Bayreuth und die Busfahrer-Parküberwachung

Der "ZOH" in Bayreuth ist das Epizentrum aller schlechten Busfahrerlaune

Der „ZOH“ in Bayreuth oder auch „Kreis des Bösen“ ist das Epizentrum aller schlechten Busfahrerlaune.

Bayreuth ist nicht so wirklich eine Stadt, vielmehr eine Parallelwelt aus Kuriositäten. Andere sagen einfach „urdeutsche Hölle„. Nicht wenig trägt auch die Verkehrs-Infrstruktur zu diesem Ruf bei. Umständliche Verkehrsführungen, unabgestimmte Ampelschaltungen und nörgelnde Senioren treiben den nicht einheimischen Daily Driver schonmal an die Nervgrenze. Neu in der Erfahrungssammlung: Die Busfahrer der Stadtwerke übernehmen den Job der Parkwächter.

Regeln sind den Bayreuthern heilig. Regeln sorgen auch dafür, dass alles so ewiggestrig bleibt, wie es ist und sich nicht verändert. Nimmt das jemand nicht so ernst, wird man so richtig sauer. Manchmal geht es aber nicht anders, z.B. wenn man einmal  eine Person mit Gehhilfen in die Innenstadt fährt. Bei Regen und Geh-Einschränkung fährt man dann eben gerne zu einer zentralen Aussteigemöglichkeit, wie der sogenannten „zentralen“ Omnibushatestelle ZOH. Ich habe also an der Haltestelle gehalten, die an der einzigen 2-spurigen Straße der Bayreuths liegt und entsprechend nicht einmal annähernd das Zentrum der Stadt ist. (Vorausgesetzt, dass es sowas in Bayreuth überhaupt gibt.) Um die Mittagszeit war wie immer wenig los. Wenige Busse, niemand, den man blockieren könnte. Schnell halten und aussteigen, man behindert niemanden, weil niemand da ist. Der ZOH ist auch ein bisschen das Symbol des Stillstands der Stadt. Damit keiner dem stillstehenden Zentrum zu nahe kommt, hat man in Bayreuth die „Fußgängerzone“ extra weit gesteckt. Rein rechtlich gilt da natürlich eine Durchfahrtsbeschränkung. Vom kurzen Stopp bis zum Aussteigen meiner Begleitung dauert es knapp 7 Sekunden. Zeit genug, dass jemand auf mein Auto mit Frankfurter (die aus der Großstadt sieht man besonders ungern) Kurzum: Kennzeichen zurennt und gegen die Scheibe hämmer.

„Des kost fünfundzwangig* Euro und Sie gring a Bost fo mir.“

Was war das denn? Den schlecht gelaunten Herren wies mir der Dienst-Ausweis an der Hose als „BVB Busfahrer“ aus. Der grimmige Mann von den Öffentlichen schien also mit feinstem Busfahrer-Image auch den Job der Parkwächter mitzumachen? Oder war das nur ein merkwürdiger Spaß? Jedenfalls hat er auf einem zerfetzen Notizblock mein Kennzeichen notiert. Während er noch böse schaut, fahre ich lieber kommentarlos weiter.
(*In anderen deutschen Städten wären 15 EUR üblich.) Fahrer des Autos mit fremden Kennzeichen angegiftet, der eine Frau mit Krücken aussteigen lässt. Das ist radikal.

Das System Busfahrer-Parkwächter
Beim baldigen Bayreuth-Anektoden-Erzählen stellt sich heraus: Auch andere Autofahrer wurden schon von Bayreuther Busfahrern abgemahnt. Es sei wohl so gelaufen, dass die Hobby-Parkwächter die Autofahrer dann einzeln bei der Polizei anzeigen.

Spätestens hier stellt sich dann mal die Frage, wie tief eine Stadt sinken kann. Jetzt kann man in Bayreuth ohnehin nicht viel nichts machen außer studieren. Die Touristen und die Einwohner werden rapide weniger und auch zu den Festspielen, dem einzigen „Event“ im Jahr, macht sich nicht mal mehr die C-Prominenz auf den Weg. Vielleicht will man unter sich sein und die letzten Besucher mit kleinen Hass-Attacken verscheuchen? Auf die Frage, ob Bayreuth tatsächlich Busfahrer anweist, aktiv bitterböse Parksünder anzuzeigen, schreibt der Pressesprecher der Stadtwerke:

[…] Unsere Fahrer sind weder durch die Stadt Bayreuth noch durch eine andere Behörde angehalten Parkvergehen anzuzeigen. Da unser Linienverkehr durch geparkte Fahrzeuge in Bushaltestellen allerdings erheblich behindert wird, können sich die Fahrer jederzeit beim zuständigen Fahrdienstmeister melden und das Kennzeichen, den Fahrzeugtyp und dessen Farbe melden. Dieser gibt die Information dann an die Polizei weiter, wenn er es für notwendig erachtet. […]

Gut, das ist verständlich, denn es wäre auch zu aufwändig, die Busfahrer einzeln zur Polizei zu schicken. Deshalb sammelt der Chef die Kennzeichen und schickt sie freitags immer per Telefax zur Polizei. Mutmaßt man weiter, gibt es zu Weihnachten einen Kasten Bier für den besten Busfahrer-Sheriff. Und ein mit einem Kalender bedrucktes Geschirrtuch für seine Frau. Offen ist auch die Frage, wie es überhaupt einzustufen ist, dass Busfahrer während ihres „Diensts“ Autofahrer erschrecken dürfen / sollen / können. Potenzielle Gäste werden dank der wunderbaren Gastfreundschaft der Bayreuther auf jeden Fall schnell erkennen – spätestens nachdem Sie sich auch ihr Bußgeld beim lokalen Rewe (Foto unten) abgeholt haben – dass die Stadt am schönsten im Rückspiegel aussieht.

Es geht ums Prinzip
Es geht hier übrigens nicht um die 25 EUR Strafe. Die habe ich ohnehin nicht gezahlt, da ich die angekündigte Post bis heute nicht erhalten habe. Die Busfahrer-Erfahrung ist schon im Dezember 2014 passiert, wo man mich nach meiner Nachfrage bei der Pressestelle wohl wieder aus dem Parksünder-Pool gefischt haben muss… Vielmehr ist die extreme und stetige Streitlust gegenüber (fremden) Verkehrsteilnehmern in Bayreuth bemerkenswert, die ich so in noch keiner anderen Stadt erfahren habe.

bayreuth strafzettel reweDie Kontrolle des Parkraums steht in Bayreuth an erster Stelle.

Daily Business in Bayreuth: Ein „Wachtmeister“ (rechts im Bild) im Smalltalk mit einem wohl befreundeten Fahrschullehrer, der im eingeschränkten Parkverbot steht. Während die beiden gut 15 Minuten reden, mahnt er alle 3 Minuten andere Kurzparkende ab.

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