung. Abgesehen von den momentan noch montierten Restreifen, für die es sicher Punkte in Flensburg geben würde. Insgesamt würde man für die Abwicklung wohl sagen: „Ziemlich unprofessionell.“ Das hätte man beim Händler mit Büro im Container ungefähr genauso bekommen.
Da ich bei den Gebrauchtwagen Plus von Audi bei einem wesentlich kleineren Autohaus in Nabburg 2011 sehr gute Erfahrungen gemacht habe (Audi A3 mit 26.000 km, wirklich refurbished wie neu) war ich sicher ein ordentlich aufbereitetes Fahrzeug von der Firma Auto Scholz AHG in Bamberg zu bekommen, der Kette gehören schließlich 23 Autohäuser an. Bei 60.000 Kilometern und dem Baujahr 2008 hätte eine gute Aufbereitung ja eigentlich kein Problem darstellen dürfen. Scheinbar gilt bei den Gebrauchtwagen von VW, also dem „WeltAuto“: Es kommt ganz auf den VW Partner und dessen Willen an, die WeltAuto Kriterien auch umzusetzen. Angebracht sind die WeltAuto-Werbekennzeichen jedenfalls schnell.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    den Verkaufstrick „Das WELTAuto“ habe ich auch schon erlebt bei unserem großen Autohaus Luft in Eschborn. Dort hatte ich mir einen Golf Plus, Bj 2007 mit 140 PS gekauft. Auch hier wurde versichert, daß alles einwandfrei sei und der Kunde König.

    Volkswagen habe ich diese Email geschrieben – allerdings hält man es nicht mal für nötig die Service Abteilung mir antworten zu lassen !

    *** Nach einigen Tagen vernahm ich ein Rasseln, welches auftritt wenn der Wagen im Leerlauf steht.
    Sobald die Kupplung getreten wird verschwindet das Geräusch.
    Daraufhin hatte ich mehrere Werkstatt Termine zur Überprüfung des Wagens.
    Dabei erzählte man mir es gebe einige Kunden die ihr Fahrzeug aufgrund von Geräuschen zurückgäben und
    das Autohaus wolle sich das mal ansehen, der Kunde sei in diesem Autohaus der König.

    Nach dem ersten Werkstatt Termin sagte man mir, man hätte gar nichts gehört !
    Beim nächsten Termin wurde gesagt, es sei das Ausrücklager der Kupplung und müsse gewechselt werden.
    Man rief mich an und versicherte mir, die Geräusche seien weg und ich könnte den Wagen abholen. Kaum war ich 500 Meter (!!) gefahren
    und wartete vor einem Bahnübergang konnte ich das Geräusch deutlich hören – es war also nichts repariert worden!
    Das ist einfach ohne Worte!
    Dann wurde ich vertröstet und es kam die Urlaubszeit. Schließlich bekam ich einen weiteren Werkstatt Termin in dem
    es plötzlich ganz schnell hieß, die Geräusche seien völlig normal und man bräuchte sich das auch nicht weiter anzusehen!

    Ich hatte nun also ein Fahrzeug erworben, bei dem ich kurz nach dem Kauf ein Rasseln feststellte, mit dem ich mehrere Werkstatt
    Termine wahrnehmen mußte und letztendlich auf die Garantie verwiesen wurde, daß falls ich liegen bleiben würde (!), der größte
    Teil der Reparatur auf Garantie erfolgen würde!
    Als nächster Vorschlag wurde ein Umtausch gegen ein anderes Fahrzeug ins Spiel gebracht. Anderenfalls bestünde die Möglichkeit,
    daß ich den Wagen zurückgeben könnte.
    Das Problem war nur, daß kein anderer Golf Plus zum Umtausch zur Verfügung stand – ein Umtausch wäre ja generell etwas schwierig.
    Da aber kein konkretes Umtauschangebot gemacht wurde, forderte ich eine Liste der aktuellen Fahrzeuge an, die zum Verkauf standen.
    Auch hier war kein passender Golf Plus dabei.
    Da wiederum Zeit ins Land ging, schlug ich vor daß spätestens im Ende September nach einer Lösung gesucht werden muß,
    weil das Rasseln durch Nichtstun ja auch nicht besser wird.

