Angetestet: Audi A6 3.0 TDI Multitronic MJ 2012

Vor Kurzem stand uns die neuste Version des Audi A6 für ein Wochenende zur Verfügung – Zeit genug um die wichtigsten Merkmale und Stärken/Schwächen zu skizzieren. Im Bericht geht es hauptsächlich um die Eigenheiten der Automatik (in unserem Fall Audis Multitronic) und den 3 Liter Turbodiesel Motor.
Die genaue Modellbezeichnung lautet: Audi A6 3.0 TDI V6 (150kw / 204 PS) mit 8 Gang Multitronic als Limousine. Baujahr unseres A6 war Sommer 2011.

Als Sonderausstattung wären “lediglich” Parkdistance Sensoren hinten und vorne sowie deren optisch und akustische Anzeige im Cockpit, das große Farbnavi, die  4 Zonen Climatronic (2 vorne 2 hinten), Keyless Go und im Rahmen des Multimediasystems ein CD Wechsler zu erwähnen. Extras wie Lenkradheizung, Xenonscheinwerfer, Licht/Regenautomatik und elektronisch verstellbare, beheizbare Vordersitze sollten mal als “gewöhnlich” in der Fahrzeugklasse dahinstehen.

Exterieur

Von der Optik her hat sich zur Vorgängerversion einiges verändert. Nicht zu verkennen ist die neue Form des Single Frame Grills, den als erstes der Audi A1 verliehen bekam. Bei ihm hat sich an den beiden oberen Ecken die Form geändert, der Chromrahmen ist nun insgesamt dünner geworden, die Form geht oben noch weiter auseinander, bevor er nach unten schlanker zusammenläuft. Auch die (ganz) neue Form der Scheinwerfer (LED Tagfahrlicht auf den Fotos leider kaum erkennbar) sowie die neue Front-Schürze machen ordentlich was her, gehen noch einen Schritt mehr in Richtung “aggressiv”, was aber nicht das wichtige Kriterium der Businessoptik zu kurz kommen lässt.
Das Heck hat an der Form nahezu keine Änderungen erfahren, es wirkt jedoch noch etwas breiter und wuchtiger als zuvor. Sehr schick sind die LED-Bänder, die sich in den  Heckleuchten bzw. Bremslichter befinden.

Interieur

Die neue, versenkbare Multifunktionsanzeige und das MF-Lenkrad

Was als erstes im Unterschied zum Vorgänger auffallen dürfte ist die neue Anordnung der mittleren Lüfungsöffnungen und des Navis. Es handelt sich jetzt nicht mehr um eine große Konsole die rund um den Fahrer angeordnet ist, sondern es ist alles flacher geworden und das Navi ist vorallem ein- und ausfahrbar – gerade wenn es nicht benötigt wird sieht das wesentlich schicker und minimalistischer aus und sorgt auch für noch mehr Überblick durch die Frontscheibe. An dieser Stelle sei aber erwähnt, dass selbst mit noch einem weiterem mobilen Navi an der Scheibe die Übersichtlichkeit immernoch nicht leiden würde. Die Bedienelemente, die sich in der Mittelkonsole rund um die Automatikschaltung angeordnet sind haben sich nur geringfügig verändert. Neu und ansprechend ist auch die Steuerung der Klimaautomatik und das Vier-Speichen Lenkrad. Dieses hat nun noch mehr Bedienelemente als zuvor, setzt aber weiterhin auf der grundsätzlich sehr einfache Bedienkonzept mit den Drehreglern. Oberhalb der Armauflagen in den Türen kann man optional einen etwas kühle, aber schicke bläuliche LED Beleuchtung als “Ambietebeleuchtung” dazubestellen.

Ein willkommenes Extra ist die 4-Zonen Klimaautomatik, welche sich in 2 Zonen für die Frontsitze und 2 Zonen für die Rücksitze aufteilen lässt und sogar direkt von den Passagieren im Fond digital geregelt werden kann!

Die 2 zusätzlichen Zonen für den Fond können die Passagiere direkt dort regeln.

Motor und Fahreigenschaften

Der Motor sowie die Multitronic wurden zwischen Bamberg, Bayreuth und München auf fast allen verschiedenen Straßen getestet.

Lesern, die sich unter Multitronic nichts vorstellen können, sollte kurz erläutert werden, dass es sich hierbei um ein stufenloses Automatikgetriebe (Wikipedia) handelt. Dieses ist eine Automatik nach dem CVT-Prinzip mit 8 „virtuellen“ Gängen, die wahlweise im “D”, also Normalbetrieb oder im “S” Modus läuft, letzteres ist im Prinzip der Sportmodus, der die Gänge voll ausfährt und in folge dessen natürlich auch einen höheren Kraftstoffverbrauch mit sich bringt.

Die Multitronic harmoniert mit dem 3.0 TDI Motor wunderbar. Die Beschleunigung ist für das schwere Fahrzeug einfach großartig. Selbst wenn man “richtig Gas geben” will und schnell unterwegs sein möchte genügt es, das Gaspedal gerade einmal zu drei Vierteln durchzudrücken. Dabei handelt es sich beim getesteten 3.0 Liter Diesel “nur” um die Version mit 204 PS, in mehreren Abstufungen nach oben kann er bis 313 PS bestellt werden. Der Motor verhält sich in allen Situationen (des Alltags) ruhig, ist im Leerlauf sehr leise und klingt aber doch “stark”. Bei Vollgas im “S” Modus der Automatik kann er aber auch so sportlich klingen, dass der Laie auf der Rückbank meinen könnte, man fahre in einem reinen “Sportwagen”. Dank der Mutitronic kommt einem das Beschleunigen fast wie in einem Elektroauto vor – die durch die Automatik bedingten Schaltpausen sind so gut wie nicht wahrnehmbar.

Die Lenkung wirkt – sie ist natürlich Geschwindigkeitsabhängig (“Servotronic”) – auf den ersten Metern erschreckend leichtgängig. Das täuscht aber, denn dies ist nur bei Geschwindigkeiten bis ca. 10 km/h so. Auf der Landstraße ist sie einfach immer genau richtig: Nicht zu leichtgängig und nicht zu schwer, bestimmt nicht nur sportlich aber immer komfortabel und sehr direkt. Lange Autobahnkurven lassen sich so gut wie ohne “Nachlenken” befahren. Da die Lenkeigenschaften immer nicht ganz einfach zu beschreiben sind, kommt man hier um eine Probefahrt nicht herum.

Beeindruckend ist das Zusammenspiel von acht Gängen  und dem 3.0 TDI auf der Autobahn, und zwar gerade bei Geschwindigkeiten um die Richtgeschwindigkeit 130 km/h. Die Automatik schaltet in den 8. Gang und die Motordrehzahl liegt dann gerade einmal bei 2000 U/min – entsprechend gering fällt natürlich der Verbrauch aus. Bei 130-140 km/h zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch zwischen 4,8 und 5,1 Liter/100 km an. Audi gibt außerorts 4,6 Liter an, an die wir zwar nicht herankamen, aber mit den Werten des Bordcomputers waren wir mehr als zufrieden, auch in Anbetracht dessen, dass die Bordcomputer (bei Audi und VW) erfahrungsgemäß seit 1-2 Jahren nahezu auf 0,2 Liter genau sind.

Insgesamt ein wirklich tolles Fahrzeug für fast jeden Gebrauch. Natürlich findet der A6 sich nicht ohne Grund sehr häufig in Firmenflotten, spezielle Ausstattungspakete, die z.B. Bluetooth Koppelung mit dem Freisprechsystem usw. beinhalten, gibt es speziell auf Firmenkunden zugeschnitten. Das Design ist – wie von Audi gewohnt – großartig, innen wie auch außen. Das Navigationssystem ist wie die gesamte Elektronik schnell, einfach bedienbar und zuverlässig. Auch bei hohen Geschwindigkeiten bleibt der A6 extrem ruhig und hat dazu in diesen Situationen noch einen recht moderaten Verbrauch.