    Es wurde nun noch ein Termin gemacht, bei dem der Zustand des Fahrzeugs und der Betrag für eine Rückgabe des Fahrzeugs ermittelt werden
    sollte. Am Dienstag, den 9.10.2012 teilte man mir mit, daß man den Wagen für schlappe 7500 Euro zurücknehmen würde !
    Dabei hatte ich den Wagen, so wie er da stand, genau so von dem Autohaus erworben – für 11000 Euro !
    Das schlägt dem Fass den Boden aus !!
    Im Bekannten- und Kollegenkreis habe ich zwischenzeitlich wahrlich nichts Gutes über das Autohaus gehört, die Anschuldigungen die
    teilweise bis zum Betrugsvorwurf gehen, will ich im Einzelnen hier nicht erwähnen, doch der Tenor ist schon
    etwas verwunderlich.

    Ich war ja für alles bereit:
    Wenn eine Nutzungspauschale erhoben worden wäre (Wertverlust nach DAT ca 274,- Euro) hätte ich das akzeptiert, ich wäre auch einen gewissen
    Kompromiß eingegangen und hätte das Fahrzeug gegen ein anderes gewechselt!
    Ich sagte dem Servicemitarbeiter, daß ich auch einen Wagen 10 Meter weiter auf dem Verkaufshof genommen hätte, wenn der nicht so gerasselt hätte.
    Aber mir ein „Angebot“ von 7500 Euro zu machen für einen Wagen, den ich vom Autohaus für 11000 bezogen habe, das ist schon ein schlechter Scherz!
    So etwas ist absolut unseriös!
    Ich will ja kein x-beliebiges Fahrzeug verkaufen, sondern das zurückgeben, das mir verkauft wurde !

    Ich bitte Sie zu veranlassen, daß in dieser Sache auf eine Lösung hin gearbeitet wird die mich auch zufrieden stellt.
    Sei es die Rückgabe des Fahrzeugs, eine Minderung vom Kaufpreis oder ein Austausch der rasselnden Teile oder eine andere kulante Lösung.
    Es ist einfach ein Unding, wie hier mit einem Kunden umgesprungen wird. Auch für den weltgrößten Autokonzern ist der Kunde das Wichtigste,
    denn ohne Kunden verdient auch Volkswagen kein Geld!
    Ich komme mir zutiefst getäuscht vor, da man mir die ganze Zeit anbot, das Fahrzeug zurück zunehmen und ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte.
    Mir scheint, das Autohaus Luft hat mich bewußt getäuscht und hingehalten.
    Das mir dann nur 7500 Euro angeboten werden ist unakzeptabel und falls sich keine Lösung findet bin ich durchaus gewillt das Ganze der Rechtschutzversicherung
    zu übergeben.

    Mit freundlichen Grüßen***

    Tja, es soll ja Probleme mit den Steuerketten gegeben haben, aber das VW es nicht schafft ein ordentliches Getriebe für so ein „WELTAuto“ herzustellen ist einfach lächerlich.

  2. Hallo Andre,

    kaum zu glauben, aber auch so etwas ähnliches habe ich hier in der Umgebung schon gehört. Bin sicher, dass es einige VW-Händler gibt, die versuchen, die WeltAuto Kriterien gut umsetzten. Momentan sieht es für mich aber so aus, als wären das vielleicht 20 % aller VW Häuser. Hauptsächlich werden die WeltAuto-Schilder als tolle Werbung benutzt, wie soll man da noch die Katze im Sack kaufen, der Kunde in Sicherheit, gerade beim Autokauf doch schön zu wissen. Aber leider nur Theorie von Volkswagen, solange die Autohäuser nicht hinter dem Programm stehen, bzw. letztendlich nichts investieren und auch die Verkäufer nicht einmal wissen, was im WeltAuto-Programm steht, einfach sinnlos.

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