Pro und Contra zum A6 3.0 TDI

+ Super Motor mit ausreichend Leistung
+ Entspanntes Fahren auf Langstrecken, aber auch genug Sportlichkeit
+ Sehr niedriger Verbrauch, vorallem außerorts
+ technisch sehr innovative Assistenz- / Sicherheitssysteme verfügbar
+ typisches, sportlich schickes Audi-Design
+ Bedienbarkeit des Navigations- / Infotainmentsystems unschlagbar intuitiv
+ hohe Qualität und Zuverlässigkeit der Technik an Bord, sehr hohe Verarbeitungsqualität

– relativ hoher Anschaffungspreis
– Bei der Sonderausstattung muss fast jede Kleinigkeit extra bezahlt werden / geringe Serienausstattung

Im Vergleich dazu…

…vielleicht ein paar Worte über die Mercedes Benz E-Klasse 220 CDI Blue Efficiency mit dem Getriebe “7 G Tronic Plus” (125 kw / 170 PS, Diesel, Modell von Sommer 2011) Sie befindet sich in etwa in der gleichen Fahrzeugklasse. Die E-Klasse konnte ich einige Wochen zuvor ein paar Tage fahren und deshalb liegt der Vergleich Nahe. Hier kurz und knapp die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

  • Technik / Sonderausstattung an Bord wirkt nicht mehr ganz zeitgemäß, Bedienung und Zurechtfinden fällt beim A6 leichter
  • Steuerung des Infotainmentsystems aufgrund schlechten Bedienkonzepts eine Katastrophe
  • Motor hat fast genauso viel Kraft, Automatik erinnert aber aufgrund der verhältnismäßig großen Schaltpausen immernoch an die Mercedes-Automatikgetriebe von vor einigen Jahren
  • Motor klingt nicht kultiviert, schon garnicht sportlich, wird bei höherer Drehzahl unangenehm laut
  • Kraftstoffverbrauch wesentlich höher als beim 3.0 TDI Audi A6
  • Fahrkomfort nicht besser als beim A6
  • schickes, durchaus sportliches Design (Exterieur) – (von “Mercedes für Senioren” kann meiner Meinung nach ohnehin längst nicht mehr die Rede sein)

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Test Audi A6 3.0 TDI MJ 2012 › autoirrtum.de - Irrtümer rund um Auto, Verkehr und Technik

  2. Hallo Motoreport.de,

    Ich fahre seit Juni 2012 einen A4 Avant Modelljahr 2012 mit dem 3,0 TDI, 204 PS. Mein Wagen hat auch die Multitronic, mit der ich auch sehr zufrieden bin. Ich hatte auch die S-Tronic und den Schaltwagen probegefahren, aber so überzeugend wie die Multitronic waren diese Alternativen nicht. Ich habe bis jetzt 23000 Km zurückgelegt und kann die Kommentare zu dem hervorragendem Motor und des Getriebes nur bestätigen. Der Verbrauch ist wirklich außerordentlich gering für einen solchen kräftigen Motor. Speziell bei Langstreckenfahrten um die 130 Km/h -140 Km/h liegt der Dieselkonsum tatsächlich bei ca. 6 l/100Km.
    Über das Getriebe liest man in verschiedenen Foren ja so manche Horrormeldung. Bis jetzt zeigt sich bei meinem Automatikgetriebe noch keine Auffälligkeiten. Bis auf die kleine Gedenksekunde beim Gangwechsel Vorwärts/Rückwärts gibt es nichts Negatives zu berichten. Zum Glück hat mein A4 die Garantieverlängerung auf 5 Jahre, das beruhigt das Gewissen. Falls sich mal was Negatives ergibt, werde ich es hier berichten.

    Gruß
    Roger

  3. Hallo Roger,

    freut mich, dass du mit dem Motor & Getriebe im Langzeittest genau so zufrieden bist, wie ich bei meinen paar Test-Tagen ;-)
    Deine Eindrücke kann ich nur bestätigen. Meiner Meinung derzeit einer der besten Dieselmotoren überhaupt.
    Für meinen privat-A3 habe ich auch die Garantieverlängerung auf 5 Jahre – für ein paar Kleinigkeiten war sie bisher schon sehr sinnvoll!
    Beste Grüße,
    Matthias

  4. Pingback: Audi A1 1.4 TFSI Ambition S tronic im Fahrbericht › Motoreport

  5. Hallo Ihr Tester
    Vermisse meinen alten 3.0 A6 Avant (mit 388000Km abgegeben) , der neue ist ein breiter A4.
    Ein Mitarbeiter von Audi hat mal gesagt, behalte deinen alten Du bekommst nichts besseres, weiß es jetzt auch. Bin Vielfahrer 1000Km am Tag sind schon mal dabei und schnell unterwegs auch.
    Der neue ist schlechter verarbeitet, mehr drin also ein Computer auf ein Sportfahrwerk geschraubt.
    Verbrauch beim schnellen fahren ist etwas geringer, beim langsam fahren kommt er an den alten
    nicht heran, beim neuen mußte ich nach 17000Km 3/4 Liter Öl nachfüllen beim alten nie.

  6. Hallo Rene,

    kann ich mir gut vorstellen, solche positiven Erfahrungen mit den „älteren“ Modellen hört man sehr oft! Wir hatten bis vor einigen Jahren einen „Ur A3“ aus 1997, der hatte schon nach 30.000 Kilometern alle paar Tausend eine andere Krankheit, auch viel bzgl. der Elektronik – bei meinem aktuellen A3 1.6 TDI aus 2010 habe ich (60.000 Km auf der Uhr) bisher nur 2 Kleinigkeiten gehabt – ich hoffe das bleibt so! LonglifeÖl wurde bisher 1/4 Liter nachgefüllt.

  7. Hallo Rene, hallo Matthias,

    ich wollte mich nun nach über einem Jahr mit Neuigkeiten bzw. Erfahrungen zu meinem A4 Avant, 3,0 TDI mit Multitronic mal wieder melden. Die größte Neuigkeit ist eigentlich das es keine zu vermelden gibt. Der Wagen hat mittlerweile über 56000 Km auf dem „Buckel“ und bisher keinerlei Probleme bereitet! Seit nunmehr 45000 km besitzt mein Audi ein sogenanntes Chiptuning mit ca. 240 PS und in etwa 460 Nm Drehmoment. Ich bin damit sehr zufrieden da der Autobahnverbrauch bei ca. 130 -140 Km/h sogar noch ein paar Zehntel Liter unter meinem damaligen Verbrauch von 6 Litern liegt! Erfreulich auch der spürbare Zuwachs an Drehmoment und das die Multitronic damit auch keinerlei Probleme hat.
    Eine Kleinigkeit gibt es allerdings: das Panoramadach macht auf unebener Straße seit einiger Zeit Knackgeräusche! Ich werde den Mangel bei dem bevorstehenden 60000 Km Service angeben und ihn hoffentlich im Zuge der Garantieverlängerung beseitigt bekommen. Knackgeräusche passen eben nicht ganz zum Qualitätsanspruch von Audi.
    Ansonsten bin ich sehr zufrieden und hoffe das es auch so bleibt.

    Viele Grüsse,
    Roger

  8. Hi Roger,

    zum Thema Knackkgeräusche: Ich hatte so was ähnliches bis vor Kurzem bei meinem A3 aus 2010, auch etwa 60.000 Kilometer.
    Beim Lenken hat „gefühlt“ immer irgendwas aus Richtung Lenkrad geknackt. Grund war der Airbag, der sich wohl durch die Drehbewegung bewegt hat und irgendwo dagegen gestreift ist…
    Wurde auf Garantie mit ein paar Handgriffen fixiert, aber so richtig Audi-like ist das nicht, stimmt!

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